{"id":480,"date":"2014-03-12T10:31:15","date_gmt":"2014-03-12T10:31:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=480"},"modified":"2014-03-12T10:31:15","modified_gmt":"2014-03-12T10:31:15","slug":"schweiz-am-abgrund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/?p=480","title":{"rendered":"Schweiz am Abgrund"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/aktuell\/krimi1.jpg\" alt=\"krimi1\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/p>\n<p> <span class=\"Titel3rot\">Ein interaktiver Schweiz-Krimi in Fortsetzungen<\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><em>Die Themen &#8222;Identit\u00e4t, Werte und Zukunft der Schweiz&#8220; in Form einer spannenden und vergn\u00fcglichen Geschichte attraktiv zu machen, ist das Ziel des Fortsetzungs-Krimis <strong>Schweiz am Abgrund<\/strong>. Die neuen Folgen erscheinen im Abstand <em class=\"mittel\">von einer Woche in Zukunft jeweils am Freitag<\/em>. An manchen Stellen haben Sie als Leserin oder Leser die M\u00f6glichkeit, interaktiv ins Geschehen einzugreifen. Bleiben Sie dran! <\/p>\n<p><a href=\"#Teil1\">Teil 1 &#8211; 12. M\u00e4rz 2014<\/a><br \/><a href=\"#Teil2\">Teil 2 &#8211; 21. M\u00e4rz 2014<\/a><br \/><a href=\"#Teil3\">Teil 3 &#8211; 28. M\u00e4rz 2014<\/a><br \/><a href=\"#Teil4\">Teil 4 &#8211; 4. April 2014<\/a><br \/><a href=\"#Teil5\">Teil 5 &#8211; 11. April 2014<\/a><br \/><\/em><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><strong><em><a name=\"Teil1\"><\/a><span class=\"Titel3rot\">Schweiz am Abgrund (Teil 1)<\/span><\/em><\/strong><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Markus Harzenmoser hatte sich einen einst\u00fcndigen Mittagsschlaf geg\u00f6nnt. Heute war seine w\u00f6chentliche Kolumne f\u00e4llig, und aus den Erfahrungen eines langen Schreiberlebens wusste er, dass er ausgeruht am besten war. Gerade bei diesem Auftrag einer grossen deutschen Sonntagszeitung wollte und musste er sein Bestes geben. Es ging immerhin um nichts weniger als den deutschen Leserinnen und Lesern die Gem\u00fctslage seiner Schweizer Landsleute nach der denkw\u00fcrdigen Abstimmung \u00fcber die so genannte Masseneinwanderungsinitiative zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Der Kolumnentitel \u201eSchweiz am Abgrund\u201c war nicht seine Wahl gewesen. Der Vorschlag war von der Redaktion gekommen, man wollte mit einem dramatischen Titel Leser anlocken. Harzenmoser, der im Hauptberuf als Deutschlandkorrespondent f\u00fcr einige mittelgrosse Schweizer Tageszeitungen mit Sitz in Berlin arbeitete, fand den Titel bei genauerer Betrachtung nur m\u00e4ssig \u00fcbertrieben. Das Land, aus dem er stammte und dem er sich nach wie vor stark verbunden f\u00fchlte, war nach der \u00e4usserst knapp ausgegangenen Abstimmung tats\u00e4chlich immer n\u00e4her an den Abgrund einer Spaltung geraten.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Entsprechend war der bei den Nachbarn der Schweiz der Bedarf nach Erkl\u00e4rungsmustern f\u00fcr diese ebenso seltsame wie bedrohliche Entwicklung gestiegen. Besonders gefragt waren Stimmen, welche die Innensicht eines geborenen Schweizers mit der Aussensicht von jemandem, der lange im Ausland gelebt und gewirkt hatte, verbanden. Markus Harzenmoser hatte deshalb das Angebot, eine solche Stimme zu sein, gerne angenommen, auch wenn er wusste, dass es eine ernsthafte Herausforderung sein w\u00fcrde zu verstehen, was in der Schweiz wirklich los war.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Harzenmoser liebte Herausforderungen und fand, dass ihn das mit seinem Heimatland verband. Die Schweiz hatte im Laufe ihrer langen Geschichte immer wieder ernsthafte Herausforderungen angenommen und bew\u00e4ltigt. Das w\u00fcrde, so hoffte er zumindest, auch diesmal nicht anders sein. Und er, Markus Harzenmoser, wollte einen kleinen, aber feinen Beitrag zur L\u00f6sung der aktuellen Krise leisten. Das war er seiner Heimat einfach schuldig.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Wie so viele seine Landsleute war auch Harzenmoser erst im Ausland zum Patrioten geworden. Erst der Blick von aussen hatte ihn gelehrt, die vielen Qualit\u00e4ten und Vorz\u00fcge der Schweiz wirklich zu sch\u00e4tzen, ja zu lieben. Und obwohl er in Berlin beruflich erfolgreich war und echte Freunde gefunden hatte, plagte auch ihn gelegentlich die \u201eSchweizer Krankheit\u201c, das Heimweh.