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Von Thailand und anderen Abenteuern

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LebensQualität generell (2)

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Ausprobiert

Die Tochter des berühmten Psychologen C.G. Jung, die selbst eine bekannte Astrologin war, hat mir vor vielen Jahren in einem Interview erklärt, warum sie für Menschen in der ersten Lebenshälfte nur ungern Horoskope erstelle. Aufgabe der ersten Lebenshälfte sei es nämlich, möglichst unbeeinflusst von außen alles auszuprobieren. Dabei gelte es herauszufinden, was davon zu einem selbst passt und wirklich wichtig ist. Die so gefundenen eigenen Prioritäten zu leben, sei dann Aufgabe der zweiten Lebenshälfte.

Rein statistisch gesehen war ich damals noch in der ersten Lebenshälfte, doch der Ansatz hat mir schon damals eingeleuchtet. Umso mehr gilt dies jetzt, wo ich mich ohne jeden Zweifel in der zweiten Lebenshälfte befinde und über entsprechendes Erfahrungswissen verfüge. Tatsächlich habe auch ich früher nicht lange über meine Leit-Werte nachgedacht, sondern verschiedenste einfach mal ausprobiert. Mal ging es um Glück, mal um Selbstverwirklichung. Mal um eher selbstbezogene Werte, mal um eher idealistische. Natürlich habe ich über diese Werte auch geredet, doch bekanntlich ist es nicht besonders schwierig, über etwas zu reden, worüber man nie wirklich reflektiert hat.

Als nicht unbedingt klassischer, aber doch typischer Achtundsechziger war ich zunächst bass erstaunt, als ich im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der Uni von Protagonisten einer späteren Jugendbewegung hörte, es ginge ihnen bei ihrer Revolte gar nicht um bestimmte Werte oder Ziele, sie wollten vielmehr einfach herausfinden, wie sich das anfühle, indem sie es ausprobierten. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich akzeptieren konnte, dass das bei mir und vielen anderen meiner Generation in Wirklichkeit so ganz anders auch nicht gewesen war, allem intellektuellen Überbau zum Trotz.. 

Wie dem auch sei: In der zweiten Lebenshälfte habe ich tatsächlich begonnen, mir die Frage nach meinen ureigensten Leit-Werten bewusst zu stellen. Und dabei, zunächst für mich selbst, den Reiz des Leit-Werts Reifung entdeckt. Seither probiere ich diesen Leit-Wert bewusst aus, und er gibt mir – und zunehmend auch anderen – offensichtlich Orientierung, Identität und Sinn. Natürlich ist er, wie im vorigen Kapitel dargestellt, nicht universal genug, um tatsächlich als Ersatz für das Streben nach Lebensstandard zu dienen. Aber zusammen mit dem eigentlichen Leit-Wert Lebensqualität, als reifende Lebensqualität, bildet er ein für mich höchst attraktives Leitgestirn für meine Lebensgestaltung.

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