{"id":370,"date":"2012-07-10T05:45:39","date_gmt":"2012-07-10T05:45:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=370"},"modified":"2012-07-10T05:45:39","modified_gmt":"2012-07-10T05:45:39","slug":"52-woche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/?p=370","title":{"rendered":"52. Woche"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/spirit-thai3\/IMGP3354.jpg\" alt=\"Blog spirit.th - Beitragsbild\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/p>\n<p> <span class=\"Titel3rot\"> Samstag 10. November 2012<\/span> <\/p>\n<p class=\"mittel\">Aus aktuellem Anlass wollen wir diese Woche im Blog einmal ein Thema fokussieren, dass bei uns zwar t\u00e4glich pr\u00e4sent ist, aber meist zu unspektakul\u00e4r, um es im Blog zu thematisieren. Wie Ihr ja wisst, sind wir jeden Montag in Krabi und haben da den einzigen Abend, an dem wir auch einmal etwas TV schauen. Unter anderem empfangen wir da die deutsche Welle und die brachte diesmal eine Talkshow von <a href=\"http:\/\/daserste.ndr.de\/guentherjauch\/rueckblick\/pflege249.html\" target=\"\u201c_blank\u201c\" rel=\"noopener\">G\u00fcnter Jauch zum Thema Altenpflege<\/a>. G\u00fcnther Jauch als \u201ebeliebtester Moderator Deutschlands\u201c ist eine der meistgeschauten Sendungen in Deutschland und so kam das Sendungs-Thema sogar bis zu unserem Restaurant, da Touristen, die gerade angekommen sind, diese auch gesehen hatten.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Unter anderem war auch Martin Woodtli, ein Schweizer, eingeladen. Er hatte vor Jahren seine an Alzheimer erkrankte Mutter nach Thailand gebracht. Nach Ihrem Tod hat er in Chiang Mai, im Norden Thailands, <a href=\"http:\/\/www.alzheimerthailand.com\/AlzheimerThailand\/Index.asp\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ein kleines Heim <\/a>f\u00fcr schweizerische und deutsche Demenz- und Alzheimerkranke mit 12 Pl\u00e4tzen er\u00f6ffnet. Dort werden die G\u00e4ste 24 Stunden 1:1 betreut, je Person sind 3 Pflegerinnen zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Zu ihm haben wir auch unsere Ann und Tiu letzten September in eine Weiterbildung gesandt, denn wir wollten das die beiden vor der Ankunft Opa\u2019s etwas vom Erfahrungsschatz der dortigen PflegerInnen profitieren k\u00f6nnen und das sie auch bei Problemen in der Pflege eine Ansprechstelle hier in Thailand h\u00e4tten. Die Idee war ein voller Erfolg und die beiden kamen begeistert zur\u00fcck und verf\u00fcgen nun auch \u00fcber ein kleines Diplom, dass sie uns dann stolz gezeigt haben. Einen herzlichen Dank an dieser Stelle an Martin Woodtli, das er seinen Erfahrungsschatz weitergegeben hat.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/spirit-thai3\/A3.jpg\" alt=\"Bild\" width=\"600\" height=\"450\" \/><br \/><span class=\"klein\">Tiu und Ann mit Opa im Restaurant<\/span><\/p>\n<p class=\"mittel\">Nun die Idee der Pflege in Thailand kommt nicht \u00fcberall so gut an, wie sie bei Euch angekommen ist. Aus unserem Freundeskreis h\u00f6rten wir mit wenigen Ausnahmen eigentlich nur positiven Zuspruch zu dieser Idee. In der Sendung wurden dann aber nat\u00fcrlich auch viel kritisiert. Die einen verstehen es als Abschieben der Probleme, so unter dem Motto \u201eaus den Augen, aus dem Sinn\u201c. Nun gut, dass trifft bei uns ja nicht zu, da wir ja selber auch hier in Thailand unter dem gleichen Dach leben und Opa t\u00e4glich sehen.