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">In der Vorbereitung auf seine heutige Kolumne hatte sich Harzenmoser \u00fcber dieses Ph\u00e4nomen sachkundig gemacht. Fr\u00fcher galt demnach Heimweh als eine Krankheit, die t\u00f6dlich enden konnte. Und sie galt als \u201eSchweizer Krankheit\u201c. Der Basler Mediziner Johannes Hofer beschrieb Heimweh 1688 erstmals als wissenschaftlich als eine Krankheit. Er beobachtete bei Schweizer Soldaten oder Reisenden in der Ferne eine schwere Gem\u00fctslage. Ihre Lebensenergie sei durch das anhaltende Denken an das Vaterland ersch\u00f6pft.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Markus Harzenmoser wusste aus eigener Erfahrung, dass diese Krankheit nicht ausgestorben war, auch wenn sie kaum noch t\u00f6dlich endete. Um ihre Auswirkungen zumindest zu mildern, reiste er deshalb so oft wie m\u00f6glich in die Schweiz. Gleichzeitig konnte er dort jene Eindr\u00fccke aus erster Hand sammeln, die er in seinen Kolumnen verarbeitete. Bereits hatte er einige davon platzieren k\u00f6nnen, was f\u00fcr ihn ein ermutigender Hinweis darauf war, dass er etwas zu sagen hatte.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Bevor er auf seinem Computer ein neues Dokument f\u00fcr die Kolumne anlegte, wollte sich Markus Harzenmoser einen \u00dcberblick \u00fcber die Nachrichtenlage verschaffen und klickte deshalb sein Schweizer Lieblingsnachrichtenportal an. Dort prangte dick und fett die Schlagzeile \u00bbBlocher und Leuthard entf\u00fchrt!\u00ab.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Viel wusste man noch nicht, nur dass der Anf\u00fchrer der Nationalen Rechten und Ex-Bundesrat Christoph Blocher sowie die amtierende Verkehrsministerin Doris Leuthard unabh\u00e4ngig voneinander, aber fast zeitgleich verschwunden waren. Alles deutet auf zwei Entf\u00fchrungen hin. Weitere News w\u00fcrden folgen.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Markus Harzenmoser war geschockt. Damit hatte selbst er nicht gerechnet. Wohl hatte er in den letzten Monaten eine Versch\u00e4rfung der Lage registriert, und in seinen Kolumnen hatte er mehrfach vor einer Eskalation gewarnt. Doch dass es so weit kommen k\u00f6nnte, hatte er nicht mal in seinen Alptr\u00e4umen vorhergesehen.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Bevor an eine neue Kolumne zu denken war, musste er erst einmal selber verstehen, was er bisher \u00fcbersehen hatte. Er beschloss, die Vorgeschichte zu rekonstruieren, indem er alle bisher erschienen Kolumnen noch einmal sorgf\u00e4ltig las. Vielleicht k\u00f6nnte er so besser nachvollziehen, was die Schweiz jetzt n\u00e4her denn je dahin getrieben hatte, wovon der Kolumnentitel sprach: an den Abgrund.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><em>Wie konnte es so weit kommen? Am Freitag in einer Woche, dem 21.M\u00e4rz erfahren Sie mehr!<\/em><\/p>\n<p><strong><em class=\"Titel3rot\"><a name=\"Teil2\"><\/a>Schweiz am Abgrund (Teil 2)<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em> <\/em><\/strong><\/p>\n<p class=\"mittel\"><em>Was bisher geschah: Markus Harzenmoser, Schweizer Korrespondent in Berlin, schreibt eine Kolumne, um Deutschland die Schweiz nach der Abstimmung \u00fcber die Masseneinwanderungsinitiative zu erkl\u00e4ren, als ihn die Meldung von der Entf\u00fchrung von Christoph Blocher und Doris Leuthard erreicht. Um die Vorgeschichte zu verstehen, holt er sich seine bisherigen Kolumnen auf den Bildschirm.<\/em><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><em> <\/em><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Teil 2 &#8211; Freitag 21.M\u00e4rz 2014 &#8211; Zum Teil <a href=\"#Teil1\">1<\/a> | <a href=\"#Teil3\">3<\/a> | <a href=\"#Teil4\">4<\/a> | <a href=\"#Teil5\">5<\/a><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">\u00bbEntweder Sie akzeptieren jetzt den Titel \u201eSchweiz am Abgrund\u201c f\u00fcr Ihre geplante Kolumne, oder daraus wird nichts. Wir sind hier nicht in der Schweiz mit ihren blumig verharmlosenden Formulierungen. Hier in Berlin bevorzugen wir den direkten Klartext.