{"id":482,"date":"2014-03-23T06:00:53","date_gmt":"2014-03-23T06:00:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=482"},"modified":"2020-12-17T14:04:56","modified_gmt":"2020-12-17T14:04:56","slug":"die-schweiz-in-der-igelstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/?p=482","title":{"rendered":"Die Schweiz in der Igelstellung?"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/diverse\/fanimal.jpg\" alt=\"fanimal\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/p>\n<p class=\"Titel3rot\">Die Schweiz in der Igelstellung?<\/p>\n<p class=\"mittel\"><em>Viele rieben sich verwundert die Augen, als die Schweiz am 9. Februar 2014 \u201eJa\u201c zur Zuwanderungs-Initiative gestimmt hat. Die Reaktionen aus dem Ausland waren im Anschluss ziemlich barsch und so einige fragten sich, warum die Schweiz die Initiative angenommen hatte.<\/em><\/p>\n<p class=\"mittel\">Bei der intensiven Suche nach dem geeigneten Titel f\u00fcr diesen Artikel kam das Bild der Igelstellung auf. Wenn ein Igel in Gefahr ger\u00e4t, so stellt er all seine Stacheln auf und so wurden denn auch eine milt\u00e4rische Abwehrstellung, eine politische Strategie sowie eine Stellung im Schachspiel danach benannt. Interessanterweise hat die Igelstellung sogar einen Bezug zu den alten Eidgenossen, die im 14 und 15.Jahrhundert diese <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Igelstellung_%28Milit%C3%A4r%29\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Igel-Strategie gegen die Kavallerie<\/a> einsetzen.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Wer eine Igelstellung einnimmt, befindet sich meist in einer defensiven Haltung und hat oft Angst vor einem \u00fcberm\u00e4chtigen Gegner. Das raffinierte Gegenmittel, dass allerdings geschichtlich nicht wirklich von Erfolg gekr\u00f6nt war, war eben die Igelstellung.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Vor was k\u00f6nnte denn die Schweiz eine solche Angst haben, dass die Igelstellung per Abstimmung eingenommen wird? Hat die Schweiz Angst vor einer \u00dcberfremdung? Viele Diskussionen, speziell im Ausland n\u00e4hren diese These. Diese Frage m\u00f6chten wir hier etwas ergr\u00fcnden.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Dieser Artikel m\u00f6chte ausserdem versuchen aufzeigen, wie viele verschiedene Gr\u00fcnde zu diesem komplexen Abstimmungsresultat beitrugen und den schweizerischen Gef\u00fchlen, die zu diesem Entscheid gef\u00fchrt haben, etwas tiefer auf den Grund zu gehen. Damit auch im Ausland ein Verst\u00e4ndnis entsteht, wieso etwas mehr als knapp die H\u00e4lfte der Schweizer und Schweizerinnen &#8222;Ja&#8220; zu dieser Zuwanderungsinitiative gestimmt haben. Da der Artikel im Verlauf der \u00dcberarbeitungen ziemlich lang wurde, finden Sie hier ein Inhaltsverzeichnis:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"#spiritofswitzerland\">The Spirit of Switzerland<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#humanitaereInitiativen\">Sitz von unz\u00e4hligen humanit\u00e4ren Initiativen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#multikuturelleTradition\">Eine multikulturelle Tradition<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#einzigartigesSystem\">Ein einzigartiges politisches System<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#eindimensionaleReaktion\">Eine meist eindimensionale Reaktion auf den Volksentscheid<\/a> <\/li>\n<li><a href=\"#AuslaenderinderSchweiz\">Ausl\u00e4nder in der Schweiz<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#ZuwanderunginderKonsequenz\">Zuwanderung in der Konsequenz<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#falscheVersprechungen\">Einschr\u00e4nkung der Lebensqualit\u00e4t mit falschen Versprechungen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#Ja-Stimmen\">Ja-Stimmen aus den verschiedensten Gr\u00fcnden<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#Angst\">Aber&#8230; haben wir nun Angst vor einer \u00dcberfremdung?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#genugvomWachstum\">&#8230;oder haben wir einfach genug vom Wachstum?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#Umfrage\">Was ist Ihre Meinung dazu?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#Nachtrag\">Nachtrag 9.April 2014 &#8211; Resultate der Umfrage<\/a> <\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><strong><a name=\"spiritofswitzerland\"><\/a>The Spirit of Switzerland<\/strong><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Der Autor dieses Artikels, Mit-Gr\u00fcnder von spirit.ch, ist froh dar\u00fcber, als Schweizer geboren worden zu sein. F\u00fcr ihn gibt es einen sehr weltoffenen \u201eSpirit of Switzerland\u201c, einen \u201eGeist der Schweiz\u201c \u00fcber dessen weltweit bis anhin guten Ruf er sich doch sehr erfreut hat und f\u00fcr den er sich auch sehr aktiv engagiert.