{"id":223,"date":"2010-08-30T12:25:11","date_gmt":"2010-08-30T12:25:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=223"},"modified":"2020-12-17T14:04:54","modified_gmt":"2020-12-17T14:04:54","slug":"lebensqualitaet-generell-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/?p=223","title":{"rendered":"LebensQualit\u00e4t generell (1)"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/generell-titel-net.jpg\" alt=\"generell-titel-net\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/p>\n<p><span class=\"Titel3rot\">LQ generell: &#8222;W\u00f6rtlich&#8220; und &#8222;Denk-Bar&#8220;<\/span><\/p>\n<table style=\"background-color: #ffffcc;\" border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"wichtig\">Sie k\u00f6nnen diesen ganzen Text auch als\u00a0<a class=\"jce_file\" title=\"PDF-Datei\" href=\"Downloads\/LQ-generell-Teil1.pdf\">PDF-Datei<\/a> herunter laden und ausdrucken (ca. 30 Seiten).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>W\u00f6rtlich<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil28\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/generell-woertlich-net.jpg\" alt=\"generell-woertlich-net\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/strong><\/p>\n<p>Bei spirit.ch verzichten wir bewusst auf eine Definition von Lebensqualit\u00e4t, denn<\/p>\n<p><strong> <\/strong><em>Lebensqualit\u00e4t l\u00e4sst sich nicht definieren, aber empfinden.<\/em><\/p>\n<p>Die Hinwendung zu Lebensqualit\u00e4t bedeutet eine Akzentverschiebung von Quantit\u00e4t zu Qualit\u00e4t. Qualit\u00e4t l\u00e4sst sich weder definieren noch messen. Doch wir Menschen haben ein untr\u00fcgliches Gesp\u00fcr f\u00fcr Qualit\u00e4t \u2013 und damit auch f\u00fcr unsere Lebensqualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Bei Wikipedia, der freien Enzyklop\u00e4die, finden wir dagegen diese Definition:<\/p>\n<p><em>Mit dem Begriff <strong>Lebensqualit\u00e4t<\/strong><\/em><em> werden \u00fcblicherweise die Faktoren bezeichnet, die die Lebensbedingungen in einer Gesellschaft beziehungsweise f\u00fcr deren Individuen ausmachen.<\/em><\/p>\n<p>Hier haben wir es mit einem objektivierenden Ansatz zu tun: Es geht um \u00e4u\u00dfere Faktoren, welche die Lebensqualit\u00e4t der Individuen bestimmen. Allerdings gibt Wikipedia gleichzeitig auch eine st\u00e4rker subjektive Umschreibung von Lebensqualit\u00e4t:<\/p>\n<p><em>Im allgemeinen Sprachgebrauch wird mit Qualit\u00e4t des Lebens vorwiegend <strong>der Grad des Wohlbefindens<\/strong><\/em><em> eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen beschrieben.<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p>Diese Auffassung deckt sich mit unserer: Nur das Individuum kann bestimmen, wie gut seine Lebensqualit\u00e4t ist. Auch die WHO, die Weltgesundheitsorganisation der UNO, betont diesen Aspekt:<\/p>\n<p><em> \u201eLebensqualit\u00e4t ist die subjektive Wahrnehmung einer Person \u00fcber ihre Stellung im Leben in Relation zur Kultur und den Wertsystemen in denen sie lebt und in Bezug auf ihre Ziele, Erwartungen, Standards und Anliegen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p>So furchtbar kompliziert das klingt, so klar ist die Aussage: Nur der einzelne Mensch kann die Ma\u00dfst\u00e4be bestimmen, nach denen er seine Lebensqualit\u00e4t einstuft:<\/p>\n<p>Interessant ist ein R\u00fcckblick auf die Geschichte des Begriffs:<\/p>\n<p><em> Der Begriff Quality of Life wurde erstmals in den 1920er-Jahren von Arthur Cecil Pigou verwendet. Der US-Pr\u00e4sident John F. Kennedy benutzte ihn Jahrzehnte sp\u00e4ter in einer Rede zur Lage der Nation. Popul\u00e4r wurde der Begriff erst in den 1970er-Jahren. Im deutschen Sprachraum geh\u00f6rte der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt den Quellen zufolge zu den ersten, die ihn \u00f6ffentlich benutzten, und zwar in einer Regierungserkl\u00e4rung. In der Medizin spielt er seit den 1980er-Jahren eine gr\u00f6\u00dfere Rolle.<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p>Zum deutschen Sprachraum ist anzumerken, dass der Begriff Lebensqualit\u00e4t Anfang der Siebziger Jahre zun\u00e4chst von den deutschen Gewerkschaften aufgegriffen wurde, die realisiert hatten, dass es nicht gen\u00fcgte, immer nur h\u00f6here Einkommen zu fordern. Willy Brandt hat diesen Gedanken dann aufgegriffen, und so kam der Begriff Lebensqualit\u00e4t damals auch bald etwa in die Schweiz (siehe auch Kapitel \u201eEigen-Sinniges\u201c).\u00a0<\/p>\n<p>Wie wir am Beispiel der deutschen Gewerkschaften sehen, geht es seit der Einf\u00fchrung des Begriffs Lebensqualit\u00e4t immer auch um die Unterschiede bzw. Zusammenh\u00e4nge zwischen Lebensstandard und Lebensqualit\u00e4t. Wikipedia fasst die diesbez\u00fcglichen Erkenntnisse so zusammen:<\/p>\n<p><em> Wirtschaftswachstum als Wohlfahrts- bzw. Lebensqualit\u00e4tsindikator heranzuziehen kann zu verzerrten wirtschaftspolitischen Ma\u00dfnahmen f\u00fchren. Wirtschaftswachstum und steigende Einkommen bedeuten n\u00e4mlich nicht zwangsl\u00e4ufig eine h\u00f6here Lebensqualit\u00e4t. <\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em> Easterlin konnte nachweisen, dass im Westen zwar das Pro-Kopf-Einkommen in den letzten Jahrzehnten betr\u00e4chtlich gestiegen ist, dass das aber wenig Einfluss auf das subjektiv empfundene Wohlbefinden der B\u00fcrger hatte (Easterlin Paradox). In Japan hat sich im Zeitraum von 1958 bis 1991 das Bruttoinlandprodukt versechsfacht, die durchschnittliche Lebenszufriedenheit blieb konstant. Das BIP der USA stieg in der Zeit von 1970 bis Mitte der 90er Jahre um 20\u00a0%, w\u00e4hrend das subjektive \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wohlbefinden leicht gesunken ist. F\u00fcr ein Sample von zw\u00f6lf europ\u00e4ischen L\u00e4ndern konnte im Zeitraum 1975 bis 1991 kein signifikanter Zusammenhang zwischen BIP und Lebenszufriedenheit festgestellt werden. In China konnte in den Jahren 1994 bis 2005 das reale Pro-Kopf-Einkommen um den Faktor 2,5 gesteigert werden, die Lebenszufriedenheit ist aber gesunken. <\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em> Lebensqualit\u00e4t als wirtschaftspolitische Leitgr\u00f6\u00dfe h\u00e4tte das Potenzial einen Wachstumsschub vergleichbar mit jenem der Informations- und \u00a0 Kommunikationstechnologie auszul\u00f6sen.<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p>Fassen wir zusammen: H\u00f6herer Lebensstandard bedeutet keineswegs bessere Lebensqualit\u00e4t. Und: Es w\u00e4re gescheiter, Lebensqualit\u00e4t zur wirtschaftspolitischen Leitgr\u00f6\u00dfe zu erheben.<\/p>\n<p>Im selben Wikipedia-Artikel findet sich auch eine sch\u00f6ne Zusammenfassung meiner eigenen ersten Studie \u00fcber Lebensqualit\u00e4t aus dem Jahr 2004:\u00a0<\/p>\n<p><em> Bis in die 70er Jahre verlief das Leben in vorgegebenen Bahnen. Kirche, Staat und Gesellschaft gaben einen Kanon von Werten vor. Das bedeutete f\u00fcr den Einzelnen viel Orientierung aber wenig Optionen. Ab den 70er Jahren setzte ein starker Trend der Individualisierung ein, der viel Optionen beinhaltete, daf\u00fcr aber aufgrund des daraus entstandenen Werteuniversums wenig Orientierung bietet. Lebensqualit\u00e4t eignet sich als idealer Leitwert, weil es im Gegensatz zu den teilweise sehr ideologisch gepr\u00e4gten Werten die F\u00e4higkeit hat zu verbinden (kollektiver Aspekt), und gleichzeitig individuelle Spielr\u00e4ume l\u00e4sst.<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p>Welche Rolle Lebensqualit\u00e4t als neuer Leit-Wert im Zuge des Wertewandels und der Individualisierung spielt und noch spielen wird, erfahren Sie im n\u00e4chsten Kapitel.<\/p>\n<p>Wichtig ist zur Einstimmung auf den Begriff noch dieser Aspekt:<\/p>\n<p><em>Lebensqualit\u00e4t ist nach allgemeiner wissenschaftlicher Auffassung ein multidimensionales Konstrukt, das nicht direkt erfasst, sondern nur in seinen Teilbereichen \u00fcber Indikatoren abgebildet werden kann.