{"id":280,"date":"2011-06-16T16:27:56","date_gmt":"2011-06-16T16:27:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=280"},"modified":"2011-06-16T16:27:56","modified_gmt":"2011-06-16T16:27:56","slug":"mogelpackungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/?p=280","title":{"rendered":"Mogelpackungen?"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Felder\/lq_und_konsum\/standards.jpg\" alt=\"standards\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/p>\n<p> <span class=\"Titel3rot\">Glaubw\u00fcrdigkeit und Wirkung von nachhaltigen Standards<\/span> <\/p>\n<p class=\"Stil28\"><em>Am 8. Juni 2011 fand an der ETH Z\u00fcrich der &#8222;Public Day&#8220; einer Veranstaltung statt, die in der Schweiz eher wenig beachtet wurde, aber f\u00fcr die Zukunft einen entscheidenen Impuls geben k\u00f6nnte. An der Tagung der ISEAL-Alliance trafen sich prim\u00e4r VertreterInnen von Organisationen, die die von Ihnen entwickelten Standards bzw. Labels im Bereich des ethisches Wirtschaften verbessern und koordinieren m\u00f6chten.<br \/><\/em><\/p>\n<p class=\"Stil10\">Kennen Sie das nicht auch? Sie stehen vor dem Regal und betrachten all die verschiedenen Labels auf den Produkte-Verpackungen und fragen sich, was diese nun wirklich bedeuten. Vor allem fragen Sie sich, ob diese Angaben auch wirklich stimmen, und ob die Mindest-Standards wirklich eingehalten werden. Da sind Sie bei diesem Label-Chaos sicherlich nicht der\/die Einzige.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Dessen sind sich auch die Label-Organisationen bewusst, wie an dieser Tagung stark sp\u00fcrbar wurde. Das Thema der Tagung war vor allem, wie die Einf\u00fchrung von Standards im Bereich der sozialen und \u00f6kologischen Nachhaltigkeit noch mehr Wirkung in den betroffenen Produktionsl\u00e4ndern erzielen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Damit w\u00fcrden sich die Labels noch mehr Glaubw\u00fcrdigkeit erarbeiten, denn immer wieder gibt es ja Kritiken an den Vergabe-Kriterien einiger Labels, die das Vertrauen der KonsumentInnen stark negativ beeinflussen k\u00f6nnnen. In diesem Sinne ist es sehr lobenswert, dass sich die &#8222;Branche&#8220; zusammensetzt und ohne Konkurrenz-Gedanken gemeinsam diskutiert, was noch verbessert werden kann, und wo Labels im Sinne der Effizienz auch zusammenarbeiten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p class=\"Stil10\"><span class=\"Titel3rot\">Das TeilnehmerInnen-Feld<\/span><\/p>\n<p class=\"Stil10\">Der <a href=\"http:\/\/www.isealalliance.org\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ISEAL-Alliance<\/a> geh\u00f6ren bekannte Labels und Standards wie FSC, MSC, Fair Trade, Rain Forest Alliance, utz und SA-8000 (Social Accountability) an. Auch VertreterInnen einiger anderer Labels wie 4C Association, Cotton made in Africa, Fairfood, Max Havelaar, BioRe (NaturaLine), Climatop und Global Organic Textile Standard nahmen an der Tagung teil.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Verschiedene Universit\u00e4tsvertreterInnen, NPO-Delegierte von Organisationen wie Helvetas, WWF, Unido und Solidaridad, Beh\u00f6rden-VertreterInnen und einige UnternehmensvertreterInnen erg\u00e4nzten die Runde. F\u00fcr alle jene, die gerne wissen m\u00f6chten, welche Unternehmen sich f\u00fcr das Thema interessieren, hier ein paar der bekannteren Unternehmen, die vertreten waren: Coop, Kraft, Mars, Migros, PWC, Rewe, Selecta, Switcher und Unilever. Die rund 200 TeilnehmerInnen stammten dabei aus allen allen f\u00fcnf Kontinenten. Dem North-South Centre der ETH Z\u00fcrich, die die Tagung mit der Unterst\u00fctzung des SECO organisiert hat, kann nur gratuliert werden, eine solche Tagung nach Z\u00fcrich gebracht zu haben.