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Doch dieser Ruf nimmt zunehmend Schaden, denn die Schweiz wird immer mehr als Land dargestellt, das als Hafen f\u00fcr Schwarzgelder und Diktatoren-Verm\u00f6gen dient, Steuer-Hinterziehungen erm\u00f6glicht, die Religionsfreiheit via das Verbot von Minaretten einschr\u00e4nkt, als Rosinen-Picker gilt, sich zunehmend rechts ausrichtet und sich abschottet. Auch das Image einiger in der Schweiz ans\u00e4ssigen Weltunternehmen und vor allem der Schweizer Banken tr\u00e4gt sicherlich nicht zur Verbesserung dieser Wahrnehmung bei.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Negative Artikel \u00fcber die Schweiz h\u00e4ufen sich weltweit in den letzten Jahren, vor allem seit die Schweizerische Volkspartei unter Christoph Blocher von einem Erfolg zum anderen eilte und dabei bei den Abstimmungen oft sehr umstrittene, eindimensionale und unsensible Plakatsujets einsetzte, die das Ausland (und auch viele Schweizer) nicht verstanden. Aber auch all die Diskussionen um unser Bankgeheimnis und die tiefen Steuern, mit denen aus der Sicht aus dem Ausland Unternehmen und reiche Personen abgeworben werden, brachten die Schweiz zunehmend in Misskredit.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Daher nun in diesem Artikel erst einmal der Versuch, den Spirit of Switzerland zu erkl\u00e4ren, wie ihn der Autor versteht.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><strong><a name=\"humanitaereInitiativen\"><\/a>Sitz von unz\u00e4hligen humanit\u00e4ren Initiativen <\/strong><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Oft geht unter, dass die Schweiz ein sorgf\u00e4ltig gew\u00e4hlter Sitz der UNO ist \u201eder gr\u00f6sste UN-Standort mit dem meisten Personal \u201c <sup><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/UNO#Sitz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1<\/a><\/sup> , das die Genfer Konvention eine \u201eessentielle Komponente des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts\u201c <sup><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Genfer_Konventionen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2<\/a><\/sup> bildet, dass das rote Kreuz in der Schweiz gegr\u00fcndet wurde, das IKRK seinen Hauptsitz in der Schweiz hat und die UN-Konferenz f\u00fcr Abr\u00fcstung UNCD in der Schweiz stattfand.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Dadurch ist die Schweiz auch Hauptsitz f\u00fcr zahlreiche Organisationen wie der Konferenz der Vereinten Nationen f\u00fcr Handel und Entwicklung UNCTAD, dem UN-Menschenrechtsrat, der internationalen Arbeitsorganisation IAO, der Weltgesundheitsorganisation WHO sowie dem hohen Kommissariat der Vereinten Nationen f\u00fcr Menschenrechte &nbsp;und dem hohen Fl\u00fcchtlingskommissariat der Vereinten Nationen UNHCHR.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Auch wenn ein Teil dieser aufgelisteten Organisationen sicherlich nicht nur \u00fcber einen makellosen Ruf verf\u00fcgen, so zeugt doch auch die Ausrichtung der Organisationen etwas von der humanit\u00e4ren Ausrichtung unseres Landes. Die beiden Weltkriege, die Neutralit\u00e4t, die politische Stabilit\u00e4t und die Rechtssicherheit seit der Bundesverfassung von 1848 bildeten die Grundlage f\u00fcr die Platzierung dieser internationalen Organisationen.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Und auch wenn die Neutralit\u00e4t unseres Landes sicherlich etwas instrumentalisiert wurde und in der Geschichte vor allem auch wirtschaftliche Vorteile brachte, so zeugt doch beispielsweise der Umstand, dass die amerikanische Vertretung im Irak \u00fcber die Schweizer Botschaft l\u00e4uft und das nach wie vor viele Friedensverhandlungen in Genf stattfinden, davon, dass die Schweiz noch immer als neutral wahrgenommen wird.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><strong><a name=\"multikuturelleTradition\"><\/a>Eine multikulturelle Tradition<\/strong><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Auf diese humanit\u00e4re Tradition waren wir fr\u00fcher als Schweizer auch immer stolz. Wir definierten uns als multikulturelles Land mit der Vielfalt von 4 Sprachen im Herzen von Europa und begriffen uns als ein kleines gelungenes Modell f\u00fcr interkulturelles und friedliches Zusammenleben, trotz all der wiederkehrenden kleinen Spannungen zwischen den Landesteilen. Diese Spannungen, respektive den Umgang damit, verstanden wir sogar im Gegenteil als Zeichen daf\u00fcr, dass unsere Erfahrungen im Umgang mit verschiedenen Kulturkreisen auch Europa helfen kann.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Wir Schweizer wachsen schon damit auf, dass wir Ferien in anderssprachigen Landesteilen machen, und dass diese ein leicht anderes Kulturverst\u00e4ndnis haben wie wir. Immer wieder gab auch der sogenannte \u201eR\u00f6schti-Graben\u201c zu reden (das ist die Grenze zwischen der Deutsch- und der Westschweiz), der oft in Abstimmungen eine Grenze inmitten der Schweiz bildete, so auch in der aktuellen Abstimmung wo die Deutschschweizer und Tessiner \u201eJa\u201c stimmten, w\u00e4hrendem die Westschweizer \u201eNein\u201c stimmten.