<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em> Zur Messbarkeit von Lebensqualit\u00e4t gibt es unterschiedliche theoretische Ans\u00e4tze. \u201eDie Objektivisten gehen von der Grundannahme aus, dass es identifizierbare Grundbed\u00fcrfnisse gibt, deren Befriedigung das Wohlbefinden bestimmt. Die beobachtbaren Lebensverh\u00e4ltnisse k\u00f6nnen von Au\u00dfenstehenden nach wissenschaftlichen beziehungsweise moralischen Standards bewertet werden.\u201c Diese Theorie hat Eingang in die Politik der so genannten Wohlfahrtsstaaten gefunden. <\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em> Die Subjektivisten betonen dagegen die individuelle Wahrnehmung der eigenen Lebenssituation. \u201eDie amerikanische Quality of Life-Forschung ist der Auffassung, dass Lebensqualit\u00e4t im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklung zunehmend durch immaterielle Werte bestimmt wird. Da Gl\u00fcck, Zufriedenheit und \u00c4ngste aber nur durch die B\u00fcrger selbst beurteilt werden k\u00f6nnen, muss auch die Messung der Lebensqualit\u00e4t durch deren Befragung erfolgen.\u201c Diese Befragung kann z.\u00a0B. so genannte \u00a0 \u00a0 \u00a0Gl\u00fccksindikatoren ermitteln, mit denen das subjektive Wohlempfinden in eine \u00fcber Zeit und Ort vergleichbare Zahl gebracht wird.<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p> Wir lernen daraus: Lebensqualit\u00e4t hat viele Facetten. Und wir schlagen uns klar auf die Seite der Subjektivisten: Nur das Individuum selbst kann bestimmen, was f\u00fcr es Lebensqualit\u00e4t bedeutet \u2013 und wie weit diese Erwartungen erf\u00fcllt sind.     <!--nextpage--> \u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/generell-denkbar-net.jpg\" alt=\"generell-denkbar-net\" width=\"364\" height=\"273\" \/> <\/p>\n<p><em>Vorbemerkung:<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em>Das Denken \u00fcber Lebensqualit\u00e4t besch\u00e4ftigt mich seit etlichen Jahren intensiv (siehe auch Kapitel \u201eEigen-Sinniges\u201c). Eine erste knappe Skizze \u00fcber Lebensqualit\u00e4t als Leit-Wert stammt aus dem Jahr 2006. Drei Jahre sp\u00e4ter habe ich die \u201eK\u00fcr des neuen Leit-Werts\u201c ausf\u00fchrlicher beschrieben. Alle entsprechenden Texte finden Sie in diesem Kapitel.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p> <em>  <!--nextpage--> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/denkbar1-net.jpg\" alt=\"denkbar1-net\" width=\"364\" height=\"323\" \/><\/em> <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Rundum wohl f\u00fchlen &#8211; so lautet die Verhei\u00dfung von Wellness. Mit Wassern und D\u00e4mpfen, mit \u00d6len und Salben, mit Kl\u00e4ngen und D\u00fcften wird aufgefahren, um diesen Zustand zu erreichen. Und wer ihn kennt, wird ihn gewiss als erstrebenswert bezeichnen. Der K\u00f6rper wohlig entspannt, die Seele am Baumeln &#8211; was will man mehr?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst mehr vom selben. Wir Menschen haben offenbar eine angeborene Neigung, Momente des totalen Wohlbefindens verl\u00e4ngern oder m\u00f6glichst oft wiederholen zu wollen, wie schon die Dichterworte sagen: \u00bbOh Augenblick, verweile noch!\u00ab oder \u00bbDenn alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit!\u00ab<\/p>\n<p>Gegen solche W\u00fcnsche ist nichts einzuwenden &#8211; au\u00dfer, dass sie v\u00f6llig illusorisch sind. Niemand ist je gesichtet worden, der es geschafft h\u00e4tte, st\u00e4ndig im Zustand v\u00f6lligen Wohlbefindens zu bleiben&#8230;<\/p>\n<p>Einem illusorischen Ziel wie st\u00e4ndigem Wohlbefinden nach zu jagen, ist nicht besonders klug, weil uns solches Tun zwangsl\u00e4ufig zu Versagern macht, und das ist keine tragf\u00e4hige Basis f\u00fcr ein gegl\u00fccktes Leben.<\/p>\n<p>Apropos Gl\u00fcck: Auch der Versuch, das Gl\u00fcck im eigenen Leben zu maximieren, geh\u00f6rt in diese Kategorie unerf\u00fcllbarer W\u00fcnsche, und alle Buchautoren und Seminarleiterinnen, die solches zu lehren versprechen, sollten deshalb dringend noch mal \u00fcber ihre B\u00fccher.<\/p>\n<p>Womit sich die Frage stellt, ob es jenseits von permanenter Wellness oder maximalem Gl\u00fcck Ziele f\u00fcr unser Leben gibt, die realistischer sind. Nicht, weil wir sie je erreichen k\u00f6nnen, sondern weil wir uns ihnen ann\u00e4hern k\u00f6nnen, Schritt f\u00fcr Schritt.<\/p>\n<p>Brauchen wir \u00fcberhaupt solche Ziele f\u00fcr unser Leben? W\u00e4hrend des gr\u00f6\u00dften Teils der menschlichen Geschichte hat sich diese Frage nicht gestellt. Da gab es m\u00e4chtige Institutionen, die dem Leben der Menschen klare Ziele vorgaben. Der Staat setzte das Ziel, ihm m\u00f6glichst treu zu dienen, bei Bedarf bis zum Tod auf dem Schlachtfeld. Die Wirtschaft gab das Ziel vor, m\u00f6glichst viel Kohle zu machen. Die Kirche setzte das Ziel, sich dem eigenen Seelenheil zu widmen. Und so fort.<\/p>\n<p>Dieselben Interessengruppen gaben auch klar vor, wie diese Ziele zu erreichen seien. Die Menschen waren somit <em>Verwalter<\/em> ihres Lebens: Ziele und Wege waren fremdbestimmt, sie hatten nur auszuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Dann kam eine \u00dcbergangsphase der Lockerung. Die Ziele waren zwar noch von au\u00dfen vorgegeben, doch die Wege dahin konnten die Menschen jetzt frei w\u00e4hlen. Sie waren <em>Manager<\/em> ihres Lebens. Heute haben diese Ziele setzenden Institutionen viel von ihrem Einfluss verloren, und damit die Macht, den einzelnen Menschen die Ziele ihres Lebens aufzuzwingen. Mehr und mehr werden wir deshalb zu<em> Lebensgestaltern, <\/em>die frei \u00fcber Ziele und Wege ihres Lebens bestimmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen also die Ziele unseres Lebens frei w\u00e4hlen &#8211; aber wir m\u00fcssen auch. Das nennt man die Qual der Wahl, und eine andere Wahl, als uns f\u00fcr bestimmte Lebensziele zu entscheiden, haben wir nicht, weil ein Leben ganz ohne Orientierung und Ausrichtung uns selbst und unseren Mitmenschen kaum sinnvoll erscheinen kann.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck haben wir ein ganz gut funktionierendes Orientierungssystem eingebaut: unsere Werte. Sie entscheiden dar\u00fcber, was uns wie viel wert ist, wo wir in unserem Leben wie viel an Zeit, Aufmerksamkeit und Energie investieren.<\/p>\n<p>Nur: Diese unsere Werte werden uns ebenfalls nicht mehr von au\u00dfen vorgegeben, wir k\u00f6nnen und m\u00fcssen sie selber ausw\u00e4hlen, und das ist nicht ganz einfach, weil das Angebot im Supermarkt der Werte ebenso un\u00fcberschaubar geworden ist wie jenes an Zahnpastamarken in einem normalen Dorfladen.<\/p>\n<p>Ordnung in dieses Chaos bringen Leitwerte. Ein Leitwert ist nicht so sehr der oberste Boss aller Werte, dem sich alles unterzuordnen hat, sondern mehr ein Koordinator, der geschickt verschiedene Werte zu einem b\u00fcndelt und zwischen ihnen vermittelt und ausgleicht.<\/p>\n<p>Ein solcher Leitwert ist somit etwas \u00c4hnliches wie ein Lebensziel, weil er bei der Gestaltung des eigenen Lebens eine Richtung vorgibt. Dar\u00fcber hinaus ist ein Leitwert aber auch ein Ma\u00dfstab, mit dem wir bewerten k\u00f6nnen, wie weit wir bei unserer Lebensgestaltung in die selber gew\u00e4hlte Richtung vorangekommen sind.<\/p>\n<p>Jeder Mensch braucht als Gestalter seines eigenen Lebens somit Leitwerte, und, weil wir letztlich doch ziemlich einfach gestrickte Gesch\u00f6pfe sind, noch besser nur einen einzigen.<\/p>\n<p>F\u00fchrt das nun im Zeitalter der Individualisierung dazu, dass wir uns alle ganz unterschiedliche Leitwerte ausw\u00e4hlen? Die Antwort hei\u00dft, wie ich auf Grund eigener Forschung wei\u00df, nein. Nat\u00fcrlich wird es in unseren Breitengraden kaum mehr allgemein verbindliche Leitwerte geben, und nat\u00fcrlich werden die Leitwerte der Menschen von heute und morgen individuell gef\u00e4rbt sein. Doch es gibt einen hei\u00dfen Anw\u00e4rter f\u00fcr den Stuhl eines Leitwertes, der einer wachsenden Zahl von Menschen gemeinsam ist.<\/p>\n<p>Die Kandidatin hei\u00dft <em>Lebensqualit\u00e4t.<\/em> Lebensqualit\u00e4t ist die ebenso klare wie offene, ebenso verbindliche wie wandelbare Antwort auf die Frage, worum es bei der Gestaltung des eigenen Lebens eigentlich geht.