<\/p>\n<p class=\"mittel\">H\u00e4tten wir Opa abschieben wollen, h\u00e4tten wir ihn in der Schweiz in eine Geriatrie gegeben. Und wenn wir nicht nach Thailand gegangen w\u00e4ren, w\u00e4re dies auch unvermeidlich gewesen. Nachdem uns im Paula-Koller-Haus in Gais letzten April beschieden wurde, dass sie Opa nicht mehr f\u00fcr die Ferien oder f\u00fcr ein Wochenende nehmen k\u00f6nnen, h\u00e4tte das f\u00fcr uns bedeutet, dass wir ihn 365 Tage * 24 Stunden daheim h\u00e4tten betreuen m\u00fcssen. Wir h\u00e4tten nie gemeinsam Ferien machen k\u00f6nnen oder auch nur einmal zu zweit ausw\u00e4rts essen gehen k\u00f6nnen, denn Opa k\u00f6nnen wir seit mehreren Jahren nicht mehr alleine lassen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/spirit-thai3\/A4.jpg\" alt=\"Bild\" width=\"600\" height=\"450\" \/><br \/><span class=\"klein\">Die Nachbarn zu Besuch<\/span><\/p>\n<p class=\"mittel\">Auch hier k\u00f6nnen wir Opa nicht alleine lassen. Aber tags\u00fcber von jeweils 08.30 \u2013 17.30 Uhr wechseln sich Ann und Tiu in der Pflege ab und so k\u00f6nnen wir auch mal etwas nur zu zweit unternehmen. Und wenn wir, wie am Montag, in Krabi sind, so schl\u00e4ft eine Woche Ann und die andere Woche Tiu im Haus. Und so flexibel die beiden sind, k\u00f6nnen wir auch mal eine weitere Nacht ausw\u00e4rts sein, wenn wir beispielsweise mit G\u00e4sten einen Ausflug machen.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Das erleichtert nat\u00fcrlich die ganze Situation enorm. Es heisst aber nicht, dass wir beiden damit nichts mehr zu tun haben, denn nach 17.30 Uhr sind wir dann wieder f\u00fcr Opa zust\u00e4ndig. So gehen wir nie gemeinsam ins Restaurant Abend essen. Einer von uns ist immer hier, damit Opa nicht alleine ist. Und nachts kann Opa auch mal ganz sch\u00f6n m\u00fchsam werden. Praktisch jede Nacht erwachen wir mindestens einmal, weil Opa in einer Lautst\u00e4rke \u201eHallo, hallo, ist jemand da&#8220; aus dem unteren Stockwerk ruft. Geht man dann schauen, weiss er meist nicht mehr, warum er gerufen hat, aber gehen wir nicht, so kann dieses \u201eHallo, hallo\u201c gut und gerne eine halbe Stunde gehen. Zudem hat er die Lichtschalter \u201eentdeckt\u201c und kann dann 20mal und mehr das Licht anz\u00fcnden und wieder abschalten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/spirit-thai3\/A7.jpg\" alt=\"Bild\" width=\"600\" height=\"450\" \/><br \/><span class=\"klein\">In etwa so beantwortet Opa, die Frage, warum er dann gerufen habe<\/span><\/p>\n<p class=\"mittel\">Verglichen mit der Zeit vorher in der Schweiz ist das aber harmlos, denn da ist er rund jede zweite Nacht im vollen Anzug da gestanden und wollte zum Arzt oder in den Spital. Da dies ja lediglich auf einer eingebildeten Krankheit beruhte, schlugen wir dies nat\u00fcrlich aus, was dann in unendlichen \u201eT\u00fcre schletzen\u201c &#8211; Aktionen ausartete.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Aber auch tags\u00fcber sind wir manchmal gefordert, denn wenn Opa eine schlechte Laune, kann er schon manchmal heftig unsere beiden Frauen beschimpfen, so dass wir dazu etwas sagen m\u00fcssen. Zudem h\u00f6ren wir dann nat\u00fcrlich seine schlechte Laune auch bei uns im oberen Stockwerk.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Aber auch hier gilt: verglichen mit der Zeit vor unserer Ankunft in Thailand ist er hier viel ruhiger und ausgeglichener. Denn damals hat er uns sicherlich 20-30mal pro Tag gerufen und wenn wir dann nicht gerade alles stehen und liegen gelassen haben, wurde er aggressiv und beschimpfte uns. Mitunter war ja auch die Aggression der Grund, wieso er im Paula-Koller-Haus nicht mehr genommen wurde. Anf\u00e4nglich waren wir noch der Ansicht, dass es vielleicht mit uns zu tun hat, doch nachdem auch die ausgebildeten PflegerInnen in Gais damit zunehmend M\u00fche bekundeten, verstanden wir, dass dies ein Teil seiner Krankheit ist und nicht gegen uns gerichtet war.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/spirit-thai3\/A5.jpg\" alt=\"Bild\" width=\"600\" height=\"450\" \/><br \/><span class=\"klein\">Manchmal schafft er auch den Spaziergang ins Restaurant, dies ist allerdings ein \u00e4lteres Bild<\/span><\/p>\n<p class=\"mittel\">Ein weiterer Grund wieso er in Gais nicht mehr genommen werden konnte, waren seine nicht abreissenden W\u00fcnsche, dass er endlich sterben m\u00f6chte und jetzt dann gleich aus dem Fenster springe. Dies hat auch andere Heimg\u00e4ste dazu veranlasst, zu wehklagen und auch sterben zu wollen. Auch bei uns daheim \u00e4usserte er immer wieder diese Absicht und auf die Bemerkung, dass dies nicht viel bringe, da er im Parterre lebte, wusste er zu antworten, dass dies bei dem Fenster bei der Keller-Treppe aber m\u00f6glich sei (was auch stimmte).