{"id":551,"date":"2016-01-29T13:08:57","date_gmt":"2016-01-29T13:08:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=551"},"modified":"2020-12-17T14:04:58","modified_gmt":"2020-12-17T14:04:58","slug":"geschaeften-mit-hesse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/?p=551","title":{"rendered":"Gesch\u00e4ften mit Hesse"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"nachhalhesse5\" height=\"273\" width=\"364\" src=\"images\/stories\/LQ-Allgemein\/nachhalhesse5.jpg\" \/><\/p>\n<p> <span class=\"Titel3rot\">Fr\u00fche Gedanken zum Nachhaltigen Wirtschaften<\/span> <\/p>\n<p class=\"Stil28\"><span class=\"mittel\"><em>In seiner ber\u00fchmten Erz\u00e4hlung \u201eSiddhartha\u201c beschreibt Hermann Hesse den Entwicklungsweg eines jungen Brahmanen und l\u00e4sst diesen dabei auch eine Phase erleben, in der er sich als Kaufmann versucht. Was Hesse bei dieser Gelegenheit als Faktoren erfolgreichen nachhaltigen Wirtschaftens beschreibt, erweist sich wieder einmal als prophetisch.<\/em><\/span><\/p>\n<p class=\"mittel\">Im Beitrag <a href=\"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=488\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eHermann Hesse \u2013 Prophet des Informationszeitalters\u201c<\/a> wurden auf dieser Plattform schon einmal die prophetischen Qualit\u00e4ten Hesses beschrieben. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr eine andere Fundstelle bei Hermann Hesse, diesmal bei der indischen Legende \u201eSiddhartha. Eine indische Dichtung\u201c.<\/p>\n<p class=\"mittel\">In dieser Erz\u00e4hlung, erschienen 1922, schildert Hesse, den Legenden um den historischen Buddha folgend, den Entwicklungspfad von Siddhartha, der in die brahmanische Oberklasse hineingeboren wird, dort aber ausbricht, um sich auf die Suche nach Erleuchtung zu machen.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Dabei verbringt er zun\u00e4chst einige Jahre als Samana, als Asket und Bettler. Auf die Dauer kann das seine Sehnsucht nach Erkenntnis nicht befriedigen, und er bricht auf in die Welt der \u201eKindermenschen\u201c, die f\u00fcr die meisten von uns die allt\u00e4gliche ist. Dort begegnet er der Kurtisane Kamal, von der er die Kunst der Liebe lernen will. Um sich das leisten zu k\u00f6nnen, wird er Kaufmann.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Nat\u00fcrlich dauert diese Karriere nicht ewig, doch sie verl\u00e4uft, nach menschlichen Massst\u00e4ben gemessen, durchaus erfolgreich. Siddhartha l\u00e4sst sich von seinem Mentor, dem jungen, aber bereits etablierten Gesch\u00e4ftsmann Kamaswami alles beibringen, was man zum erfolgreichen Wirtschaften braucht, um bald auf eigene Rechnung Gesch\u00e4fte zu machen, die ihm einen gewissen Wohlstand einbringen, an dem er jedoch nicht h\u00e4ngt. Irgendwann merkt er, dass er droht, selbst zum Kindermenschen zu werden, und verl\u00e4sst die Stadt, seine Geliebte und deren noch ungeborenen Sohn (von dem er nichts weiss), um anderswo und anderswie zur Erleuchtung zu gelangen.<\/p>\n<p class=\"mittel\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"nachhalhesse1\" height=\"273\" width=\"364\" src=\"images\/stories\/LQ-Allgemein\/nachhalhesse1.jpg\" \/><\/p>\n<p><span class=\"mittel\"><strong>Gelernt ist gelernt<\/strong><\/span><\/p>\n<p class=\"mittel\">Beim Bewerbungsgespr\u00e4ch von Siddhartha bei Kamaswami fragt ihn dieser: \u00bbWas ist es, das du gelernt hast, was du kannst?\u00ab<\/p>\n<p class=\"mittel\">Siddhartha antwortet lakonisch: \u00bbIch kann denken. Ich kann warten. Ich kann fasten.\u00ab<\/p>\n<p class=\"mittel\">Es ist eine ziemliche Anmassung, die Siddhartha da seinem zuk\u00fcnftigen Gesch\u00e4ftspartner zumutet. Er hat keine Ahnung vom Gesch\u00e4ftsleben \u2013 genau so wenig \u00fcbrigens wie sein Sch\u00f6pfer Hermann Hesse \u2013 und behauptet doch zu wissen, welches die Grundkompetenzen daf\u00fcr seien. Doch bei n\u00e4herer Betrachtung erweisen sich Hesses vor fast hundert Jahren formulierte Postulate tats\u00e4chlich als Fundamente erfolgreichen Wirtschaftens.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Vor allem dann, wenn man darunter nachhaltig erfolgreiches Wirtschaften versteht. Wer nachhaltig erfolgreich wirtschaften will, muss fasten k\u00f6nnen, das heisst, auf kurzfristige Profitm\u00f6glichkeiten zu verzichten, um das langfristige \u00dcberleben des Unternehmens zu sichern.