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Definition Begriff „Nachhaltigkeit“

Verwendete Definition des Begriffes „Nachhaltigkeit“

Die Begriffe werden erläutert, um den LeserInnen das Verständnis der in dieser Arbeit verwendeten Begriffe näher zu bringen.

Der Begriff „Nachhaltigkeit“, wurde in dieser Untersuchung wie folgt definiert:

Definition

Eine der oft verwendeten  klassischen Definitionen von Nachhaltigkeit entstammt dem Brundtland-Bericht 1. Dabei sei nachhaltige Entwicklung eine „…Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können” (Hauff 1987, 46).

Dabei beschreibt Nachhaltigkeit ein Ziel, einen zu erreichenden Zustand, der durch den Prozess der nachhaltigen Entwicklung angestrebt wird. Abgesehen von dieser einheitlich verwendeten Definition gibt es unzählige weitere Definitionen, so dass Otwin Renn konstatiert: „Jenseits sehr allgemein gehaltener Formulierungen wie der des Brundtland Reports besteht keine Einigkeit darüber, was unter Nachhaltigkeit zu verstehen ist.“ (vgl. Renn 2007, 27). Trotzdem werden hier noch weitere Definitionen betrachtet, um einen anschlussfähigen Begriff für die Arbeit zu gewinnen.

Stefan Schaltegger et al. definieren Nachhaltigkeit als Zustand „…der menschlichen Wohlfahrt, in dem keine Ausbeutung stattfindet und die Natur dauerhaft genutzt und nicht irreversibel geschädigt wird. Den kommenden Generationen soll demnach ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen werden, in dem die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen, die gesellschaftliche Solidarität und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit gleichberechtigt Berücksichtigung finden.“ (BMU/BDI 2002, V).

Bundeskanzlerin Angela Merkel beschreibt das Leitprinzip der Nachhaltigkeit im Fortschrittsbericht 2008 zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie wie folgt: „Der Gedanke der Nachhaltigkeit verbindet wirtschaftliche Leistungsfähigkeit mit ökologischer Verantwortung und sozialer Gerechtigkeit. Diese drei Ziele bedingen einander. Denn auf Dauer ist kein Wirtschaftswachstum vorstellbar, das auf Raubbau an der Natur oder auf sozialen Ungerechtigkeiten beruht. Diese Erkenntnis ist Ausdruck unserer Verantwortung nicht nur für jetzige, sondern auch für künftige Generationen.“ (vgl. Bundesregierung 2008, 11).

Dennis Meadows, der Anfang der 70er Jahre beim Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome mitgewirkt hat, sieht den Begriff „nachhaltige Entwicklung“ 30 Jahre später dramatischer: „Es ist zu spät für eine nachhaltige Entwicklung. Nun müssen wir für eine das Überleben sichernde Entwicklung kämpfen“ (Meadows 2000, 125).

Siegmar Otto (2008, 49) weist überrascht darauf hin, dass bei den meisten Diskursbeiträgen, die sich mit der Bedeutung und Interpretation nachhaltiger Entwicklung befassen, der Bedeutungsbegriff, der den Arbeiten zugrunde liegt, nicht vertieft geklärt oder explizit dargelegt werde, was speziell im Bereich der Nachhaltigkeitskommunikation problematisch und kritisch sei. In diesem interdisziplinären Feld gebe es viele Akteure, die sich nur mit Teilaspekten beschäftigen und daher den Begriff gar nicht erst genauer definieren, sondern sich nur allgemein auf die Brundtland-Definition berufen.

Erstaunlicherweise gelangt er aber 11 Seiten später zum Schluss, dass es aus systemtheoretischer Sichtweise wenig Sinn mache, einer Definition hinterher zu jagen oder sich auf einen Bedeutungsinhalt fest zu legen, da je offener die Kommunikation darüber geführt werde,  „… desto besser kann das Konzept nachhaltige Entwicklung von verschiedenen Systemen aufgenommen werden.“ (Otto 2008, 60).

Er gibt noch einen Hinweis auf einen wesentlichen Vorteil: Das Besondere am Konzept der nachhaltigen Entwicklung liege darin, dass es versuche, möglichst alle funktionalen Systeme der Gesellschaft einzubeziehen und damit Reaktanzen einzelner Gesellschaftsbereiche (wie beispielweise bei der Umweltbewegung) vermeide (vgl. Otto 2008, 91).

Im Duden wird der Begriff Nachhaltigkeit übrigens wie folgt definiert: „sich für länger stark auswirkend; Ökologie nur in dem Masse, wie es die Natur verträgt; Jargon nur so groß, viel, dass zukünftige Entwicklungen nicht gefährdet sind“ (vgl. Duden 2006, 714).