<\/p>\n<p class=\"mittel\">Dies hat er hier komplett verloren. Seit wir hier sind, hat er diesen \u201eWunsch\u201c nur noch drei-vier Mal ge\u00e4ussert, jetzt schon sehr lange Zeit nicht mehr. Hier hat er ihn dann aber vom \u201eaus dem Fenster springen\u201c in \u201eins Meer gehen\u201c ge\u00e4ndert. Da aber unser Strand so flach ist, dass er da mehrere Hundert Meter ins Meer laufen m\u00fcsste, bis er ertrinken k\u00f6nnte, m\u00fcssen wir uns da auch keine ernsthaften Sorgen machen. Zum Gl\u00fcck aber ist dies nun komplett weg, dies hat bei uns fr\u00fcher einfach immer ein schales Gef\u00fchl hinterlassen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/spirit-thai3\/A1.jpg\" alt=\"Bild\" width=\"600\" height=\"450\" \/><br \/><span class=\"klein\">Opa am \u201eBaden\u201c mit Monika, die den Stuhl sichert<\/span><\/p>\n<p class=\"mittel\">Sicherlich hatte er manchmal auch seine lichten Momente, zum Beispiel, wenn er mit der Senioren-Gruppe von Wald Mittag essen ging oder bei den Turnern zu Gast war. Da konnte er kurze Zeit ein ganz anderes Gesicht zeigen. Diese lichten Momente wurden aber einfach immer rarer.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Anhand dieser Schilderungen versteht Ihr sicher, dass wir wohl l\u00e4ngst ausgebrannt w\u00e4ren, h\u00e4tten wir ihn rund um die Uhr selber pflegen m\u00fcssen. Und selbst vom Paula-Koller-Haus hiess es, dass wir ihn nicht mehr in ein \u201enormales\u201c Altersheim mehr geben k\u00f6nnten, dass da nur noch eine geriatrische psychiatrische Klinik in Frage kommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Betrachtet man diese Alternative, so wussten wir schon im Voraus, dass er da einfach mit Medikamenten ruhig gestellt worden w\u00e4re und den ganzen Tag an einem Tisch mit schweigenden G\u00e4sten gesessen w\u00e4re, wie wir dies ja auch aus anderen Altersheimen kennen. Wirklich Zeit h\u00e4tten die PflegerInnen da ja auch nicht mehr, denn aufgrund des Kostendrucks einerseits und des zunehmenden Administrationsaufwandes bleibt da einfach immer weniger Zeit f\u00fcr die \u201eG\u00e4ste\u201c.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/spirit-thai3\/IMGP0022.jpg\" alt=\"Bild\" width=\"600\" height=\"450\" \/><br \/><span class=\"klein\">Opa mit unserer Meau, die andere Katze, SiDeng ist leider seit bald 2 Wochen wieder verschwunden<\/span><\/p>\n<p class=\"mittel\">Dies war auch eines der Hauptthemen in obgenannter Sendung. F\u00fcr einen Stuhlgang wird da 3 Minuten gerechnet, bedenkt man das Opa oft eine halbe Stunden auf der Toilette sitzt, so zeigt dies bereits wie unrealistisch diese Zahl ist. Zudem m\u00fcssen Menge und Art der Ausscheidungen genau protokolliert werden (zumindest in Deutschland). Welchen Sinn dies genau ergibt erschliesst sich uns nicht, aber die Zeit geht wieder von der Aufmerksamkeit gegen\u00fcber des Patienten ab.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Wie Ihr seht, haben wir uns also vorher solche Gedanken gemacht und als dann die Idee entstand Opa mit nach Thailand zu nehmen, war uns von Anfang an klar, dass dies die bessere L\u00f6sung ist. Wir haben dann zwar noch drei Monate Test-Phase eingebaut, eine Zeit in der wir das Haus noch nicht ger\u00e4umt hatten und in der wir auch jederzeit wieder zur\u00fcckkehren h\u00e4tten k\u00f6nnen, falls es hier nicht gegangen w\u00e4re. Doch war uns eigentlich schon von Anfang an klar, dass dies die bessere L\u00f6sung sei.