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span><span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Diesem Ultimatum des Chefredakteurs hatte ich nichts mehr entgegenzusetzen. Mein Argument, so schlimm sei die Lage nun auch wieder nicht, die Bezeichnung \u201eam Abgrund\u201c sei klar \u00fcbertrieben, hatte er mit der Bemerkung gekontert, \u00dcbertreibung sei f\u00fcr ihn nur ein anderes Wort f\u00fcr Verdeutlichung und diene damit der Kl\u00e4rung.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span><span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Und \u00fcberhaupt, hatte erhinzugef\u00fcgt, sei die Lage f\u00fcr die Schweiz nach der denkw\u00fcrdigen Abstimmung eindeutig ernst, auch wenn man das im Land selbst vielleicht nicht so wahrnehme. Die EU habe die beschlossene Abkehr vom freien Personenverkehr als schallende Ohrfeige empfunden, schliesslich sei damit einer der ehernen Grundpfeiler der Europ\u00e4ischen Union in Frage gestellt worden.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span><span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Erste Strafmassnahmen wie die K\u00fcndigung des Erasmus-Abkommens zum Studentenaustausch h\u00e4tten gezeigt, dass die EU den Schweizer Liebesentzug nicht so einfach hinnehmen w\u00fcrden. Sollte die Lage eskalieren, drohe der Schweiz, vom europ\u00e4ischen Binnenmarkt ganz ausgeschlossen zu werden, und dann st\u00fcnde sie wirklich am Abgrund.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span><span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Meine typisch schweizerischen Beschwichtigungsversuche fruchteten nichts. Weder der Hinweis, die Suppe werde nicht so heiss gegessen wie sie gekocht wurde, weil ja noch v\u00f6llig offen sei, wie die konkrete Umsetzung eines Grundsatzbeschlusses aussehe, noch das Argument, auch die EU habe ein vitales Interesse an einer g\u00fctlichen Einigung mit einem wichtigen Handelspartner, konnten ihn \u00fcberzeugen. Die Schweiz habe sich nun mal getraut, als David mit gerade mal acht Millionen Einwohnern gegen den Koloss EU mit seinen f\u00fcnfhundert Millionen aufzumucken, und das sei ein Riesenrisiko.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span><span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">\u00bbSomit steht die Schweiz tats\u00e4chlich am Abgrund\u00ab, schloss er, \u00bbund deshalb bleibt es beim Titel. Basta.\u00ab So kam es, dass Sie meine w\u00f6chentlichen Notizen dar\u00fcber, was in der Schweiz los ist, k\u00fcnftig unter diesem Titel lesen werden. Ob er sich bewahrheitet, oder ob er doch \u00fcbertrieben ist, wird sich weisen. Ich werde jedenfalls versuchen, Indizien f\u00fcr beide Betrachtungsweisen zu finden, schliesslich geh\u00f6rt ein gewisser Drang zur Neutralit\u00e4t zur Schweizer Grundausstattung.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span><span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Ich muss zugeben, dass es aus der realpolitischen, sprich machtpolitischen Sicht, die der Chefredakteur vertritt, durchaus gute Gr\u00fcnde gibt, die Schweiz am Abgrund zu sehen. Mindestens so viel Sorgen macht mir allerdings eine innerschweizerische Perspektive. Die Abstimmung \u00fcber jene Vorlage, die von den Bef\u00fcrwortern als Initiative gegen Masseneinwanderung verkauft und von den Gegnern als Abschottungsinitiative bek\u00e4mpft wurde, ging ja denkbar knapp aus. Gerade mal 50.3 Prozent haben ihr zugestimmt, das Lager der Bef\u00fcrworter umfasste zum Schluss 29&#8217;000 mehr Stimmen als jenes der Gegner.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span><span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Eine solche Spaltung in zwei ann\u00e4hernd gleich grosse Bl\u00f6cke tut selten gut. Schon gar nicht, wenn es um eine so grunds\u00e4tzliche Frage wie die geht, was aus der Schweiz werden soll. Die eine H\u00e4lfte setzt auf eine weiterhin offene Schweiz, die alles in allem von der Zuwanderung profitiert, vor allem wirtschaftlich, der anderen H\u00e4lfte ist diese Offenheit zu viel geworden, weil sie wichtige Interessen und Werte bedroht. Dass diese H\u00e4lfte die Abstimmung gewonnen hat, war je nach Position Gl\u00fcck oder Pech, auf jeden Fall eher zuf\u00e4llig.