<\/p>\n<p class=\"Stil10\"><span class=\"Titel3rot\">Von den anderen lernen&#8230;<\/span><\/p>\n<p class=\"Stil10\">An der Breakfast-Session, die auf unerwartetes Interesse stiess, wurde erkl\u00e4rt, wie ISEAL funktioniert, welche Ziele sie sich selber gegeben haben, und welche Kriterien f\u00fcr eine Aufnahme erf\u00fcllt sein m\u00fcssen. Dabei wurde klar, dass die meisten Standards nicht ohne solvente G\u00f6nnerInnen \u00fcberleben k\u00f6nnen und das daher vor allem das &#8222;Kern-Gesch\u00e4ft&#8220; optimiert werden muss. Durch das gegenseitige Lernen und den Informationsaustausch unter den Organisationen sollen die Wirkungen verbessert werden. Transparenz und Prozessqualit\u00e4t waren dabei wichtige Themen, und der Einbezug der Stakeholder vor Ort beim Produzenten wurde als eine der gr\u00f6ssten Herausforderungen bezeichnet.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Im Plenum wurden die Entwicklungen in den sogenannten BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) beleuchtet. Vor allem die Zielsetzungen und das bereits Erreichte in Brasilien beeindruckten. Aus den Diskussionen ging aber auch hervor, das auch die anderen L\u00e4nder das Thema ernst nehmen. Insbesondere China hat sich hohe Ziele gesetzt, die gem\u00e4ss chinesischen VertreterInnen nicht nur reine Propaganda sind. Bew\u00e4hrt habe sich dabei, nicht von Nachhaltigkeit zu sprechen, sondern von den Risiken, die eine nicht-nachhaltige Wirtschaft beinhalte.<\/p>\n<p class=\"Stil10\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Felder\/label3.jpg\" alt=\"label3\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/p>\n<p class=\"Stil10\"><span class=\"Titel3rot\">Die Probleme ernst nehmen&#8230;<\/span><\/p>\n<p class=\"Stil10\">In den darauf folgenden &#8222;Sessions&#8220; waren die Messung der Wirkungen der Zertifizierungen, die Entwicklung der Standards in China und die Perspektiven der Kaffee-Branche ein Thema. Der Autor nahm am vierten Workshop zum Thema &#8222;Linking Producers to Markets&#8220; teil. Dabei zeigten Sybil Anwander Phan-Huy von Coop die Seite des Detailhandels, Peter Schmidt von Helvetas die Seite der NPO&#8217;s, Hans-Peter Egler vom SECO die staatliche Seite und Yayra Glover aus Ghana die Produzenten-Seite auf. Die unterschiedlichen Anspr\u00fcche zeigten die Komplexit\u00e4t des fairen Handels auf. Gem\u00e4ss Yayra Glover sind vor allem diese Punkte aus der Produzenten-Sicht problematisch:<\/p>\n<ul>\n<li>Nur wenig institutionelle Kapazit\u00e4ten<\/li>\n<li>Gesetze, die den fairen Handel behindern<\/li>\n<li>Wenig Respekt f\u00fcr lokale Initiativen<\/li>\n<li>Fehlen des Unternehmergeistes der Landwirte<\/li>\n<li>Abgenutze und ausgebeutete Plantagen<\/li>\n<li>Probleme bez\u00fcglich des Grundst\u00fcck-Besitzes<\/li>\n<li>H\u00fcrden in der Beschaffung von Handelskapital<\/li>\n<\/ul>\n<p>Interessanterweise wurde die Einf\u00fchrung von Standards f\u00fcr den fairen Handel auch schon als neue Konolialisierungs-Idee bezeichnet, was zeigt welchem Misstrauen einem solchen Vorhaben anf\u00e4nglich erwachsen kann. <\/p>\n<p>Als wichtige F\u00f6rderer des Standardisierungs-Systems wurden bezeichnet:<\/p>\n<ul>\n<li>Das Beschaffen von Kapital f\u00fcr die Umstellungszeit auf nachhaltigere Produktionsweise<\/li>\n<li>Die Vereinfachung der verschiedenen Systeme<\/li>\n<li>Die Kooperationsf\u00f6rderung zwischen den verschiedenen Labels<\/li>\n<li>Die Erschliessung gen\u00fcgender Kapazit\u00e4ten<\/li>\n<li>Die Weiterbildung und das Trainig der Produzenten in den Entwicklungsl\u00e4ndern<\/li>\n<li>Die Unterst\u00fctzung bei den Auditierungen und den