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/spirit-thai3\/IMGP0099.jpg\" alt=\"Bild\" width=\"600\" height=\"450\" \/><br \/><span class=\"klein\">Das Wohnzimmer von Opa mit den neuen Herzchen-Kissen, die Tiu&#8217;s Schwester gen\u00e4ht hat<br \/><\/span><\/p>\n<p class=\"mittel\">Letzthin erhielten wir ein Mail, dass wir ja Opa gegen seinen Willen hierher gebracht haben. Was so nicht stimmt, denn er kam aus freien St\u00fccken nach Thailand, den wir hatten ihn gefragt, ob er unser neues Haus hier anschauen will und er hat zugestimmt. Denn sonst h\u00e4tten wir ihn ja gar nicht ins Flugzeug gebracht. Was wir damals aber nat\u00fcrlich nicht gesagt hatten, war, dass wir hier bleiben m\u00f6chten.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Das war aber seither nie mehr ein Thema. Er hat seit x-Monaten nicht mehr gefragt, wann wir heim gehen. Zudem kann man in einem solch dementen Zustand auch einen Menschen nicht mehr nach seinem Willen fragen, das ist wie wenn man ein Baby fragen w\u00fcrde, wo es denn wohnen will. Und abschliessend zu diesem Mail ist auch zu sagen, dass eine Einweisung in eine psychiatrische Geriatrie, die sonst unvermeidlich gewesen w\u00e4re, sicherlich mehr gegen sein Willen gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Ein weiteres Thema in der Sendung von G\u00fcnther Jauch war die Entwurzelung, dass man einen Menschen aus seinem geliebten Umfeld, wo er viele Menschen kennt rausnimmt und an ein fremdes Ort versetzt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/spirit-thai3\/IMGP0097.jpg\" alt=\"Bild\" width=\"600\" height=\"450\" \/><br \/><span class=\"klein\">Ein Baum der vor den Augen von Opa grad neue Wurzeln schl\u00e4gt, es ist eine sogenannte Beetlenut-Palme<\/span><\/p>\n<p class=\"mittel\">Auch hier pr\u00e4sentiert sich die Situation bei Opa etwas anders. Einerseits hat er ja schon vorher 4 Jahre bei uns in Wald gelebt, was doch 40km von seinem fr\u00fcheren Wohnort weg war. Zudem hatte er in seinem Alter praktisch keine Freunde mehr, die er schon jahrelang kannte und die ihn besuchen gekommen w\u00e4ren. So hatte er in den 4 Jahren in unserem Haus gerade mal ein halbes Dutzend Besuche. Seine alten Freunde und Bekannten sind alle gestorben und von der Familie bin ich noch der einzig wirklich nahe Verwandte. Da meine Mutter gestorben ist und ich keine Geschwister habe, ist sonst niemand da, der sich um ihn k\u00fcmmern w\u00fcrde. Und als dann im letzten Fr\u00fchjahr auch noch die einzige Frau, die ihm regelm\u00e4ssig telefoniert hatte, gestorben ist, war sein Telefon stumm, es rief niemand mehr f\u00fcr ihn an.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Sicherlich ist es hier eine andere Umgebung und eine andere Kultur, doch hat er sich in der Zwischenzeit so gut an die neuen R\u00e4umlichkeiten gewohnt, dass er die Toilette im Dunkeln findet. Und das warme Klima, dass nahe Meer und die herzliche Umgebung kompensieren sicherlich die Ver\u00e4nderungen des Umfeldes.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Ein weiterer Punkt, der in der Sendung angesprochen wurde, ist die Sprache. Doch auch hier ist die Situation anders, als auf den ersten Blick vermutet. Opa verstand schon seit mehreren Jahren nicht mehr so gut, was wir sagten und dies hat immer mehr zugenommen. Heute k\u00f6nnen wir auf Deutsch sprechen und er versteht meist nur noch Chinesisch. Und auch sprechen kann er nur noch so undeutlich, dass wir ihn kaum mehr verstehen. Auf der Gestik-Ebene versteht er hingegen alles und diese Gestik ist mehr oder weniger international. So kommunizieren die beiden Frauen auf diese Weise problemlos mit ihm, die Sprache spielt da keine Rolle mehr.