{"id":270,"date":"2011-05-09T11:17:02","date_gmt":"2011-05-09T11:17:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=270"},"modified":"2011-05-09T11:17:02","modified_gmt":"2011-05-09T11:17:02","slug":"lebens-kunsthandwerk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/?p=270","title":{"rendered":"Lebens-Kunsthandwerk"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Allgemein\/kunsthandwerk.jpg\" alt=\"kunsthandwerk\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/p>\n<p> <span class=\"Titel3rot\">Warum alle das Kunsthandwerk der Lebensgestaltung lernen k\u00f6nnen<\/span> <\/p>\n<p class=\"Stil28\"><em>Als autonome Menschen brauchen wir f\u00fcr unsere Lebensgestaltung ein Ziel und einen Qualit\u00e4tsmassstab: Lebensqualit\u00e4t. Die F\u00e4higkeit, seine Lebensqualit\u00e4t zu optimieren, bezeichnen wir als Lebenskunst. Dabei handelt es sich nicht um eine eigentliche Kunst, die viel angeborenes Talent voraussetzt, sondern um eine F\u00e4higkeit, die sich lernen und \u00fcben l\u00e4sst &#8211; wie bei einem Kunsthandwerk eben.<\/em><\/p>\n<p><strong>Lebensgestaltung<\/strong><\/p>\n<p>Erst allm\u00e4hlich begreifen wir, wie sehr sich in den letzten drei Jahrzehnten unser Verh\u00e4ltnis zum eigenen Leben ver\u00e4ndert hat: Wir sind von Lebensverwaltern zu Lebensgestaltern geworden.<\/p>\n<p>Verwalter f\u00fchren das aus, was ihnen andere vorgeben, sie sind weder in der Wahl der Ziele noch der Wege dahin frei. Gestalter dagegen k\u00f6nnen selber \u00fcber Ziele und Wege entscheiden. Die einmal so m\u00e4chtigen Instanzen wie Staat und Kirche, Partei oder Gewerkschaften haben ihren Einfluss auf unsere Lebensgestaltung weitgehend verloren. Jede Einzelne und jeder Einzelne kann heute in einem bisher nie gekannten Ausma\u00df selber w\u00e4hlen, wie sie oder er das eigene Leben gestalten will. Und das ist gut so.<\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen und wir k\u00f6nnen unsere Lebensgestaltung frei und eigenverantwortlich in unsere eigenen H\u00e4nde nehmen. Aber wir m\u00fcssen auch. Und das ist nicht immer ganz einfach. Mit neu gewonnenen Freiheiten muss man erst mal umgehen lernen, und so macht die Qual der Wahl auch bei der Lebensgestaltung manchmal M\u00fche. Immerhin gilt es knifflige Fragen zu beantworten. Zum Beispiel die: Wonach richte ich mein Leben aus, welches Bild schwebt mir bei meiner Lebensgestaltung vor ? Oder, noch pr\u00e4gnanter: Worum geht es eigentlich in meinem Leben ?<\/p>\n<p><strong>Leitwert Lebensqualit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>So seltsam es unter dem Zeichen der Individualisierung, in der wir immer mehr individuelle Wahlfreiheiten haben, klingen mag: Auf diese Frage finden mehr und mehr Menschen eine \u00fcbereinstimmende Antwort: Es geht um Lebensqualit\u00e4t. Lebensqualit\u00e4t wird zum Leitwert der Lebensgestaltung.<\/p>\n<p>Lebensqualit\u00e4t, das ist seelisches und k\u00f6rperliches Wohlbefinden, aber auch ein intaktes soziales und menschliches Umfeld. Das ist Wissen und Lebenssinn. Das ist Entwicklung und Vertrauen, Autonomie und Authentizit\u00e4t, das ist auch der passende Ort in Raum und Zeit. Lebensqualit\u00e4t ist vieldimensional, es gibt sie dann, wenn auf allen Feldern des Lebens Zufriedenheit herrscht.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich ist Lebensqualit\u00e4t individuell. Es gibt keine allgemein g\u00fcltigen Ma\u00dfst\u00e4be daf\u00fcr. Doch es ist m\u00f6glich, Einigkeit dar\u00fcber zu erzielen, was alles dazu geh\u00f6rt. So werden die einen bei der Frage, an welchem Ort sie am liebsten leben, weil er ihnen Kraft gibt, die Stadt w\u00e4hlen und andere das Land, doch beide brauchen sie f\u00fcr ihre Lebensqualit\u00e4t den f\u00fcr sie passenden Lebensort.<\/p>\n<p>Eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen bei der Lebensgestaltung im Sinne von bestm\u00f6glicher Lebensqualit\u00e4t besteht darin, die einzelnen Bereiche des Lebens, etwa Arbeit und Freizeit, so miteinander zu verbinden, dass zwischen ihnen Balance herrscht, ein flie\u00dfendes Gleichgewicht. Wird n\u00e4mlich ein Bereich zu stark betont, werden andere vernachl\u00e4ssigt, und das ist ein Lebensqualit\u00e4ts-Killer. Gefragt ist von erfolgreichen Lebensgestalterinnen und Lebensgestaltern ein hoch entwickelter Sinn f\u00fcr das richtige Ma\u00df.