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span><span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Dumm gelaufen, k\u00f6nnte man dazu sagen. Das gen\u00fcgt nur leider nicht. Das zerr\u00fcttete Verh\u00e4ltnis zur EU kann die Schweiz vielleicht mit kluger Verhandlungsdiplomatie wieder ins Lot bringen. Die unheilvolle Spaltung der Schweiz selbst wird damit nicht \u00fcberwunden. Daf\u00fcr braucht es gr\u00fcndliche Ursachenforschung. Und vor allem kreative L\u00f6sungsans\u00e4tze. Von einem hoffe ich n\u00e4chste Woche berichten zu k\u00f6nnen.\u00ab<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span><span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">* * * * * * *<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">W\u00e4hrend Markus Harzenmoser seinen alten Text auf dem Grossbildschirm las, verfolgte er mit einem Auge die aktuelle Nachrichtenlage auf seinem Tablet und sah dort die Schlagzeile: \u00bbRadikale Turboproper bekennen sich zu Blocher-Entf\u00fchrung \u2013 radikale Armbr\u00fcstler im Gegenzug zu Leuthard-Entf\u00fchrung\u00ab.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span><span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><em>Wer sind die geheimnisvollen Armbr\u00fcstler und Turboproper? N\u00e4chste Woche erfahren Sie mehr!<\/em><\/p>\n<p class=\"mittel\"><em><strong><em class=\"Titel3rot\"><a name=\"Teil3\"><\/a>Schweiz am Abgrund (Teil 3)<\/em><\/strong><\/em><\/p>\n<p class=\"mittel\"><em>Was bisher geschah: Markus Harzenmoser liest seine erste Kolumne \u00fcber die \u201eSchweiz am Abgrund\u201c wieder, um besser zu verstehen, warum die Lage bis zur Entf\u00fchrung von Blocher und Leuthard eskalieren konnte. Er macht sich darin Sorgen um die Spaltung der Schweiz in zwei gleich grosse Bl\u00f6cke.<\/em><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Teil 3 &#8211; Freitag 28.M\u00e4rz 2014 &#8211; Zum Teil <a href=\"#Teil1\">1<\/a> | <a href=\"#Teil2\">2<\/a> | <a href=\"#Teil4\">4<\/a> | <a href=\"#Teil5\">5<\/a><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Der Landgasthof Hirschen oberhalb des Appenzeller Dorfs Wald liegt einzigartig. Der Blick schweift weit \u00fcber die H\u00fcgellandschaft des Appenzellerlands, das vielen zu Recht als besonders typisches St\u00fcck Schweiz gilt, nicht nur seines ber\u00fchmten K\u00e4ses wegen. Weit unten sieht man einen Teil von St. Gallen und wird so daran erinnert, dass die Schweiz auch aus St\u00e4dten besteht. An einem anderen Horizont erhebt sich die Bergkette des Alpsteins mit ihrem h\u00f6chsten Gipfel S\u00e4ntis als Mahnmal daf\u00fcr, dass sich weite Teile der Schweiz tief innen immer noch als Bergler sehen.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Allerdings liegen manche der Gipfel, die man vom Hirschen aus sieht, bereits in \u00d6sterreich. Und es braucht vom Gasthof aus nur wenige Schritte, um einen Teil des Bodensees samt dessen deutschem Nordufer sehen zu k\u00f6nnen. Damit ist der Hirschen ein sch\u00f6nes Symbol daf\u00fcr, dass man sehr wohl mitten in der Schweiz als auch sehr nah bei den befreundeten Nachbarn liegen kann.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Diese symboltr\u00e4chtige Lage war es, die zur Wahl des Tagungsorts der HICO gef\u00fchrt hatte. Und weil man da oben auf rund tausend Meter Meeresh\u00f6he unvergleichliche Weit- und Ausblicke erleben konnte, also genau das, was in einer Krisensituation gebraucht wurde, beschloss die HICO, sich auch nach ihrem Tagungsort zu benennen: Die Hirschen-Connection. Zu deren aktueller Tagung, an der wichtige Neuigkeiten verk\u00fcndet werden sollten, bin ich eingeladen worden und habe letzte Woche daran teilgenommen.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Die klugen K\u00f6pfe, aus denen die HICO besteht, haben nat\u00fcrlich l\u00e4ngst herausgefunden, dass man diesen Namen auch anders lesen kann. HI etwa k\u00f6nnte \u201eHelvetia integra\u201c bedeuten, also die ungeteilte, nicht gespaltene Schweiz. Und CO k\u00f6nnte auch f\u00fcr Confoederatio stehen, das lateinische Wort f\u00fcr Eidgenossenschaft.