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/spirit-thai3\/IMGP0025.jpg\" alt=\"Bild\" width=\"600\" height=\"450\" \/><br \/><span class=\"klein\">Der andere Baum kurz nach dem pflanzen, eine Bougainville, den wir ebenfalls j\u00fcngst von Chung geschenkt erhielten und dessen Blumen in Zukunft Opa\u2019s Ausblick zieren werden<\/span><\/p>\n<p class=\"mittel\">Trotzdem aber haben die beiden auch ein paar Worte auf Schweizer-Deutsch gelernt. \u00c4ss\u00e4, schlof\u00e4 goh, F\u00fc\u00e4ss lupf\u00e4, spazier\u00e4 und so weiter h\u00f6ren wir immer \u00f6fters&#8230; Aber es hat auch eine gute Seite, dass sie nicht alles verstehen, denn wenn er mal wieder etwas Beleidigendes sagt, wenn er an einem Tag schlechte Laune hat, so verstehen sie ja den Inhalt gar nicht&#8230;<\/p>\n<p class=\"mittel\">Ein weiteres Thema in der Talk-Show war die Aktivierung der \u00e4lteren Menschen und das Aufrechterhalten der noch bestehenden Fertigkeiten. Eine der Diskussions-Teilnehmerinnen, Ulla Schmidt, notabene fr\u00fchere Bundesgesundheitsministerin, sprach sogar von Rehabilitation. Wie weltfremd es ist, bei Demenzkranken von Rehabilitation zu sprechen, muss wohl nicht weiter ausgef\u00fchrt werden. Man kann sich gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, wenn der Abbau der F\u00e4higkeiten etwas gebremst wird.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Hier in Thailand wird dieses Thema aber nochmals anders gesehen. Wir instruierten \u201eunsere\u201c beiden Frauen anf\u00e4nglich, dass sie wo immer m\u00f6glich, ihn sich selber anziehen, sich selber rasieren und so weiter sollen. Doch sie verstehen das schlicht nicht, dass ist f\u00fcr sie westliche Philosophie. Sie sehen Opa als alte unterst\u00fctzungsbed\u00fcrftige Person, der man in diesem hohen Alter doch alles m\u00f6glichst leicht machen sollte. Wieso soll ein Mensch mit 96 Jahren sich unbedingt noch selber rasieren m\u00fcssen, da k\u00f6nnen wir ihm doch ganz einfach helfen&#8230;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/spirit-thai3\/IMGP0083.jpg\" alt=\"Bild\" width=\"600\" height=\"450\" \/><br \/><span class=\"klein\">Ein f\u00fcr uns wiederum neues Insekt<\/span><\/p>\n<p class=\"mittel\">Ein weiterer Unterschied zu Europa ist hier, mit welchem Respekt \u00e4lteren Menschen begegnet wird. \u00c4ltere Menschen sind f\u00fcr sie selbstverst\u00e4ndlich hochgradig lebenserfahren und haben daher h\u00f6chste Aufmerksamkeit verdient. Dies spiegelt sich auch in der Sprache, in der \u00e4ltere Menschen anders angesprochen werden als j\u00fcngere, mit viel mehr Respekt. Und auch wenn diese Menschen dann mal schlechte Laune haben und schimpfen, so verschwindet dieser Respekt nicht. Das geh\u00f6rt f\u00fcr sie dazu und die nimmt man auf die leichte Schulter.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Auch geh\u00f6rt es hier, wie bei uns vor 50 Jahren, noch selbstverst\u00e4ndlich dazu, dass die Familie die \u00e4ltere Generation pflegt. Es gibt erst seit kurzem Altersheime in der N\u00e4he von Bangkok, weil dort leider auch schon die westliche Mentalit\u00e4t Einzug h\u00e4lt. Das wir uns aber als Westler um unseren Grossvater k\u00fcmmern, ist f\u00fcr Thai\u2019s eher ungew\u00f6hnlich und so begegnen uns die Menschen hier ebenfalls mit sehr viel Respekt, was unsere Integration hier erheblich f\u00f6rdert.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Und nochmals ein weiterer Unterschied hier ist der Umgang mit der N\u00e4he. Hier geh\u00f6ren Ber\u00fchrungen zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit in der Pflege und da Ann gleichzeitig auch ausgebildete Masseurin, kommt Opa ab und zu auch in den Genuss einer Massage.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/spirit-thai3\/A2.jpg\" alt=\"Bild\" width=\"600\" height=\"450\" \/><br \/><span class=\"klein\">Die N\u00e4he zu Opa ist sp\u00fcrbar<\/span><\/p>\n<p class=\"mittel\">Alles in allem ist hier also f\u00fcr Opa gut gesorgt und wir sind nach wie vor \u00fcberzeugt, den richtigen Schritt gemacht zu haben.