<\/p>\n<p>Lebensqualit\u00e4t umfasst das ganze Leben. Lebensqualit\u00e4t ist optimierbar. Lebensqualit\u00e4t ist lernbar. Lebensqualit\u00e4t liegt im Trend. Deshalb ist Lebensqualit\u00e4t die ideale Richtschnur f\u00fcr Lebensgestaltung.<\/p>\n<p>Wenn es bei der Gestaltung unseres eigenen Lebens um Lebensqualit\u00e4t geht, worum geht es dann bei Lebensqualit\u00e4t? Das k\u00f6nnen nur Sie f\u00fcr sich beantworten. Doch es gibt durchaus einige verbindende Elemente, auf die zu achten sich lohnt.<\/p>\n<p><span class=\"klein\">Aus: Andreas Giger: LebensQualit\u00e4t. 2006<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/ss-logo-net.jpg\" alt=\"ss-logo-net\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p><em>Was geh\u00f6rt f\u00fcr mich unbedingt zu meiner Lebensqualit\u00e4t?<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em>Welche Elemente w\u00fcrde ich in die Top 3 w\u00e4hlen? Welche in die Top 5? Und welche in die Top 10?<\/em><\/p>\n<p> <!--nextpage--> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/denkbar2-net.jpg\" alt=\"denkbar2-net\" width=\"364\" height=\"273\" \/> <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Gesucht: eine Alternative zum goldenen Kalb<\/strong><\/p>\n<p>Man braucht nicht an die Bibel zu glauben, um darin so h\u00fcbsch zur aktuellen Lage rund um die Finanzkrise passende Geschichten zu finden wie jene vom Tanz um das goldene Kalb:<\/p>\n<p>Das Volk Israel befand sich auf dem Heimweg aus \u00c4gypten, und es ging ihm nicht gut. Zu allem \u00dcberfluss war auch noch der oberste Boss abwesend, angeblich auf einen Berg gestiegen, um mit seinem unsichtbaren Gott Zwiesprache zu halten. Da gel\u00fcstete es das Volk nach handfesteren G\u00f6ttern. Der Stellvertreter des Chefs lie\u00df sich erweichen, sammelte alles verblieben Gold ein und machte daraus einen G\u00f6tzen, eben das goldene Kalb. Und um das herum tanzte das Volk jetzt ausgelassen: Endlich hatten sie eine greifbare Gottheit, bei der klar war, worum es ging: um den schn\u00f6den Mammon.<\/p>\n<p>Das konnte sich der Boss namens Moses nat\u00fcrlich nicht gefallen lassen. Als er vom Berg herunter gestiegen war und den Schlamassel entdeckte, z\u00fcrnte er heftig und schaffte es schlie\u00dflich dank drohender Hinweise auf seinen gelegentlich ebenfalls furchtbar z\u00fcrnenden Gott, sein Volk wieder auf den richtigen Weg zu f\u00fchren. Na ja, jedenfalls bei einem Teil des Volkes. Diesen wies er an, jene, die nicht vom goldenen Kalb lassen wollten, meuchlings umzubringen. Und das waren immerhin 3000 Mann, wie die Bibel zu berichten wei\u00df (Moses 2, 32).<\/p>\n<p>Diese \u201eL\u00f6sung\u201c w\u00fcrden heut zu Tage viele gegen\u00fcber den Verantwortlichen f\u00fcr die Finanzkrise (oder jenen, die sie daf\u00fcr halten), am liebsten auch praktizieren. Br\u00e4chte aber nichts: Schlie\u00dflich lebt der Tanz um das goldene Kalb trotz der damaligen brachialen Gegenma\u00dfnahmen munter weiter. Ja, er wurde wohl noch nie so heftig und intensiv getanzt wie in den letzten Jahren und Jahrzehnten.<\/p>\n<p>Dass aber jeder Tanz um das goldene Kalb irgendwann ein Ende haben muss, hat die Finanzkrise gezeigt. Und es brauchte nicht einmal einen Moses, um ihn von au\u00dfen zu stoppen. Vielmehr ist ein von immer ma\u00dfloserer Gier angetriebenes System von selbst kollabiert. Oder w\u00e4re es, wenn nicht der gute alte Staat eingegriffen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Was nat\u00fcrlich prompt zu Diskussionen \u00fcber das System des Kapitalismus an sich gef\u00fchrt hat. Altlinke Nostalgiker sehen schon ein neues Zeitalter des Sozialismus herauf d\u00e4mmern. Was nat\u00fcrlich Quatsch ist. Denn es geht nicht um die Alternative zwischen Staat und freier Marktwirtschaft, die ja schon immer eng miteinander verflochten waren. Sicher wird jetzt ein neues Gleichgewicht zwischen beiden zu finden sein. Aber das \u00e4ndert nichts daran, dass ein entweder Marktwirtschaft oder Staatswirtschaft eine l\u00e4ngst \u00fcberholte Fragestellung ist. Die Finanzkrise ist keine Krise des grunds\u00e4tzlichen Systems.<\/p>\n<p>Tiefer sch\u00fcrft da schon die Kritik an unserer grunds\u00e4tzlichen Werte-Orientierung, die gemeinhin als Materialismus bezeichnet wird. Allerdings ist diese Bezeichnung nicht sehr gl\u00fccklich, denn es geht dabei l\u00e4ngst nicht mehr um Materie im eigentlichen Sinn. Wenn damit gemeint ist, dass Konsum unser wichtigster Lebensinhalt ist, dann gilt es zu bedenken, dass wir l\u00e4ngst viel mehr f\u00fcr konsumierte Dienstleistungen ausgeben als f\u00fcr materielle G\u00fcter. Und wenn damit gemeint ist, dass Geld unser oberster Gott (oder besser G\u00f6tze) ist, dann sollten wir nicht vergessen, dass Geld l\u00e4ngst v\u00f6llig immateriell geworden ist und gr\u00f6\u00dftenteils nur noch in Form von Daten in irgendwelchen Computern existiert.<\/p>\n<p>Materialismus hei\u00dft also nicht mehr, m\u00f6glichst viele materielle G\u00fcter zusammenraffen zu wollen, sondern bedeutet, m\u00f6glichst viel Geld haben zu wollen, um m\u00f6glichst viel konsumieren zu k\u00f6nnen, egal ob G\u00fcter oder Dienstleistungen. Das geschieht nicht unbedingt als Selbstzweck, sondern um den eigenen Lebensstandard zu erh\u00f6hen. Und der bemisst sich nun mal daran, wie viel man konsumieren kann.<\/p>\n<p>Messen ist ein gutes Stichwort: \u00dcblicherweise verwenden wir dazu einen Ma\u00dfstab, und der hat einen Anfang und ein Ende, das hei\u00dft, irgendwann ist das Maximum erreicht. Nicht so beim Lebensstandard. Das ist ein nach oben offener Ma\u00dfstab. Kaum haben wir einen bestimmten Lebensstandard erreicht, k\u00f6nnen wir uns schon die n\u00e4chst h\u00f6here Stufe vorstellen und tun alles, um dahin zu kommen. Und ein Ende dieses Drangs ist nicht abzusehen, weil es grunds\u00e4tzlich keines gibt, denn wir haben immer Phantasie genug, uns einen noch h\u00f6heren Lebensstandard vorzustellen.<\/p>\n<p>Genau daraus w\u00e4chst Gier, und wohin diese f\u00fchrt, haben wir gerade gesehen. Wobei es voreilig ist, mit der moralischen Keule nur auf jene einzudreschen, deren Gier medial am sichtbarsten wurde. Wie hei\u00dft es so sch\u00f6n: Wenn Du mit dem Zeigefinger auf jemanden weist, weisen drei Finger auf Dich zur\u00fcck. Niemand ist g\u00e4nzlich frei von Gier, vor allem dann nicht, wenn wir dieses h\u00e4ssliche Wort etwas h\u00fcbscher umschreiben und es so formulieren, dass die meisten von uns es f\u00fcr ein durchaus erstrebenswertes Ziel halten, den eigenen Lebensstandard zu erh\u00f6hen, wann und wie immer es geht.<\/p>\n<p>Und dagegen ist grunds\u00e4tzlich ja auch nichts einzuwenden. Es schafft nur einige gravierende Probleme. Wenn jeder Kleinsparer das Maximum aus seinen paar Kr\u00f6ten herauspressen will, setzt sich dieser Druck nach oben fort, wird dort von jenen, die im gro\u00dfen Stil absahnen k\u00f6nnen, massiv verst\u00e4rkt, woraus folgerichtig eine Blase entsteht, die eines Tages unweigerlich platzen muss. Was bekanntlich immer wieder geschehen ist. Ebenfalls gravierend ist, dass wir mit unseren westlichen Vorstellungen eines angemessenen Lebensstandards Ma\u00dfst\u00e4be setzen, die fatal wirken, denn wenn die ganze Welt diesen Lebensstil pflegen w\u00fcrde, w\u00e4re unser Planet definitiv hoffnungslos \u00fcberfordert.<\/p>\n<p>Vielleicht die schlimmste Folge unseres Strebens nach einem stetig h\u00f6heren Lebensstandard ist die, dass dieses Streben das ihm innewohnende Versprechen nicht einhalten kann, n\u00e4mlich mehr Gl\u00fcck oder doch wenigstens mehr Zufriedenheit zu erzeugen. Immer mehr Studien beweisen, was viele von uns l\u00e4ngst wussten oder doch wenigstens ahnten: Ein h\u00f6herer Lebensstandard garantiert keineswegs mehr Zufriedenheit oder gar Gl\u00fcck. Sicher, ein bestimmter minimaler Standard muss gegeben sein, damit wir einigerma\u00dfen gl\u00fccklich sein k\u00f6nnen, doch ab dann funktioniert der Zusammenhang nicht mehr.