{"id":282,"date":"2011-07-01T08:30:33","date_gmt":"2011-07-01T08:30:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=282"},"modified":"2011-07-01T08:30:33","modified_gmt":"2011-07-01T08:30:33","slug":"lebensqualitaet-und-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/?p=282","title":{"rendered":"Lebensqualit\u00e4t und Arbeit"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Sphaeren\/lqarbeit0.jpg\" alt=\"lqarbeit0\" width=\"364\" height=\"284\" \/><\/p>\n<p> <span class=\"Titel3rot\">Der t\u00e4gliche Spagat<\/span> <\/p>\n<p class=\"Stil28\"><em>Die Frage nach dem Wesen von Lebensqualit\u00e4t wird von verschiedenen Menschen mit ganz unterschiedlichen Hinweisen beantwortet. Meist wird Lebensqualit\u00e4t mit gl\u00fcckendem Privatleben in Verbindung gebracht. \u00abAber der Job muss dann auch stimmen\u00bb hat k\u00fcrzlich jemand erg\u00e4nzt.<\/em><\/p>\n<p><span class=\"wichtig\">von Peter Gisler<\/span>, <a href=\"http:\/\/www.gisler-coach.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gisler-coach.ch<\/a><\/p>\n<p><strong>Lebensqualit\u00e4t als subjektive Gr\u00f6sse<\/strong><\/p>\n<p>Lebensqualit\u00e4t hat mit Wohlbefinden zu tun und ist eine subjektive Gr\u00f6sse. Erlebte Qualit\u00e4t kann vom objektiv Wahrnehmbaren abweichen, darum wird jeder Mensch, in seiner pers\u00f6nlichen Situation Lebensqualit\u00e4t nach eigenen Massst\u00e4ben mit einer eigenen \u00abBrille\u00bb einstufen. Soviel vorneweg.<\/p>\n<p>In der Arbeitswelt kann Arbeitszufriedenheit als ein Aspekt von Lebensqualit\u00e4t genannt werden. Auch sie entzieht sich dem Formelhaften und wird individuell erlebt. Zum Beispiel werden Gefordertsein, Lern- und Entwicklungsm\u00f6glichkeiten, Einbettung in ein wertsch\u00e4tzendes soziales Gef\u00fcge oft h\u00f6her gewichtet als das reine Sal\u00e4r. Von grosser Bedeutung sind neben der Arbeit unter anderem Erholungs- und Entfaltungsr\u00e4ume f\u00fcr ein erf\u00fclltes soziales Leben. Viele Menschen weisen auf das gegenseitig Befruchtende der je gelingenden privaten und beruflichen Zeit hin, was gegen die strikte Trennung der Bereiche zu sprechen scheint. Aber auch dabei geht es letztlich um individuelles Empfinden und um die je spezifische Lebens- und Arbeitssituation.<\/p>\n<p><strong>Arbeitsmarktf\u00e4higkeit<\/strong><\/p>\n<p>Arbeitszufriedenheit ist wohl auch dem Arbeitgeber willkommen, sein Fokus richtet sich aber eher auf Arbeitsmarktf\u00e4higkeit (Employability). Nicht zuletzt im Zusammenhang mit \u00e4lter werdenden Arbeitnehmenden, dies im Wissen um demografische Entwicklungen. In der Forderung \u00abArbeitsmarktf\u00e4higkeit\u00bb ist auch der Appell an die Eigenverantwortung enthalten.<\/p>\n<p>Arbeitsmarktf\u00e4higkeit wird allgemein definiert durch die Kompetenz von Arbeitnehmenden, in eigenverantwortlicher Haltung erfolgreich Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden, im Markt zu bestehen, die Kompetenzen den Marktbed\u00fcrfnissen entsprechend \u00e0 jour zu halten, am Arbeitsplatz gute Leistungen zu erbringen und sich weiter zu entwickeln.<\/p>\n<p><strong>Demografische Entwicklung<\/strong><\/p>\n<p>Die Arbeitswelt ist mit demografischem Wandel konfrontiert: Weil die geburtenreichen Jahrg\u00e4nge der Babyboomer zahlreich in Pension gehen werden, rechnen Arbeitgeber mit einem Mangel an Nachwuchs. Die \u00ab50Plus\u00bb, erst noch eifrig in die Fr\u00fchpension geschickt, gewinnen so wieder an Stellenwert und sind darum aufgefordert, ihre Arbeitsmarktf\u00e4higkeit zu pflegen. Es gibt Unternehmen, die sie dabei unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Sphaeren\/lqarbeit1.jpg\" alt=\"lqarbeit1\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Arbeitsbedingungen heute<\/strong><\/p>\n<p>Die globalisierte Wissensgesellschaft hat mit ihrem schnellen Wandel auf unterschiedlichen<\/p>\n<p>Ebenen v\u00f6llig andere Arbeitsbedingungen und konstant h\u00f6here Belastungen geschaffen. Das zeigt sich bei meist gut qualifizierten, hoch einsatzbereiten Arbeitnehmenden durch Ersch\u00f6pfung, Depression, Burn-out und innere K\u00fcndigung \u2013 heute h\u00e4ufige Ph\u00e4nomene. In diesem Umfeld werden Forderungen nach Arbeitsmarktf\u00e4higkeit und Education Permanente als zus\u00e4tzliche Belastungen erlebt.