{"id":228,"date":"2010-09-01T12:25:37","date_gmt":"2010-09-01T12:25:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=228"},"modified":"2010-09-01T12:25:37","modified_gmt":"2010-09-01T12:25:37","slug":"warum-lebensqualitaet-reift","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/?p=228","title":{"rendered":"Warum Lebensqualit\u00e4t reift"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/aktuell\/terz0810.jpg\" alt=\"terz0810\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/p>\n<p> <span class=\"Titel3rot\">Interview des terzMagazins vom August 2010 mit spirit.ch-Initiant Andreas Giger<\/span> <\/p>\n<p class=\"Stil28\">Dieses Interview erschien im terzMagazin Nr 4 vom August 2010. Die terzStiftung und spirit.ch sind offizielle Partner.<\/p>\n<p class=\"Titel4\">Warum Lebenskunst erst im reiferen Alter auf ihrem H\u00f6hepunkt ankommt<\/p>\n<p>Interview: Dr. Thomas Meyer, Redaktion terzMagazin<\/p>\n<p><em>Im Interview mit dem Initiator und Vordenker von spirit.ch, der Internet-Plattform f\u00fcr nach\u00adhaltige Lebensqualit\u00e4t, wollen wir kl\u00e4ren, was unter Lebensqua\u00adlit\u00e4t zu verstehen ist. Eine enge Definition kann es nach dem Verst\u00e4ndnis von Dr. Andreas Giger nicht geben. Aber ein Gesp\u00fcr f\u00fcr den Grad der eigenen Lebensqua\u00adlit\u00e4t, die sich aus 16 einzelnen Gebieten, so genannten \u00abSph\u00e4ren\u00bb, zusammensetzt.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Herr Dr. Giger, k\u00f6nnen Sie die wichtigsten Lebensqualit\u00e4ts-Sph\u00e4ren angeben und kurz charakterisieren, sodass den Leser\/-innen klar wird, was wir im terzMagazin mit \u00abLebensqualit\u00e4t\u00ab meinen? <\/strong><\/em><\/p>\n<p>Lebensqualit\u00e4t l\u00e4sst sich deshalb nicht all\u00adgemein g\u00fcltig definieren, weil sie f\u00fcr jedes Individuum etwas anderes bedeutet: Lebens\u00adqualit\u00e4t kann man nicht definieren, wohl aber sp\u00fcren und empfinden. Hingegen l\u00e4sst sich Lebensqualit\u00e4t f\u00fcr jeden Menschen in einzelne Lebensqualit\u00e4ts-Sph\u00e4ren differen\u00adzieren. Innerhalb dieser Sph\u00e4ren stellen sich f\u00fcr alle Menschen dieselben Fragen, etwa in der Sph\u00e4re \u00abRaum\u00ab die Frage, welcher Wohn\u00adort am meisten zur eigenen Lebensqualit\u00e4t beitr\u00e4gt. Je nachdem, ob man eher zu den Stadtm\u00e4usen oder den Landm\u00e4usen geh\u00f6rt, f\u00e4llt die Antwort auf diese Frage nat\u00fcrlich unterschiedlich aus.<\/p>\n<p>Im Modell von spirit.ch unterscheiden wir sechzehn Lebensqualit\u00e4ts-Sph\u00e4ren. Dazu ge\u00adh\u00f6ren etwa \u00bbGesundheit\u00ab (k\u00f6rperlich, geistig, seelisch), \u00bbTun\u00ab (Arbeit &#8211; bezahlte und frei\u00adwillige, Aktivit\u00e4t, Kreativit\u00e4t, Leistung, Wir\u00adkung), \u00bbBeziehungen\u00ab (Liebe, Familie, Freund\u00adschaft), \u00bbEigenes\u00ab (Selbstverwirklichung, Treue zu sich selbst) oder \u00bbLebensfreude\u00ab (Gl\u00fcck, Genuss, Freude, Abwechs\u00adlung).<\/p>\n<p>Neben \u00bbRaum\u00ab und \u00bbZeit\u00ab gibt es verschiedene Sph\u00e4ren, die sich um bestimmte Werte herum gruppieren: Echt\u00adheit, Respekt, Offenheit, Reifung, Sinn. Aber auch \u00bbMaterie\u00ab (Einkommen, Besitz, Konsum, G\u00fcter) und \u00bbStabilit\u00e4t\u00ab (Tradition, Sicherheit, Kontrolle) bilden jeweils eine Lebensquali\u00adt\u00e4ts-Sph\u00e4re.