Die Generation 50+ existiert nicht
BEZEICHNUNGEN FÜR NICHT MEHR GANZ JUNGE MENSCHEN
Die in dieser Umfrage vertretenen Jahrgänge erinnern sich an die Zeiten, als manche ältere Dame sehr pikiert war, wenn man sie als „Frau“ anredete, und darauf bestand, als „Fräulein“ bezeichnet zu werden. Und wer sich das nicht zu Herzen nahm, war schnell aus der Gunst dieser Dame gefallen…
Diese Zeiten sind vorbei, doch bis heute möchten Menschen am liebsten so angesprochen und bezeichnet werden, wie sie es sich wünschen – und nicht so, wie es anderen in den Kram passt. Und wenn jemand nicht auf diesen Wunsch eingeht, reagieren Menschen bis heute pikiert und wenden sich ab.
Nichtsdestotrotz haben alle, welche die Jahrgänge ab fünfzig ansprechen wollen, ihr eigenes Süppchen gekocht und eigene Bezeichnungen erfunden, ohne die Angesprochenen jemals zu fragen, ob sie sich mit dieser Bezeichnung überhaupt identifizieren können. Das haben wir jetzt nachgeholt.
Da Identifikation eine differenzierte Grösse ist, haben wir mit einer Zehnerskala erhoben, wie sehr man sich selbst mit jedem Begriff aus jener langen Liste identifizieren kann, die mittlerweile auf dem Markt der „Alters-Bezeichnungen“ kursiert:
Es gibt ja viele Bezeichnungen für nicht mehr ganz junge Menschen. Uns interessiert, wie sehr Sie sich selbst mit jeder der im Folgenden vorgeschlagenen Bezeichnungen identifizieren können. Bitte verwenden Sie dazu eine Zahl zwischen 1 (= damit kann ich mich nicht im Geringsten identifizieren) bis 10 (= damit kann ich mich total identifizieren).
In der ersten Grafik werden zunächst die drei Spitzenreiter präsentiert:
„Erfahrene Menschen“ und „reife Menschen“ schneiden nicht zuletzt deswegen am besten ab, weil sich damit alle „Teil-Generationen“ (Altersgruppen) gleichermassen identifizieren können. Das ist bei „reife Jahrgänge“ nicht ganz so. Zudem erreicht diese Bezeichnung den Mindestwert von sieben nicht und fällt deshalb aus dem Rennen.
Trotz nicht überragender Durchschnittswerte haben wir also die beiden geeignetsten Kandidaten für einen Begriff, der alle fraglichen Altersgruppen umfasst, nämlich „erfahrene Menschen“ und „reife Menschen“.
Starke Unterschiede zwischen den Altersgruppen gibt es bei den folgenden drei „Kandidaten“:
Für „60plus“ gilt dasselbe wie für „50plus“: Wirklich alte Menschen können sich damit nicht identifizieren.
Für „65plus“ gilt naturgemäss, dass Menschen unter 65 damit nichts anfangen können. Immerhin gilt: Wenn es denn überhaupt so etwas wie eine Gruppe erfahrener Menschen gibt, die sich aufgrund ihres Alters als mehr oder weniger homogen empfinden, dann sind es die über 65-Jährigen.
Nicht dargestellt werden die letzten Begriffe, mit denen man sich nicht oder nur wenig identifizieren kann:
| „Senioren“ | 5.9 |
| „Ältere Menschen“ | 5.6 |
| „Menschen im besten Alter“ | 5.5 |
| „50plus“ | 5.1 |
| „Drittes Alter“ | 5.1 |
| „RentnerInnen“ | 4.7 |
| „Generation Silber“ | 3.7 |
| „Generation Gold“ | 3.2 |
| „Oldies“ | 3.2 |
| „alte Menschen“ | 3.0 |
| „Greise“ | 1.6 |
Ein Begriff sollte übrigens unbedingt gemieden werden, wie eine offene Zusatzfrage ergab, nämlich „Gruftis“.
Die Quintessenz dieser Hitparade? Will man alle Jahrgänge ab 50 ansprechen, kommen nur erfahrene Menschen und reife Menschen in Frage. Richtet man sich dagegen gezielt an Menschen über 65, gibt es eine Reihe von anderen in Frage kommenden Bezeichnungen.