<\/p>\n<p><strong>Lebenslanges Lernen (Education Permanente)<\/strong><\/p>\n<p>Das Leben in allen Bereichen von Familie, sozialer Gemeinschaft und Arbeitswelt zu bew\u00e4ltigen, ist anspruchsvoll. Einerseits locken Freiheiten, ein riesiges Konsumangebot und offene T\u00fcren zur Welt. Andererseits ist Selbstverantwortung Pflicht ebenso wie die Respektierung einer grossen Zahl institutioneller und informeller Regeln. Der Umgang mit beidem will gelernt sein.<\/p>\n<p>T\u00e4glich sind Menschen mit Neuerungen konfrontiert. Technologien, Arbeitsinstrumente ver\u00e4ndern sich, auch die Alltagstechnik \u2013 vom Handy bis zum Billetautomaten. Die Grenzen zwischen Arbeit und Alltag verwischen sich. Die meisten Haushalte verf\u00fcgen heute \u00fcber Computer und sind an\u2019s World Wide Web angeschlossen. Dass Herausforderungen gerade f\u00fcr \u00e4ltere Menschen entstehen, die langsamer werdend, einer sich stets beschleunigenden Entwicklung gegen\u00fcber stehen, ist augenf\u00e4llig.<\/p>\n<p><strong>Eigenverantwortung und f\u00f6rdernde Rahmenbedingungen<\/strong><\/p>\n<p>Der Appell des lebenslangen Lernens ist durchaus sinnvoll. Jeder Mensch hat aber f\u00fcr sich zu entscheiden, was er sich aneignen, wobei er mithalten und was er investieren will. Es geht nicht ausschliesslich um grosse Schritte, wie es zum Beispiel ein Nachdiplomstudium darstellt, es geht oft um kleine Schritte. Schritte aus der warmen Stube hinaus in den frischen Wind. Es geht um Horizonterweiterung, um das Kennenlernen von Fremdem und Fremden. Und darum, sich Neuem zu stellen, zu experimentieren und das konstruktive Scheitern zu wagen. Dies lustvoll und neugierig zu tun, kann ebenfalls eine Erfahrung von Lebensqualit\u00e4t darstellen.<\/p>\n<p>Dass Menschen dabei Eigenverantwortung zu \u00fcbernehmen haben, leuchtet ein. Weil die M\u00f6glichkeiten einzelner aber ungleich verteilt sind, ist im Arbeitsmarkt ein Miteinander von Sozialpartner und Staat sinnvoll.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Sphaeren\/lqarbeit2.jpg\" alt=\"lqarbeit2\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/p>\n<p><strong>W\u00fcnschbare Lastenverteilung im Arbeitsmarkt<\/strong><\/p>\n<p>Aufgaben f\u00fcr das Unternehmen<\/p>\n<p>\u2022&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Sensibilisierung der F\u00fchrungspersonen zu einer positiven Einstellung gegen\u00fcber allen Generationen als Basis altersgerechter Besch\u00e4ftigung<\/p>\n<p>\u2022&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; F\u00f6rderung intergenerativer Zusammenarbeit<\/p>\n<p>\u2022&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Impulssetzung f\u00fcr periodische Standortbestimmung und Weiterbildung<\/p>\n<p>\u2022&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Betreiben eines Gesundheitsmanagements, im Visier u.a. eine gesundheitsvertr\u00e4gliche Belastung der Mitarbeitenden, die Raum f\u00fcr andere Lebensbereiche l\u00e4sst<\/p>\n<p>\u2022&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Einsatz reifer Mitarbeitender als Mentorinnen und Mentoren<\/p>\n<p>Aufgaben f\u00fcr den Staat \u2013 unabh\u00e4ngig vom Staatsverst\u00e4ndnis<\/p>\n<p>\u2022&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Schaffung guter Bedingungen f\u00fcr Bildung jeder Art<\/p>\n<p>\u2022&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ein Gesundheitssystem, das \u00c4lterwerdenden gerecht wird und Pr\u00e4vention unterst\u00fctzt<\/p>\n<p>\u2022&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ein flexibles Rentensystem<\/p>\n<p>Aufgaben f\u00fcr das Individuum<\/p>\n<p>\u2022&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Eine kreative, aktive Lebens- und Laufbahngestaltung, unterst\u00fctzt durch regelm\u00e4ssige Standortbestimmungen (z.B. alle 5 Jahre) in Eigenregie