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Die meisten SchweizerInnen sprechen auch zumindest zwei oder mehrere Sprachen und viele sind dank dem materiellen Wohlstand in der Schweiz auch schon viel in der Welt unterwegs gewesen. Und da verhalten sich die Schweizer gem\u00e4ss Ihrer multikulturellen Tradition auch meist sehr vorsichtig gegen\u00fcber der Kultur eines anderen Landes und geniessen auch heute noch meist einen guten Ruf.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Wir \u00f6ffneten unser Land aber auch f\u00fcr europ\u00e4ische Transportwege und investierten Milliarden f\u00fcr die europ\u00e4ische Mobilit\u00e4t. Wir bauten gigantische Wasserspeicher, die als Energiespeicher f\u00fcr das europ\u00e4ische Strom-Netz dienen. Und wir versuchten immer wieder mit Europa zu verhandeln, gemeinsame Wege auszuloten und unser f\u00f6deralistisches System zu erkl\u00e4ren. Ein Resultat daraus waren eben dann auch die bilateralen Vertr\u00e4ge mit der EU, eine Sonderregelung f\u00fcr die Schweiz.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><strong><a name=\"einzigartigesSystem\"><\/a>Ein einzigartiges politisches System<\/strong><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Wir sind aber auch sehr zufrieden mit unserem Regierungs-System, bei dem die vier gr\u00f6ssten Parteien st\u00e4ndig in der Regierung vertreten sind, die dadurch miteinander diplomatisch umgehen m\u00fcssen und dann daf\u00fcr aber auch eine langfristige Politik garantieren. Kein destruktives, \u00f6ffentlich inszeniertes Hick-Hack zwischen verfeindeten politischen Parteien, die schon ihr Wahlprogramm f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr nicht einhalten. Ein Stabilit\u00e4ts-Garant gleichzeitig f\u00fcr ausl\u00e4ndische Investitionen, die es sch\u00e4tzen, wenn Gesetze nicht alle vier Jahre von der jeweils neuen Regierung umgeschrieben werden.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Und stolz waren wir vor allem auch darauf, dass unsere direkte Demokratie in der Welt einzigartig ist und die Menschen in keinem anderen Land die Politik so mitbestimmen k\u00f6nnen. Denn gegen jedes beschlossene Gesetz k\u00f6nnen die SchweizerInnen ein Referendum einlegen und jegliche Art von neuen Verfassungsartikeln k\u00f6nnen mittels Initiativen initiiert werden, so dass das Volk im Prinzip \u00fcber alles abstimmen kann.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Und genau diese Eigenart, dass wir in unserem Land tats\u00e4chlich selbst sogar entgegen Empfehlungen der Regierung und der Wirtschaft stimmen k\u00f6nnen, ist nun Anlass f\u00fcr eine der gr\u00f6ssten \u00dcberraschungen in der europ\u00e4ischen Politik. Ein kleines Zwergland lehnt sich scheinbar auf gegen einen \u00fcberm\u00e4chtiges Europa, das teils erst jetzt etwas augenreibend zur Kenntnis nimmt, dass die Schweizer B\u00fcrger und B\u00fcrgerinnen so direkt selber \u00fcber Ihre Politik bestimmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><strong><a name=\"eindimensionaleReaktion\"><\/a>Eine meist eindimensionale Reaktion auf den Volksentscheid<br \/><\/strong><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Dieser Entscheid l\u00f6ste im Ausland bei vielen zumindest Kopfsch\u00fctteln, wenn nicht eine \u00e4rgerliche Reaktion aus. Bei anderen weckte das aber auch einen Neid auf die Schweiz, beziehungsweise einen immer st\u00e4rker werdenden Mitbestimmungswunsch, der den europ\u00e4ischen Zentralorganisationen nicht gefallen kann, ja nicht gefallen darf. Manch einer in EU-Verwaltung mag gedacht haben: \u201cWo k\u00e4men wir dann hin, wenn das Volk alles selber bestimmen k\u00f6nnte?\u201c.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">So reagierten auch viele der europ\u00e4ischen Medien im Anschluss an den 9. Februar 2014 sehr negativ auf unseren Volks-Entscheid. Artikel wie \u201e<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/schweiz-stimmt-gegen-masseneinwanderung-analyse-a-952409.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Land des Geldes, Land der Angst<\/a>\u201c, \u201e<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/gegen-masseneinwanderung-schweizer-stimmen-mit-ja-a-952390.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schweizer stimmen f\u00fcr die Abschottung<\/a>\u201c, \u201e<a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/newsticker\/analyse--tell-gegen-den-rest-der-welt,11005786,26139174.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Analyse: Tell gegen den Rest der Welt<\/a>\u201c, \u201e<a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/923557.schweiz-sagt-uuslaender-raus.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schweiz sagt: Uusl\u00e4nder raus!<\/a>\u201c oder &#8222;<a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/politik\/schweiz-zuwanderung--die-spinnen--die-schweizer-,1472596,26151056.