Bücher: Zufriedenheit
Über ein unter den Werten zu Unrecht unterschätztes Mauerblümchen…
| Umfang | 56 Seiten |
| Bild-Seiten | 12 farbige Photographien von Andreas Giger |
| Format | 120 x 190 mm / Paperback |
| Gewicht | 0,075 kg |
| Erscheinungsjahr | 2006 |
| Verlag | Books on Demand GmbH, D-Norderstedt |
| ISBN | 3-8334-5135-1 |
| Preis | CHF 19.00 / € 12.00 |
| Bestellung | im spirit.ch-Shop |
| Leseproben | nachfolgend Kapitel 1 |
| Besprechungen | im Anschluss an die Leseprobe |
Zufriedenheit: das unterschätzte Mauerblümchen

Ich mag Mauerblümchen. Das können Sie zunächst ganz wörtlich nehmen. Ich liebe die kleinen Blumen, die unscheinbar und fast verborgen blühen und deshalb dem Betrachter eine eigene Anstrengung abverlangen, wenn dieser ihre Schönheit wahrnehmen will.
Dabei habe ich gar nichts gegen die strahlende Schönheit üppig blühender Blumenpracht einzuwenden, die einem direkt ins Auge springt. In meinem Begriff von Schönheit hat beides Platz, und ich möchte weder die eine noch die andere ihrer Ausprägungsformen missen.
Im Zweifelsfalle jedoch schlägt mein Herz für die Kleinen. Und mein Kopf liefert dazu ein kühles Kalkül, indem er an die Bilanz des zweiten Blickes erinnert: Bei der strahlenden Schönheit ist, wenn die erste Blendung erst mal vorbei ist, die Wahrscheinlichkeit groß, dass doch irgendeine dunkle Stelle oder ein Makel sichtbar wird. Der zweite Blick bringt also vermutlich eine Enttäuschung.
Selbst wenn sich die strahlende Schönheit tatsächlich als perfekt erweisen würde, änderte das nichts an dieser Enttäuschung, denn dadurch würde sie kalt und steril und leblos wirken, weil Lebendiges nie perfekt ist.
Genau umgekehrt verhält es sich beim zweiten Blick auf ein Mauerblümchen. Hier ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir dabei verborgene Reize und Schönheiten entdecken. Unsere ursprünglichen Erwartungen werden dabei übertroffen. Schlimmstenfalls entdecken wir nichts. Dann entspricht die Realität unserer ersten Erwartung und liegt nicht darunter wie bei der strahlenden Schönheit.
Somit fällt der Bilanzvergleich des zweiten Blickes eindeutig zugunsten des Mauerblümchens aus. Das ist kein Einwand gegen die Faszination des ersten Blickes, wohl aber ein Plädoyer für mehr bewusste Aufmerksamkeit für die Mauerblümchen. Schließlich beschert uns das Leben wesentlich mehr zweite und dritte Blicke als erste.
Ein Mauerblümchen-Dasein fristet noch die Zufriedenheit. Sie steht ganz im Schatten ihres großen Geschwisters, des Glücks. Diesem gilt unser ganzes Streben und Wünschen. Wir wünschen uns bei allen möglichen Gelegenheiten gegenseitig Glück, und die Verfassung der USA gesteht ihren Bürgern ausdrücklich das Recht auf Streben nach Glück zu.
Der König von Bhutan vertritt die Überzeugung, das „Bruttoglücksprodukt“ sei für seine Untertanen wichtiger als das Bruttoinlandsprodukt. Und eine wachsende „Glücksforschung“ versucht, wissenschaftlich abgesichert herauszufinden, wie man glücklich wird. Ihre Erkenntnisse bilden zusammen mit jenen von anderen selbsternannten Glücksexperten die Basis für ein florierendes Angebot an Büchern und Kursen zum Glücklichwerden. Die Jagd nach dem Glück wird zum Geschäftsmodell.
Nun ist Jagdfieber allerdings ein schlechter Ratgeber. Klüger ist es, sich zu fragen, ehe zur Jagd geblasen wird, ob die potenzielle Beute eigentlich ein realistisches Ziel sei. Und, falls ja, auch ein lohnendes.
