{"id":44,"date":"2009-01-13T17:45:30","date_gmt":"2009-01-13T17:45:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=44"},"modified":"2020-12-17T14:04:53","modified_gmt":"2020-12-17T14:04:53","slug":"hintergrund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/?p=44","title":{"rendered":"Hintergrund"},"content":{"rendered":"<p> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Sphaeren\/materie-hint.jpg\" alt=\"materie-hint\" width=\"364\" height=\"273\" \/> <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Nicht nur biblische Mythen wie jener vom Tanz um das goldene Kalb, oder literarische Figuren wie Goethes Zauberlehrling, k\u00f6nnen ein sehr erhellendes Licht auf die Hintergr\u00fcnde der Finanzkrise werfen, sondern auch Volksm\u00e4rchen wie jenes vom Hans im Gl\u00fcck. In der Fassung der Gebr\u00fcder Grimm liest sich das in der Kurzzusammenfassung von Wikipedia so:<\/p>\n<p>Hans tauschte den Lohn f\u00fcr sieben Jahre Arbeit, einen kopfgro\u00dfen Klumpen Gold, gegen ein Pferd, das Pferd gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein, das Schwein gegen eine Gans, die Gans gegen einen Schleifstein mitsamt einem einfachen Feldstein &#8211; und glaubte jedes Mal, ein gutes Gesch\u00e4ft gemacht zu haben, weil das neue Gut ihm weniger Schwierigkeiten zu machen scheint als das weggegebene. Zuletzt fallen ihm noch, als er trinken will, die beiden schweren Steine in einen Brunnen. \u00bb<em>So gl\u00fccklich wie ich, rief er aus\u201a gibt es keinen Menschen unter der Sonne\u00ab. Mit leichtem Herzen und frei von aller Last ging er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter angekommen war.<\/em> Er war gl\u00fccklich, die Steine losgeworden zu sein.<\/p>\n<p>Hier finden wir das Gegenst\u00fcck zum raffgierigen Investmentbanker oder Anleger. W\u00e4hrend der Gierige von einer positiven Korrelation zwischen Geld und Gl\u00fcck ausgeht (je mehr vom einen, desto mehr vom anderen), ist f\u00fcr Hans im Gl\u00fcck eine negative Korrelation gegeben: Je weniger Geld, desto mehr Gl\u00fcck. Vor allem das Gl\u00fcck, frei von \u00fcberfl\u00fcssigem Ballast zu sein.<\/p>\n<p>Nur: Ganz frei von materiellen Bed\u00fcrfnissen ist auch unser besitzloser Hans im Gl\u00fcck nicht. Auf der Heimreise von seinem Arbeitgeber zu seiner Mutter leidet er mehrfach unter Hunger und Durst. Ein \u201ematerial girl\u201c, wie es von Madonna einst besungen wurde, bleibt eben ein materielles Wesen mit materiellen Bed\u00fcrfnissen, selbst wenn es jedem Besitzstreben abschw\u00f6rt. Ganz ohne Kohle geht die Chose auch f\u00fcr die gl\u00fchendsten Anh\u00e4nger immaterieller und gr\u00f6\u00dften Ver\u00e4chter materieller Werte nun mal nicht.<\/p>\n<p>Das M\u00e4rchen erinnert uns daran, dass weniger tats\u00e4chlich manchmal mehr sein kann, w\u00fcrde jedoch \u00fcberstrapaziert, wenn man daraus folgerte, weniger m\u00fcsse immer mehr sein. Zwischen ma\u00dfloser \u00dcberbetonung der materiellen Sph\u00e4re wie beim Tanz um das goldene Kalb, und v\u00f6lliger Verleugnung des Werts materieller Werte wie bei Hans im Gl\u00fcck muss es einen goldenen Mittelweg geben.<\/p>\n<p>Der w\u00fcrde dann ungef\u00e4hr besagen, dass ein gewisses Mindestma\u00df an Geld und damit an Verf\u00fcgbarkeit von Produkten und Dienstleistungen sowie an Zugang zur Welt f\u00fcr die Lebensqualit\u00e4t von fast allen Menschen unabdingbar ist. Und er w\u00fcrde beinhalten, dass ab diesem Mindestma\u00df eine Zunahme an verf\u00fcgbarem Geld keineswegs automatisch einen nachhaltigen Zuwachs an Lebensqualit\u00e4t bedeutet. Lottogewinner verjubeln ihren Gewinn oft sehr schnell, und wenn nicht, so sind sie sp\u00e4testens nach zwei Jahren auch nicht gl\u00fccklicher oder zufriedener als vor dem gro\u00dfen Ereignis.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Preisfrage (im Wortsinne) ist nat\u00fcrlich, wo die Grenze liegt, bis zu der es sich lohnt, in die Lebensqualit\u00e4ts-Sph\u00e4re der materiellen Werte zu investieren. Um ein Investment handelt es sich dabei zweifellos, denn um an materielle Werte zu kommen, m\u00fcssen wir Zeit und Energie investieren. Und meistens auch ein St\u00fcck unserer Freiheit verkaufen. Hans im Gl\u00fcck verzichtet am Schluss des M\u00e4rchens auf dieses Investment und h\u00fcpft leichten Herzens und frei von aller Last davon.