{"id":500,"date":"2014-08-30T07:57:57","date_gmt":"2014-08-30T07:57:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=500"},"modified":"2014-08-30T07:57:57","modified_gmt":"2014-08-30T07:57:57","slug":"der-mit-der-freiheit-tanzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/?p=500","title":{"rendered":"Der mit der Freiheit tanzt"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" height=\"242\" width=\"364\" alt=\"caroni\" src=\"images\/stories\/LQ-Allgemein\/caroni.jpg\" \/><\/p>\n<p> <span class=\"Titel3rot\">Folge 1 von GELEBTE WERTE (<a href=\"#Gelebte Werte\" style=\"color: red;\">*<\/a>): Andrea Caroni<\/span> <\/p>\n<p class=\"Stil28\"><em>Der Wert Freiheit ist zentral in seinem politischen und sonstigen Tun. Und er weiss dar\u00fcber trefflich zu diskutieren: der Appenzell Ausserrhoder Nationalrat Andrea Caroni.<\/em><\/p>\n<p>Die renommierte deutsche Wochenzeitung DIE ZEIT war in einem l\u00e4ngeren Portr\u00e4t vom 3. Juli dieses Jahres des Lobes voll: <em>Nationalrat Andrea Caroni ist der Hoffnungstr\u00e4ger der kriselnden FDP. Der 34-j\u00e4hrige Industriespross mit Harvard-Abschluss will die Partei zu ihren liberalen Wurzeln zur\u00fcckf\u00fchren. <\/em><\/p>\n<p><em>Dieser Mann ist zu viel. Matura: Notenschnitt 5,97. Jus-Studium und Doktorat mit Summa cum laude. Ein Harvard-Abschluss in Politischer Administration. Mit 28 Jahren Berater von Bundesrat Hans-Rudolf Merz. Jetzt ist Andrea Caroni, 34, seit drei Jahren Nationalrat f\u00fcr den Kanton Appenzell Ausserrhoden, Mitglied der FDP-Parteileitung. Und seit diesem Fr\u00fchling im ganzen Land bekannt, dank der P\u00e4dophileninitiative, die er quasi im Alleingang bek\u00e4mpft hat.<\/em><\/p>\n<p>Und dann folgt der entscheidende Satz: <em>Caroni hat, was andere Liberale l\u00e4ngst verloren haben: einen politischen Kompass.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mut zu Werten<\/strong><\/p>\n<p>Um es gleich klar zu machen: Ich habe Andrea Caroni vor drei Jahren gew\u00e4hlt. Nicht wegen seiner Partei, doch da Appenzell Ausserrhoden nur einen einzigen Nationalratssitz hat, sind solche Wahlen Personenwahlen. Und der Mann hat mir schon damals gefallen.<\/p>\n<p>In meiner Achtung deutlich gestiegen ist er dieses Jahr, als er als Einziger den Mut fand, sich vorne hinzustellen und die sogenannte P\u00e4dophileninitiative zu bek\u00e4mpfen. Dieses Volksbegehren verlangte ein automatisches lebensl\u00e4ngliches Verbot, mit Kindern zu arbeiten, f\u00fcr alle, die jemals wegen p\u00e4dophiler Delikte verurteilt wurden. Alle Umfragen zeigten, dass das Begehren im Volk popul\u00e4r war, tats\u00e4chlich stimmten bei der Abstimmung fast zwei Drittel daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Umso mehr freute ich mich, Andrea Caroni pers\u00f6nlich fragen zu k\u00f6nnen, welche Werte ihm damals so wertvoll gewesen waren, dass er daf\u00fcr alle Nachteile eines Einsatzes f\u00fcr ein unpopul\u00e4res Anliegen auf sich nahm. Um Rechtsstaatlichkeit sei es ihm gegangen, erkl\u00e4rt, er um das in der Verfassung verankerte Prinzip der Verh\u00e4ltnism\u00e4ssigkeit und um das Vertrauen in bew\u00e4hrte Institutionen.