Zum Glück sind wir im Falle des Glücks zur Beantwortung dieser Fragen nicht allein auf die aktuellen Glücksratgeber abgewiesen. Das Streben nach Glück scheint so sehr in der menschlichen Natur angelegt zu sein, dass sich die besten Dichter und Denker früh dazu herausgefordert sahen, sich mit dem Thema zu beschäftigen.
Ihr Urteil ist insgesamt, verzeihen Sie die klare Sprache, vernichtend. Glück ist weder ein realistisches noch ein erstrebenswertes Ziel. Wobei dies Denker, genau so übrigens wie Sie und ich, sehr wohl zu differenzieren wissen: Glück existiert — in kostbaren Momenten. Auslöser für solche Momente des Glücks kann alles Mögliche sein. Gemeinsam ist ihnen allen, dass es sich dabei um ein Geschenk handelt, von wem auch immer, aber auf keinen Fall zu planen oder zu kontrollieren. Dass es zu einem geglückten Leben gehört, solche geschenkten Glücksmomente dankbar anzunehmen und sich an ihnen gebührend zu erfreuen, versteht sich von selbst.
Das Unglück entsteht erst, wenn wir diese Momente unbedingt in Richtung Unendlichkeit verlängern wollen: … denn alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit. Da hatte der alte Schnauzbart Nietzsche schon Recht. Es gibt diese Stimme in uns — und es gibt auch jene andere, die genau weiß, dass permanentes Glück für menschliche Geschöpfe nicht vorgesehen ist und damit ein völlig unrealistisches Ziel darstellt.
Und selbst wenn das Glück in Form der Glücksgöttin reiche Spende über einigen wenigen „Glücklichen“ ausschüttet, ist das alles andere als eine Glücksgarantie: Lottogewinner sind zwar einige Wochen lang glücklicher als vorher, doch das pendelt sich sehr rasch wieder auf den alten Zustand ein, trotz der Millionen.
Was also machen wir mit unserem Streben nach Glück, das uns ja auch Schwung verleiht? Gibt es ein realistischeres und lohnenderes Ziel, das wir — mit demselben Schwung — stattdessen anpeilen könnten?
Ja. Zufriedenheit. Ich weiß, dieses Mauerblümchen hat einen schlechten Ruf, gilt als spießig, unattraktiv, grau, langweilig, bestenfalls für alte und längst resignierte Menschen geeignet. In diesem Büchlein möchte ich Sie zum zweiten Blick auf dieses Mauerblümchen einladen.
Ein paar Zückerchen vorweg: Erstens ist Zufriedenheit als Dauerzustand wesentlich realistischer als permanentes Glück. Zweitens schafft im Gegensatz zum hektischen Streben nach Glück die bewusste Achtsamkeit für Zufriedenheit einen Zustand von Seelenruhe und Seelenfrieden, was ungemein wohltuend sein kann, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.
Und drittens liegt Zufriedenheit viel stärker in unserer eigenen Hand als Glück. Es ist wie beim Mauerblümchen: Indem wir wenig erwarteten, werden wir von der Realität nicht enttäuscht, sondern im Gegenteil beglückt, und das macht uns zufrieden. Wir können also unsere Zufriedenheit mit der Realität, die wir nicht beeinflussen können, verbessern, wenn wir unsere Erwartungen, die wir sehr wohl beeinflussen können, reduzieren.
Natürlich kann man auch das übertreiben, dann werden wir übertrieben bescheiden. Doch mit dem richtigen Maß angewandt, funktioniert der Trick. Es gibt Spielräume, innerhalb derer wir unsere Zufriedenheit frei beeinflussen können. Das ist für Lebensgestalterinnen und Lebensgestalter eine gute Nachricht. Und ein ebenso guter Grund dafür, sich als Element bewusster LebensKunst näher auf das unterschätzte Mauerblümchen namens Zufriedenheit einzulassen.
