{"id":517,"date":"2015-01-22T02:30:06","date_gmt":"2015-01-22T02:30:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=517"},"modified":"2015-01-22T02:30:06","modified_gmt":"2015-01-22T02:30:06","slug":"aus-liebe-zu-den-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/?p=517","title":{"rendered":"Aus Liebe zu den Menschen"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" height=\"273\" width=\"364\" alt=\"spirit-beitragsbild\" src=\"images\/stories\/LQ-Sphaeren\/Sybille_Sachs.jpg\" \/><\/p>\n<p><span class=\"Titel3rot\">Folge 4 der Serie GELEBTE WERTE: Sybille Sachs<\/span><\/p>\n<p><em>Auf der Homepage des Instituts, das Frau Prof. Dr. Sybille Sachs  leitet, steht folgende Vision im Zentrum: &#8222;Das Schaffen einer Grundlage  f\u00fcr eine menschenzentrierte Wirtschaft, die nachhaltig Werte mit und f\u00fcr  den Menschen kreiert&#8220;. Im Interview mit ihr wird schnell klar, dass  dies nicht nur eine Vision, sondern eine gelebte Werthaltung ist.<\/em><\/p>\n<p id=\"box\">Prof. Dr. Sybille Sachs ist Titularprofessorin an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich und Leiterin des Instituts f\u00fcr Strategisches Management: Stakeholder View an der Hochschule f\u00fcr Wirtschaft Z\u00fcrich, ausserordentliche Professorin an der Faculty of Business and Law an der University of Southern Queensland, wissenschaftliche Expertin f\u00fcr Unternehmen im Bereich Stakeholder-Management, Autorin zahlreicher B\u00fccher, Promotorin der Vereinbarkeit von Beruf und Familie des Kantons Z\u00fcrichs, Ehefrau und Mutter.<\/p>\n<p>Die Liste all der verschiedenen T\u00e4tigkeiten von Sybille Sachs ist lang  (siehe Kasten) &#8211; so lang, dass es eigentlich schon fast \u00fcberraschend  ist, dass sie Zeit f\u00fcr ein Interview findet. Doch trotz all dieser  Aufgaben wirkt sie bei unserem Treffen erstaunlich entspannt und  gelassen. Das liegt wohl daran, dass sie auch wirklich das lebt, was ihr  wichtig ist, und dass jede Ihrer Aufgaben sie erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Schon zu Beginn des Gespr\u00e4chs wird klar, dass es die Liebe zu den Menschen ist, die sie antreibt. Liebe im Sinn von Respekt gegen\u00fcber allen Menschen, so verschiedenartig sie auch sein m\u00f6gen. Diese Grundhaltung zieht sich wie ein roter Faden durch ihr privates und berufliches Leben und zeigt sich heute in ihrem Einstehen f\u00fcr das Modell des Humanistischen Managements.<\/p>\n<p class=\"Titel4\">Gegens\u00e4tze verbinden<\/p>\n<p>Aufgewachsen sei sie sehr freiheitsliebend. Der Vater war Flight Engineer, die Mutter ein Freigeist. Beide haben ihr fr\u00fch mitgegeben, dass die Liebe essentiell ist, als Fundament f\u00fcr das Leben. Die Schulzeit erlebte sie als eindimensional und wurde dadurch bald schulm\u00fcde, so dass sie nach dem Gymnasium zuerst&nbsp; zwei Zwischenjahre einschaltete, die sie als Redaktionsvolont\u00e4rin beim Schweizer Fernsehen verbrachte. Danach studierte sie Publizistik-Wissenschaften und \u00d6konomie. Sie arbeitete aber neben dem Studium immer wieder in der Praxis, weil ihr die Abwechslung wichtig war.<\/p>\n<p>Als sie dann ihre Dissertation zum Thema &#8222;PR von Universit\u00e4ten&#8220; am Fallbeispiel der Uni Z\u00fcrich schrieb, arbeitete sie im Uni-Pressedienst, am Lehrstuhl&nbsp; f\u00fcr Marketing und wurde parallel dazu Mutter. In dieser Zeit lebte sie zusammen mit ihren Eltern in einem Drei-Generationen-Haushalt. Sie betont, dass dies nicht einfach dem klassischen Familienmodell entsprach, sondern geschah, weil sie ihre Mutter als sehr wertvollen Menschen hoch gesch\u00e4tzt habe.