<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/ss-logo-net.jpg\" alt=\"ss-logo-net\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p><em>Wo liegt meine Grenze eines f\u00fcr meine Lebensqualit\u00e4t ausreichenden Lebensstandards?<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em>Wann ist meine Lebensqualit\u00e4t das letzte Mal durch mehr Lebensstandard besser geworden?<\/em><\/p>\n<p> <em>  <\/p>\n<hr \/>\n<p> <\/em> <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Und doch glauben immer noch viele, auf der n\u00e4chst h\u00f6heren Stufe des Lebensstandards lauere vielleicht doch das Gl\u00fcck, und wenn nicht da, dann auf der \u00fcbern\u00e4chsten. Und auch wenn das niemals funktionieren wird, halten sie daran fest, die Erh\u00f6hung des eigenen Lebensstandards sei das wichtigste Lebensziel. Oder noch klarer formuliert, Geld sei das, worum es im Leben wirklich ginge.<\/p>\n<p>Woran das wohl liegen mag? Nun, bei aller berechtigten Kritik am Materialismus darf nicht \u00fcbersehen werden, dass die prim\u00e4re Ausrichtung auf Lebensstandard lange Zeit hervorragend funktioniert hat. Sie hat nicht nur zu einer fr\u00fcher undenkbaren Verbesserung des tats\u00e4chlichen Lebensstandards gef\u00fchrt, sondern sie hat den Menschen auch das gegeben, was sie zu allen Zeiten dringend brauchen: Orientierung. Identit\u00e4t. Sinn.<\/p>\n<p>So gesehen war der Tanz um das goldene Kalb sinnvoll. Nur funktioniert er leider immer weniger. Was immer mehr Menschen auch selber merken oder sp\u00fcren. Dieses latente Unbehagen ist durch die Finanzkrise massiv verst\u00e4rkt worden, und es breitet sich das Gef\u00fchl aus, so k\u00f6nne es nicht weiter gehen. Nur wohin sonst?<\/p>\n<p>Weit und breit ist kein Moses in Sicht, der uns das sagen k\u00f6nnte. Und selbst wenn, w\u00fcrde es nicht viel n\u00fctzen, denn wir haben uns zum Gl\u00fcck l\u00e4ngst abgew\u00f6hnt, unbesehen jedem zu glauben, der vorgibt zu wissen, wo es lang geht. Wir wissen, dass wir Identit\u00e4t, Orientierung und Sinn nicht mehr in irgendwelchen Heilslehren finden, sondern nur in uns selbst. Was die Sache nicht einfacher macht. Denn jetzt m\u00fcssen wir eine attraktive und \u00fcberzeugende Alternative zum Materialismus ebenfalls in uns selbst finden.<\/p>\n<p>Und das m\u00fcssen wir wirklich. Die Geschichte hat gezeigt, dass wir Eigenschaften wie Gier weder durch moralische Appelle noch durch einen Systemwechsel loskriegen \u2013 in den kollektivistischen Systemen Kommunismus und Faschismus war die Gier mindestens so ausgepr\u00e4gt. Als konservative Wesen halten wir an Bew\u00e4hrtem fest, selbst wenn es eigentlich nicht mehr funktioniert \u2013 es sei denn, es w\u00fcrde uns eine wirklich \u00fcberzeugende, sprich bessere Alternative geboten. Und so tanzen wir um das goldene Kalb, bis uns eine noch bessere Tanzfl\u00e4che zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, bis wir eine bessere, sprich \u00fcberzeugendere Antwort auf die Frage haben, worum es im Leben eigentlich geht, als Geld oder Lebensstandard. Diese Antwort ist nur ein Wort, aber eines mit Folgen: Lebensqualit\u00e4t.\u00a0<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p> <!--nextpage--> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/denkbar3-net.jpg\" alt=\"denkbar3-net\" width=\"364\" height=\"273\" \/> <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Notwendig- Respekt vor dem Gegner<\/strong><\/p>\n<p>Doch h\u00fcbsch der Reihe nach. Machen wir uns nichts vor: Der alte Leitwert Materialismus wird seinen Platz nicht freiwillig zugunsten des neuen namens Lebensqualit\u00e4t r\u00e4umen. Vielmehr wird um diesen Platz ein Wettkampf entbrennen. Und einen solchen Wettkampf gewinnt man nur mit dem n\u00f6tigen Respekt vor dem Gegner. Zu dieser respektvollen Haltung geh\u00f6rt zun\u00e4chst eine pr\u00e4zise Benennung des Gegners. Abgel\u00f6st werden soll n\u00e4mlich nicht generell der Leit-Wert Materialismus, sondern dessen Steigerungsform <em>\u00fcbertriebener Materialismus, <\/em>denn wer jegliche Form von materialistischer Orientierung der Menschen bek\u00e4mpfen wollte, w\u00fcrde sich damit nur l\u00e4cherlich machen.<\/p>\n<p>Oder gleich verhungern oder erfrieren. Wir Menschen sind nun mal nicht ausschlie\u00dflich feinstoffliche Wesen, sondern unsere ganze Existenz ist auf einer materiellen Grundlage aufgebaut. Sich um diese materiellen Grundlagen wie Nahrung, Kleidung und Unterkunft zu k\u00fcmmern, ist somit eine unabdingbare \u00dcberlebensstrategie. Dass wir dabei so erfolgreich waren, hat die Gattung Mensch zum dominierenden Lebewesen auf unserem Planeten gemacht.<\/p>\n<p>Und wo wir schon dabei waren, die materiellen Grundlagen unseres Lebens zu sichern, haben wir den Schwung genutzt, um nicht nur das nackte \u00dcberleben zu sichern, sondern gleich auch so angenehme Dinge wie eine bessere Gesundheit oder ein bequemeres\u00a0 Leben zu gewinnen. Man braucht nur einmal hundert oder zweihundert Jahre zur\u00fcckzudenken, um festzustellen, dass die westliche Zivilisation auch bei diesem Projekt sehr erfolgreich war. Das materielle Streben unserer Vorfahren hat uns einen Lebensstandard beschert, von dem fr\u00fchere Generationen nicht einmal zu tr\u00e4umen gewagt h\u00e4tten. Und den wir, wenn wir ehrlich sind, auch nicht mehr wirklich missen wollten.<\/p>\n<p>Das Ziel, den eigenen Lebensstandard zu erh\u00f6hen oder doch wenigstens beizubehalten, ist somit legitim, was noch verst\u00e4rkt gilt, wenn wir dabei auch an Menschen denken, die in weniger privilegierten Situationen leben, sei es bei uns oder weit weg. Entsprechend unangebracht sind deshalb moralische Verurteilungen dieser angeblich egoistischen materiellen Werthaltung. Ohne eine Portion Egoismus, der auch die engere Sippe mit einschlie\u00dfen kann, gibt es kein \u00dcberleben, und zu \u00fcberleben ist nun mal der biologische Auftrag, den uns die Evolution mitgegeben hat. Ganz ohne Orientierung an materiellen Werten geht die Chose also nicht.<\/p>\n<p>So weit, so gut \u2013 und banal. Doch die Faszination der materiellen Werteorientierung, die Dominanz des Strebens nach einem immer h\u00f6heren Lebensstandard, erkl\u00e4rt sich eben nicht allein aus dieser biologischen Notwendigkeit heraus. Das wird schon daraus ersichtlich, dass es den Absahnern aus den Chefetagen l\u00e4ngst nicht mehr um eine Erh\u00f6hung des Lebensstandards ging. Ab einer gewissen Einkommensh\u00f6he ist das kaum noch m\u00f6glich, und zudem fehlt dieser Kaste ohnehin die Zeit, um ihren Reichtum zu genie\u00dfen. Und trotzdem haben sie alles getan, um noch an ein paar Millionen mehr heranzukommen. Das l\u00e4sst sich nur dadurch erkl\u00e4ren, dass Geld selbst und dessen unaufh\u00f6rliche Vermehrung zum Selbstzweck geworden ist.<\/p>\n<p>Geld dient in dieser Perspektive nicht mehr als Mittel zur Erh\u00f6hung des Lebensstandards, wozu es eigentlich mal gedacht war, sondern es findet seinen Sinn und seinen Zweck in sich selbst. Das wiederum f\u00fchrt dazu, dass nicht mehr z\u00e4hlt, wof\u00fcr man Geld ausgibt, sondern nur noch, wie viel man davon einnimmt und besitzt. Wundersch\u00f6n vertritt diese Haltung Dagobert Duck, der bekanntlich einen eher bescheidenen Lebensstil pflegt und seinen Lustgewinn ganz aus dem Bad in den Talern seines Geldspeichers bezieht.<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/ss-logo-net.jpg\" alt=\"ss-logo-net\" width=\"175\" height=\"131\" \/>\u00a0<\/p>\n<p><em>Wie viel Dagobert Duck steckt in mir selbst?<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em>Bin ich mir immer bewusst, f\u00fcr welche Zwecke ich\u00a0 Geld als Mittel einsetze?