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die spinnen, die Schweizer<\/a>&#8220; zeigen ein Bild der Reaktionen. In der Schweiz wurde gar die Frage gestellt &#8222;<a href=\"http:\/\/www.20min.ch\/schweiz\/news\/story\/Sind-wir-ein-Volk-von-Rassisten--15577091\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sind wir ein Volk von Rassisten?<\/a>&#8222;.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Ein Artikel wie \u201e<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/schweizer-journalist-verteidigt-volksvotum-gegen-zuwanderung-a-952673.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Europas mutigste Demokraten<\/a>\u201c im Spiegel war dabei eher eine Seltenheit. Die meisten positiven Reaktionen zum Abstimmungsentscheid kamen denn auch aus den rechtsgerichteten Kreisen Europa\u2018s.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Erste Reaktionen erfolgten bereits und so wurden schon einige Vertr\u00e4ge wie Erasmus, Horizon und andere auf das Eis gelegt. Die EU schl\u00e4gt einen <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/politik\/nach-volksinitiative--raue-toene-gegenueber-der-schweiz,1472596,26143160.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">rauen Ton gegen\u00fcber der Schweiz<\/a> ein, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/votum-gegen-zuwanderung-eu-droht-schweiz-mit-konsequenzen-a-952441.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">droht der Schweiz mit Konsequenzen<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/konsequenzen-nach-referendum-die-eu-stoppt-verhandlungen-mit-schweiz\/9491666.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">stoppt die Verhandlungen<\/a> \u00fcber wichtige Vertr\u00e4ge. Und oft h\u00f6rt man, dass die Schweizer eben einfach ausl\u00e4nderfeindlich seien und sich nur die Rosinen picken.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><strong><a name=\"AuslaenderinderSchweiz\"><\/a>Ausl\u00e4nder in der Schweiz<\/strong><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Dabei wird geflissentlich \u00fcbersehen, dass die Schweiz einen Ausl\u00e4nderanteil von 22.4% hat. Dazu habe ich einige Recherchen unternommen und zumindest f\u00fcr mich erstaunliche Resultate gefunden.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Abgesehen von den Zwergstaaten Liechtenstein und Luxemburg ist diese Ausl\u00e4nderquote die mit Abstand h\u00f6chste Quote in Europa &#8211; soweit ist das zumindest mal bekannt. Ganz Europa hat im Durchschnitt 6.6%, also mehr als dreimal weniger Ausl\u00e4nderanteil und Deutschland 8.8% (Quelle: <a href=\"http:\/\/epp.eurostat.ec.europa.eu\/statistics_explained\/index.php?title=File:Total_population_and_resident_population_by_group_of_citizenship,_2011-de.png&amp;filetimestamp=20130722102003\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eurostat<\/a>, 2011). Einen sehenswerten Eindruck davon gibt diese <a href=\"http:\/\/www.migazin.de\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/grafik_auslaender_in_eu27_gross.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Grafik von Migration in Germany<\/a>. Es gibt viele Gebiete in der Schweiz, die mehr als ein Drittel Ausl\u00e4nderanteil haben &nbsp;(Quelle: <a href=\"http:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/portal\/de\/index\/themen\/01\/07\/blank\/key\/01\/01.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bundesamt f\u00fcr Statistik<\/a>, 2012) und einige Gemeinden und St\u00e4dten, bei denen die Schweizer sogar in der Unterzahl sind (Beispiel Leysin, Ausl\u00e4nderanteil 61.2%).<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Und j\u00e4hrlich erwerben rund 40\u2018000 Personen die schweizerische Staatsangeh\u00f6rigkeit. Im rund 10mal gr\u00f6sseren Deutschland waren dies in den letzten Jahren gerade mal um die hunderttausend und auch im Vergleich zu Gesamteuropa sind das drei Mal mehr Einb\u00fcrgerungen als im Durchschnitt (Quelle: <a href=\"http:\/\/epp.eurostat.ec.europa.eu\/statistics_explained\/index.php?title=File:Number_of_persons_having_acquired_the_citizenship_of_the_reporting_country,_2000-2010_%281_000%29-de.png&amp;filetimestamp=20130722100219\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eurostat<\/a>, 2010).&nbsp; Rechnet man diese Einb\u00fcrgerungen nur schon seit 2000 dazu, so steigt die Quote auf 28.6% &nbsp;(Ausl\u00e4nderanteil + eingeb\u00fcrgerte Personen seit 2000). In Deutschland w\u00e4ren wir mit der gleichen Rechnung bei 10.1%&#8230;<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">So haben wir in der Schweiz auch einen Anteil von 34.7 % mit Migrationshintergrund (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/portal\/de\/index\/themen\/01\/07\/blank\/key\/04.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bundesamt f\u00fcr Statistik<\/a>, 2012). Zum Vergleich betr\u00e4gt diese Quote in Deutschland 20.0 % (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/ZahlenFakten\/GesellschaftStaat\/Bevoelkerung\/MigrationIntegration\/MigrationIntegration.