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Von Thailand und anderen Abenteuern

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LebensQualität generell (2)

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Polaritäten

Manchmal, vor allem auf meinen Spaziergängen, überkommt es mich: Mein innerer Dialog stellt auf Reime um, zunächst noch mehr oder weniger sinnvolle; doch immer stärker werden die Silben, die mein Gehirn produziert, sinnlos. Und wenn ich weit und breit allein bin, geschieht es gar, dass dieses sinnlose innere Gebrabbel laut und hörbar wird. Wozu dann passt, dass ich anfange, die kindischsten Grimassen zu schneiden.

Bevor Sie jetzt den psychiatrischen Notfalldienst alarmieren, kann ich Sie beruhigen: Dieser Zustand leichter geistiger Verwirrung hält nie lange an. Vielmehr kehrt mein Gehirn jeweils bald wieder zu seiner normalen Tätigkeit zurück. Und in diesem Zustand kann ich erkennen: Die gelegentliche Produktion von völligem Unsinn macht für mein Gehirn Sinn. Und damit natürlich auch für mich. Schließlich bestehen meine Tätigkeiten zu einem wesentlichen Teil aus der Produktion von Sinn. Ich versuche, in Worten oder Zahlen so etwas wie Sinn zu entdecken – und diesen zu vermitteln.

Doch kein Gehirn kann ununterbrochen Sinn produzieren, so wenig wie kein Körper ununterbrochen Höchstleistungen erbringen kann. Und wie der gesunde Körper als Ausgleich zur Anstrengung Entspannung braucht, und umgekehrt, so braucht der üblicherweise Sinn produzierende Geist Momente des Unsinns.

Natürlich ist dies das Polaritäten-Prinzip auf die Spitze getrieben, aber gerade von dort aus erkenne ich dessen universales Walten am besten. Und die Anstrengungen, zu dieser Erkenntnis zu gelangen, sind der Mühe wert. Anstrengungen sind es deshalb, weil wir das Denken in Polaritäten nicht wie anderes früh gelernt haben. Der uns üblicherweise vermittelte Denk-Stil basiert nämlich nicht auf Polaritäten, sondern auf Gegenteilen. Gegenteile aber schließen sich gegenseitig aus. Die Pole einer Polarität dagegen ergänzen, ja bedingen sich gegenseitig.

Die Wahl zwischen zwei Gegenteilen ist digital, es gibt nur das eine oder das andere. Bei der „Wahl“ zwischen den beiden Polen einer Polarität dagegen geht es analog zu, das heißt, wir können einen Punkt der Balance finden, der ein fließendes Gleichgewicht zwischen den Polen schafft.

Die Ergänzung „fließend“ verweist darauf, dass dieser Punkt der optimalen Balance kein fixer Ort ist, sondern sich je nach Situation und Bedarf verschieben kann. Dabei habe ich gelernt, dass sich dieses optimale Fließgleichgewicht mit rationalen Methoden nicht berechnen oder gar planen lässt. Vielmehr gibt es nur ein „Rezept“: Sich dem Fluss des Lebens anvertrauen und dabei seiner Intuition vertrauen.

Zwischen zwei Polen tanzen zu können, braucht Übung und Erfahrung, oder, blumiger formuliert, ist die Frucht eines Reifungsprozesses. Der übrigens auch zur Erkenntnis führen kann, dass man zwischen Polen wie Lebensstandard und Lebensqualität nicht immer mit großen Sprüngen tanzen muss. Manchmal genügt es auch, sich dazwischen mehr oder weniger elegant durchzuschlängeln.

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