<\/em><\/p>\n<p> <em>  <\/p>\n<hr \/>\n<p> <\/em> <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Dass Dagobert Duck keine neue Comic-Figur ist, zeigt, dass der Wert Geld als Selbstzweck schon l\u00e4nger existiert. Neu waren im letzten Jahrzehnt nur die Dimensionen, zu denen diese Wertorientierung gef\u00fchrt hat: Es ist wesentlich wichtiger geworden, Geld aus Geld zu machen, als mit Geld etwas Vern\u00fcnftiges anzustellen. Wenn das keine Verselbst\u00e4ndigung des Wertes Geld ist&#8230;<\/p>\n<p>Diese Tendenz beschr\u00e4nkt sich nicht nur auf das Finanzsystem und auf einige b\u00f6se Bankenmanager. Wer etwas anzulegen hat, setzt gerne auf h\u00f6here Renditen, und wenn jetzt viele herbe Verluste einfahren, liegt dies nicht nur an schlechter Beratung, sondern auch an einer weit verbreiteten Neigung, die wir, wenn wir Klartext reden, ruhig als Gier bezeichnen k\u00f6nnen, wenngleich es h\u00fcbscher klingt, dass wir alle dazu neigen, immer noch etwas mehr zu wollen.<\/p>\n<p>Doch das allein reicht immer noch nicht, um die Faszination des Geldes zu erkl\u00e4ren, eine Faszination, die so weit geht, dass es unbesehen geglaubt wird, wenn die Verfechter materialistischer Werte behaupten, Geld sei <em>the real thing, <\/em>also das einzig wirkliche, das, worum es ginge. Was, mit Verlaub, ziemlicher Bl\u00f6dsinn ist. Geld ist n\u00e4mlich keineswegs real oder wirklich. Das allermeiste Geld, das im Umlauf ist, hat sich l\u00e4ngst zu abstrakten Datens\u00e4tzen in irgendwelchen Computern verfl\u00fcchtigt, und selbst die paar Scheine und M\u00fcnzen, die wir noch in unserem Geldbeutel rum tragen, haben kaum einen eigenen materiellen Wert, sind vielmehr nur Symbole daf\u00fcr, dass wir uns daf\u00fcr etwas kaufen k\u00f6nnen. So gesehen macht Geld tats\u00e4chlich nicht satt.<\/p>\n<p>Genau darin liegt nat\u00fcrlich die Genialit\u00e4t des Geldes. Vor dessen Erfindung gab es nur den Tauschhandel, und der ist ziemlich unpraktisch, weil man meist nur \u00fcber etliche Ecken herum zu dem kommt, was man will, und deshalb davor auf einige an sich v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssige Tauschgesch\u00e4fte angewiesen ist. Diese Umwege entfallen, wenn man f\u00fcr den Wert konkreter G\u00fcter und Dienstleistungen eine symbolische W\u00e4hrung, eben das Geld, einf\u00fchrt. Jetzt muss ich nicht mehr meinen Schinken zuerst gegen ein Fell eintauschen, dieses gegen eine Sch\u00fcssel, diese wiederum gegen einen Hut, und erst jetzt den Hut gegen den eigentlich gewollten Hammer, sondern jetzt kann ich meinen Schinken gegen Geld verkaufen und mit diesem Geld dann direkt zum Hammerproduzenten gehen.<\/p>\n<p>Das funktioniert nat\u00fcrlich nur, wenn der Hammermacher darauf vertrauen kann, mit dem Geld, das er von mir erhalten hat, wiederum das kaufen zu k\u00f6nnen, was er will. Die Basis der Geldwirtschaft war nie der Metallwert der M\u00fcnzen (lange Zeit waren als Zahlungsmittel nicht etwa M\u00fcnzen am gebr\u00e4uchlichsten, sondern Muscheln), sondern ein v\u00f6llig immaterieller Wert namens Vertrauen. Dass die Finanzkrise im Wesentlichen eine Vertrauenskrise war, best\u00e4tigt diesen Sachverhalt. So viel zur Frage, was das wirkliche Ding sei&#8230;<\/p>\n<p>Es sei denn, wir w\u00fcrden als wirklich nicht so sehr das bezeichnen, was wir in die Hand nehmen und anfassen k\u00f6nnen, sondern das, was wir <em>messen<\/em> k\u00f6nnen. Und tats\u00e4chlich ist diese Auffassung zu einem wesentlichen Element unserer durch und durch materialistischen und rationalen Kultur geworden: Real ist, was man messen kann.<\/p>\n<p>Auch die T\u00e4tigkeit des Messens ist nat\u00fcrlich eine geniale Erfindung: Indem man einen einheitlichen Ma\u00dfstab an die Dinge anlegt, macht man diese vergleichbar. Und Dinge vergleichen zu wollen, scheint ein elementarer Drang unserer Gehirnt\u00e4tigkeit zu sein, helfen doch Vergleiche, eine zun\u00e4chst chaotisch erscheinende Welt zu ordnen und damit \u00fcberschaubarer zu machen.<\/p>\n<p>Nun gibt es tats\u00e4chlich keinen universaleren Vergleichsma\u00dfstab als Geld. Nicht nur alles und jedes, sondern auch alle und jede lassen sich in Geldwert ausdr\u00fccken. Und es ist jedermann leicht einsichtig, dass tausend Euro zehn mal mehr wert sind als hundert. Und weil das so einfach erscheint, zweifeln wir nicht mehr daran, dass mehr immer besser ist. Wer aber m\u00f6chte nicht nach dem Besseren und Wertvolleren streben \u2013 also sein ganzes Trachten auf mehr Geld richten?<\/p>\n<p>Erschwerend kommt hinzu, dass Geld f\u00fcr uns nicht nur eine absolute Gr\u00f6\u00dfe ist, sondern auch eine relative. Das hei\u00dft, wir vergleichen uns st\u00e4ndig mit unseren Mitmenschen, und f\u00e4llt dieser Vergleich zu unseren Ungunsten aus, versuchen wir das zu korrigieren, was sogar wichtiger ist als unser absoluter Lebensstandard: In einer Umfrage wollte die Mehrheit lieber einen kleinen Einkommenszuwachs, wenn die Nachbarn gar nichts bek\u00e4men, als einen gro\u00dfen, bei dem die Nachbarn aber noch mehr erhielten&#8230;<\/p>\n<p>Unsere kulturelle Fixierung auf Geld liegt also zu einem wesentlichen Teil daran, dass Geld ein standardisierter und universal g\u00fcltiger Ma\u00dfstab ist, mit dessen Hilfe wir unseren eigenen Lebensstandard st\u00e4ndig vergleichen k\u00f6nnen: mit der Vergangenheit und der erhofften Zukunft, aber auch mit unseren Mitmenschen. Das macht die Orientierung am Wert Lebensstandard so faszinierend einfach. Und das (vermeintlich) Einfache hat nat\u00fcrlich immer die besseren Chancen, zum Leit-Wert zu werden&#8230;<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/ss-logo-net.jpg\" alt=\"ss-logo-net\" width=\"175\" height=\"131\" \/>\u00a0<\/p>\n<p><em>Welche Rolle spielt der Leit-Wert Lebensstandard in meinem Leben?<\/em><\/p>\n<p> <em>  <\/p>\n<hr \/>\n<p> <\/em> <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p> <!--nextpage--> <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/denkbar4-net.jpg\" alt=\"denkbar4-net\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/p>\n<p><strong>Materialistische Sackgassen<\/strong><\/p>\n<p>Das Problem ist, wie wir im letzten Kapitel gesehen haben, nicht der Materialismus an sich, sondern dessen ma\u00dflose \u00dcbertreibung, die sich zur \u00dcberh\u00f6hung als eigentliche Quasi-Religion gesteigert hat: Materiellen Wohlstand anzuh\u00e4ufen, wird zum zentralen Lebensinhalt verkl\u00e4rt, und der einzige Ma\u00dfstab zur Bewertung von Dingen und Menschen wird deren materieller Wert. Dieser Weg f\u00fchrt zwangsl\u00e4ufig in die Sackgasse, oder pr\u00e4ziser, in deren drei. Die drei Fallen des Materialismus sind:<\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em>1. Uneinl\u00f6sbare Versprechen:<\/em> Wie jede Religion, die etwas auf sich h\u00e4lt, verspricht auch die Quasi-Religion Materialismus ihren Anh\u00e4ngern zwei wertvolle \u201eG\u00fcter\u201c als Lohn: Gl\u00fcck und Sinn. Doch dieses Versprechen erweist sich leider als Illusion. Das l\u00e4sst sich leicht statistisch nachweisen: W\u00e4hrend in unseren westlichen L\u00e4ndern in den letzten Jahrzehnten der materielle Wohlstand unaufh\u00f6rlich gewachsen ist, also eine aufw\u00e4rts strebende Kurve bildet, ist das durchschnittliche subjektive Empfinden von Gl\u00fcck (oder Zufriedenheit) im selben Zeitraum ungef\u00e4hr stabil geblieben, zeigt also einen flachen Kurvenverlauf. G\u00e4be es den Zusammenhang zwischen Lebensstandard und Gl\u00fcck tats\u00e4chlich, m\u00fcssten beide Kurven parallel ansteigen. Doch das ist offensichtlich nicht der Fall.<\/p>\n<p>Erweitert man solche Studien auf einen globalen Ma\u00dfstab, zeigt es sich, dass es ein bestimmtes gesichertes Minimaleinkommen braucht, um halbwegs gl\u00fccklich zu sein. Bei Menschen, die unter diesem Minimum leben m\u00fcssen, bewirkt ein Anstieg des Einkommens deshalb tats\u00e4chlich einen Anstieg des subjektiven Gl\u00fccksempfindens. Doch dieser Zusammenhang h\u00f6rt auf, wenn der Grenzwert \u00fcberschritten wird. Dann bringt\u00a0 mehr Einkommen keinen Zuwachs an Gl\u00fcck mehr.<\/p>\n<p>Das liegt nicht zuletzt daran, dass wir bei der Bewertung unseres Lebensstandards nicht in absoluten Werten denken, sondern in relativen, das hei\u00dft, wir schielen st\u00e4ndig auch auf die Nachbarn. Steigt deren Lebensstandard im selben Ausma\u00df wie unserer, haben wir nichts davon. Das klingt zwar pervers, ist aber ebenfalls eine l\u00e4ngst empirisch erh\u00e4rtete Tatsache. Und selbst wenn wir uns in diesem Rattenrennen ein St\u00fcck weit von unseren Gegnern absetzen k\u00f6nnen, erweist sich der so erzielte Gl\u00fccksgewinn als fl\u00fcchtig und verg\u00e4nglich. Zum dauerhaften Gl\u00fcck dagegen, das wir besser als Zufriedenheit bezeichnen, weil dauerhaftes Gl\u00fcck ein Widerspruch in sich ist, kann eine Erh\u00f6hung des Lebensstandards offenbar kaum etwas beitragen.