{"id":468,"date":"1995-01-11T14:41:50","date_gmt":"1995-01-11T14:41:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=468"},"modified":"1995-01-11T14:41:50","modified_gmt":"1995-01-11T14:41:50","slug":"blochers-fahnenstange","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/?p=468","title":{"rendered":"Blochers Fahnenstange"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/aktuell\/blocher.jpg\" alt=\"blocher\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/p>\n<p> <span class=\"Titel3rot\">Ein anregender Rollenwechsel&#8230;<\/span> <\/p>\n<p><strong>Blochers Fahnenstange<\/strong><\/p>\n<p><strong>(Januar 1995)<\/strong><\/p>\n<p><em>(Aus einer Serie f\u00fcr den &#8222;Schweizerischen Beobachter&#8220;, in der Autoren fiktive Texte f\u00fcr andere schreiben. )<\/em><\/p>\n<p>Andreas Giger, unabh\u00e4ngiger Vor- und Querdenker aus Rehetobel\/AR, schreibt diesmal f\u00fcr den dannzumaligen Bundespr\u00e4sidenten Christoph Blocher die Er\u00f6ffnungsrede zur Landesausstellung 2001.<\/p>\n<p><strong>Heute feiern wir die Er\u00f6ffnung der Landi 2001. Es war doch gut, dass die ganze Schweiz 1998 als eigentliches Jubil\u00e4ums-Jahr verschlafen hat. Jetzt, wo ein neues Jahrtausend angefangen hat, k\u00f6nnen wir viel besser in die Zukunft schauen. Ja, die Schweizer verschlafen gelegentlich, um dann beim Aufwachen etwas noch viel besseres vorzufinden&#8230;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dass ausgerechnet der Blocher den Blick vorw\u00e4rts preist, mag Ihnen immer noch seltsam vorkommen, genauso seltsam wie die Tatsache, dass ich heute als Bundespr\u00e4sident hier bin. Und weil alles miteinander zusammenh\u00e4ngt, erz\u00e4hle ich Ihnen jetzt das erste Mal, wie es wirklich gekommen ist, das mit dem gewandelten Blocher. Man hat ja schon lange gemunkelt, es sei irgendeine Erleuchtung von oben \u00fcber mich gekommen&#8230;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Es ist Anfang 1995 gewesen. Wir hatten unsere &#8222;Albisg\u00fcetli-Tagung&#8220; gehabt, und der damalige Bundespr\u00e4sident Villiger hat mir ordentlich die Leviten gelesen. Ich bin etwas verunsichert nach Hause gekommen, und um meine aufrechte Gesinnung wieder herzustellen, habe ich im Garten die Schweizerfahne gehisst.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Da ist eine der in jenen Tagen h\u00e4ufigen pl\u00f6tzlichen Sturmb\u00f6en gekommen und hat die Fahnenstange umgerissen. Sie ist mir direkt auf den Kopf gefallen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nun ist mein Sch\u00e4del bekanntlich hart, und so hat es mir \u00e4usserlich nichts gemacht. Nur innerlich, da hat sich etwas ver\u00e4ndert. Und weil diese Ver\u00e4nderung schliesslich von einer Schweizer Fahnenstange verursacht worden ist, habe ich sie als Zeichen vom Herrgott genommen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Meiner Vaterlandsliebe jedenfalls hat das Ereignis nicht geschadet, im Gegenteil, sie lodert seitdem st\u00e4rker als ein Erstaugustfeuer. Ich habe gesp\u00fcrt: Mein Einsatz f\u00fcr eine starke und unabh\u00e4ngige Schweiz stimmt. So bestimmt denn dieses Ziel bis heute mein Handeln.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Allerdings hat es in meinem Sch\u00e4del pl\u00f6tzlich wie mehr Platz gegeben. So habe ich gesehen, dass meine bisherigen Wege zu diesem Ziel nicht die einzigen sind. Nehmen Sie zum Beispiel die St\u00e4rke der Schweiz. Ich habe gemerkt, dass Kollege Villiger irgendwo recht hat: Man kann nicht St\u00e4rke predigen und dabei st\u00e4ndig Misstrauen gegen einen Teil des Ganzen s\u00e4hen. Das schw\u00e4cht das Ganze, und das habe ich nicht gewollt. Zu sp\u00fcren, dass auch die andere Seite eine starke Schweiz will, hat mich vers\u00f6hnlicher gestimmt.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Und wo ich gerade dabei gewesen bin, habe ich mir auch das mit der Unabh\u00e4ngigkeit noch einmal angeschaut, zum Beispiel die Verteidigung des Bankgeheimnisses. Damals haben gerade die Luxemburger den EU-Kommissions-Pr\u00e4sidenten gestellt und so das Wirksamste zum Schutz ihres Bankplatzes getan. Das w\u00e4re doch immerhin auch f\u00fcr uns eine L\u00f6sung, oder ?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Luxemburger haben \u00fcbrigens damals glaubhaft versichert, sie h\u00e4tten als kleines Land noch nie ein so starkes Selbstbewusstsein gehabt wie seit sie in der EU w\u00e4ren. Das hat mir zu denken gegeben. Ich habe gemerkt, dass die andere H\u00e4lfte der Schweiz, die auf mehr Integration setzt, ja auch Unabh\u00e4ngigkeit will und daf\u00fcr einfach einen anderen Weg sieht.<\/strong><\/p>\n<p><strong>So habe ich gelernt, dass die Schweiz wirklich aus beiden Seiten besteht, und dass es so unsinnig w\u00e4re, eine auszuschliessen, wie es unsinnig ist zu fragen, ob die Menschheit aus M\u00e4nnlein oder Weiblein besteht. Schliesslich bin ich selber ja auch beides, der heimatliebende Politiker und der weltoffene Unternehmer.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mit einer Vers\u00f6hnung dieser beiden Seiten der Schweiz, so habe ich erkannt, bleiben wir am besten stark und unabh\u00e4ngig. Und wie man in der Geschichte oft gesehen hat, sind die gr\u00f6\u00dften Haudegen manchmal die besten Vers\u00f6hner. Nur deshalb bin ich den Bundesrat gekommen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Landi, die wir heute er\u00f6ffnen, ist ein Teil dieser Vers\u00f6hnung, und sie ist eine hervorragende M\u00f6glichkeit, uns bewusst zu werden, dass wir aus widerspr\u00fcchlichen Eigenarten bestehen. Daraus sch\u00f6pfen wir Selbstbewusstsein. Deshalb lasse ich es mir auch nicht nehmen, pers\u00f6nlich das Schweizerkreuz zu hissen. Hoffentlich h\u00e4lt diesmal die Fahnenstange&#8230;<\/strong><\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/aktuell\/blocher_kl.jpg\" alt=\"blocher_kl\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p>Ein anregender Rollenwechsel&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-468","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/468","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=468"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/468\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=468"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=468"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=468"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}