Ach übrigens, bevor ich es vergesse: Eigentlich ist Zufriedenheit gar kein Mauerblümchen mehr, jedenfalls nicht bei der Bewusstseins-Elite, zu der Sie als LeserIn dieses Bändchens zweifellos gehören. In meiner dort erhobenen „Hitparade der heißen Werte“ ist Zufriedenheit innerhalb der letzten rund zwei Jahre von Platz fünfzehn auf Platz vier empor geschossen. Eine bemerkenswerte Karriere vom Mauerblümchen zum heißen Wert — fürwahr.
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Besprechungen:
Sehr angetan von Zufriedenheit.
Das Büchlein tut dreierlei mit mir: a) es führt auf spannende Art und in leichtem St il durch viele Gefilde meinerSeele; b) und kommt damit daher wie eine Wikipedia, welche mir erahnte Zusammenhänge von Glück, Erwartungen, Zufriedenheit und mehr ersichtlich macht. Und c) damit und mit lebensnahen Vorschlägen die Lust bei mir weckt, weiter auf dem Weg der Lebensqualität zu gehen.
Giger schenkt uns irgendwie spielerisch und einladend Anstösse, den Strahl unseres Bewusstseins und unseres Tuns Richtung Zufriedenheit zu richten. Ein kleines Geschenklein, welches ich gerne auch anderen machen werde.
Peter Kessler, lic. oec. HSG, Life Designing (7. August 2006)
Andreas Giger nimmt sich, in seinem Buch „Zufriedenheit“ einer mens chlichen Befindlichkeit an, die in den Zeiten der Wohlstandsgesellschaft eher ein Schattendasein geführt hat.
Wie so vieles in diesem vergangenen halben Jahrhundert des unglaublichen ökonomischen Wachstums, ist auch die menschliche Zielsetzung von Maßlosigkeit geprägt gewesen; das ultimative Ziel war das ungetrübte Glück.
Heute merken immer mehr Menschen, dass dieses Ziel niemals erreicht werden kann, und dass es mehr LebensQualität bringt, wenn man sich mit der gemäßigten Form des Glücks anfreundet, nämlich der Zufriedenheit.
Kann man diese doch bereits genießen während man dem großen, absoluten Glück entgegenstrebt.
Das Zufriedenheit keinesfalls ein statischer Zustand ist, und somit jeden Ehrgeiz, jede Weiterentwicklung behindert, sondern sich ebenso evolutionär- anpassungsfähig verhält , wie alles Lebendige, macht Andreas Giger in seinem Buch anschaulich.
Sein Text ist ein Weckruf zu mehr zeitgemäßer Eigenverantwortlichkeit, nach dem Motto „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“
Claudia Niedworok, Velpert
Bevor ich mich selbst an die Lektüre der kleinformatigen, fünfzig Seiten (inklusive einem runden Dutzend Fotos) umfassenden Schriften heranmachte, habe ich Vera (65, Leseratte aus dem Bergell) gebeten reinzuschauen, um anschließend mit ihr darüber diskutieren zu können. Spätabends beim Nachhausekommen liegen die Bücher vor meiner Zimmertür, versehen mit folgendem Kommentar: „Amüsantes Bla-Bla über alles und nichts. Hab keine Lust weiter zu lesen. Gute Nacht!“
Nun so denn, ich habe sie trotzdem gelesen – von Anfang bis zum Ende. Zugegeben, anspruchsvoll ist die Lektüre von Gigers Schriften nicht gewesen. Man kann zurück lehnen. Das Ganze liest sich leicht. Ich hab’s zum Teil genossen und mich — wie Vera – teils auch amüsiert, mich hie und da allerdings auch gefragt, ob ich denn da jetzt belehrt werde oder ob mir quasi eine Gebrauchsanweisung fürs Leben – womöglich für ein besseres oder zumindest ein bewussteres – mitgegeben werden soll. Ist es nur an der Oberfläche, was da auf lockere Art vermittelt wird? Zumindest vom Stil her unterscheidet sich der „freie Zukunfts-Philosoph“ Giger definitiv von jenen Philosophen, durch deren Schriften ein Erkenntnisgewinn (?) mit Anstrengung und hoher Konzentration verbunden ist und richtig erarbeitet werden muss.