<\/p>\n<p>In dieser Zeit wurde ihr Interesse am Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie und gleichzeitig auch am Thema Vereinbarkeit von Theorie und Praxis geweckt. Sie pl\u00e4diert heute f\u00fcr ein fortschrittliches Management-Verst\u00e4ndnis, das auch die ausserberuflichen Erfahrungen ihrer MitarbeiterInnen in das Arbeitsleben einbindet, und beschreibt am Fallbeispiel der AXA Winterthur, wie dadurch auch neue Dienstleistungsangebote der Firma entstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"Titel4\">Beruf und Familie<\/p>\n<p>Das Thema der Vereinbarkeit von Beruf und Familie besch\u00e4ftigte Sybille Sachs zunehmend auch in der Forschung. Dabei beobachtet sie in immer mehr Organisationen einen Wertewandel. Dennoch, auch heute noch h\u00e4tten viele M\u00e4nner Angst vor einem Karriere-Knick, wenn sie sich zur Teilzeitarbeit entscheiden w\u00fcrden. Umgekehrt h\u00e4tten viele Frauen kleine Teilzeit-Pensen, die leider keine wirklich anspruchsvollen T\u00e4tigkeiten zuliessen. Zudem m\u00fcssten die HR-Abteilungen lernen, dass auch ausserberufliche Qualifikationen wertvolle Kompetenzen ergeben, die f\u00fcr das Unternehmen sehr wichtig sein k\u00f6nnen &#8211; wenn sie dann auch genutzt werden.<\/p>\n<p>So wurde Sybille Sachs dann sp\u00e4ter auch zur Promotorin der Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Kanton Z\u00fcrich. Auch in der eigenen Anstellung spiegelte sich diese Haltung. Sybille Sachs hatte zum Beispiel an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich die erste Professur im Job-Sharing Verfahren inne. Auch in dem von ihr heute geleiteten Institut werden solche Werthaltungen gepflegt und umgesetzt. Zudem gebe es heute an der HWZ viele Teilzeitstellen.<\/p>\n<p class=\"Titel4\">Umfassendere Sicht<\/p>\n<p>Das andere Thema, das sie immer mehr besch\u00e4ftigte, ist die zunehmende Sinnentleerung und Profitorientierung in der Wirtschaft. Anfangs der 90-er Jahre sei der Shareholder-Value in den Unternehmungen immer wichtiger und f\u00fcr sie zu einer Herausforderung geworden. Eine ihr nahestehende Professorin f\u00fchrte sie zum Dissertationsthema der Rolle der Unternehmungen in der Gesellschaft. Sie untersuchte dabei, welche R\u00fcckwirkungen ein Rollenwandel auf die Unternehmen h\u00e4tte. Sehr inspiriert h\u00e4tten sie sp\u00e4ter auch die Begegnungen mit Ed Freemann, einem sehr bekannten amerikanischen Professor, und&nbsp; mit andern Vordenkern dieser Zeit.<\/p>\n<p>Dies f\u00fchrte dazu, dass sie das heutige &#8222;Institut f\u00fcr Strategisches Management: Stakeholder View&#8220; an der Hochschule f\u00fcr Wirtschaft Z\u00fcrich (HWZ) aufbaute. F\u00fcr Menschen, die den Begriff Stakeholder View nicht kennen: Gemeint ist damit die&nbsp; unterschiedliche Sicht der verschiedenen&nbsp; Bezugsgruppen in&nbsp; einer Unternehmung, also eben nicht nur die Perspektive der Aktion\u00e4re (Shareholder) sondern auch diejenige der&nbsp; MitarbeiterInnen, der Kunden, der Lieferanten, der unmittelbare Nachbarschaft, d.h. des Gemeinwesens, in das die Unternehmung eingebettet ist. Ferner geh\u00f6ren dazu auch die Non-Profit-Organisationen und die Medien als&nbsp; Vertreterinnen der \u00d6ffentlichkeit. So ergibt sich eine ganzheitliche Sicht der unternehmerischen Probleme.<\/p>\n<p>Das Institut, welches Sybille Sachs leitet, basiert komplett auf dem Ansatz des humanistischen Managements: Erstens sollen die Menschen im Unternehmen und in deren&nbsp; Umfeld stets als Zweck und nicht als Mittel betrachtet werden. Aus dieser Sicht befremdet sie beispielsweise Begriffe wie Human Ressourcen und Humankapital. Zweitens m\u00fcsse der Beitrag zum Gemeinwohl der Gesellschaft die Grundausrichtung jedes Unternehmens sein. Und drittens m\u00fcssen Unternehmungen als Netzwerk von Beziehungen von Menschen intern und extern wahrgenommen werden und nicht nur als hierarchisches Gebilde.