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Eine Genossenschaft, die auf einem Eid beruht \u2013 das ist in den Augen der HICO das eigentliche Geheimnis der Schweiz. Dieses Land hat ja keinerlei reale Grundlagen in Form einer sinnvoll abgrenzbaren geografischen Lage oder eines in sich abgeschlossen Sprachkulturraums. Ein geteilter Eid ist dagegen etwas h\u00f6chst Abstraktes und Symbolisches, keine stabile Grundlage f\u00fcr eine gemeinsame Identit\u00e4t, sollte man meinen. Und doch hat es funktioniert. Jedenfalls bis heute.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Die gemeinsame Identit\u00e4t der Schweiz beruht also ausschliesslich auf Symbolen. Zu diesem Schluss war die HICO bei ihren bisherigen Tagungen gekommen. Die logische Fortsetzung dieses Gedankens lautete: Wenn die bisher funktionierende Gemeinsamkeit in der Schweizer Identit\u00e4t bedroht ist, taugen die bisherigen Symbole nichts mehr. Gebraucht werden also neue Symbole f\u00fcr das, was die Schweiz ausmacht.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Ich muss gestehen, dass ich diesen Gedanken zun\u00e4chst etwas abwegig fand. Da steht die Schweiz vor handfesten politischen und wirtschaftlichen Problemen, und die haben nichts Besseres zu tun als neue abstrakte Symbole zu suchen? Bei n\u00e4herer Betrachtung \u00fcberzeugte mich der Gedanke. Symbole reichen ja nicht nur in luftige oder gar luftleere H\u00f6hen, sie verweisen auch die Tiefen unserer innersten Identit\u00e4t und verk\u00f6rpern jene Werte, die uns wichtig sind.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Die HICO hatte zu diesem Thema in ihrer Einladung den Basler Soziologen Ueli M\u00e4der zitiert: <em>\u00bbDie wirtschaftliche N\u00fctzlichkeit, mit der die Gegner der Vorlage argumentiert haben, hat breite Teile der Bev\u00f6lkerung nicht erreicht. Vielleicht, weil die Menschen wieder nach anderen Werten im Leben suchen.\u00ab<\/em><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><em> <\/em><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Und hinzugef\u00fcgt: \u00bbDarum geht es: Welche Werte sind der Schweiz und ihren Bewohnerinnen und Bewohnern f\u00fcr die Zukunft wichtig? Werte lassen sich immer nur bedingt in Worten ausdr\u00fccken. Mindestens ebenso gut wird das Wesen von Werten durch Symbole aller Art erfasst. Deshalb suchen wir nach aussagekr\u00e4ftigen Symbolen f\u00fcr die Werte der zuk\u00fcnftigen Schweiz. Dieser Prozess kann und soll gerade in der Schweiz nicht von oben herab erfolgen. Nicht Experten oder andere Entscheidungstr\u00e4ger sollen \u00fcber die k\u00fcnftigen Symbole, wof\u00fcr die Schweiz steht, bestimmen, sondern alle, denen die Zukunft der Schweiz am Herzen liegt. Wie wir uns einen solchen breit abgest\u00fctzten demokratischen Auswahlprozess vorstellen, erfahren Sie an unserer Tagung.\u00ab<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Und Sie, verehrte Leserinnen und Leser, erfahren es n\u00e4chste Woche.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">* * * * * * *<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Die n\u00e4chste Schlagzeile im Newsticker lautete: \u00bbArmbr\u00fcstler und Turboproper fordern Verl\u00e4ngerung der Abstimmung \u00fcber Schweizer Symbole\u00ab<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><em>Was hat es mit dieser Abstimmung auf sich? N\u00e4chsten Freitag 4. April erfahren auch Sie mehr!<\/em><\/p>\n<p><em><strong><em class=\"Titel3rot\"><a name=\"Teil4\"><\/a>Schweiz am Abgrund (Teil 4)<\/em><\/strong><\/em><\/p>\n<p class=\"mittel\"><em>Was bisher geschah: In seiner zweiten Kolumne liest Markus Harzenmoser \u00fcber die Anf\u00e4nge der Abstimmung \u00fcber Schweizer Symbole. Gleichzeitig fordern die Entf\u00fchrer von Leuthard und Blocher eine Verl\u00e4ngerung dieser Wahl.<\/em><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><em> <\/em><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Teil 4 &#8211; Freitag 4. April 2014 &#8211; Zum Teil <a href=\"#Teil1\">1<\/a> | <a href=\"#Teil2\">2<\/a> | <a href=\"#Teil3\">3<\/a> | <a href=\"#Teil5\">5<\/a><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">\u00bbDie Vorsitzende, eine gewisse Viola da Palma, ist das ideale Gesicht der HICO. Sie ist jung und attraktiv genug, um eine frische Alternative zu den sattsam bekannten m\u00fcrrischen Gesichtern des \u00fcblichen Politbetriebs zu bilden. Vor allem aber ist sie eine Seconda, eine in der Schweiz aufgewachsene Tochter von aus dem Ausland immigrierten