<\/p>\n<p>Er folgt dabei einem klaren Werte-System: Freiheit ist wertvoller als Geld und Gut! Das mag ihn ehren, taugt aber in seiner Radikalit\u00e4t wohl kaum zum Vorbild f\u00fcr uns Realgesch\u00f6pfe. Zum Gl\u00fcck stehen wir aber auch nicht vor der radikalen Entscheidungsalternative Freiheit oder Geld. Wir haben es nur mit der allerdings kaum weniger anspruchsvollen Herausforderung zu tun, materielle und immaterielle Werte einigerma\u00dfen ins Gleichgewicht zu bringen.<\/p>\n<p>Wo der Punkt dieser Balance liegt, h\u00e4ngt einerseits von \u00d6konomie und Kultur der Gesellschaft ab, in der wir leben, andererseits aber auch von unseren h\u00f6chst pers\u00f6nlichen Vorlieben und \u00dcberzeugungen. Bis zu welchem Punkt es sich lohnt, in einen vermehrten Geldzufluss zu investieren, kann also jede und jeder nur f\u00fcr sich selbst beantworten.<\/p>\n<p>Dabei hilft wie so oft die Vorstellung vom Lebensqualit\u00e4ts-Konto. Da wir ja mit Phantasie begabte Wesen sind, k\u00f6nnen wir uns durchaus vorstellen, welcher Zuwachs auf dem Lebensqualit\u00e4ts-Konto durch einen Zuwachs auf dem Bankkonto verursacht w\u00fcrde, wobei uns die Geschichte mit den Lotto-Gewinnern daran mahnt, diese Frage unter einer nachhaltigen Perspektive zu betrachten und kurzfristige Zuw\u00e4chse auf dem Lebensqualit\u00e4ts-Konto zu vernachl\u00e4ssigen.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite der Bilanz haben wir zu bedenken, was v     ermehrte Investitionen in materielle Werte, etwa durch Mehrarbeit, in anderen Lebensqualit\u00e4ts-Sph\u00e4ren an Verlusten verursachen k\u00f6nnten. Zum Beispiel k\u00f6nnte unser Lebensqualit\u00e4ts-Konto sinken, weil wir dadurch an Freiheit verlieren. Oder soziale Kontakte vernachl\u00e4ssigen m\u00fcssen. Oder durch Stress krank werden. Und so k\u00f6nnte es denn durchaus sein, dass wir bilanzieren m\u00fcssen, mehr Investitionen in die materielle Sph\u00e4re w\u00fcrden sich nicht lohnen, weil unter dem Strich bei unserer generellen Lebensqualit\u00e4t rote Zahlen resultieren.<\/p>\n<p>Sollten Sie allerdings ein teures Hobby haben, das Sie richtig gl\u00fccklich macht, k\u00f6nnte diese Bilanz wieder anders aussehen. Weil n\u00e4mlich Ihre Lebensqualit\u00e4t in den Keller rutschen w\u00fcrde, wenn Sie auf die Aus\u00fcbung dieses Hobbys verzichten m\u00fcssten, kann es unter dem Strich besser aussehen, wenn Sie zwar durch Mehrarbeit in gewissen Teilaspekten an Lebensqualit\u00e4t verlieren. Doch damit Ihr Hobby retten.<\/p>\n<p>Wer in unseren reichen Breitengraden jegliche Bedeutung von materiellen Werten leugnet und deshalb als Asket im Wald lebt, macht sich unweigerlich zum Au\u00dfenseiter. Doch wie viel Wert Sie darauf legen, Einkommen und Besitz zu sichern und zu vermehren, wie viel Sie also in die materielle Lebensqualit\u00e4ts-Sph\u00e4re investieren, h\u00e4ngt jenseits gewisser minimaler Standards ganz allein von Ihnen ab. Ein gewisser Lebensstandard ist f\u00fcr alle Menschen ein wichtiges Element von Lebensqualit\u00e4t. Wie zentral die materielle Lebensqualit\u00e4ts-Sph\u00e4re ist, und wie viel Platz sie f\u00fcr die anderen Sph\u00e4ren \u00fcbrig l\u00e4sst, d\u00fcrfen Sie entscheiden. Ganz allein. Oder zusammen mit Ihren Liebsten&#8230;<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Bei diesem Text handelt es sich um Kapitel 09 des Buchs\u00a0Moses 2.0. Dort gibt es zu jedem Kapitel einen zweiten Teil\u00a0Bekenntnisse eines Generalisten f\u00fcr reifende Lebensqualit\u00e4t. Sie finden diesen Text\u00a0<a href=\"http:\/\/www.gigerheimat.ch\/moses09.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> oder direkt im Buch:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Sphaeren\/NLQ-Buchtitel.jpg\" alt=\"NLQ-Buchtitel\" width=\"175\" height=\"251\" \/><\/p>\n<p>Mehr Information zu Buch und Bezugsm\u00f6glichkeiten\u00a0<a href=\"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=99\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Sphaeren\/materie-hint-kl.jpg\" alt=\"materie-hint-kl\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p>Hier erfahren Sie mehr Hintergr\u00fcnde zur LQ-Sph\u00e4re Materie<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-44","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=44"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":584,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44\/revisions\/584"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=44"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=44"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=44"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}