Inhaltlich nur so viel: Vorerst wendet sich Giger ab vom Glücksbegriff. Glück existiert in kostbaren Momenten. Auslöser von Glück kann alles Mögliche sein. Planen kann man es nicht, lediglich dankbar annehmen. Statt ein weiteres Werk über Glück zu schreiben, zieht es Giger entschieden vor, sich dem Begriff der Zufriedenheit zuzuwenden. Quintessenz: „Die bewusste Achtsamkeit für Zufriedenheit schafft einen Zustand von Seelenruhe und Seelenfrieden, was ungemein wohltuend sein kann“. – Interessant fand ich die aus dem Duden entlehnte ursprüngliche Begrifflichkeit. Im Vergleich zum Englischen und Französischen, wo mit „satisfied/contented“ bzw. content kein Bezug zum „Frieden“ geschaffen wird, bildet im Deutschen der „Friede“ den Kern von Zufriedenheit. Giger führt im folgenden aus, was denn nun (für ihn, für den Leser) Zufriedenheit im Sinne von Frieden ist: ein Dauerzustand oder ein dynamisches Auf und Ab, in dem auch die „Glückshormone“ mitspielen? Er definiert Zufriedenheit als den Abstand zwischen unsern Erwartungen und der Wirklichkeit. „Je geringer dieser Abstand, desto stärker unsere Zufriedenheit. Doch während die Wirklichkeit ist, wie sie ist, und damit nicht zu ändern, haben wir aktiven Einfluss auf unsere Erwartungen.“ (S. 28)
Kurzum: der Gigersche Grundgedanke ist schnell mal erfasst. Lohnt es sich nun, sich durch alle Beispiele, die durchaus Redundanzen aufweisen, hindurch zu lesen? Fürwahr, man verliert nichts dabei. Und was man dabei gewinnt, das bleibt — so meine ich durchaus im Gigerschen Sinne zu schreiben — jedem selbst überlassen.
Was mich persönlich betrifft, so hatte ich unmittelbar nach der Lektüre einige sehr anregende Gespräche mit Leuten von ganz unterschiedlicher Bildung, charakterlicher Prägung und Lebenserfahrung. (Ob diese Menschen nun der „Bewusstseins-Elite“ – ein Begriff, den Giger sehr häufig verwendet – zugehörig sind, dies sei mal dahingestellt. Giger jedenfalls sichtet sich selbst als Vordenker jener sogenannten Bewusstseins-Elite. Und er gibt seinen Lesern gleich auch die Wertschätzung „dazu zu gehören“.)
Bei meinen Gesprächen jedenfalls war ich immer wieder von neuem überrascht, wie mir die von Gigers Schriften übernommene einfache Begrifflichkeit zumindest einen guten Einstieg verschaffte in tiefere Dialoge, in gemeinsames Nachdenken und kritisches Reflektieren über Werte und Lebensqualität. Für diesen Impuls zum Schaffen von (Selbst-)Erkenntnismöglichkeiten – für mich und zusammen mit meinen GesprächspartnerInnen – bin ich dem Autor Andreas Giger echt dankbar.
Roberto Buner im Bergell im August 2006
The book, „Contentment“, is a delightful little read, the kind you can take in your knapsack – and wander through again and again. In a dozen brief chapters, Andreas Giger offers us a gentle and tolerant view of the qualities and strategies need ed to achieve a contented – though by no means monotonous – life. With more than a hint of Buddhist philosophy, he takes us on a journey that leads toward acceptance (and self-acceptance), gratitude and wisdom. I found that I was able to breathe more easily, more deeply, after reading it.
„Zufriedenheit“ ist eine erbauliche kleine Lektüre, die Art von Buch, die man in den Rucksack packen und immer mal wieder durchwandern kann. In einem Dutzend kurzer Kapitel bietet Andreas Giger uns eine sanfte und tolerante Sichtweise der Eigenschaften und Strateg ien, die wir brauchen, um ein zufriedenes – und keineswegs monotones – Leben zu erreichen. Mit einem gerüttelt Maß buddhistischer Ansätze nimmt er uns auf eine Reise mit, die zu Annahme (und Selbst-Annahme), Dankbarkeit und Weisheit führt. Ich habe gemerkt, dass ich nach dem Lesen leichter, tiefer atmen konnte.
Peter Schnitzler, Canada