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Zum Abschluss der Woche noch ein paar Kurzmeldungen. Am Mittwoch hatte Chung Geburtstag. Alle Ausl\u00e4nder die derzeit hier sind (eigentlich nur Hausbesitzer), \u00fcberraschten ihn dabei mit Geschenken, was eigentlich hier in Thailand weniger \u00fcblich ist. Denn normalerweise zelebrieren Thai\u2019s Ihren Geburtstag nicht so wie wir Westler. Das er aber Freude hatte, war nicht zu \u00fcbersehen, auch wenn er nicht genau wusste, wie er reagieren soll.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/spirit-thai3\/IMGP0031.jpg\" alt=\"Bild\" width=\"600\" height=\"450\" \/><br \/><span class=\"klein\">Chung beim Auspacken<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/spirit-thai3\/IMGP0029.jpg\" alt=\"Bild\" width=\"600\" height=\"450\" \/><br \/><span class=\"klein\"> Die Gratulationsrunde, Lou und Mam fehlen auf dem Photo <\/span><\/p>\n<p class=\"mittel\">Am Donnerstag waren wir zur Hauseinweihung des neuen Hauses von Low eingeladen. Da wurden einige Segnungen zum Wohle des neuen Hauses ausgesprochen und dann gab es Essen. Am Boden sitzend versammelten sich in etwa 40 Leute zum Schmaus. Davon haben wir allerdings keine Photo\u2019s gemacht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/spirit-thai3\/IMGP0093.jpg\" alt=\"Bild\" width=\"600\" height=\"450\" \/><br \/><span class=\"klein\">Daf\u00fcr ein anderes Photo \u2013 Tolek, die Katze von E<\/span><\/p>\n<p class=\"mittel\">Ebenfalls diese Woche wurde im neuen Restaurant der Boden gemacht, das Resultat ist aber wohl noch nicht endg\u00fcltig, denn es unterlief dem Bau-Team ein Fehler, da sie zu viel Beton verwendeten. Sie arbeiteten am Abend, denn dies war ein Zusatz-Verdienst. Schlussendlich mussten sie dann aber bis morgens 3 Uhr den Fehler korrigieren. Gestern und heute sei dieses Team dann einfach nicht auf den Bau gekommen, da sie anscheinend dadurch das Gesicht verloren h\u00e4tten und sich jetzt irgendwie sch\u00e4men. Andere Kulturen \u2013 andere Br\u00e4uche. Schauen wir mal, wie der Fehler nun korrigiert wird.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/spirit-thai3\/IMGP0066.jpg\" alt=\"Bild\" width=\"600\" height=\"450\" \/><br \/><span class=\"klein\">Der Boden in Bearbeitung<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/spirit-thai3\/IMGP0091.jpg\" alt=\"Bild\" width=\"600\" height=\"450\" \/><br \/><span class=\"klein\">Das Endresultat, genauer hinschauen darf man aber nicht<\/span><\/p>\n<p class=\"mittel\">Immer noch ausstehend sind die Bilder der neuen Bar, dessen Fertigstellung sich etwas verz\u00f6gert, da die neuen Bungalows derzeit priorisiert behandelt werden. Allerdings geht heute wieder etwas und die Beleuchtung wird installiert. Sobald die Bar fertig ist, zeigen wir Euch dann die Bilder der Entstehungsphase und der neuen Bar.<\/p>\n<p class=\"mittel\">Die neuen Bungalows sind nun auch schon ziemlich weit gediehen und schon fast fertig. Auch von diesen werden wir Euch bald Bilder zeigen, denn diese werden wohl in zwei Wochen auch fertig sein. Die Themen gehen uns also nicht aus und wir gr\u00fcssen Euch herzlich aus der langsam endenden Regenzeit S\u00fcdthailand\u2019s.<\/p>\n<p class=\"mittel\">\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/spirit-thai3\/IMGP3354-thumb.jpg\" alt=\"Blog spirit.th - Bild klein\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p>Pflege in Thailand.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-370","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorised"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/370","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=370"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/370\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=370"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=370"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=370"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}