oder mit Unterst\u00fctzung von Fachleuten (Laufbahnberatung)<\/p>\n<p>\u2022&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; permanente Weiterentwicklung fachlicher, pers\u00f6nlicher und sozialer Kompetenzen \u2013 im regen Kontakt mir der \u00abWelt\u00bb<\/p>\n<p><strong>Lebenst\u00fcchtigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Fasst man Schlagworte wie \u00abEmployability\u00bb und \u00abEducation Permanente\u00bb weiter, so dass sich nebst dem Arbeits- auch der private Mensch angesprochen f\u00fchlen darf, so kommt man auf das schlichte Wort Lebenst\u00fcchtigkeit. Diese basiert auf pers\u00f6nlichen, sozialen, kulturellen und fachlichen Kompetenzen und auf Erfahrungen in allen Lebensbereichen. Man kann wohl davon ausgehen, dass Lebenst\u00fcchtigkeit Arbeitsmarktf\u00e4higkeit erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p><strong>Achtsamkeit<\/strong><\/p>\n<p>Auch mit der Unterst\u00fctzung von Arbeitgeber und Staat, wird die einzelne Person immer die Hauptrolle spielen. Sie ist f\u00fcr ihr Leben verantwortlich. Um \u00abgute\u00bb Lebensqualit\u00e4t zu empfinden, muss sie erproben und f\u00fchlen, was ihr Freude bereitet. Ohne Selbstkenntnis geht das nicht. Eigene Kompetenzen zu kennen, sie auch weiter zu entwickeln, ist eine Voraussetzung um den Gestaltungsrahmen wahrzunehmen, den die \u00abWelt\u00bb bietet, ihn auszuloten und zu erweitern. Der Mensch ist sich quasi schuldig, eine Lebensvorstellung, die Arbeit inbegriffen, zu kreieren, deren Umsetzung Sinn und Befriedigung vermittelt. Das ist das eine. Das andere kann sein, sein Tun in allen Bereichen, ob K\u00fcr oder Pflicht, durch Zuwendung und Sorgfalt zu pr\u00e4gen. Man k\u00f6nnte es Achtsamkeit nennen.<\/p>\n<p>Das Gegenteil einer achtsamen Haltung und einer bewussten Lebens- und Laufbahngestaltung w\u00e4re resignierte (Arbeits-)Zufriedenheit. Diese steht auch im Gegensatz zu Lebensqualit\u00e4t. Abhilfe ist oben mit den Aufgaben f\u00fcr das Individuum skizziert. Das heisst, st\u00e4ndige Selbstreflexion. Und das heisst, sich zu wehren, seinen Kredit, seine M\u00f6glichkeiten zu nutzen. Nat\u00fcrlich verf\u00fcgen nicht alle Menschen \u00fcber gleich lange Spiesse. Kredit ist eine Frage von Bildung, Leistung und sozialem Umgang.<\/p>\n<p><strong>T\u00fcchtigkeit, Qualit\u00e4t, Kunst<\/strong><\/p>\n<p>Lebensqualit\u00e4t (auf der Basis Lebenst\u00fcchtigkeit) hat mit Lebenskunst zu tun. Diese orientiert sich nicht am Mainstream, sie ermuntert zum Querdenken. So ist ein reflektiertes Leben nicht ein angepasstes, sondern ein gestaltetes. Und ein teilnehmendes, mitwirkendes. Menschen haben zu lernen, sich als B\u00fcrger, B\u00fcrgerinnen und Arbeitnehmende andern mehr zuzumuten, ihre Meinung zu sagen, wo sinnvoll und angebracht Forderungen zu stellen, wenn n\u00f6tig die Auseinandersetzung zu suchen.<\/p>\n<p>Arbeitnehmende sind gleichzeitig M\u00fctter und V\u00e4ter jener Kinder, die in absehbarer Zeit mit Freude und Motivation in den Arbeitsmarkt eintreten sollen. Eltern haben es in der Hand, ihrem Nachwuchs das Gestalten von Lebensqualit\u00e4t vorzuleben.<\/p>\n<p>Andererseits schafft Unternehmens- und Menschenf\u00fchrung, die Lebenst\u00fcchtigkeit f\u00f6rdert, f\u00fcr die Wirtschaft Nachhaltigkeit der viel bem\u00fchten Human Resources.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Sphaeren\/lqarbeit3.jpg\" alt=\"lqarbeit3\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/lqarbeit0_kl.jpg\" alt=\"lqarbeit0_kl\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p>Der t\u00e4gliche Spagat<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-282","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/282","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=282"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/282\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=282"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=282"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=282"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}