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Er muss daf\u00fcr warten k\u00f6nnen. Das bedeutet Geduld statt Hektik, Gelassenheit statt blinden Aktionismus, weder Euphorie bei erfolgreichen Gesch\u00e4ften noch tiefe Betr\u00fcbtheit bei fehlgeschlagenen. Und vor allem bedeutet es, einen langfristigen Zeithorizont vor Augen zu haben \u2013 einen nachhaltigen also.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Schliesslich geht nachhaltiges Wirtschaften auch nicht ohne denken. Wie von modernen Auffassungen von Nachhaltigkeit gefordert, d\u00fcrfen Wirtschaftsmenschen nicht im engen Denktunnel ihrer eigenen Interessen stecken bleiben, sondern m\u00fcssen an vielf\u00e4ltige Interessen und in gr\u00f6sseren Zusammenh\u00e4ngen denken k\u00f6nnen. Und sie m\u00fcssen vorausdenken k\u00f6nnen, die Folgen ihrer Entscheidungen bedenken. So gedacht ist es zum Beispiel sonnenklar, dass die so genannten Tugenden des ehrbaren Kaufmanns unabdingbar sind, wenn man eine f\u00fcr beide Seiten fruchtbare Gesch\u00e4ftsbeziehung auf Dauer erhalten will.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Womit bewiesen w\u00e4re, dass Siddharthas drei Kernkompetenzen denken, warten und fasten k\u00f6nnen, tats\u00e4chlich zur Richtschnur nachhaltigen Wirtschaftens taugen, obwohl sie von Hesse beschrieben wurden, lange ehe es den Begriff des nachhaltigen Wirtschaftens \u00fcberhaupt gab.<\/p>\n<p class=\"mittel\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"nachhalhesse2\" height=\"273\" width=\"364\" src=\"images\/stories\/LQ-Allgemein\/nachhalhesse2.jpg\" \/>&nbsp;<\/p>\n<p><span class=\"mittel\"><strong>Distanzen<\/strong><\/span><\/p>\n<p class=\"mittel\">Hesses Beschreibung von Siddharthas Karriere als Kaufmann enth\u00e4lt f\u00fcr mich neben der Beschreibung der drei Kernkompetenzen noch zwei weitere anregende Impulse f\u00fcr das Nachdenken \u00fcber nachhaltig erfolgreiches Wirtschaften:<\/p>\n<p class=\"mittel\">Zum einen hat Siddhartha Erfolg, obwohl er von aussen kommt und keinen blassen Schimmer vom Gesch\u00e4ftsleben hat. Oder eben besser: Weil er das Ganze aus einer Perspektive von aussen betrachten kann und damit mehr sieht als ein Insider \u2013 die Metapher von der Betriebsblindheit enth\u00e4lt viel Weisheit. Die Dinge, die er wissen muss, lernt Siddhartha schnell und wendet sie erfolgreich an, doch im Inneren bleibt er derjenige mit der Aussenperspektive.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Woraus wir lernen, dass es immer gut tut, ein scheinbar wohl bekanntes Feld von aussen zu betrachten oder stellvertretend von aussen betrachten zu lassen. Gerade weil sie ungew\u00f6hnliche Betrachtungsweisen und nur scheinbar naive Fragen einbringen, k\u00f6nnen Beobachter von aussen den Horizont ungemein erweitern.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Zum anderen schildert Hesse den Kaufmann Siddhartha als Spieler. Er betrachtet Gesch\u00e4fte als Spiel, identifiziert sich nie vollst\u00e4ndig mit seinen Erfolgen und Misserfolgen, beh\u00e4lt immer eine gewisse gelassene Distanz zu seinem eigenen Tun. Er nimmt sich selbst nicht so wichtig und wird dadurch zum Vorbild f\u00fcr nachhaltig orientierte Wirtschaftsleute. Das Reiten von Ego-Trips f\u00fchrt nun mal in die falsche, weil alles andere als nachhaltige Richtung.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Fazit: Auch Wirtschaftsf\u00fchrern t\u00e4te es gut, nicht immer nur Fachliteratur zu lesen, sondern die Nase auch mal in B\u00fccher zu stecken, die (wenn auch nur scheinbar) wenig bis Nichts mit \u00d6konomie zu tun haben&#8230;<\/p>\n<p> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"nachhalhesse3\" height=\"273\" width=\"364\" src=\"images\/stories\/LQ-Allgemein\/nachhalhesse3.jpg\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"nachhalhesse5_kl\" height=\"131\" width=\"175\" src=\"images\/stories\/LQ-Allgemein\/nachhalhesse5_kl.jpg\" \/><\/p>\n<p>Fr\u00fche Gedanken zum Nachhaltigen Wirtschaften<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-551","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/551","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=551"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/551\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":769,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/551\/revisions\/769"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=551"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=551"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=551"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}