<\/p>\n<p>Selbiges gilt auch f\u00fcr das Versprechen von Sinn. Das letzte Hemd hat bekanntlich keine Taschen, und deshalb ahnen wir alle zumindest, dass der Sinn des Lebens nicht darin bestehen kann, m\u00f6glichst viele materielle Reicht\u00fcmer anzuh\u00e4ufen. W\u00e4re ja auch noch sch\u00f6ner, wenn es so einfach w\u00e4re&#8230;<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich w\u00e4re auch noch die banal zu nennende Tatsache zu erw\u00e4hnen, dass stetig steigender Lebensstandard selbst immer mehr zur Illusion wird. Dazu tr\u00e4gt nicht nur die aktuelle Wirtschaftskrise bei, deren Folgen unsere frei verf\u00fcgbare Kaufkraft noch lange schm\u00e4lern werden. Auch sonst f\u00fchren verschiedene Entwicklungen wie etwa st\u00e4ndig steigende Zwangsabgaben f\u00fcr Versicherungen und \u00e4hnliches dazu, dass die frei verf\u00fcgbare Kaufkraft f\u00fcr die meisten Menschen eher sinken als steigen wird \u2013 oder bestenfalls auf hohem Niveau verharren. Kurzum: Die fetten Jahre sind vorbei.<\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em>2. Eindimensionalit\u00e4t:<\/em> Die verf\u00fchrerische Verlockung von Geld als universalem Wertma\u00dfstab ist bei n\u00e4herer Betrachtung eine Falle, weil sie nicht nur alles und jedes, sondern auch alle und jeden auf eine einzige Dimension reduziert, n\u00e4mlich auf Geldwert: Was kein Geld wert ist, ist \u00fcberhaupt nichts wert. Das klingt zwar f\u00fcr einfache Gem\u00fcter verlockend einfach, nur ist dieses Modell leider <em>zu<\/em> einfach. Viel zu einfach. Wenn wir die ganze vielschichtige, bunte und vieldimensionale Wirklichkeit von Dingen, vor allem aber von Menschen, brutal auf eine einzige Dimension, eben den Geldwert, eindampfen, erweisen wir uns als \u201eterribles simplificateurs\u201c, also als schreckliche Vereinfacher.<\/p>\n<p>\u201eMoney can\u2019t buy you love!\u201c, hei\u00dft eine Liedzeile der guten alten Beatles. Sie verweist auf die elementare Tatsache, dass es in einem menschlichen Leben \u2013 und im menschlichen Zusammenleben &#8211; viel Wertvolles gibt, das sich mit Geld weder aufwiegen noch kaufen l\u00e4sst. Die zwanghafte Reduktion auf die eine Dimension des materiellen Werts bildet also eine Vergewaltigung der Wirklichkeit und des Lebens. Was f\u00fcr die psychische Gesundheit von Individuen und Gesellschaften auf Dauer nicht gut gehen kann.<\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em>3. Suchtcharakter:<\/em> Als naive Kinder haben wir alle mal daran geglaubt, mehr vom Selben sei auf alle F\u00e4lle besser. Bis wir uns eines Tages an Schokoladenpudding oder so \u00fcberfressen haben. Und damit lernten, dass dieser Grundsatz auch bei den erstrebenswertesten Dingen nicht immer gilt. Es gibt f\u00fcr alles so etwas wie das richtige Ma\u00df, und dabei kann weniger manchmal tats\u00e4chlich mehr sein.<\/p>\n<p>Der ma\u00dflose Materialismus hat diese Lektion nie gelernt. Und entwickelt deshalb zwei Charakteristika, die typisch sind f\u00fcr Suchtverhalten: totale Fixierung auf einen einzigen Lebensinhalt, und unbezwingbaren Drang nach stetiger Steigerung der Dosis.<\/p>\n<p>Sucht ist dabei nicht gleichzusetzen mit Abh\u00e4ngigkeit. Abh\u00e4ngigkeit geh\u00f6rt unabdingbar zu unserem Leben, auch wenn uns dieser Gedanke nicht leicht f\u00e4llt. Denn wir sind von vielem und von vielen abh\u00e4ngig, von gesunder Luft und funktionierender M\u00fcllabfuhr, vom Wohlwollen unserer Mitmenschen, und nat\u00fcrlich auch von so manchem materiellem Wert. Ein Mensch mit Diabetes ist abh\u00e4ngig von Insulin, und davon unterscheidet sich jemand, der f\u00fcr sein Wohlbefinden t\u00e4glich ein oder zwei Gl\u00e4schen Wein braucht, nur graduell. Ein ordentliches Ma\u00df an Abh\u00e4ngigkeit geh\u00f6rt ganz einfach zum menschlichen Leben.<\/p>\n<p>Und mit all diesen Abh\u00e4ngigkeiten, auch mit jenen von materiellen Werten, also von Geld, k\u00f6nnen wir gut leben, solange sie nicht die feine Linie zur Sucht \u00fcberschreiten. Diese beginnt dort, wo wir an nichts anders mehr denken k\u00f6nnen als an das, wovon wir abh\u00e4ngig sind, wenn dieses also zum einzigen Lebensinhalt wird. Wenn dies eintritt, schneiden wir uns selbst von der ganzen F\u00fclle des \u00fcbrigen Lebens ab, was eine enorme Verarmung bedeutet.<\/p>\n<p>Das zweite zentrale Element von Sucht ist der Drang nach stetiger Steigerung der Dosis. Der Alkoholiker kennt, anders als der Genusstrinker, keinen optimalen Punkt der S\u00e4ttigung, er will mehr und immer mehr, bis zum unweigerlichen Zusammenbruch. Und wenn Sie jetzt \u201eAlkohol\u201c durch \u201eGeld\u201c ersetzen, haben Sie eine h\u00fcbsch passende Beschreibung der Finanzkrise&#8230;<\/p>\n<p>In der Tat: V\u00f6llig fixiert zu sein auf Gelderwerb, dabei immer mehr und noch mehr zu wollen, und wegen des so entstehenden Tunellblicks sowohl alle Risiken auszublenden als auch den Illusionscharakter der damit verbundenen Heilsversprechen zu \u00fcbersehen \u2013 das ist die perfekte Beschreibung nicht nur eines S\u00fcchtigen, sondern eben auch des ma\u00dflosen Materialismus.<\/p>\n<p>Auch S\u00fcchtige haben gelegentlich Momente der Klarheit, in denen sie erkennen, dass ihre Sucht f\u00fcr sie selbst h\u00f6chst gef\u00e4hrlich ist \u2013 und f\u00fcr ihre Umwelt. Die Parallele ist un\u00fcbersehbar: Der ma\u00dflose Materialismus der Akteure des Finanzsystems, und zugleich, wenngleich gemildert, von uns allen, gef\u00e4hrdet ja nicht nur unsere Wirtschaft und unsere Seelen. Er ist auch die tiefere Ursache der \u00f6kologischen Krisen, in denen wir schon stecken, und die noch auf uns zukommen.<\/p>\n<p>Wenn der S\u00fcchtige erkennt, dass es so nicht weitergehen kann, ist der erste wichtige Schritt getan, selbst wenn die alternativen Pfade sich noch im Nebel der Ungewissheit verlieren. Vielleicht verschafft uns ja die gegenw\u00e4rtige Krise diesen Augenblick der Klarheit, in dem wir erkennen, dass ma\u00dfloser Materialismus in die Sackgasse f\u00fchrt. Noch immer gilt die alte Volksweisheit: Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung&#8230;<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/ss-logo-net.jpg\" alt=\"ss-logo-net\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p><em>Wie sehr bin ich auf materielle Werte fixiert?<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em>Wo f\u00f6rdern materielle Werte meine Lebensqualit\u00e4t \u2013 und wo schr\u00e4nken sie sie ein?<\/em><\/p>\n<p> <em>  <\/p>\n<hr \/>\n<p> <\/em> <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p> <!--nextpage--> <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/denkbar5-net.jpg\" alt=\"denkbar5-net\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/p>\n<p><strong>Anforderungsprofil an den neuen Leit-Wert<\/strong><\/p>\n<p>Es ist eine evolution\u00e4r bew\u00e4hrte Strategie des Menschen, nicht vorschnell zu wechseln. Selbst wenn die M\u00e4ngel des Alten offenkundig sind, lassen wir es nicht los \u2013 es sei denn, es st\u00fcnde eine wirklich \u00fcberzeugende Alternative zur Verf\u00fcgung. Das gilt f\u00fcr die Wahl eines Politikers genau so wie f\u00fcr die Wahl unserer Leit-Werte.<\/p>\n<p>Es gen\u00fcgt also nicht, auf die M\u00e4ngel einer einseitig materialistisch ausgerichteten Orientierung zu verweisen. Selbst wenn immer mehr Menschen klar wird, dass es so nicht weitergehen kann, so halten sie daran doch fest, weil noch nichts Neues in Sicht ist, das glaubhaft verspricht, besser zu sein. Der neue Leit-Wert muss deshalb\u00a0 grunds\u00e4tzlich zwei Bedingungen erf\u00fcllen: Er muss die Vorz\u00fcge des alten ebenfalls aufweisen. Und er darf dessen Nachteile nicht haben.