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Von Thailand und anderen Abenteuern

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LebensQualität generell (2)

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Lebensqualitäts-Konto

Nachdem ich mit der Devise „Geld allein macht nicht glücklich“ aufgewachsen war, bedurfte es schon des Kontakts mit etwas begüterteren Gesellschaftsschichten, bis ich auch das gegenteilige Motto kennen lernte: „Geld allein macht nicht unglücklich!“ Die Moral von der Geschicht’: Geld an sich ist wertfrei – es kommt darauf an, wozu wir es nutzen. Meines  brauche ich zum Bezahlen meiner Rechnungen, und für einige Dinge, die das Leben angenehmer machen. Was darüber hinausgeht, interessiert mich nicht wirklich, und das bedeutet, dass ich dafür keine Ressourcen aufbringen will, und vermutlich nicht mal kann.

Das hatte zur Konsequenz, dass ich den Seinszustand des Prekariats am eigenen Leib, oder besser Bankkonto, kennen gelernt habe, lange bevor es das Wort überhaupt gab. Dieser Tanz am Abgrund und ohne sicherndes Auffangnetz war natürlich nicht immer einfach, und es gab die eine oder andere Gelegenheit, in der ich mich nach der Sicherheit einer ordentlich bezahlten festen Stelle gesehnt habe.

Zum Glück hat der Kosmos nicht gewollt, dass einer dieser Fluchtversuche aus meiner freiberuflichen Existenz als intellektueller Allzweck-Tagelöhner gelang, denn es hätte mich zu viel von dem gekostet, was mir wirklich wichtig und wertvoll ist. Geistige Unabhängigkeit zum Beispiel. Oder Zeit-Autonomie. Oder die Möglichkeit, meine Gedanken beim Gehen zu verfassen.

Ohne, dass es mir immer bewusst war, habe ich so ständig eine Güterabwägung vorgenommen, eine Bewertung verschiedener Alternativen davon, wie ich mein Leben gestalten wollte, und was mir dabei wichtiger war: Lebensstandard oder Lebensqualität?

Mittlerweile formuliere ich es noch etwas präziser: Was ist mir wichtiger, ein Zuwachs auf meinem Bankkonto, oder ein Plus bei meinem Lebensqualitäts-Konto? Zunächst ging es mir dabei wie vermutlich Ihnen: Hä? Ein Konto braucht doch eine messbare Größe, und Qualität kann man nicht messen, schon gar nicht Lebensqualität. Lebensqualitäts-Konto ist somit ein Widerspruch in sich.

Dann habe ich festgestellt, dass es zum Beispiel in der Paartherapie den Begriff des Beziehungs-Kontos gibt. Auch dieses Bild entspricht natürlich nicht eins zu eins dem Vergleichsobjekt Bankkonto, und doch macht die Analogie Sinn. Weshalb ich je länger je mehr das Lebensqualitäts-Konto für einen viel versprechenden Ansatz halte. Und zwar, weil er mich bei jeder konkreten Lebens-Entscheidung zur Frage zwingt, ob die gewählte Alternative mein Lebensqualitäts-Konto eher ins Plus oder ins Minus bringt.

Natürlich kann man Lebensqualität nicht wirklich messen, das heißt quantifizieren. Aber es gibt eine Form der Annäherung, nämlich diese Frage: „Wenn Sie einmal die höchste Lebensqualität, die Sie für sich denken können, mit dem Wert 100 beziffern: Wie hoch ist dann Ihre derzeitige allgemeine Lebensqualität, ausgedrückt in einer Zahl zwischen 1 und 100?“ Ich stelle diese Frage immer wieder in meinen Umfragen und bei meinen Vorträgen, und fast alle können sie immer problemlos beantworten.

Der Durchschnittswert der Antworten liegt übrigens ziemlich konstant bei etwa 75. Mein gegenwärtiger Wert liegt so bei 90. Und Ihrer?

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