{"id":46,"date":"2009-01-13T17:59:39","date_gmt":"2009-01-13T17:59:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=46"},"modified":"2020-12-17T14:04:53","modified_gmt":"2020-12-17T14:04:53","slug":"hintergrund-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/?p=46","title":{"rendered":"Hintergrund"},"content":{"rendered":"<p> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Sphaeren\/gesund-hint.jpg\" alt=\"gesund-hint\" width=\"364\" height=\"273\" \/> <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Hauptsache gesund! Die Bedeutung dieser Volksweisheit l\u00e4sst sich daran ermessen, wie oft wir unseren Mitmenschen Gesundheit w\u00fcnschen, beim Zuprosten ebenso wie bei Neujahrsw\u00fcnschen. Und wir w\u00fcnschen uns Gesundheit auch selbst. In allen einschl\u00e4gigen Umfragen dar\u00fcber, was wichtig sei im Leben, steht Gesundheit immer ganz zuoberst auf dem Treppchen. Was bedeutet, dass sich fast alle Menschen \u00fcber den sehr hohen Stellenwert von Gesundheit einig sind.<\/p>\n<p>Mit einer weiteren Volksweisheit k\u00f6nnten wir das Thema bereits abhaken: Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts. Die Sph\u00e4re der Gesundheit ist damit nicht nur eine der zentralsten Lebensqualit\u00e4ts-Sph\u00e4ren, sie bildet zusammen mit einem ausreichenden gesicherten Einkommen vielmehr die Basis jeder Lebensqualit\u00e4t. Woran offenbar kaum jemand zweifelt.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz bleiben mindestens zwei Fragen: Gibt es ohne Gesundheit tats\u00e4chlich keine Lebensqualit\u00e4t? Und von welcher Gesundheit sprechen wir eigentlich?<\/p>\n<p>Die erste Frage wird von unz\u00e4hligen Menschen beantwortet, die krank oder behindert sind und dennoch eine hohe Lebensqualit\u00e4t empfinden. Von au\u00dfen gesehen mag ihre Lebensqualit\u00e4t eingeschr\u00e4nkt erscheinen, doch die allein entscheidende Perspektive in Sachen Lebensqualit\u00e4t ist jene von innen, also die subjektive. Und die kann tats\u00e4chlich anders aussehen. Studien haben gezeigt, dass Menschen, die durch einen Unfall eine Behinderung erlitten, ihre Lebensqualit\u00e4t in der ersten Zeit, wie zu erwarten, tiefer einstufen. Doch nach einiger Zeit haben sie sich oft mit der neuen Situation arrangiert und empfinden eine \u00e4hnlich hohe Lebensqualit\u00e4t wie vor dem Unfall. Es gibt also offenkundig keinen allgemein verbindlichen direkten Zusammenhang zwischen Gesundheit und Lebensqualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Was nicht hei\u00dft, Gesundheit sei f\u00fcr Lebensqualit\u00e4t unwichtig. Blo\u00df, welche Gesundheit? Fr\u00fcher war es einfacher: Gesundheit gleich Abwesenheit von Krankheit. Wer nicht offenkundig krank war, galt als gesund. Kleinere Befindlichkeitsst\u00f6rungen oder Verletzungen wurden als normal betrachtet. Arztbesuche waren den schwereren F\u00e4llen vorbehalten.<\/p>\n<p>Dieses Bild von Gesundheit hat sich gewandelt. Seit geraumer Zeit wird Gesundheit von der einschl\u00e4gigen UNO-Organisation als Zustand vollkommenen k\u00f6rperlichen, geistigen und seelischen Wohlbefindens definiert. Und diese Definition hat sich massiv in unseren K\u00f6pfen eingenistet. So sehr, dass manche Menschen Lebensqualit\u00e4t mit permanenter Wellness verwechseln.<\/p>\n<p>Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: vollkommenes k\u00f6rperliches, geistiges und seelisches Wohlbefinden. So was wie ein strahlend blauer und wolkenloser Himmel. Ein sch\u00f6nes Idealbild, f\u00fcrwahr, aber eines mit Folgen. Denn kaum taucht an diesem Himmel eine Wolke auf, sehen wir bereits eine gesundheitliche St\u00f6rung, und ist der Himmel gar bedeckt, empfinden wir das als Katastrophe \u2013 bevor ein einziger Tropfen Regen gefallen ist.<\/p>\n<p>Doch so wenig ein permanenter wolkenloser Himmel in unseren Breitengraden eine realistische Option bildet, so wenig ist ein permanentes und umfassendes Wohlbefinden ein realistisches Ziel f\u00fcr uns Normalsterbliche. Gewiss, es mag ein paar von ihrem genetischen Erbe gesegnete menschliche Exemplare geben, die ohne Unterlass gut drauf sind und st\u00e4ndig vor Energie und Wohlbefinden spr\u00fchen, doch die meisten von uns haben gelegentlich ein Befinden, sp\u00fcren ein Zipperlein, sind geistig nicht hellwach, sehen sich und die Welt grau verhangen. Und sind damit, streng genommen, nicht gesund.<\/p>\n<p>Nur: Krank sind wie deswegen noch lange nicht. Ganz offensichtlich gibt es zwischen gesund und krank eine ziemlich breite Grauzone, was uns einmal mehr lehrt, dass wir es im realen Leben selten mit digitalen Ph\u00e4nomenen zu tun haben, die nur zwei Zust\u00e4nde kennen. Das Leben ist analog, das hei\u00dft, zwischen extrem gesund und extrem krank gibt es viele, viele Zwischenstufen. Angesichts dessen macht es wenig Sinn, nur den einen Extrempol als Gesundheit zu definieren und den ganzen Rest als Krankheit.