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Statistisches Bundesamt<\/a>, 2012)<\/p>\n<p class=\"mittel\">Sicherlich ist der Ausl\u00e4nderanteil alleine aber nicht ein Kriterium f\u00fcr das Entstehen von Fremdenfeindlichkeit, denn dabei ist auch zu betrachten, aus welchen Schichten die eingewanderten Ausl\u00e4nder kommen. Viele der Ausl\u00e4nder in der Schweiz sind sehr gebildet und so ist beispielsweise der Anteil an deutschen \u00c4rzten in der Schweiz sehr hoch. Menschen also, die im Ausland ausgebildet wurden und nun Ihr Wissen in die Schweiz einsetzen. Dies alleine dient also nicht als Erkl\u00e4rungsgrund.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Zudem spielt auch der Grad Integration eine Rolle. Viele Italiener werden eigentlich schon fast nicht mehr als Ausl\u00e4nder betrachtet, denn man liebt es zum Italiener um die Ecke Pizza essen zu gehen. Und auch die Clubs der Spanier mit ihren Paellas und Calameres sind beliebte Treffpunkte auch f\u00fcr SchweizerInnen.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Betrachtet man die Statistiken weiter, so f\u00e4llt auf, dass im Jahre 2011 beispielsweise 23\u2018000 Personen Asyl beantragt haben, das sind viel mehr als beispielsweise Spanien (3\u2018000) und nicht viel weniger als in Italien (34\u2018000), wo man ja aufgrund der Medienberichterstattung einige mehr erwarten w\u00fcrde. Und Deutschland hat mit 53\u2018000 asylbeantragenden Personen hochgerechnet mehr als viermal weniger Asylantr\u00e4ge (Quelle: <a href=\"http:\/\/epp.eurostat.ec.europa.eu\/statistics_explained\/index.php?title=File:Number_of_%28non-EU-27%29_asylum_applicants_in_the_EU_and_EFTA_Member_States_and_their_age_distribution,_2011-de.png&amp;filetimestamp=20130722100116\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eurostat<\/a>, 2011).<\/p>\n<p class=\"mittel\">Dies f\u00fchrt dazu, dass in der Schweiz oft in l\u00e4ndlichen Gegenden grosse Asylheime gebaut werden. Und diese weckten in einigen F\u00e4llen bei der lokalen Bev\u00f6lkerung viele \u00c4ngste. Aber auch dieser Erkl\u00e4rungsversuch alleine bringt uns bei der Suche nach den Gr\u00fcnden f\u00fcr das Ja nicht viel weiter, denn davon sind nur einige betroffen. Und das Ja stammte haupts\u00e4chlich aus Gegenden mit einem verh\u00e4ltnism\u00e4ssig tiefen Ausl\u00e4nderanteil.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><strong><a name=\"ZuwanderunginderKonsequenz\"><\/a>Zuwanderung in der Konsequenz<\/strong><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">In der Schweiz wanderten netto (Zuwanderungen minus Abwanderungen) in den letzten 10 Jahren zwischen 36\u2018000 und 98\u2018000 Menschen j\u00e4hrlich zu, im Schnitt 56\u2018000 (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/portal\/de\/index\/themen\/01\/07\/blank\/key\/02\/01.Document.20661.xls\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bundesamt f\u00fcr Statistik<\/a>, 2012), in Deutschland waren das zwischen 368\u2018000 und minus 55\u2018000, im Schnitt nur gerade 107\u2018000, also nicht mal doppelt so viele in einem zehnmal gr\u00f6sseren Land (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/ZahlenFakten\/GesellschaftStaat\/Bevoelkerung\/Wanderungen\/Tabellen\/WanderungenAlle.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Statistisches Bundesamt<\/a>, 2012).<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Man muss sich das mal bildlich vorstellen. Im Schnitt entsteht jedes Jahr in der Schweiz eine Stadt von 56\u2018000 Einwohnern. Im bev\u00f6lkerungsm\u00e4ssig mehr als 10mal und fl\u00e4chenm\u00e4ssig mehr als 8mal so grossen Deutschland sind es nicht mal doppelte so viele Einwohner in dieser neuen Stadt. Hochgerechnet w\u00fcrde so in Deutschland jedes Jahr aus dem Nichts eine neue Stadt der Gr\u00f6sse von N\u00fcrnberg entstehen. Und bedenkt man noch dazu, dass in der Schweiz durch alle Berge und Seen eine immens grosse Fl\u00e4che nicht mal besiedelt werden kann, so zeigt dieser Vergleich, warum sich viele Schweizer langsam unwohl f\u00fchlen.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Denn all diese neuen Einwohner brauchen neben Wohnraum auch Infrastruktur, die immer mehr \u00fcberlastet wird, denn so schnell wie die Zuwanderung erfolgte, kann die Infrastruktur gar nicht ausgebaut werden. Und so haben wir, obwohl wir das dichteste \u00f6ffentliche Verkehrsnetz der Welt haben, in der Schweiz immer mehr \u00fcberf\u00fcllte Bahnwagen, in denen die Leute \u00fcber weite Strecken nur noch stehen k\u00f6nnen und auf unseren Autobahnen wird Stau und stockender Verkehr bald zum Regelfall. So muss in den Stosszeiten im Z\u00fcrich Nordring jeden Tag mindestens eine Stunde Stau eingerechnet werden.