Eltern. Aus ihrer typischen Mischung aus schweizerischen Werten und solchen ihrer urspr\u00fcnglichen Heimatl\u00e4nder sch\u00f6pft sie wie viele Secondos und Secondas eine Antriebskraft, die ihr H\u00f6chstleistungen und kreative Einf\u00e4lle erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Im Falle der Schweizer Fussballnationalmannschaft ist allgemein bekannt, dass sie zu wesentlichen Teilen von Secondos lebt. In Wissenschaft und Forschung ist es nicht anders, wie das Beispiel von Viola da Palma zeigt. Sie hat eine bemerkenswerte politikwissenschaftliche Karriere hingelegt und gilt bereits in ihren jungen Jahren als anerkannte Expertin f\u00fcr tiefere Motive bei direktdemokratischen Entscheidungen.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">In ihrer Rede im Hirschen erl\u00e4uterte sie, die Suche nach neuen Symbolen f\u00fcr das, wof\u00fcr die Schweiz steht und stehen soll, k\u00f6nne nur direktdemokratisch erfolgen. Allerdings habe die rein politische Form der direkten Demokratie zwei st\u00f6rende Grenzen. Erstens m\u00fcsse man sich immer zwischen Ja und Nein entscheiden, differenziertere Meinungs\u00e4usserungen seien nicht m\u00f6glich. Und zweitens sei die Teilnahme auf Schweizer B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger beschr\u00e4nkt, wobei bei einer so wichtigen Frage doch auch in der Schweiz lebenden Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4ndern eine Teilnahme m\u00f6glich sein sollte, ja auch Menschen ausserhalb der Schweiz, die sich f\u00fcr dieses Land ernsthaft interessieren.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Man habe sich bei der WICO einen Moment \u00fcberlegt, eine klassische Volksinitiative zu starten. Schliesslich gebe es immer wieder Volksbegehren, bei denen es um Symbole geht. Da stimmt, beim Minarettverbot etwa ging es ausschliesslich um ein Symbol. Doch eine solche Initiative habe die erw\u00e4hnten M\u00e4ngel und w\u00fcrde zudem viel zu viel Zeit kosten.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Erwogen seien auch Vorst\u00f6sse zur \u00c4nderung des Wappenschutz-Gesetzes oder des Markenschutz-Gesetzes, und man habe in Form des Appenzell Ausserrhoder Nationalrats Andrea Caroni auch bereits einen Verb\u00fcndeten gefunden, der sich daf\u00fcr einsetzen wolle. Sinnvoll sei das allerdings erst dann, wenn unter m\u00f6glichst grosser Beteiligung ein neues Symbol f\u00fcr die Schweiz gek\u00fcrt sein wird.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Gefragt seien f\u00fcr diesen Prozess, so die HICO, frische und neue Wege. Vorbilder daf\u00fcr gebe es genug. \u00dcberall im Netz kann man liken, voten, ranken und ausw\u00e4hlen. Und im Fernsehen k\u00f6nnen alle, die wollen, die Wahl zum h\u00fcbschesten Modell, zum besten Song oder gar zum Schweizer des Jahres mitbestimmen. Warum also sollte man nicht auch eine Hitparade der Schweizer Symbole auf diese Weise erstellen?<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Die HICO hatte f\u00fcr ihre Idee Verb\u00fcndete gesucht und war bei der Schweizer Radio- und Fernsehgesellschaft SRG auf offene Ohren gestossen. Wie deren ebenfalls im Hirschen anwesender Generaldirektor verk\u00fcndete, sch\u00e4tzte sich die SRG gl\u00fccklich, auf diese Weise einen Beitrag zur Diskussion \u00fcber die Werte der Schweiz und \u00fcber ihre Zukunft leisten zu k\u00f6nnen. Und da es um visuelle Symbole ging, spielten die Sprachunterschiede eine geringere Rolle als sonst, was es der SRG erlaubte, endlich mal wieder eine gesamtschweizerische Aktion in allen Landesteilen zu starten und damit einen Beitrag zur Einheit des Landes zu leisten.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Konkret soll der Prozess so aussehen, dass in einer ersten Runde alle, die wollten, Vorschl\u00e4ge f\u00fcr ein neues Symbol f\u00fcr die Schweiz einreichen k\u00f6nnen. Eine kleinere Gruppe von besonders interessierten und engagierten Menschen bewertet diese Vorschl\u00e4ge im Internet. Symbole, die dabei ein bestimmtes Minimum an Unterst\u00fctzung erhalten, kommen auf die \u201eLonglist\u201c. Daraus w\u00e4hlt ein m\u00f6glichst grosser Teilnehmerkreis, immer noch im Internet, die zehn \u00fcberzeugendsten Vorschl\u00e4ge aus.