<\/p>\n<p>Gleichsam \u00fcbergeordnet ist die Sph\u00e4re \u00bbLe\u00adbens-Kunst\u00ab, denn hier geht es um den Sinn f\u00fcr das richtige Mass, um die Balance zwi\u00adschen den Lebensbereichen und um die In\u00adtegration aller Lebensqualit\u00e4ts-Sph\u00e4ren, was f\u00fcr die generelle Lebensqualit\u00e4t entschei\u00addend ist.<\/p>\n<p><em><strong>Optimierte Lebensqualit\u00e4t statt des maxi<\/strong><\/em><em><strong>\u00ad<\/strong><\/em><em><strong>mierten Wohlstands &#8211; k\u00f6nnen Sie viel<\/strong><\/em><em><strong>\u00ad<\/strong><\/em><em><strong>leicht diesen Gedanken weiter ausf\u00fch<\/strong><\/em><em><strong>\u00ad<\/strong><\/em><em><strong>ren? <\/strong><\/em><\/p>\n<p>Lebensstandard, das heisst Einkommen und Besitz, ist eine nach oben offene Skala: Theoretisch l\u00e4sst sich Lebensstandard immer weiter steigern, weshalb eine faktische Steigerung immer nur kurzfristig zufriedener macht, ehe einem schon wieder bewusst wird, dass ja noch mehr m\u00f6glich w\u00e4re. Lebensstandard l\u00e4sst sich immer weiter ma\u00adximieren, das heisst, die Dosis l\u00e4sst sich immer weiter steigern. Deshalb hat die Fixie\u00adrung auf den Lebensstandard Sucht-Charak\u00adter: Man braucht immer mehr f\u00fcr denselben Effekt.<\/p>\n<p>Qualit\u00e4t dagegen hat eine obere Grenze, mehr als ideale Qualit\u00e4t gibt es nicht. Dieser Grenze k\u00f6nnen wir uns ann\u00e4hern, auch wenn wir sie nie ganz erreichen. Lebensqualit\u00e4t l\u00e4sst sich also \u00bbnur\u00ab optimieren. Bei der Op\u00adtimierung unserer Lebensqualit\u00e4t k\u00f6nnen wir das Gef\u00fchl entwickeln, am Ziel angekommen zu sein, was beim Lebensstandard nie m\u00f6glich sein wird, weil dort im Sinne von \u00abimmer mehr\u00bb das Ziel immer weiter hinaus\u00adgeschoben wird.<\/p>\n<p><em><strong>Bezieht sich die Verantwortung f\u00fcr die Lebensqualit\u00e4t nur auf uns oder auch auf die Verantwortung f\u00fcr andere? Geh\u00f6rt die Verantwortung f\u00fcr andere zur eigenen Lebensqualit\u00e4t? <\/strong><\/em><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind wir f\u00fcr unsere eigene Lebens\u00adqualit\u00e4t prim\u00e4r selbst verantwortlich &#8211; aber ebenso nat\u00fcrlich auch nicht ganz allein. Und umgekehrt geh\u00f6rt zur pers\u00f6nlichen Lebens\u00adqualit\u00e4t tats\u00e4chlich auch die Verantwortung f\u00fcr andere, denn es gibt keine eigene Le\u00adbensqualit\u00e4t ohne die anderen. Deshalb ist \u00abNachhaltigkeit\u00ab eine eigene Lebensquali\u00adt\u00e4ts-Sph\u00e4re, und dazu geh\u00f6ren die Umwelt\u00ad-Verantwortung f\u00fcr die n\u00e4chsten Genera\u00adtionen ebenso wie soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Menschenrechte.<\/p>\n<p><em><strong>Lebensqualit\u00e4t soll ein Leitwert sein. Wenn jemand also \u00fcberhaupt werte<\/strong><\/em><em><strong>\u00ad<\/strong><\/em><em><strong>orientiert leben will, sollte er das ausgerichtet am Wert \u00abLebensqualit\u00e4t\u00ab tun. Was qualifiziert Lebensqualit\u00e4t, Leitwert zu sein? <\/strong><\/em><\/p>\n<p>Lebensqualit\u00e4t ersetzt die anderen Werte nicht, sondern fasst sie zusammen: Lebens\u00adqualit\u00e4t ist gleichsam das Zentrum eines ganzen Werte-Universums (siehe auch Lebensqualit\u00e4ts-Sph\u00e4ren). Der \u00bbLeit\u00ab-Wert Lebensqualit\u00e4t ist also nicht der kleinste, sondern der gr\u00f6sste gemeinsame Nenner aller m\u00f6glichen Werte.<\/p>\n<p>Zudem ist Lebensqualit\u00e4t ein wunderbarer Massstab f\u00fcr die eigene Lebensgestaltung: Verbessert sich meine Lebensqualit\u00e4t, bin ich auf dem richtigen Weg, verschlechtert sie sich, ist das ein Alarmzeichen.