{"id":330,"date":"2012-04-24T12:02:21","date_gmt":"2012-04-24T12:02:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=330"},"modified":"2012-04-24T12:02:21","modified_gmt":"2012-04-24T12:02:21","slug":"die-weisheit-der-wachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/?p=330","title":{"rendered":"Die Weisheit der Wachen"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Allgemein\/weiswach.jpg\" alt=\"weiswach\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/p>\n<p> <span class=\"Titel3rot\">Wof\u00fcr unsere Umfragen repr\u00e4sentativ sind<\/span> <\/p>\n<p class=\"Stil28\"><em>Immer wieder weden wir gefragt, f\u00fcr wen oder was unsere Umfragen eigentlich repr\u00e4sentativ seien. In diesem Artikel fragen wir, was Repr\u00e4sentativit\u00e4t bedeutet, und kommen zum Schluss: Unsere Umfragen bieten ein Abbild des Meinungsspektrums jener Menschen, die wach und interessiert am Zeitgeschehen teilnehmen.<\/em><\/p>\n<p class=\"Stil10\">Schon wieder kritisiert ein Journalist unsere letzte Umfrage zum Selbst-Bewusstsein von 50plus als &#8222;nicht repr\u00e4sentativ&#8220;. Womit er meint begr\u00fcndet zu haben, er m\u00fcsse die Ergebnisse nicht zur Kenntnis nehmen. Ihm und anderen sei empfohlen, sich etwas vertiefter mit diesem Begriff auseinanderzusetzen:<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Repr\u00e4sentativ kommt von repr\u00e4sentieren. Etwas repr\u00e4sentiert etwas anderes, das heisst, stellt es dar, bildet es ab. Im Falle von Umfragen bildet eine repr\u00e4sentative Stichprobe jeweils eine Gesamtheit ab. Am sch\u00f6nsten w\u00e4re es nat\u00fcrlich immer, man k\u00f6nnte diese Gesamtheit fragen, also jede und jeden Einzelnen, aber das geht nat\u00fcrlich nicht, weshalb man nur einen Ausschnitt, eben die Stichprobe, fragt. Je besser diese Auswahl das Ganze abbildet, desto repr\u00e4sentativer ist die Stichprobe.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Stil10\">So weit, so klar. Fragt sich nur, was eigentlich die abzubildende Gesamtheit ist. Betrachten wir daf\u00fcr eine gute alte Schweizer Volksabstimmung. Wie schon der Name sagt, bildet hier das Volk die Gesamtheit, und die Sieger sprechen denn auch ganz unmissverst\u00e4ndlich davon, das Volk habe in ihrem Sinne entschieden. Nun k\u00f6nnte man sich nat\u00fcrlich dar\u00fcber unterhalten, ob die Gesamtheit der stimmberechtigten Schweizerinnen und Schweizer wirklich &#8222;das Volk&#8220; sei, oder ob die hier lebenden Menschen mit ausl\u00e4ndischem Pass nicht auch dazu geh\u00f6ren w\u00fcrden, doch selbst wenn wir die Gesamtheit auf die Stimmberechtigten eingrenzen, hat keineswegs das Volk als Ganzes entschieden.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Denn obwohl es in der Schweiz wirklich sehr leicht ist abzustimmen, nehmen im Durchschnitt nur rund vierzig Prozent diese M\u00f6glichkeit auch tats\u00e4chlich wahr. Und trotzdem k\u00e4me es auch den Verlierern nie in den Sinn zu sagen, es h\u00e4tte ja gar nicht das Volk entschieden, sondern nur eine Minderheit davon, und ob diese Mindeheit repr\u00e4sentativ f\u00fcr das ganze Volk sei, w\u00e4re doch v\u00f6llig unklar. Nein, die abstimmende Minderheit wird v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich als repr\u00e4sentativ f\u00fcr die Gesamtheit des Volkes betrachtet.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Stil10\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Allgemein\/weiswach3.jpg\" alt=\"weiswach3\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/p>\n<p class=\"Stil10\">Worin nun unterscheidet sich diese abstimmende Minderheit vom Rest des Volkes? Sicher in einem Punkt: Sie ist interessierter und engagierter. Auf diese wachen Zeitgenossen kommt es an, denn sie entscheiden.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Nun gibt es zwar bei Umfragen nichts zu entscheiden, und die Teilnahme daran ist weniger leicht zug\u00e4nglich als bei einer Volksabstimmung. Und doch gibt es Parallelen: Wo es um Meinungsbildung geht, spielen immer die interessierten und engagierten, also die wachen Zeitgenossen, die Hauptrolle. Sie nehmen Ideen fr\u00fcher auf als andere, und sie sorgen f\u00fcr deren Ausbreitung. Ich habe diese gesellschaftliche Minderheit mal &#8222;Bewusstseins-Elite&#8220; genannt und daf\u00fcr ordentlich Pr\u00fcgel bezogen. Deshalb spreche ich heute lieber vom &#8222;gesellschaftlichen Sauerteig&#8220;. Gemeint ist immer jene Minderheit von Menschen, die sich f\u00fcr ein Thema besonders interessieren und engagieren und deshalb im Prozess der kollektiven Meinungsbildung eine zentrale Rolle spielen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Wenn man sich f\u00fcr das Meinungsbild zu einem bestimmten Thema interessiert, wen fragt man da besser? Jemanden, der keine Ahnung hat, oder jemanden, der sich f\u00fcr das Thema so sehr interessiert, dass er dazu seine Meinung freiwillig abgibt? Die Frage ist nat\u00fcrlich rhetorischer Natur. Und trotzdem geistert immer noch die Vorstellung herum, man m\u00fcsse zu jedem Thema alle fragen, nur das sei repr\u00e4sentativ. Wenn mich also ein Marktforscher anruft, um meine Meinung zu einem neuen Automodell zu erfahren, bloss weil ich zur Gesamtheit der F\u00fchrerscheinbesitzer geh\u00f6re, dann handelt er in diesem Sinne repr\u00e4sentativ. Dass ich von Autos nun wirklich keine Ahnung habe, st\u00f6rt ihn nicht, meine vielleicht dann doch widerwillig abgegeben Meinung z\u00e4hlt in der Endauswertung genau gleich viel wie jene eines ausgewiesenen Autokenners.