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">In einer Serie von Fernsehshows werden diese zehn Vorschl\u00e4ge pr\u00e4sentiert. In jeder Runde w\u00e4hlt das Publikum einen Kandidaten ab, bis nur noch drei \u00fcbrig bleiben, aus denen in der letzten Runde das Sieger-Symbol gek\u00fcrt wird. Ab sofort ist auf der Website der HICO eine Anmeldung f\u00fcr die ersten Phasen des Auswahlprozesses m\u00f6glich, wenngleich nicht anonym.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">* * * * * * * *<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Zu den Entf\u00fchrungen fand Markus Harzenmoser im Netz keine Neuigkeiten. Er hatte Zeit dar\u00fcber nachzudenken, dass er die Idee einer demokratischen Symbol-Auswahl auf neuen Wegen damals sehr gut gefunden hatte. In der Zwischenzeit allerdings war sie geh\u00f6rig aus dem Ruder gelaufen.\u00ab<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><em>Was ist schief gelaufen? Sie erfahren mehr, wenn Sie an unserem Fortsetzungsroman dran bleiben&#8230;<\/em><\/p>\n<p><em><strong><em class=\"Titel3rot\"><a name=\"Teil5\"><\/a>Schweiz am Abgrund (Teil 5)<\/em><\/strong><\/em><\/p>\n<p class=\"mittel\"><em>Was bisher geschah: Markus Harzenmoser besch\u00e4ftigt sich mit dem Projekt einer demokratischen Wahl eines neuen Symbols f\u00fcr die Schweiz, das so weit aus dem Ruder gelaufen ist, dass es zu einer Doppelentf\u00fchrung kam.<\/em><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><em> <\/em><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Teil 5 &#8211; Freitag 11. April 2014 &#8211; Zum Teil <a href=\"#Teil1\">1<\/a> | <a href=\"#Teil2\">2<\/a> | <a href=\"#Teil3\">3<\/a> | <a href=\"#Teil4\">4<\/a><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">\u00bbDie zur Tagung der Hirschen-Connection angereisten Medienleute waren von der Idee einer neuartigen demokratischen Auswahl eines neuen Symbols f\u00fcr die Schweiz sehr angetan und trugen die Botschaft in die Lande hinaus. Ausnahmsweise herrschte Frieden zwischen der SRG und den \u00fcbrigen wichtigen Medien. Der SRG-Boss hatte gr\u00f6sstm\u00f6gliche Kooperation angeboten, und da es um einen guten Zweck ging, wollte man am selben Strang ziehen.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Die SRG hat bereits auf allen Kan\u00e4len begonnen, Werbung f\u00fcr die Aktion zu machen, und viele Medien haben mitgezogen. So ist es kein Wunder, dass sich bereits ein betr\u00e4chtliches Interesse am Mitmachen regt. Ich habe eben nachgefragt: Insgesamt xx Menschen haben sich bisher auf der Anmeldeseite eingeloggt. xx Prozent sind bereit, sich unter vollem Namen anzumelden, xx Prozent wollen nur anonym mitmachen, xx Prozent gar nicht. Die Liebhaber der Anonymit\u00e4t haben Pech gehabt, die Initianten des Projekts wollen verhindern, dass unter deren Schutzmantel destruktive Kr\u00e4fte ein Tummelfeld erhalten.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Ein interessantes Detail habe ich Ihnen in meiner letzten Kolumne vorenthalten. Ein hartn\u00e4ckiger Journalist wollte von der HICO-Vorsitzenden Viola da Palma n\u00e4mlich wissen, ob sie nicht ein oder zwei m\u00f6gliche Beispiele f\u00fcr Schweizer Symbole nennen k\u00f6nnen, um die Sache anschaulicher und fassbarer zu machen. Sie zierte sich zun\u00e4chst, weil sie keine falsche Vorauswahl treffen wollte, doch als der Journalist insistierte und dabei von vielen Kolleginnen und Kollegen unterst\u00fctzt wurde, nannte sie schliesslich doch zwei Beispiele.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Ein klassisches Beispiel f\u00fcr ein Schweizer Symbol sei die Armbrust. Seit 1917 ist die Armbrust ein offizielles G\u00fctesiegel f\u00fcr die Schweizer Herkunft von Produkten und Dienstleistungen im In- und Ausland. Um das G\u00fctesiegel zu bekommen, muss man Mitglied in einem Verein sein, der seit 1989 \u201eSwiss Label\u201c heisst und dem \u00fcber 500 Unternehmen angeh\u00f6ren.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Ein bisschen, f\u00fcgte Viola da Palma leicht spitz hinzu, wundere es sie schon, dass ausgerechnet ein eindeutig kriegerisches Symbol f\u00fcr Schweizer Qualit\u00e4t stehen solle. Und warum gerade die Wirtschaft, die bei der Abstimmung doch so sehr auf Offenheit und unbegrenzte Zuwanderung gepocht hatte, ein Symbol der Abwehr, ja der Abschottung gew\u00e4hlt habe.