<\/p>\n<p>Das, f\u00fcgt er hinzu, passe zu den vier S\u00e4ulen, auf denen er sein politisches Engagement aufbaue: Sorgsame Pflege der bew\u00e4hrten schweizerischen Formen des Zusammenlebens und dessen Institutionen. Wirtschaftsliberalismus. Gesellschaftsliberalismus. Vertretung der Interessen des Appenzellerlandes und der Ostschweiz.<\/p>\n<p><strong>Freiheit im Zentrum<\/strong><\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" height=\"256\" width=\"364\" alt=\"caroni1\" src=\"images\/stories\/LQ-Allgemein\/caroni1.jpg\" \/><\/strong><\/p>\n<p><span class=\"klein\">Freiheit: Sein Lebensschiff selber steuern&#8230;<\/span><\/p>\n<p>Zweimal kommt hier \u201eLiberalismus\u201c vor, und tats\u00e4chlich stellt Andrea Caroni den Wert Freiheit ins Zentrum. Das hat auch DIE ZEIT so gesehen: <em>Der Kern seines Tuns ist reichlich abstrakt: Es ist die Freiheit. &#8222;Freiheit ist unteilbar&#8220;, lautet sein liebster Satz.<\/em><\/p>\n<p>Freiheit hat Caroni buchst\u00e4blich mit der Muttermilch aufgesogen, wie er erz\u00e4hlt: <em>Meine Mutter <\/em>(die Eltern sind geschieden) <em>hat mir so wenige Vorschriften wie m\u00f6glich gemacht. Das lag sicher auch daran, dass ich selten \u00fcberbordete. Einmal wollte ich mit Hilfe einer Anleitung aus einer Jugendzeitschrift, mit der der jugendliche Fernsehkonsum auf ein vern\u00fcnftiges Mass beschr\u00e4nkt werden sollte, eine Einschr\u00e4nkung von ihr geradezu erzwingen, doch meine konkreten TV-W\u00fcnsche lagen weit unter dem empfohlenen Mass&#8230;<\/em><\/p>\n<p>\u00dcber Freiheit l\u00e4sst sich mit Andrea Caroni tiefsch\u00fcrfend diskutieren. F\u00fcr ihn ist Freiheit der h\u00f6chste Wert, doch er sieht auch die Kehrseite: <em>Freiheit ist anstrengend. Sie erfordert Eigenverantwortung. Und sie f\u00fchrt, wie der Volksmund so sch\u00f6n sagt, zur Qual der Wahl. In meiner Jugend hatte ich st\u00e4ndig das Gef\u00fchl, etwas zu verpassen. Bis ich erkannte, dass man bei jeder freien Entscheidung alles andere verpasst. Im riesigen Meer der M\u00f6glichkeiten hat man sich f\u00fcr einen winzigen Ausschnitt entschieden. Dann lohnt es sich nicht mehr, dem Verpassten nachzutrauern. Besser ist es, sich ganz auf das einzulassen, wof\u00fcr man sich entschieden hat.<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><strong>Freiheit, wie er sie meint<\/strong><\/p>\n<p>Andrea Caroni versteht, dass manche Menschen lieber von der anstrengenden Freiheit entlastet w\u00fcrden. Und dass manche schlicht nicht die M\u00f6glichkeit haben, sie zu nutzen. F\u00fcr letztere (und nur f\u00fcr diese) brauche es den Sozialstaat. Er vertritt also keinen rein auf die Interessen der Wirtschaft ausgerichteten Neoliberalismus. Daf\u00fcr ist er konsequent, wenn es um liberale Grundwerte geht: <em>Ich verstehe nicht, wie man f\u00fcr eine freie Wirtschaftsordnung sein kann und gleichzeitig anderen vorschreiben will, wie sie zu leben haben. F\u00fcr mich geh\u00f6rt zum Liberalismus ein St\u00fcck Bescheidenheit: Wer bin ich, ein allgemeing\u00fcltiges Modell davon zu haben, wie die Menschen leben sollen?