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Uns dagegen st\u00f6rt das. Wir wollen nur Meinungs\u00e4usserungen von Menschen, die freiwillig an einer Umfrage teilnehmen, weil sie sich f\u00fcr das Thema interessieren &#8211; und weil sie geh\u00f6rt werden wollen. Deshalb ziehen wir auch keine Stichprobe aus irgendeiner Adressdatei und sprechen dann die ausgew\u00e4hlten Personen gezielt an, wie es in klassisch &#8222;repr\u00e4sentativen&#8220; Studien geschieht, sondern wir schalten unsere Umfragen ins Netz und laden alle Interessierten ein, daran teilzunehmen. &#8222;To whom it may concern&#8220; &#8211; f\u00fcr jene, die eine Resonanz empfinden. So erreichen wir nat\u00fcrlich nicht alle potenziellen Teilnehmenden, aber doch so viele, dass an unseren beiden letzten gemeinsam mit der terzStiftung durchgef\u00fchrten Umfragen jeweils \u00fcber 500 Menschen einen anspruchsvollen und einige Zeit beanspruchenden Fragebogen vollst\u00e4ndig ausgef\u00fcllt haben.<\/p>\n<p class=\"Stil10\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Allgemein\/weiswach1.jpg\" alt=\"weiswach1\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/p>\n<p class=\"Stil10\">Womit wir beim Fetisch Zahl w\u00e4ren. Viele glauben ja, Repr\u00e4sentativit\u00e4t h\u00e4nge von der Anzahl der Befragten ab, weshalb sie zum Beispiel Teilnehmerzahlen von unter tausend f\u00fcr nicht repr\u00e4sentativ halten. Dabei weiss jeder Statistiksch\u00fcler, dass eine steigende Befragtenzahl das Fehlerrisiko vermindert, nicht aber beseitigt. Selbst wenn man alles haargenau nach Lehrbuch macht, kann die Stichprobe ein etwas anderes Bild zeigen als die Gesamtheit. Ganz zu schweigen davon, dass dieser Fehler in Einzelf\u00e4llen sogar betr\u00e4chtlich sein kann; das mit der Repr\u00e4sentativit\u00e4t ist also auch im klassischen Bereich eine ziemlich komplizierte Geschichte. Wozu noch kommt, dass es auch bei streng repr\u00e4sentativen Stichproben immer schwieriger wird, alle ausgew\u00e4hlten Personen zu erreichen. F\u00fcr Telefonumfragen etwa f\u00e4llt die zunehmende Schar jener aus, die nur noch \u00fcbers Handy telefonieren und deshalb in kenem Telefonbuch stehen.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Der langen Rede kurzer Sinn: Die Zahl der Teilnehmenden ist kein Qualit\u00e4tskriterium. Entscheidender ist die Frage, wie gut die Teilnehmenden das Meinungsspektrum der Gesamtheit, in unserem Fall definiert als &#8222;wache Zeitgenossen&#8220;, abbilden. Und daf\u00fcr haben wir einen handfesten empirischen Beleg. In zahlreichen Umfragen haben wir jeweils das Meinungsbild der ersten f\u00fcnfzig oder hundert Teilnehmenden mit jenem aller Teilnehmer verglichen. Und dabei immer wieder best\u00e4tigt gefunden, dass die Unterschiede minimal sind. Das heisst: Ein noch etwas grobes, aber schon sehr zuverl\u00e4ssiges Meinungsbild l\u00e4sst sich bereits aus f\u00fcnfzig oder hundert Teilnehmenden heraus lesen. Womit die Wahrscheinlichkeit gross ist, dass sich daran auch bei Tausenden von Teilnehmenen nichts mehr \u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Diese innere Stabilit\u00e4t der Stichprobe ist ein \u00fcberzeugendes Indiz daf\u00fcr, dass die Ergebnisse unserer Umfragen tats\u00e4chlich zuverl\u00e4ssig das Meinungsspektrum der wachen Zeitgenossen spiegeln. Am Meinungsbild w\u00fcrde sich vielleicht etwas \u00e4ndern, wenn wir mit Gewalt auch jenen eine Meinung entlocken w\u00fcrden, die gar keine haben, doch wenn wir mehr wache Zeitgenossen fragen w\u00fcrden, blieben die Ergebnisse unver\u00e4ndert.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Unsere Umfragen sind also repr\u00e4sentativ f\u00fcr eine bestimmte Bev\u00f6lkerungsgruppe, n\u00e4mlich f\u00fcr die wachen Zeitgenossen. Deren Meinung erscheint uns wertvoll, denn sie pr\u00e4gt die zuk\u00fcnftigen Entwicklungen. Und deshalb wollen wir diesen Erfahrungsschatz mit unseren Umfragen erschliessen. Wir glauben nicht an die Weisheit der Massen. Wohl aber an die Weisheit der Wachen.<\/p>\n<p class=\"Stil10\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Allgemein\/weiswach2.jpg\" alt=\"weiswach2\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Allgemein\/weiswach_kl.jpg\" alt=\"weiswach_kl\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p>Wof\u00fcr unsere Umfragen repr\u00e4sentativ sind<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-330","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/330","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=330"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/330\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=330"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=330"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=330"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}