<\/p>\n<p><em><strong>Gibt es begr\u00fcndete Vermutungen zum Verh\u00e4ltnis von Lebensqualit\u00e4t und finan<\/strong><\/em><em><strong>\u00ad<\/strong><\/em><em><strong>zieller Sicherheit? Eine eigene Unter<\/strong><\/em><em><strong>\u00ad<\/strong><\/em><em><strong>suchung zu \u00bbGeld und Lebensqualit\u00e4t\u00ab steht ja wohl noch aus, aber l\u00e4sst sich auch ohnedies dazu etwas sagen? <\/strong><\/em><\/p>\n<p>Wenn man nach der Bedeutung jeder Sph\u00e4re f\u00fcr die eigene generelle Lebensqualit\u00e4t fragt, finden sich die Sph\u00e4ren \u00abMateriell und \u00bbStabilit\u00e4t\u00ab am Schluss der Rangliste. Sie sind beim Stichwort \u00bbfinanzielle Sicherheit\u00ab an\u00adgesprochen. Aber das heisst nicht, dass sie ganz ohne Bedeutung w\u00e4ren: Fehlende materielle Sicherheit kann ein hochwirk\u00adsamer Lebensqualit\u00e4ts-Killer sein. Geld allein macht bekanntlich nicht gl\u00fccklich &#8211; aber eben auch keineswegs ungl\u00fccklich&#8230;<\/p>\n<p>Unsere Ergebnisse best\u00e4tigen jene der \u00bbGl\u00fccksforschung\u00ab: Ein bestimmtes Mass an materiellem Lebensstandard braucht es, was dar\u00fcber hinausgeht, tr\u00e4gt nicht mehr nach\u00adhaltig zur Lebensqualit\u00e4t bei. Und wer sich zu viel und zu einseitig mit der Sph\u00e4re der Materie besch\u00e4ftigt, l\u00e4uft gar Gefahr, seine Lebensqualit\u00e4t zu verschlechtern.<\/p>\n<p><em><strong>Was bedeutet f\u00fcr Sie pers\u00f6nlich Lebens<\/strong><\/em><em><strong>\u00ad<\/strong><\/em><em><strong>qualit\u00e4t im Alter, Herr Dr. Giger, was ist Ihnen f\u00fcr sp\u00e4ter das Wichtigste von allem Angesprochenen? <\/strong><\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr mein (zunehmendes) Alter (schliesslich bin ich schon 59) w\u00fcnsche ich mir eine Best\u00e4tigung meiner These, wonach Lebens\u00adqualit\u00e4t bis ins hohe Alter besser werden kann. Diese These, die von einer k\u00fcrzlich auf <a href=\"undefined\/\">www.spirit.ch<\/a> publizierten Studie best\u00e4tigt wird, besagt, dass zwar die k\u00f6rperliche Ge\u00adsundheit abnimmt. Doch alle anderen re\u00adlevanten Lebensqualit\u00e4ts-Dimensionen wie geistig-seelisches Wohlbefinden, Selbstver\u00adwirklichung, Sozialkompetenz, F\u00e4higkeit zu Masshalten und Balance, Lebenskunst und Sinn-Findung finden ihren H\u00f6hepunkt in der Lebensphase zwischen 50 und 80. Per\u00ads\u00f6nlich gehe ich davon aus, dass f\u00fcr mich mit zunehmendem Alter die Bedeutung der Lebensqualit\u00e4ts-Sph\u00e4re \u00abSinn\u00bb besonders wachsen wird, w\u00e4hrend mich die Sph\u00e4re \u00abReifung\u00bb hoffentlich bis an mein Ende begleiten wird. <\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/aktuell\/terz0810-kl.jpg\" alt=\"terz0810-kl\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p>Interview des terzMagazins vom August 2010 mit spirit.ch-Initiant Andreas Giger<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-228","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/228","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=228"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/228\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=228"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=228"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=228"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}