<\/p>\n<p>Als die beiden wichtigsten Vorz\u00fcge des Konzepts Lebensstandard haben wir Universalit\u00e4t und Einfachheit identifiziert. \u00dcber beides muss auch die ideale Kandidatin oder der ideale Kandidat f\u00fcr den Posten des neuen Leit-Werts verf\u00fcgen. Der neue Leit-Wert muss, wenngleich nicht alles, so doch m\u00f6glichst vieles, was in unserem Leben wichtig ist, abdecken, und zwar mit einer m\u00f6glichst einfachen Grundidee, die von allen sofort und problemlos zu begreifen ist.<\/p>\n<p>Allerdings, so einfach ist die Sache mit der Einfachheit denn doch nicht. Es gibt n\u00e4mlich zwei Arten von Einfachheit. F\u00fcr die eine Art steht das Vereinfachungsprinzip der Geldwirtschaft. Dabei wird alles \u00fcber einen Kamm geschert, wird alles und jede(r) auf den eindimensionalen Geldwert reduziert. Die bunte, vielf\u00e4ltige Wirklichkeit wird geradezu vergewaltigt, indem man einen Ausschnitt davon f\u00fcr absolut g\u00fcltig erkl\u00e4rt und den ganzen Rest ausblendet.<\/p>\n<p>Die andere Form von Einfachheit besteht aus einer Komplexit\u00e4tsreduktion durch Ausbildung einer neuen Ordnung auf h\u00f6herer Ebene, auch Emergenz genannt. Das klingt zun\u00e4chst furchtbar kompliziert, begegnet uns jedoch t\u00e4glich. Ein Beispiel: Solange wir Menschen ausschlie\u00dflich als Individuen betrachten, die Beziehungen zu anderen Individuen haben, bildet die Beschreibung aller Einzelbeziehungen zwischen Eltern und Kindern, und mit Geschwistern, Gro\u00dfeltern, Onkeln, Tanten, Vettern und Cousinen ziemlich schnell ein reichlich komplexes und kaum noch zu durchschauendes Geflecht von Einzelbeziehungen. Erst wenn wir unser Blickfeld erweitern und damit auch die n\u00e4chst h\u00f6here Ebene ins Auge fassen, ergibt sich durch die Einf\u00fchrung des Begriffs der Familie eine massive Reduktion dieser Komplexit\u00e4t. Nat\u00fcrlich bleiben die Einzelbeziehungen innerhalb dieser Familie nach wie vor komplex, doch die Idee der Familie, zu der alle irgendwie geh\u00f6ren, macht das Verst\u00e4ndnis des Ganzen wesentlich einfacher.\u00a0<\/p>\n<p>Es versteht sich von selbst, dass das Gebot der Einfachheit f\u00fcr unseren gesuchten neuen Leit-Wert nur von dieser zweiten Art sein kann. Gesucht wird, um ein Bild aus der Natur zu verwenden, gleichsam der Pilzhut, der mit seiner einfachen und klaren Form zugleich immer auch auf das unterirdische Mycel verweist, das den eigentlichen Pilz ausmacht und aus einem hochgradig komplexen System von ineinander verschlungenen Pilzf\u00e4den besteht. Der sichtbare Pilzhut ist also einfach, und integriert und \u00fcberdacht doch zugleich auch eine komplexe Realit\u00e4t. Diesem Pilzhut sollte unser neuer Leit-Wert gleichen.<\/p>\n<p>Und universal muss er sein, also etwas, \u00fcber das sich Menschen \u00fcberall auf der Welt und bei allen m\u00f6glichen Gelegenheiten unterhalten und austauschen k\u00f6nnen, so wie dies beim Thema Geld m\u00f6glich ist. Mit einem nicht ganz unwichtigen Unterschied: Beim Austausch \u00fcber Geld m\u00fcssen wir uns (manchmal) bewusst sein, dass wir von unterschiedlichen W\u00e4hrungen reden. Das ist nicht allzu kompliziert. Anspruchsvoller wird die Sache, wenn nicht mehr ganze L\u00e4nder oder Wirtschaftsr\u00e4ume den Wert einer W\u00e4hrung definieren, sondern jeder einzelne Mensch. Und davon m\u00fcssen wir bei unserem neuen Leit-Wert ausgehen: Es wird daf\u00fcr keine allgemein g\u00fcltigen Wert-Ma\u00dfst\u00e4be wie beim Geld mehr geben, und auch keine f\u00fcr gro\u00dfe Gemeinschaften definierten W\u00e4hrungs-Werte, die leicht umzurechnen sind. Die inhaltliche Definition des neuen Leit-Werts muss vielmehr dem Individuum \u00fcberlassen bleiben.<\/p>\n<p>Das bedeutet nicht, dass jede und jeder darunter etwas v\u00f6llig anderes verstehen wird. Selbstverst\u00e4ndlich wird es \u00c4hnlichkeiten und Gemeinsamkeiten in den Vorstellungen dar\u00fcber geben, was dieser neue Leit-Wert bedeutet. Doch die letzte Definitionsmacht wird und muss das Individuum haben. Wir haben nicht \u00fcber Jahrhunderte f\u00fcr unsere individuellen Freiheiten gek\u00e4mpft, um uns diese Freiheit\u00a0 bei der wohl wichtigsten Wahl wieder nehmen zu lassen, die es in unserem Leben gibt: die Wahl unseres Leit-Werts, die Entscheidung dar\u00fcber, worum es im Leben eigentlich gehen soll.<\/p>\n<p>Die Forderung an den gesuchten neuen Leit-Wert, universal zu sein, bedeutet also viel mehr, dass er gemeinsame Fragen stellen muss, als dass er allgemein g\u00fcltige Antworten liefern soll.<\/p>\n<p>Ein Teilaspekt der Universalit\u00e4t des Geldes ist dessen Standardisierbarkeit: Der Geldwert materieller G\u00fcter l\u00e4sst sich jederzeit mit einem verbindlichen Ma\u00dfstab messen \u2013 und damit vergleichen. Diese faszinierende M\u00f6glichkeit wird der neue Leit-Wert eher nicht zu bieten haben. Wenn er jedoch im Sinne der Ann\u00e4herung an dieses Modell ebenfalls so etwas wie einen vergleichbaren Ma\u00dfstab bietet, also die M\u00f6glichkeit einer Quasi-Messung, kann das seiner Attraktivit\u00e4t kaum schaden&#8230;<\/p>\n<p>Bei den zu vermeidenden Nachteilen des alten Leit-Werts Geld haben wir dessen Eindimensionalit\u00e4t bereits abgehakt. Der neue Leit-Wert muss vieldimensional sein und so der bunten Vielfalt des Lebens gerecht werden. Und er muss das Suchtpotenzial der materiellen Werte-Orientierung vermeiden, die Ma\u00dflosigkeit der Gier nach immer mehr vom Gleichen. Das geht nur, wenn wir uns mit unserem neuem Leit-Wert auf einen Weg machen, der das Ankommen nicht nur kennt, sondern als h\u00f6chstes und sinnvollstes Ziel beinhaltet. Der Drang nach Geld und materiellen G\u00fctern kennt dieses Ankommen nicht, kaum hat man ein Ziel erreicht, lockt schon das n\u00e4chste, denn es gibt immer die M\u00f6glichkeit, noch mehr zu ergattern.<\/p>\n<p>Ankommen meint dagegen, dass es einen Punkt der S\u00e4ttigung gibt, einen Ort, an dem es genug ist, an dem es weder m\u00f6glich noch verlockend ist, noch weiter zu gehen. Vermutlich ist dieser Punkt von uns h\u00f6chstens in den seltensten F\u00e4llen wirklich zu erreichen, es geht vielmehr um Ann\u00e4herung daran. F\u00fcr unseren neuen Leit-Wert hei\u00dft das: Er soll uns die M\u00f6glichkeit geben, die darin enthaltenen Einzel-Werte zu <em>optimieren<\/em>. Und er soll uns vom Zwang zur Maximierung befreien.<\/p>\n<p>Auch die letzte Anforderung ist elementar: Der neue Leit-Wert darf den alten nicht beseitigen, verdr\u00e4ngen, ersetzen oder sonst wie ausschlie\u00dfen wollen, er muss ihn vielmehr integrieren. Oder, noch besser, sich bewusst werden, dass er Teil einer Polarit\u00e4t ist, wie jener von materiellen und immateriellen Werten, von Geld und Geist, von Quantit\u00e4t und Qualit\u00e4t. Und Polarit\u00e4ten sind immer eine Herausforderung an uns, zwischen den beiden Polen eine vern\u00fcnftige, lebbare und sinnvolle Balance zu finden&#8230;<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/ss-logo-net.jpg\" alt=\"ss-logo-net\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p><em>Wo bewege ich mich im Spannungsfeld zwischen Geld und Geist, zwischen materiellen und immateriellen Werten, zwischen Quantit\u00e4t und Qualit\u00e4t?<\/em><\/p>\n<p><em>Wie gewichte ich zwischen Lebensstandard und Lebensqualit\u00e4t?<\/em><\/p>\n<p> <em>  <\/p>\n<hr \/>\n<p> <\/em> <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p> <!--nextpage--> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/denkbar6-net.jpg\" alt=\"denkbar6-net\" width=\"364\" height=\"273\" \/> <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Auftritt der Kandidatinnen<\/strong><\/p>\n<p>Auf der Suche nach einem neuen Leit-Wert, der den alten namens Lebensstandard (oder noch schlichter: Geld) abl\u00f6sen k\u00f6nnte, haben wir nun ein Anforderungsprofil erstellt: Der neue Leit-Wert muss universal und einfach sein, ohne die Wirklichkeit eindimensional zu reduzieren. Und er darf nicht zur Ma\u00dflosigkeit f\u00fchren, sondern muss das Potenzial des Ankommens beinhalten.