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Als zweites Beispiel nannte sie das Symbol Turboprop. Weil die meisten Mienen Unverst\u00e4ndnis ausdr\u00fcckten, kramte sie aus ihren Unterlagen einen Ausdruck hervor und zeigte ihn herum. Zu sehen war die schematische technische Zeichnung eines Turboprop-Antriebs. Dabei handle es sich, f\u00fcgte Viola da Palma hinzu, um eine besonders effiziente Methode, ein Flugger\u00e4t maximal zu beschleunigen.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Das Symbol war eindrucksvoll. Im hinteren Teil der Turbine gl\u00fchte der Treibstoff als Symbol f\u00fcr maximale Power, und auf der Narbe des Propellers vorn prangte das Schweizer Kreuz. Auf Nachfrage erkl\u00e4rte die HICO-Vorsitzende, der Turboprop sei das Emblem einer erst k\u00fcrzlich gegr\u00fcndeten Gruppe vorwiegend j\u00fcngerer Wirtschafts- und Finanzleute, die dezidiert wirtschaftsliberale Ziele verfolge und erkl\u00e4rtermassen alles daf\u00fcr tun wolle, dass die erfreuliche wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz m\u00f6glichst ohne l\u00e4stige Einschr\u00e4nkungen weitergehe.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Als Symbol f\u00fcr ungebremste wirtschaftliche Dynamik habe diese Gruppe den Turboprop gew\u00e4hlt, und entsprechend nannten sie sich die Turboproper. Das entbehre, meinte eine kluge Journalistin, nicht einer gewissen Ironie. Angelehnt war der Name an die sogenannten \u201eEuro-Turbos\u201c, die angeblich die Schweiz m\u00f6glichst rasch in die EU f\u00fchren wollten. Die jetzigen Turboproper dagegen wollten keineswegs EU-Mitglied werden. Als Wirtschaftspartner war ihnen die EU nat\u00fcrlich recht, doch ansonsten wollten sie ungest\u00f6rt an der freien Entfaltung der wirtschaftlichen Wachstumskr\u00e4fte arbeiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Es war nat\u00fcrlich unvermeidlich, dass die beiden genannten Beispiele \u00fcberall in der Berichterstattung \u00fcber das geplante Symbol-Casting auftauchten, in Wort und Bild. Damals fand ich das gut, weil man sich so besser vorstellen konnte, um welche Art von Symbolen es geht. Mittlerweile habe ich meine Zweifel. Die beiden beispielhaften genannten Symbole haben unvermeidlich einen Startvorteil erhalten. Ich verfolge das Geschehen auf der Homepage der HICO laufend, und tats\u00e4chlich haben Armbrust und Turboprop als erste das n\u00f6tige Unterst\u00fctzungsquorum erreicht.\u00ab<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">* * * * * * *<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Markus Harzenmoser fand beim Wiederlesen seine damaligen Bef\u00fcrchtungen best\u00e4tigt. Von Anfang an war eine unheilvolle Polarisierung vorgespurt worden, jene zwischen den Anh\u00e4ngern ungebremsten Wachstums und denen, die fanden, nun m\u00fcsse man auf die Bremsen treten. Auf dem Tablet war mittlerweile eine neuen Schlagzeile erschienen: \u00bbHICO bietet Geiselaustausch an!\u00ab<\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><em>Lassen sich die Entf\u00fchrer erweichen? Interessiert Sie die Antwort auf diese Frage und w\u00fcrden Sie im Fortsetzungsroman weiterlesen? Falls ja, stimmen Sie doch bitte unten ab. Wir machen erst Mal Osterpause und entscheiden \u00fcber die Weiterf\u00fchrung des Krimi&#8217;s nach den Ostern.<br \/><\/em><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\"> <\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\"><em> <\/em><\/p>\n<p> <span class=\"mittel\">&nbsp;<\/span> <\/p>\n<p>{jvotesystem poll=|3|}<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/aktuell\/krimi1_kl.jpg\" alt=\"krimi1_kl\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p>Ein interaktiver Schweiz-Krimi in Fortsetzungen &#8211; Teil 5 erschienen<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-480","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/480","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=480"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/480\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=480"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=480"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=480"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}