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">D\u00f6rfer wachsen zunehmend mit den St\u00e4dten zusammen und werden zu anonymen und gesichtslosen Agglomerationen. Die Naherholungspl\u00e4tze werden immer mehr \u00fcberbaut und an vielen Orten f\u00fchlen sich die Einheimischen nicht mehr daheim, da Parallel-Infrastrukturen entstehen, wie beispielsweise grosse L\u00e4den auf dem Land, in denen man nicht mal mehr einen einzigen Schweizer sieht und sich kaum einer hineinwagt.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Vor allem auch \u00e4ltere Leute getrauen sich in einigen Regionen schon gar nicht mehr auf die Strasse, weil sie Angst haben. So beispielweise eine \u00e4ltere Bekannte des Autor\u2019s, die immer sehr weltoffen war, mehrere Jahre im Ausland gelebt hat und sich nun am Abend nicht mal mehr aus dem Haus traut. Sie ist kein Einzelfall.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><strong><a name=\"falscheVersprechungen\"><\/a>Einschr\u00e4nkung der Lebensqualit\u00e4t mit falschen Versprechungen<\/strong><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Das alles schr\u00e4nkt die Lebensqualit\u00e4t nun halt doch sehr empfindlich ein, was zu einer zunehmenden Unzufriedenheit in verschiedenen Teilen der Schweiz f\u00fchrte. Noch bei der Abstimmung im Jahr 2000 \u00fcber die bilateralen Vertr\u00e4ge I st\u00fctzte sich der Bundesrat auf eine Studie, die davon ausging, dass sich \u201enetto maximal 10\u2009000 EU-B\u00fcrger zus\u00e4tzlich in der Schweiz niederlassen werden\u201c <sup><a href=\"http:\/\/www.derbund.ch\/schweiz\/standard\/Bundesrat-verschaetzte-sich-massiv\/story\/25316908?dossier_id=2399\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">3<\/a><\/sup> .<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Die aktuellen Zahlen sprechen eine andere Sprache und so wurde mitunter auch das Vertrauen in den Bundesrat, in die Politik ganz allgemein ersch\u00fcttert. Kombiniert mit all dem enormen Druck aus dem Ausland bez\u00fcglich dem Bankgeheimnis, dem der Bundesrat aus Sicht von vielen einfach viel zu viel nur nachgab, anstatt sich zu wehren, sank das Vertrauen in unseren Bundesrat noch viel mehr und immer mehr wurde dieser als \u201eschwach\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Schlussendlich wurde dann noch kurz vor der Abstimmung ein Buch von der sicherlich guten, aber hier wohl mit zu viel Scheuklappen ausgestatten, fr\u00fcheren Aussenministerin Calmy-Rey ver\u00f6ffentlicht <sup><a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/schweiz\/standard\/CalmyRey-empfiehlt-EUBeitritt\/story\/29893911\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">4<\/a><\/sup>, dass entgegen aller Volksstimmung einen EU-Beitritt proklamierte und f\u00fcr viele dann den Reflex ausl\u00f6ste, nun doch ein \u201eJa\u201c in die Urne zu legen, so als eine Art Denkzettel f\u00fcr die linken Parteien, die bis heute anscheinend noch nicht verstanden haben, dass der EU-Beitritt in der Schweiz absolut kein Thema ist. Insofern kann man der SP indirekt einen grossen Erfolg in der F\u00f6rderung der Annahme der Zuwanderungsinitiative attestieren.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><strong><a name=\"Ja-Stimmen\"><\/a>Ja-Stimmen aus den verschiedensten Gr\u00fcnden<\/strong><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Das Volk f\u00fchlte sich, wie oben beschrieben, aus verschiedenen Gr\u00fcnden nicht mehr kompetent vertreten von seiner Regierung. In der schweizerischen Eigenart verpasste es der Regierung via Annahme der Initiative auch einen Denkzettel. Das Volk hatte auch genug von der st\u00e4ndigen Argumentation der Wirtschaftsverb\u00e4nde, dass bei einer Annahme viele Stellen verloren gehen werden. Damit wurde schon zu oft gedroht.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Einige andere, speziell Menschen \u00fcber 50, hatten aber auch zunehmend Angst, keine Arbeitsstelle mehr zu finden oder mit drastischen Einkommenseinbussen zu rechnen. Davon kann ich ein Lied singen, denn ich habe \u00fcber 7 Jahre als Coach f\u00fcr stellensuchende F\u00fchrungskr\u00e4fte gearbeitet und festgestellt, dass deren ganzes Know-how auf dem Markt durch die internationale Konkurrenz auf dieser Etage schlichtweg nicht mehr gefragt war.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Ein weiteres Argument findet sich im Wohnungsmarkt. So ist es in einigen St\u00e4dten bereits nahezu unm\u00f6glich, eine Wohnung zu finden, wenn man keine Beziehungen hat. In ganz Z\u00fcrich beispielweise standen am 1. Juni 2013 nur gerade 242 Wohnungen frei, was einem Leerwohnungsstand von 0.11% bedeutete (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.stadt-zuerich.ch\/prd\/de\/index\/statistik\/bauen_und_wohnen\/gebaeude_und_wohnungen\/leerwohnungszaehlung.secure.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stadt Z\u00fcrich<\/a>). Wie sich ein solcher Stand nat\u00fcrlich auf die Mietpreise auswirkt, rechnet sich von selbst. Und die Schweiz ist ja bekanntlich ein Volk von Mietern, da nur 36% Wohneigentum besitzen (damit stehen wir auf der europ\u00e4ischen Rangliste am Schluss). Dass da nat\u00fcrlich eine weitere unbegrenzte Zuwanderung kein Entspannungsfaktor ist, versteht sich von selbst.