<\/em><\/p>\n<p>Deshalb ist er f\u00fcr die gleichgeschlechtliche Ehe, gegen die Beschr\u00e4nkungen der Laden\u00f6ffnungszeiten, f\u00fcr die Legalisierung von Cannabis. All das ist f\u00fcr ihn (auch) Freiheit. Wobei er betont: <em>Freiheit ist ergebnisoffen. Das ist das Faszinierende und Problematische zugleich an den liberalen Werten. Freiheit ist \u201enur\u201c ein Verfahren, eine Methode, das menschliche Zusammenleben zu regeln. Freiheit produziert weder automatisch Gl\u00fcck (doch sie erlaubt das Streben nach dem eigenen Gl\u00fcck) noch Gleichheit. Das unterscheidet uns Liberale von den Heilsversprechen anderer Parteien.<\/em><\/p>\n<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" height=\"273\" width=\"364\" alt=\"caroni3\" src=\"images\/stories\/LQ-Allgemein\/caroni3.jpg\" \/><\/em><\/p>\n<p><span class=\"klein\">Die Schweiz soll liberal sein&#8230;<\/span><\/p>\n<p>Seine Partei, die Freisinnigen, f\u00fchrt im Namen den Zusatz \u201eDie Liberalen\u201c. Es scheint Caroni ein Herzensanliegen zu sein, der darin enthaltenen Botschaft wieder mehr Geh\u00f6r zu verschaffen. Als Teil der Wahlkampfleitung der FDP f\u00fcr die Wahlen 2015 ist er mitverantwortlich daf\u00fcr, dass die Partei diesmal nicht mit konkreten politischen Anliegen punkten will, sondern mit dem Verweis auf die Werte, die sie gepr\u00e4gt haben. Drei davon sind als plakative Botschaft ausgew\u00e4hlt worden: Freiheit \u2013 Gemeinsinn \u2013 Fortschritt.<\/p>\n<p>Bei Auftritten an der Parteibasis, erz\u00e4hlt Caroni, der viele davon hat, seien die Werte \u201eFreiheit\u201c und \u201eFortschritt\u201c jeweils kaum erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig, wohl aber \u201eGemeinsinn\u201c. F\u00fcr ihn ist Gemeinsinn kein Widerspruch zu Freiheit. Zu den liberalen Grundwerten, gerade in der Schweiz, geh\u00f6re das Gef\u00fchl, f\u00fcr die Gemeinschaft und deren Institutionen verantwortlich zu sein \u2013 also im besten Sinne staatstragend. Wichtig ist ihm auch die F\u00f6rderung von freiwilligen Eins\u00e4tzen f\u00fcr das Gemeinwohl, etwa in Vereinen. Zum Gemeinsinn geh\u00f6rt f\u00fcr ihn aber auch, dass man auf die Segnungen des Sozialstaates verzichtet, wenn man sie nicht braucht.<\/p>\n<p><strong>Gelebte Werte<\/strong><\/p>\n<p>Ist Freiheit auch im Privatleben von Andrea Caroni ein wichtiger Wert? <em>Ich versuche schon, auch den anderen m\u00f6glichst viel Freiheit zu geben. Von meiner Partnerin und Mutter meiner Tochter zum Beispiel h\u00e4tte ich nie eine bestimmte Form ihrer Lebensgestaltung erwartet. Wie viel sie als Mutter arbeiten will, ist ihre Sache.<\/em><\/p>\n<p>Dass er davor erw\u00e4hnt hat, f\u00fcr ihn sei es selbstverst\u00e4ndlich gewesen, auch als Vater weiterhin vollamtlich berufst\u00e4tig zu sein, schr\u00e4nkt in meiner Sicht die Freiheitsspielr\u00e4ume der Mutter etwas ein, auch wenn er das anders sieht: <em>Wieso denn? Sie hat dieselbe Freiheit wie ich, wir k\u00f6nnten ja beide 100% arbeiten und das Kind 5 Tage fremd betreuen lassen. H\u00e4tte sie das gewollt, h\u00e4tten wir das gemacht.<\/em><\/p>\n<p>Caroni st\u00f6ren solche unterschiedlichen Sichtweisen nicht. Er kann mit Widerspr\u00fcchen leben und glaubt nicht daran, dass Werte in Reinform gelebt werden k\u00f6nnen. Manchmal geraten auch ihm andere wichtige Werte in die Quere. Sein Ehrgeiz etwa, die Lust am Wettkampf und an der Debatte. Oder der Spass an der Freud, etwa jener, mit Parlamentskollegen zu singen und Musik zu machen.