Kurzer Überblick über die Geschichte

Um die Bedeutung des Begriffs zu verstehen ist auch ein kurzer Blick auf die Geschichte sinnvoll. Im Allgemeinen wird auf die erstmalige Verwendung des Begriffs in der Forstwirtschaft im 18. Jahrhundert hingewiesen. Seine Bedeutung war, dass nur soviel Holz geerntet werden darf, wie in dem jeweiligen Anbaugebiet nachwächst (Peters 1984. 261).

Eine wichtige Publikation, die die Dringlichkeit einer nachhaltigen Entwicklung aufzeigte, war der Bericht „Die Grenzen des Wachstums“, der im Auftrag des Club of Rome erstellt wurde und vor allem auf die Endlichkeit der natürlichen Ressourcen hinwies (vgl. Meadows et al 1972).

Nächster wichtiger Meilenstein war 1986 die Veröffentlichung des Abschlussberichtes „Our Common Future“ der oben erwähnten Brundtland-Kommission, durch den der Begriff „Sustainable Development“ einen wesentlich höheren Bekanntheitsgrad erfuhr.

Als einer der wichtigsten Katalysatoren von Nachhaltigkeit kann die Agenda 21 betrachtet werden, die als Kerndokument der UN Konferenz zu Umwelt und Entwicklung von 1992 in Rio eine radikale Veränderung fordert: „Angesichts der Notwendigkeit, auf eine effizientere und ausgewogenere Weltwirtschaft hinzuwirken, und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die gegenseitige Abhängigkeit der Mitglieder der internationalen Staatengemeinschaft immer weiter zunimmt und dass einer nachhaltigen Entwicklung auf der politischen Agenda der Staatengemeinschaft Vorrang einzuräumen ist, verpflichtet diese Partnerschaft alle Staaten zur Teilnahme an einem kontinuierlichen und konstruktiven Dialog.“ (Agenda 21, Kapitel 2.1).

2001 wurde durch die deutsche Bundesregierung der Rat für nachhaltige Entwicklung ins Leben gerufen. Aber erst im Jahr 2002, „…10 Jahre nach der Übernahme einer entsprechenden Verpflichtung in Rio de Janeiro, hat die Bundesregierung eine eigene nationale Nachhaltigkeitsstrategie verabschiedet.“ (Lange 2008, 16).

Dimensionen und Strategien

In der Folge werden hier nun noch einige weitere zentrale Aspekte des Begriffs Nachhaltigkeit dargestellt. Meist wird Nachhaltigkeit mit den 3 Dimensionen Soziales, Ökologie und Ökonomie beschrieben. Die unten stehende Abbildung 1 zeigt, was diese drei Dimensionen beinhalten. Zusätzlich zu diesen werden in einigen Definitionen die kulturelle sowie die institutionelle Dimension erwähnt (vgl. Renn 2007, 27).

Bei der Definition wird oft auch von „starker“ und „schwacher“ Nachhaltigkeit gesprochen. Schwache Nachhaltigkeit geht dabei von einer Substituierbarkeit der verschiedenen Kapitalien aus. Das bedeutet, dass beispielweise eine natürliche Landschaft überbaut werden darf, wenn an anderer Stelle eine Ersatzfläche, wie z.B. eine Parkanlage gleicher Größe bereit gestellt wird (vgl. Ott & Döring 2004, 97ff). Dies wäre für Verfechter der starken Nachhaltigkeit undenkbar, menschlich produziertes Kapital und natürliches Kapital sind für sie nur sehr begrenzt austauschbar.

nachhaltigkeit

Abbildung 1 : Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit (Quelle: Mann 2009, 111)

Bei den Strategien zur Realisierung von Nachhaltigkeit werden drei Typen unterschieden. Die Effizienz-Strategie soll durch das Erreichen des gleichen Nutzens bei geringerem Energie- und Materialverbrauch Ressourcen einsparen und dient als Treiber technologischer Innovationen. Die Konsistenzstrategie, auch Kreislaufwirtschaft genannt, hat zum Ziel, dass alle Abfallstoffe wieder als Grundlage neuer Produkte dienen und so ein möglichst verlustarmer Stoffwechselkreislauf ermöglicht wird. Die Suffizienzstrategie setzt dafür beim Konsum an und möchte bewirken, dass die Gesellschaft insgesamt weniger konsumiert und die umwelt- und ressourcenbelastenden Handlungen beschränkt (vgl. Belz & Billharz 2007, 33ff).

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ wird in dieser Arbeit kurz zusammengefasst verwendet als ein Konzept, das in den Dimensionen ökologisch, sozial und ökonomisch eine inter- und intragenerationelle Gerechtigkeit anstrebt.


1 Der Brundtland-Bericht wurde von der 1983 eingesetzten Brundtland-Kommission (UN World Commission on Environment and Development) ausgearbeitet

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