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Ein wichtiger weiterer Grund f\u00fcr Ja-Stimmen kam aus dem Lager der EU-Skeptiker und Gegner. Viele Ja-Stimmenden wollten auch ein klares Zeichen gegen einen EU-Beitritt setzen. Den einen ist die Administration ein Dorn im Auge: Beispielsweise das die Banane einen gewissen Kr\u00fcmmungsradius aufweisen muss oder dass der EU-Verwaltungsapparat so riesig ist und so viele Steuern verschlingt.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Die meisten st\u00f6rt an der EU aber der Verlust der Selbstbestimmung in zentralisierten Entscheidungen ohne Ber\u00fccksichtigung der Regionen. Den Schweizern ist traditionell vor allem Ihr Mitbestimmungsrecht in politischen Fragen wichtig. So sind wir aufgewachsen mit der Diskussion von politischen Initiativen, Referenden und anderen Postulaten am Familientisch. Wir stimmen teilweise sogar so, dass sich das Ausland die Augen reibt, wie etwa, als die Stimmb\u00fcrgerInnen gegen mehr Ferien stimmten, um die Wirtschaft konkurrenzf\u00e4higer zu halten.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Dann gibt es viele, denen die versuchte Bevormundung aus dem Ausland ein Dorn im Auge ist. Sei es bei der Abschaffung des Bankgeheimnisses, beim Dr\u00e4ngen auf automatisierten Datenaustausch oder in der Drohung mit der Kavallerie, die bei den Schweizern gar nicht gut ankam. Auch die im Raum stehende Drohung, dass bei einem Ja gleich alle bilateralen Vertr\u00e4ge gek\u00fcndigt werden k\u00f6nnten, sorgte nicht unbedingt f\u00fcr Sympathie.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Und dann gab es auch klare Ja-Stimmen von Secondos und Eingeb\u00fcrgerten, die unter vorgehaltener Hand oft nicht wollten, dass mehr Ihrer Landsleute in die Schweiz kommen und so allenfalls den Ruf ihres Volkes sch\u00e4digen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Und letztendlich gab es doch auch viele Stimmen f\u00fcr die Initiative aus dem gr\u00fcnen Lager, die komplett andere Gr\u00fcnde haben, wieso sie die Zuwanderung beschr\u00e4nken m\u00f6chten. Stichworte dazu sind ungebremstes Wirtschaftswachstum, Zersiedelung, Verdichtung, Naturschutz und Verkehrseind\u00e4mmung. Viele haben Angst, dass die rasche Zuwanderung in der Konsequenz keine nachhaltige Entwicklung des Landes erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><strong><a name=\"Angst\"><\/a>Aber&#8230; haben wir nun Angst vor einer \u00dcberfremdung?<\/strong><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Bevor wir versuchen, abschliessend auf die eingangs gestellte Frage \u201eHat die Schweiz Angst vor einer \u00dcberfremdung?\u201c eine Antwort zu finden, ist festzuhalten, dass die Antwort auf diese Frage sowieso nur auf die H\u00e4lfte der Schweiz zutreffen k\u00f6nnte, denn die Abstimmung spaltete die Schweiz in zwei fast genau gleich grosse Lager. Wenn nur 0.4 % der Stimmb\u00fcrgerInnen ein Nein anstatt ein Ja in die Urne gelegt h\u00e4tten, w\u00e4re die Initiative abgelehnt worden.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Zudem muss auch festgehalten werden, dass die Schweiz ja nicht \u00fcber eine &#8222;Ausl\u00e4nder raus&#8220; &#8211; Initiative abgestimmt haben, sondern lediglich dar\u00fcber, die Zuwanderung zu kontingentieren, also ein Instrument (wieder) einzuf\u00fchren, um die Zuwanderung in Grenzen zu halten.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Und wenn man genauer hinschaut, stellt man fest, dass es bei diesen 50.3% eine riesig grosse Palette von \u201eJa\u201c-Argumenten gab, die \u00fcberhaupt nichts mit Ausl\u00e4nderfeindlichkeit oder Angst vor Fremden zu tun hatten. Wie oben beschrieben, wollten die einen der Politik und Wirtschaft einen Denkzettel geben, andere ein klares Zeichen gegen einen EU-Beitritt setzen. Und anderen wiederum war das Bremsen des Wachstums, der Naturschutz und die Verkehrseind\u00e4mmung wichtig. Wenn man das alles einrechnet, so kann man fast behaupten, dass der Abstimmungsentscheid nur wenig mit einem Votum gegen Ausl\u00e4nder zu tun hatte.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Und wenn man dann noch sieht, dass die viel weitergehende <a href=\"http:\/\/www.ecopop.ch\/joomla\/index.php\/de\/initiative-topmenu-330\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ecopop-Initiative<\/a> (die die Zuwanderungsquote noch viel drastischer einschr\u00e4nken will und im November zur Abstimmung gelangen soll) von der linken Seite kommt, dann kann man sich vorstellen, dass das \u201eJa\u201c wohl sehr wenig mit ausl\u00e4nderfeindlichen Argumenten zu tun hatte.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Auch wenn uns die ausl\u00e4ndische Presse dies nun einreden will, demonstrativ von der EU langj\u00e4hrige Vertr\u00e4ge gek\u00fcndigt wurden und wir von einigen zunehmend als abschottendes Volk wahrgenommen werden. Und selbst ich verstehe, nach dem Verfassen dieses Artikels, die Position der \u201eJa\u201c-Stimmenden einiges besser, auch wenn ich nicht dazu geh\u00f6re.