Zertifikations-Prozesssen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zudem werde die Zeit (und damit das ben\u00f6tigte Kapital) f\u00fcr den Aufbau von nachhaltigen Projekten meist untersch\u00e4tzt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Felder\/label1.jpg\" alt=\"label1\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/p>\n<p><span class=\"Titel3rot\">&#8230; und schrittweise vorgehen<\/span><\/p>\n<p>Nach der Mittagspause standen wiederum verschiedene Sessions zu Themen wie der Aufgabe des Staates im Bereich der Nachhaltigkeits-Standards, die verst\u00e4rkte Pr\u00fcfung der Standards mit einem einheitlichen Qualit\u00e4ts-Code und die schrittweise Einf\u00fchrung von Standards als Instrument zur F\u00f6derung der nachhaltigen Produktion bereit. An der letzteren Session wurde vor allem das Beispiel der 4C Association beleuchtet. Diese stellt relativ tiefe Anforderungen an die Produzenten in der Kaffee-Branche und sei damit vor allem geeignet, Farmer zu \u00fcberzeugen, die sich ansonsten nie mit den hohen Anforderungen anderer Standards befasst h\u00e4tten. Damit zielt der B to B &#8222;Baseline-Standard&#8220; vor allem darauf ab, dass gewisse Kiterien des fairen Handels in die Breite gestreut werden, da die Eintritts-Schwelle tiefer ist. Wer die Stufe erreicht hat, kann nachher in einem n\u00e4chsten Schritt die h\u00f6heren Anforderungen der Konsumenten-Labels angehen.<\/p>\n<p>In der abschliessenden Podiums-Diskussion stand die nachhaltige Lieferkette im Fokus. Einrdringlich mahnte Robin Cornelius, Gr\u00fcnder von Switcher an, dass in 10 Jahren nur noch von einem Image-Risiko die Rede sein werde, wenn Unternehmen nachhaltige Standards nicht einhalten. Das heute stattdessen immer noch teuer bezahlte Anw\u00e4lte besch\u00e4ftigt werden und nur wenig Budget f\u00fcr die Nachhaltigkeit bereit gestellt werde, sei eigentlich nicht verst\u00e4ndlich. Auch forderte er die Unternehmen auf, die unabh\u00e4ngige Kontrollfunktion von NPO&#8217;s zu f\u00f6rdern und als Unternehmen diesen mehr Geld zufliessen zu lassen oder diese gar im Verwaltungsrat anzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Einig waren sich die PodiumsteilnehmerInnen, dass die Beh\u00f6rden Ihre Einkaufs-Strategie mehr nach nachhaltigen Kriterien ausrichten m\u00fcssten. Auch m\u00fcssen die Auswirkungen der Produktion eines Produktes einfacher und eindr\u00fccklicher dargestellt werden. Als Beispiel dazu wurde der &#8222;Water-Footprint&#8220; genannt, der aufzeigt, wie viel Wasser zur Produktion eines Produktes ben\u00f6tigt wird oder der &#8222;Social-Fingerprint&#8220;, der aufzeigen soll unter welchen sozialen Bedingungen das Produkt hergestellt wurde.<\/p>\n<p>Insgesamt war es eine belebende Veranstaltung, die aufgezeigt hat, dass es den meisten Organisationen ein Herzens-Anliegen ist, die Wirkung der Labels und Standards zu verbessern.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Felder\/label2.jpg\" alt=\"label2\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Felder\/lq_und_konsum\/thumbnails\/thumb_standards.jpg\" alt=\"thumb_standards\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p>Bericht einer Tagung, die nachhaltigen Standards mehr Glaubw\u00fcrdigkeit und Wirkung verleihen soll.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-280","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/280","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=280"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/280\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=280"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=280"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=280"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}