KonsumentInnen-Umfrage
Mediennutzung der strategischen KonsumentInnen
Über welche Kanäle informieren sich nun die strategischen KonsumentInnen zu den Nachhaltigkeitsaspekten eines Produktes oder eines Unternehmens? In der Folge beleuchten wir das Thema über alle Kanäle und fokussieren dann gezielt noch die neuen Medien und TV.
Nimmt man die Daten genauer unter die Lupe, so belegen bei beiden Teilgruppen Testergebnisse (Öko-Test / Warentest / K-Tipp etc.) und Info’s am Verkaufspunkt (Produkt-Etikette, Info-Schilder, Verkaufspersonal) die ersten beiden Plätze. Fachmagazine, die bei den strategischen Konsumenten Platz 3 belegen, sind in der Rangliste bei den nicht-strategischen Konsumenten 2 Plätze weiter zurück, im Gegenzug ist der 3. Platz bei letzterer Gruppe Homepages der Unternehmen, die bei den strategischen Konsumenten 3 Plätze weiter hinten liegt, was wiederum bestätigt, dass strategische Konsumenten etwas kritischer gegenüber Informationen der Unternehmen sind.
Anschliessend folgen in etwas versetzter Rangierung: der Freundeskreis, der vom Verfasser als Hypothese eigentlich höher erwartet wurde. Für den Verfasser erstaunlich hoch wurden Produktökobilanzen gewertet. Da diese ja noch bei den seltensten Produkten gemacht bzw. publiziert werden, könnte dies ein klares Differenzierungspotential für Unternehmen sein.
Tageszeitungen, TV und Radio belegen die nächsten Plätze, wobei vor allem auffällt, dass sich die nicht-strategischen Konsumenten vergleichsweise eher über TV und Tageszeitungen informieren. Dafür informieren sich strategische Konsumenten etwas mehr über Radio und Bücher.
Erstaunt haben aber vor allem die tiefen Werte der Internetkanäle. Weder Social Communities, Chats, Blogs noch Online-Videos erreichen einen höheren Wert und werden damit nur selten verwendet. Dies obwohl es sich bei dieser Umfrage ja um eine Internet-Umfrage gehandelt hat, das heisst, die Befragten eine gewisse Affinität und Zugang zum Medium haben müssen. Leider wurde bei der Ausarbeitung ein Kanal – Suchmaschinen – versehentlich nicht explizit aufgeführt (ging beim Übertrag vom Fragekatalog in das Internet verloren), doch führen diese ja meist zu einer der genannten Anwendungen.
Auf die nächste Frage: „Welche Informationen oder Informationsplattformen fehlen Ihnen zum Thema Nachhaltigkeit im Internet?“ antworteten 34.1% in den Freitextfeldern. Am meisten (37mal) genannt wurde, dass keine Informationen fehlen. 31 TeilnehmerInnen wünschten sich vor allem unabhängige Plattformen. Eine umfassende Datenbank, die detaillierte Daten zu Produkten und Unternehmen beinhaltet und Vergleiche ermöglicht, wurde von 19 Personen genannt. 17mal wurde auf die Wichtigkeit einer zentralen Plattform für alle Fragen zum Thema Nachhaltigkeit verwiesen. 14mal wurden mehr wissenschaftliche Informationen gewünscht. Alle anderen wiesen weniger als 10 Nennungen auf.
In der Tendenz überwiegt der Wunsch nach unabhängigen Plattformen, die nicht werbefinanziert sind und von verschiedenen Verbänden, vom Staat und wissenschaftlichen Institutionen getragen werden. Dabei sollten die Wertschöpfungskette und Umweltwirkungen der einzelnen Produkte normiert und übersichtlich dargestellt werden und Vergleiche ermöglichen.

Hier haben die strategischen Konsumenten mit Mittelwert 3.48 eindeutig mehr zugestimmt als die nicht-strategischen Konsumenten mit einem Mittelwert von 2.61 (vgl. Abbildung 28 auf der nächsten Seite), obwohl viele strategische Konsumenten im Kommentarfeld explizit angemerkt haben, dass sie aus Überzeugung keinen TV haben. Die Kommentare reichen von „Wär eine supertolle Sache“ über „Sind dringend notwendig.“ bis „wenn das wirklich neutral ist (und bleibt !!!)“ oder „garantiert unseriös, nicht uneigennützig, beeinflussbar durch Hersteller/Firmen“.
Interessant ist, das nur gerade 16.4% der strategischen Konsumenten mit 1 oder 2 geantwortet haben und immerhin 57.8% mit 4 oder 5 ein neues TV-Format begrüssen. Bei dieser Zielgruppe käme ein solches Format gut an, aber es sind aus den Kommentaren gleichzeitig die Sorgen um Unabhängigkeit und Beeinflussbarkeit klar zu spüren. Hier müsste ein öffentlich-rechtliches unabhängiges Format und/oder ein basisfinanziertes Modell Vertrauen schaffen. Wenn Unternehmen mitwirken, muss die redaktionelle Verantwortung klar und stark transparent von der finanziellen Mitwirkung getrennt sein, um sich nicht kritischen Meinungen auszusetzen, die bei diesem Punkt speziell polarisierten.

Auch hier haben die strategischen Konsumenten mit Mittelwert 3.23 nochmals eindeutig mehr zugestimmt als die nicht-strategischen Konsumenten mit einem Mittelwert von 2.12. Die letztere Zielgruppe wird mit einem eigenen Kanal schwer zu erreichen sein, während dem die strategischen KonsumentInnen zu 48% diese Frage zumindest bejahen und als ein sinnvolles Angebot bezeichnen. Nur 22% der strategischen Konsumenten würden den Kanal „nie“ oder „kaum“ einschalten.
Anhand der Kommentare zeigt sich, dass die Unabhängigkeit hier noch mehr ein Thema wäre und dass das Finanzierungsmodell Unbehagen wecken könnte. Auch werden reisserische Inhalte abgelehnt und positive Nachrichten gefordert. Beim Aufbau eines solchen Kanales ist daher auf grösstmögliche Transparenz bezüglich des Einflusses der Finanzgeber zu achten und die Unabhängigkeit der Redaktion zu den Sponsoren wohl noch mehr als im heutigen Journalismus üblich zu betonen und darzustellen.
Im nächsten Kapitel erfahren Sie, welches hinderliche bzw. förderliche Faktoren in der Nachhaltigkeitskommunikation sind.