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte sagen, dass die G\u00f6tter Andrea Caroni reich beschenkt haben: mit besten materiellen Startbedingungen, mit reichhaltigen und starken Talenten, mit der Gnade, keinen Erwartungen gerecht werden zu m\u00fcssen, mit dem Geschenk, zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein zu k\u00f6nnen. Umso wichtiger und wertvoller ist es, dass dieser Mann sich in seinem politischen und beruflichen Tun (er arbeitet nebenbei als Rechtsanwalt) f\u00fcr zentrale Werte einsetzt.<\/p>\n<p>Zum Schluss frage ich ihn, welche Werte nach seiner Einsch\u00e4tzung die Appenzeller Werte-Landschaft pr\u00e4gen. Die Antwort kommt ohne Z\u00f6gern: Erstens ein ausgepr\u00e4gter Freiheitswille. Zweitens das friedliche Zusammenleben ganz unterschiedlicher Charaktere \u2013 die Bezeichnung \u201e\u00e4n \u00c4\u00e4gne&#8220;, also ein Eigenwilliger, gar Eigensinniger, gilt im Appenzellischen als Ehrentitel. Drittens ein starker Gemeinsinn. Und viertens das Miteinander von Tradition und Fortschritt.<\/p>\n<p>Es sind also auch hier die drei zentralen Werte Freiheit, Gemeinsinn und Fortschritt, die er seinen Liberalen (wieder) nahebringen will. Einer wie Caroni l\u00e4sst sich die Gelegenheit nat\u00fcrlich nicht nehmen, auch mit Appenzeller Werten ein wenig Wahlkampf zu machen. So lange er diese Werte auch weiterhin so \u00fcberzeugend lebt wie bisher, werde ich ihm das nicht \u00fcbel nehmen&#8230;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" height=\"260\" width=\"364\" alt=\"caroni2\" src=\"images\/stories\/LQ-Allgemein\/caroni2.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"klein\">Die Werte des Appenzellerlands&#8230;<\/p>\n<p class=\"Titel4\"><a name=\"Gelebte Werte\"><\/a>* Die neue Folge &#8222;Gelebte Werte&#8220;<\/p>\n<p>Die Homepage spirit.ch versteht sich als <em>Plattform f\u00fcr Werte-Wissen<\/em>. Zu dem vielf\u00e4ltigen angesammelten Wissen geh\u00f6rt auch die Erkenntnis, dass es sich bei Werten um ein <em>abstraktes Thema<\/em> handelt, das folglich nur ein begrenztes Interesse weckt.<\/p>\n<p>Fassbar werden <em>Werte<\/em> nur, wenn sie <em>gelebt<\/em> werden das heisst, wenn sie von Individuen oder Organisationen als Richtschnur f\u00fcr das eigene Handeln genutzt werden. Deshalb sollen <em>GELEBTE WERTE<\/em>&nbsp;zu einem <em>neuen Schwerpunkt-Thema<\/em> auf spirit.ch werden.<\/p>\n<p>Geplant ist eine Reihe von <em>Portraits<\/em>, in denen <em>einzelne Pers\u00f6nlichkeiten<\/em> sowie <em>Unternehmen oder andere Organisationen<\/em> vorgestellt werden, die bestimmte Werte leben.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" height=\"131\" width=\"175\" alt=\"caroni_kl\" src=\"images\/stories\/LQ-Allgemein\/caroni_kl.jpg\" \/><\/p>\n<p>Folge 1 von GELEBTE WERTE: Andrea Caroni<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-500","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/500","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=500"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/500\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=500"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=500"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=500"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}