<\/p>\n<p>Und damit taucht eine weitere spannende Frage auf: Ist Lebensgestaltung eigentlich eine Kunst ? Die deutsche Sprache kennt in diesem Zusammenhang beides, die Lebenskunst und den Lebensk\u00fcnstler. Letzterer genie\u00dft allerdings keinen besonders guten Ruf. Wir verbinden ihn gerne mit Eigenschaften wie Leichtsinn oder gar Schmarotzertum, beneiden ihn zwar manchmal heimlich, w\u00fcrden ihn jedoch nie ernsthaft zum Vorbild nehmen.<\/p>\n<p><strong>Lebens-Kunst ?<\/strong><\/p>\n<p>Schade eigentlich. Schlie\u00dflich \u00fcbt der Lebensk\u00fcnstler, ganz neutral betrachtet, einfach eine Kunst aus, deren Wert gerade im Steigen begriffen ist: die Lebens-Kunst. Eine wachsende Zahl von B\u00fcchern und Seminaren verspricht, diese Kunst zu lehren. Selbst die gute alte Philosophie besinnt sich auf ihre Wurzeln, wo sie genau dies war, eine Schule der Lebens-Kunst, und genie\u00dft entsprechende Wertsch\u00e4tzung.<\/p>\n<p>Das Leben als Gesamtkunstwerk, bei dem der Entstehungsprozess wichtiger ist als das Endprodukt ? Ein k\u00fcnstlerischer Prozess, der um des K\u00fcnstlers willen stattfindet, und nicht in erster Linie wegen des Publikums ? Die Vorstellung gef\u00e4llt mir, ebenso \u00fcbrigens wie jene, dass Lebensgestaltung mit dem Leitwert Lebensqualit\u00e4t genau so offensichtlich ins Reich der Qualit\u00e4ten geh\u00f6rt wie die Kunst. Besser jedenfalls als die Idee vom Lebensunternehmertum, bei dem es prim\u00e4r um Quantit\u00e4ten, sprich um Zahlen, geht.<\/p>\n<p>Ich f\u00fcrchte allerdings, dass wir mit dem Anspruch, Lebensgestaltung m\u00fcsse immer Lebens-Kunst sein, die Sprunglatte etwas gar hoch legen. Wohl sind wir, g\u00e4ngigen Theorien zufolge, alle immer auch irgendwo K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler, und dennoch wissen wir, dass die wenigsten auserw\u00e4hlt sind, mit der richtigen Mischung aus Talent, \u00dcbung und Gl\u00fcck wirklich Kunst hervorzubringen. Auch bei der Lebens-Kunst m\u00fcssen somit viele scheitern, wenn sie an sich selbst zu hohe Anspr\u00fcche stellen, und das beeintr\u00e4chtigt die Lebensqualit\u00e4t ungemein. Und hei\u00dft es nicht irgendwo &#8222;ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst&#8220; ? Beides wirklich zu vereinen, ist ebenfalls ein hoher k\u00fcnstlerischer Anspruch.<\/p>\n<p><strong>Oder doch lieber Lebens-Kunsthandwerk ?<\/strong><\/p>\n<p>Bescheidener und damit realistischer d\u00fcrfte es da schon sein, Lebensgestaltung als Kunsthandwerk zu verstehen. Das l\u00e4sst sich leichter lernen als hohe Kunst. Und bedeutet keineswegs niedrigere qualitative Anspr\u00fcche. Nur eben etwas mehr Bescheidenheit, auch im Anspruch, alles im eigenen Leben autonom gestalten zu k\u00f6nnen. Kunsthandwerker wissen, dass sie &#8222;nur&#8220; mit dem vorhandenen Material arbeiten k\u00f6nnen, dass sie daraus nur mit ihm und nicht gegen es jene Gestalt heraus holen k\u00f6nnen, die drin steckt und m\u00f6glich ist. Das braucht beides, Mut und Demut, und erst noch die Weisheit, zwischen Unab\u00e4nderlichem und Gestaltbarem unterscheiden zu k\u00f6nnen. Das wiederum erfordert Erfahrung und Zeit, auch edles Kunsthandwerk muss reifen.<\/p>\n<p>Lebensgestaltung als Lebens-Kunsthandwerk mit der Richtschnur, m\u00f6glichst gute Lebensqualit\u00e4t f\u00fcr sich und andere zu erzielen &#8211; das erscheint mir eine f\u00fcr uns Normalsterbliche erreichbare und gleichzeitig attraktive Vision zu sein. Solche sind derzeit nicht gerade massenhaft im Umlauf. Das Lebens-Kunsthandwerk hat deshalb eine goldene Zukunft&#8230;<\/p>\n<p>Andreas Giger<\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Allgemein\/kunsthandwerk_kl.jpg\" alt=\"kunsthandwerk_kl\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p>Warum alle das Kunsthandwerk der Lebensgestaltung lernen k\u00f6nnen<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-270","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/270","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=270"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/270\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=270"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=270"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=270"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}