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><strong><a name=\"genugvomWachstum\"><\/a>&#8230;oder haben wir einfach genug vom ewigen Wachstum?<\/strong><\/p>\n<p class=\"mittel\">Die Schweiz hat anscheinend einfach schlichtweg genug vom Wachstum und dessen negativen Wirkungen auf das allt\u00e4gliche Leben. Und das linke Lager dr\u00e4ngt auch aktuell immer noch schon fast blind auf einen EU-Beitritt <sup><a href=\"http:\/\/www.20min.ch\/schweiz\/news\/story\/SP-prueft-EU-Beitritt---doch-nicht-alle-stehen-dahinter-25169131\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">5<\/a><\/sup>, den wohl derzeit mehr als gesch\u00e4tzte 75% nicht bef\u00fcrworten w\u00fcrden. Das ist eine Ignoranz der linken Seite, die sich dann leider in solchen vielleicht etwas irrationalen Volksentscheiden widerspiegelt.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Vielleicht haben wir in der Schweiz aber auch tats\u00e4chlich erkannt, dass man Geld nicht essen kann und unbegrenztes Wachstum daher kein Ideal sein kann. Dies konnten wir aber wohl auch nur, weil es uns seit Jahrzehnten so gut geht, dass wir uns solche Gedanken \u00fcberhaupt leisten k\u00f6nnen&#8230;<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Am entscheidendsten f\u00fcr das \u201eJa\u201c m\u00f6gen oben beschriebene Gef\u00fchle, des \u201eZu viel\u201c gewesen sein. Der Verlust der Lebensqualit\u00e4t kompensiert nun einfach nicht den zunehmenden Lebensstandard, wie wir schon in <a href=\"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=23\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">fr\u00fcheren Studien von spirit.ch<\/a> feststellen konnten.<\/p>\n<p class=\"mittel\"><strong><a name=\"Umfrage\"><\/a>Was ist Ihre Meinung dazu?<\/strong><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Die genauen Ursachen und Gr\u00fcnde f\u00fcr die Zustimmung zur Zuwanderungsinitiative versuchen wir in unseren <a href=\"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=460\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aktuellen Umfrage<\/a> zu er\u00f6rtern \u2013 wir w\u00fcrden uns sehr freuen, wenn Sie <a href=\"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=460\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mitmachen<\/a> w\u00fcrden und die Umfrage Ihren Freunden empfehlen w\u00fcrden!<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Und bis zum Vorliegen der Resultate w\u00fcrde ich k\u00fchn behaupten: Die Schweiz hat keinesfalls Angst vor Fremden oder Fremdem \u2013 nicht mal im Ansatz! Die ersten Zwischen-Ergebnisse der Umfrage best\u00e4tigen \u00fcbrigens die in diesem Artikel getroffenen Annahmen&#8230;<\/p>\n<p class=\"mittel\">W\u00fcrde mich sehr \u00fcber Reaktionen freuen! Ihre Meinung k\u00f6nnen Sie unten einfach als Kommentar beisteuern.<\/p>\n<p class=\"Titel4\"><a name=\"Nachtrag\"><\/a>Nachtrag 9. April 2014 &#8211; Resultate der Umfrage<\/p>\n<p class=\"mittel\">Wie von mir erwartet, zeigen die Resultate der Umfrage, die heute im <a href=\"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=485\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel <span class=\"nodeLabelBox repTarget \"><span class=\"nodeAttr editGroup \"><span class=\"nodeValue editable \">Ursachen und Folgen des 9. Februars 2014 <\/span><\/span><\/span><\/a>aufgeschaltet <br \/>wurden, dass die Annahmen in diesem Artikel durchaus begr\u00fcndet waren und sich schon fast vollumf\u00e4nglich mit den effektiven Resultaten decken.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Das allgemeine Gef\u00fchl, so k\u00f6nne es nicht weitergehen und die Angst vor dem &#8222;zu viel&#8220; (Verkehr, Infrastruktur, Umweltbelastung) sowie ein Misstrauen gegen\u00fcber Regierung und Politik haben eindeutig den Ausschlag f\u00fcr das JA gegeben. Erst mit grossem Abstand dahinter folgt die Angst vor der \u00dcberfremdung.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Bin gespannt auf die weitere Diskussion dazu und freue mich \u00fcber jede Stimme, sei es \u00fcber die Kommentarfunktion unten oder als <a href=\"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=483\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Leserbrief<\/a>!<\/p>\n<p class=\"mittel\">\u00a0<\/p>\n<div id=\"_mcePaste\" style=\"position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow: hidden;\">\n<h2 class=\"contentheading\"><a class=\"contentpagetitle\" href=\"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=485\">Ursachen und Folgen des 9. Februars 2014<\/a><\/h2>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/diverse\/thumbnails\/fanimal-thumb.jpg\" alt=\"fanimal-thumb\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p>Ein Versuch der Erkl\u00e4rung des 9. 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