<\/p>\n<p>Sinnlos ist das deswegen, weil wir damit alle heillos \u00fcberfordern, das Gesundheits-System ebenso wie uns selbst. Wenn wir f\u00fcr jedes Wehwehchen eine ganze Palette medizinischer Dienstleistungen in Anspruch nehmen, wird das System unbezahlbar, ganz abgesehen davon, dass aus dieser Mentalit\u00e4t folgerichtig der n\u00e4chste Schritt entsteht, n\u00e4mlich der Anspruch darauf, mit allen Mitteln noch ges\u00fcnder als gesund gemacht zu werden.<\/p>\n<p>Doch vor allem \u00fcberfordern wir uns selbst. Wenn wir n\u00e4mlich der \u00dcberzeugung anh\u00e4ngen, Lebensqualit\u00e4t g\u00e4be es nur bei absolut verstandener Gesundheit, rennen wir einem illusion\u00e4ren Ziel nach. Idealziele, und um ein solches handelt es sich dabei, sind nicht dazu da, w\u00f6rtlich genommen zu werden. Sie sollen vielmehr eine Richtung vorgeben, einen Ort im Zeitstrom, auf den wir uns zu bewegen, den wir aber kaum jemals ganz erreichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>So ist auch Gesundheit, verstanden als permanentes umfassendes Wohlbefinden, ein lohnendes Idealziel, dem n\u00e4her zu kommen eine Menge Investitionen lohnt. Die Kernbotschaft des Gesundheits-Booms der letzten Jahre und Jahrzehnte ist richtig: Es lohnt sich, etwas f\u00fcr seine eigene Gesundheit zu tun. Die Frage ist nur, wie viel etwas ist. Macht es wirklich Sinn, dass wir alle zu Gesundheits-Aposteln werden, die kein anderes Thema mehr haben als ihre eigene Gesundheit?<\/p>\n<p>Nein. Auch in der Lebensqualit\u00e4ts-Sph\u00e4re Gesundheit gilt n\u00e4mlich das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens: Je n\u00e4her wir dem Idealziel Perfektion kommen, ob auf dem Feld Gesundheit oder anderswo, desto mehr Aufwand m\u00fcssen wir f\u00fcr den n\u00e4chsten Schritt treiben. Diese Kurve w\u00e4chst exponentiell: Die allerersten Schritte sind kinderleicht, der letzte unendlich schwer. Absolute Gesundheit w\u00e4re also theoretisch m\u00f6glich, doch um sie zu erreichen, m\u00fcssten wir einen unendlichen Aufwand treiben.<\/p>\n<p>Das wiederum lohnt sich auf keinen Fall, denn es w\u00fcrde ja bedeuten, dass wir alle anderen Lebensqualit\u00e4ts-Sph\u00e4ren v\u00f6llig vernachl\u00e4ssigen m\u00fcssten. So wichtig Gesundheit f\u00fcr unsere Lebensqualit\u00e4t ist, so sehr m\u00fcssen wir auch in dieser Sph\u00e4re mit der Gewissheit leben, dass unsere Ressourcen beschr\u00e4nkt sind. Mit m\u00f6glichst wenig Aufwand m\u00f6glichst viel Gesundheit erreichen, m\u00fcsste also die Devise lauten. Doch wo dieser Punkt von Balance und richtigem Ma\u00df liegt, muss und kann auch wieder nur jede und jeder f\u00fcr sich selbst herausfinden.<\/p>\n<p>Dabei empfiehlt sich \u00fcbrigens eine weitere Differenzierung, jene zwischen k\u00f6rperlicher auf der einen und geistig-seelischer Gesundheit auf der anderen Seite. Dass es sich dabei um zwei unterschiedliche Facetten von Gesundheit handelt, sehen wir an ihrer gegenl\u00e4ufigen Entwicklung im Verlauf der Lebenszeit: Unsere k\u00f6rperliche Gesundheit nimmt beim Altern ab, geistig-seelisch dagegen sind \u00e4ltere Menschen ges\u00fcnder als j\u00fcngere, wie Studien immer wieder zeigen.<\/p>\n<p>Das ist gut zu wissen, denn entsprechend k\u00f6nnen wir unseren Erwartungshorizont der realistischen Gesundheits-Ziele einstellen. Was entscheidenden Einfluss auf unsere Lebensqualit\u00e4t haben kann, denn bekanntlich h\u00e4ngt die Zufriedenheit mit dieser davon ab, was wir erwarten. Erwarten wir also f\u00fcr unsere Gesundheit nicht zu viel. Aber auch nicht zu wenig&#8230;<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Bei diesem Text handelt es sich um Kapitel 10 des Buchs\u00a0<em>Moses 2.0<\/em>. Dort gibt es zu jedem Kapitel einen zweiten Teil\u00a0<em>Bekenntnisse eines Generalisten f\u00fcr reifende Lebensqualit\u00e4t<\/em>. Sie finden diesen Text\u00a0<a href=\"http:\/\/www.gigerheimat.ch\/moses10.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> oder direkt im Buch:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Sphaeren\/NLQ-Buchtitel.jpg\" alt=\"NLQ-Buchtitel\" width=\"175\" height=\"251\" \/><\/p>\n<p>Mehr Information zu Buch und Bezugsm\u00f6glichkeiten\u00a0<a href=\"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=99\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Sphaeren\/gesund-hint-kl.jpg\" alt=\"gesund-hint-kl\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p>Hier erfahren Sie mehr Hintergr\u00fcnde zur LQ-Sph\u00e4re Gesundheit<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-46","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=46"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":585,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46\/revisions\/585"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=46"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=46"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=46"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}