LebensQualität generell (2)

Wie mich das Thema Lebensqualität fand
Zeitlebens hat mir Lebensstandard wenig und Lebensqualität alles bedeutet – nur wusste ich das lange nicht. Das heißt, ersteres schon. Materieller Besitz, Statussymbole, Konsum waren mir tatsächlich nie wirklich wichtig. Warum dem so ist, weiß der Kuckuck, es muss sich wohl um eine Mischung aus Genetik, Erziehung, prägendem Zeitgeist und Umständen (fehlende reiche Erbtante…) handeln. Sicher ist es nicht mein Verdienst, so dass ich schon gar nicht in Versuchung komme, Tugend mit fehlender Gelegenheit zu verwechseln.
Natürlich habe ich verglichen mit der großen Mehrheit der Menschheit einen hohen Lebensstandard, und tatsächlich gönne ich mir auch diesen oder jenen Luxus, doch gemessen daran, was ich – in Geld ausgedrückt – aus meinen Talenten und Fähigkeit hätte machen können, wenn ich anders gepolt gewesen wäre, nimmt sich mein Lebensstandard doch eher bescheiden aus.
Worüber ich mir kein einziges Tränchen abquetschen kann. Denn ich lebe seit vielen Jahren an einem Ort, der mir nicht nur wunderbare Aus-, Weit- und Überblicke beschert, sondern auch Wurzeln, aus denen ich Kraft schöpfen kann. Ich kann meine Zeit weitgehend selbst und frei einteilen, meinen eigenen Rhythmus leben. Ich beschäftige mich vorwiegend mit Dingen, die mich interessieren und faszinieren. Ich erschließe mir die Welt mit Worten, Bildern und Zahlen und brauche mich nicht darum zu kümmern, dass jemand erklärt, das ginge aber nicht zusammen. Es gibt Menschen, die mir etwas bedeuten, und denen ich etwas bedeute. Es gibt in meinem Leben Identität, Orientierung und Sinn – auch wenn ich immer noch dahin unterwegs bin. Ich habe einigermaßen den Sinn für Balance und das richtige Maß gelernt. Und ich fühle mich körperlich, geistig und seelisch wohl.
Kurzum, meine Lebensqualität ist gut, ja sehr gut. Nur hat es lange gedauert, bis ich all diese positiven Lebenserfahrungen unter einen Hut gebracht habe und sie gleichsam mit einem gemeinsamen Dach benennen konnte – eben Lebensqualität. Das Wort ist mir zwar früh begegnet, aber damals war damit noch die Qualität der Lebens-Umgebung gemeint, also etwa jene von Luft oder Wasser, und so konnte Lebensqualität auch von außen verordnet werden, wenn man nur die richtige Partei wählte. Welch ein Irrtum!
Heute weiß ich natürlich, dass es nicht um die Qualität der Umgebung geht, sondern um die Qualität des eigenen Lebens, und dass dafür niemand anders die Verantwortung übernehmen kann als ich selbst. Doch lange Zeit war das Wort selbst aus meinem Denken verschwunden gewesen. Dann, ich war gerade an der zweiten Version einer „Hitparade der heißen Werte“, fiel es mir wie aus heiterem Himmel wieder zu.
Diese Hitparade wurde übrigens nicht von mir bestimmt, sondern von einem Netz von Menschen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum, die an Themen wie Werte oder Bewusstsein interessiert sind und deshalb meine Fragen dazu beantworten. Und dieses Netz setzte Lebensqualität gleich auf Platz zwei der Hitparade. Was mir dann endgültig die Augen öffnete: Lebensqualität ist ein zentraler Leit-Wert, für andere, vor allem aber auch für mich selbst…