<\/p>\n<p class=\"Titel4\">Einzigartigkeit im Zentrum<\/p>\n<p>Die Einzigartigkeit aller Menschen im Sinne von Erich Fromm&#8217;s &#8222;Oneness&#8220; und eben nicht &#8222;Sameness&#8220; soll im Zentrum stehen. Das Bewusstsein f\u00fcr diese Einzigartigkeit soll in der Wirtschaft geweckt werden, mehr Wertsch\u00e4tzung erfahren und Eingang in die Organisationskulturen finden.<\/p>\n<p>In der Zusammenarbeit mit Unternehmungen versuche sie immer zuerst die verschiedenen Werthaltungen der wichtigsten Bezugsgruppen zu erfassen und zu er\u00f6rtern. Dazu nehme sie die&nbsp; Bed\u00fcrfnisse und Ansichten der Menschen im Unternehmen, aber auch in deren Stakeholdergruppen auf. Dabei betont sie, dass der Respekt f\u00fcr die verschiedenen Wertehaltungen zentral sei. In sogenannten Multi-Stakeholder Workshops versuche sie dann immer zuerst die Gemeinsamkeiten in den einzelnen Werthaltungen herauszusch\u00e4len und erst danach die Verschiedenheiten zu er\u00f6rtern. Im Zentrum stehe dabei immer&nbsp; die Frage &#8222;Wie verstehen wir das Problem?&#8220; und dann als n\u00e4chstes &#8222;Wie k\u00f6nnen wir dieses Problem gemeinsam angehen?&#8220;. Dazu geh\u00f6re es auch, die Grenzen f\u00fcr&nbsp; sogenannte &#8222;gesch\u00fctzte&#8220; Werthaltungen, also nicht verhandelbare Wertehaltungen der Beteiligten klarzulegen.&nbsp;<\/p>\n<p>Anfangs wurde sie mit Ihrem Ansatz immer wieder bel\u00e4chelt und nicht ganz ernst genommen, doch habe sich dies vor allem auch seit den Enron- und Swissair-F\u00e4llen im Jahr 2003 sehr ver\u00e4ndert. Heute sp\u00fcre sie in den Firmen eher eine Sehnsucht nach Gemeinsamkeit und Langfristigkeit. Leider seien aber immer noch viele Wirtschaftskapit\u00e4ne mit den alten Management-Theorien sozialisiert worden. Ein Umdenken ben\u00f6tige daher naturgem\u00e4ss viel Zeit.<\/p>\n<p>Was beispielsweise der fr\u00fche Einbezug verschiedener Stakeholder in die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen bewirken k\u00f6nne erlebe sie immer wieder von neuem. Der Entwicklungsprozess sei zwar langwieriger, die Resultate aber&nbsp; nachhaltiger und letztendlich eben auch gewinnbringender f\u00fcr alle Seiten.<\/p>\n<p>So ging ein f\u00fcr mich wirklich sehr spannendes Interview zu Ende. Man sp\u00fcrt in jedem Satz von Sybille Sachs, dass sie ihre Werte wirklich lebt und sich f\u00fcr Ihre Anliegen engagiert einsetzt. Pers\u00f6nlich hoffe ich sehr, dass genau diese Werthaltungen, f\u00fcr die sich meine Gespr\u00e4chspartnerin so einsetzt, in der Wirtschaft immer wichtiger werden, und bin \u00fcberzeugt, dass sie dabei noch viel bewirken wird.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" height=\"131\" width=\"175\" alt=\"Sybille_Sachs_thumb\" src=\"images\/stories\/LQ-Sphaeren\/Sybille_Sachs_thumb.jpg\" \/><\/p>\n<p>Folge 4 der Serie GELEBTE WERTE: Sybille Sachs.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-517","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/517","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=517"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/517\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=517"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=517"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=517"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}