<\/p>\n<p>Daraufhin haben sich \u2013 um ein kleines Spiel zu spielen \u2013 verschiedene Kandidaten und Kandidatinnen f\u00fcr das entsprechende Casting gemeldet. (Von einer Miss-Wahl sprechen wir besser nicht, denn unter den an der Rolle des neuen Leit-Werts Interessierten finden sich Werte jeglichen Geschlechts&#8230;)<\/p>\n<p>Der erste Kandidat tritt gleich in der Mehrzahl auf: die <em>Werte<\/em>. Ihre Wahl, so argumentieren sie, w\u00fcrde im Rahmen des Werte-Wandels einen einfachen \u00dcbergang bedeuten: von den materiellen zu den immateriellen Werten. Und zwar ganz egal welchen, Hauptsache, man k\u00e4me endlich von der Fixierung auf die materiellen Werte weg.<\/p>\n<p>Und genau darin liegt das Problem. Einfach die Gesamtheit aller immateriellen Werte an die Stelle der materiellen Werte zu setzen, wirkt sehr unspezifisch und vage, und schafft damit nicht die ben\u00f6tigte Klarheit bei der gesuchten Orientierung. Zumal der Sprachgebrauch rund um den Begriff der Werte tats\u00e4chlich ein sehr breites Spektrum umfasst. Es geht dabei um pers\u00f6nliche Lebensziele, um Idealvorstellungen f\u00fcr den Umgang der Menschen miteinander, und um gesellschaftspolitische Ziele. Wenn deshalb verst\u00e4rkte Werte-Orientierung gefordert wird, w\u00fcsste man schon gerne, um welche Werte es sich dabei handelt. Fest steht, dass tats\u00e4chlich immaterielle Werte die Fixierung auf die materiellen Werte abl\u00f6sen m\u00fcssen. Aber mit einer allgemeinen Beschw\u00f6rung einer verst\u00e4rkten Werte-Orientierung ist es nicht getan. Also Daumen runter!<\/p>\n<p>Der zweite Kandidat hat eine noch elegantere Formel f\u00fcr den Werte-Wandel parat: Von Geld zu <em>Geist<\/em>. Sie gef\u00e4llt mir und einigen anderen Intellektuellen wegen ihrer Griffigkeit, und weil sie die Erfahrung ausdr\u00fcckt, dass sich die wirklich spannenden Dinge im Leben auf der geistigen Ebene abspielen. Doch sie hat einen kleinen Haken: Wir stehen mit dieser Einsch\u00e4tzung ziemlich allein. In der breiteren \u00d6ffentlichkeit dagegen genie\u00dft Geist keinen besonders guten Ruf. Die als Eierk\u00f6pfe und Brillenschlangen bezeichneten Geistes-Helden werden bestenfalls mitleidig bel\u00e4chelt, w\u00e4hrend man den Helden des K\u00f6rpers zujubelt. F\u00fcr eine Minderheit ist Geist sexy, f\u00fcr die Mehrheit gilt das nicht. Und da unser neuer Leit-Wert mehrheitstauglich sein sollte, f\u00e4llt auch Geist aus dem Rennen.<\/p>\n<p>Den Vorwurf, nicht sexy zu sein, kann man dem n\u00e4chsten Kandidaten namens <em>Gl\u00fcck<\/em> nun wirklich nicht machen. Halbe Bibliotheken sind mit Anleitungen zu Gl\u00fcck gef\u00fcllt, und auch die seri\u00f6se Wissenschaft hat sich des Themas in Form einer eigentlichen Gl\u00fccks-Forschung bem\u00e4chtigt. Im fernen Himalaya-L\u00e4ndchen Bhutan ist es sogar offizielles Staatsziel, zus\u00e4tzlich zum Bruttosozialprodukt auch das Brutto-Gl\u00fccks-Produkt zu steigern. Gl\u00fccklich sein wollen offenbar alle Menschen, und so liegt der Gedanke nahe, der Werte-Wandel k\u00f6nnte aus der Verschiebung von Geld zu Gl\u00fcck bestehen. Nichtsdestotrotz werde ich mit diesem Gedanken nicht gl\u00fccklich. Schlie\u00dflich haben viele gro\u00dfe Geister \u00fcber Gl\u00fcck nachgedacht, und sie sind alle zu denselben Schl\u00fcssen gekommen, die sich \u00fcbrigens mit Ihrer und meiner Alktagsbeobachtung decken: Gl\u00fcck als Dauerzustand ist eine absolute Illusion. Wohl sehnen wir uns danach (\u201edenn alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit&#8230;\u201c), doch wir wissen auch, dass permanentes Gl\u00fcck f\u00fcr uns Menschen nirgendwo vorgesehen ist. Vielmehr k\u00f6nnen wir uns gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, wenn wir in unserem Leben wenigstens hie und da Momente des Gl\u00fccks erleben.<\/p>\n<p>Diese Gl\u00fccks-Momente nun, auch da sind sich die Gelehrten einig, entziehen sich unserer aktiven Gestaltung. Wenn wir nach ihnen haschen, entfernen sie sich von uns, und wenn wir sie erleben, handelt es sich dabei meistens um ein unverhofftes Geschenk des Kosmos oder von wem auch immer. Nat\u00fcrlich kann und soll man niemanden daran hindern, trotzdem nach Gl\u00fcck zu streben, was die amerikanische Verfassung ja bekr\u00e4ftigt. Doch als attraktiver neuer Leit-Wert eignet sich ein Wert, dessen dauerhafte Realisierung eine Illusion bleiben muss, und bei dessen teilweiser Realisierung eigene Aktivit\u00e4ten geradezu kontraproduktiv wirken, kaum.<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/ss-logo-net.jpg\" alt=\"ss-logo-net\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p><em>Welche Vorstellungen habe ich von Gl\u00fcck?<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em>Jage ich eigentlich dem Gl\u00fcck nach?<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em>Erhoffe ich mir Gl\u00fcck von Gl\u00fccks-Ratgebern?<\/em><\/p>\n<p> <em>  <\/p>\n<hr \/>\n<p> <\/em> <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Nun tritt die kleine Schwester des Gl\u00fccks als Kandidatin auf, die <em>Zufriedenheit<\/em>. Sie nicht besonders sexy zu nennen, w\u00e4re noch h\u00f6flich, sie wirkt tats\u00e4chlich wie das klassische langweilige und unattraktive Mauerbl\u00fcmchen. Dabei hat sie im Vergleich zu ihrer Schwester unbestreitbare Vorz\u00fcge: Ein Zustand dauerhafter Zufriedenheit ist sehr wohl denkbar. Und unsere Zufriedenheit h\u00e4ngt stark von uns selbst ab. Da Zufriedenheit im Wesentlichen der Abstand zwischen unseren Erwartungen und deren Erf\u00fcllung ist, k\u00f6nnen wir unsere Zufriedenheit beeinflussen, indem wir unsere Erwartungen auf ein sinnvolles Ma\u00df einstellen \u2013 nicht zu hoch, weil unrealistische Erwartungen unweigerlich Unzufriedenheit produzieren, und nicht zu tief, weil uns das in den Sumpf vorzeitiger Selbstzufriedenheit absacken l\u00e4sst. So gesehen k\u00f6nnte sich Zufriedenheit durchaus zum Leit-Wert eignen. Doch die Betrachtungsweise von Zufriedenheit als Abstand zwischen Erwartung und Erf\u00fcllung verweist darauf, dass es sich bei Zufriedenheit nicht eigentlich um einen Wert handelt, sondern um ein Ma\u00df daf\u00fcr, wie stark bestimmte Werte realisiert sind. Und weil dabei unklar bleiben muss, um welche Werte es sich handelt (siehe oben), f\u00e4llt auch die Zufriedenheit aus dem Rennen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/ss-logo-net.jpg\" alt=\"ss-logo-net\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p><em>Wie sexy ist das Ziel Zufriedenheit in meiner Lebensgestaltung?<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em>Gebe ich mich mit Zufriedenheit statt Gl\u00fcck zufrieden?<\/em><\/p>\n<p> <em>  <\/p>\n<hr \/>\n<p> <\/em> <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Kandidatin stellt sich vor als <em>Reife<\/em> oder <em>Reifung<\/em>. Sie argumentiert f\u00fcr sich damit, dass sie Orientierung, Identit\u00e4t und Sinn verspricht, wie sich das f\u00fcr einen ordentlichen potenziellen Leit-Wert geb\u00fchrt: Ich entwickle mich in eine bestimmte Richtung, hin zum Idealwert Reife. Ich reife, also bin ich. Der Sinn des Lebens besteht in Reifung.<\/p>\n<p>All das klingt attraktiv \u2013 nur leider nicht f\u00fcr alle. F\u00fcr Menschen in der zweiten Lebensh\u00e4lfte (wann immer die auch beginnt&#8230;) kann Reife tats\u00e4chlich zum Leit-Wert werden. Doch in j\u00fcngeren Jahren ist es \u2013 zu Recht \u2013 wenig attraktiv, sich mit Fragen rund um die eigene Reifung zu besch\u00e4ftigen, weshalb sich in diesen Jahrg\u00e4ngen nur wenige finden werden, die Reife zu ihrem Leit-Wert erheben. Wegen mangelnder Universalit\u00e4t muss also auch \u00fcber dieser Kandidatin der Daumen gesenkt werden.<\/p>\n<p>Das Casting ist noch nicht zu Ende. Es treten noch weitere Kandidatinnen und Kandidaten auf, zum Beispiel Selbstverwirklichung, Sinn, Nachhaltigkeit, Respekt. Doch sie alle haben offensichtliche M\u00e4ngel und erf\u00fcllen das Anforderungsprofil an den neuen Leit-Wert nur unvollkommen, wenngleich jede und jeder von ihnen unbestreitbare Vorz\u00fcge aufweist.<\/p>\n<p>Langsam wird es klar: Die ideale Kandidatin f\u00fcr die Rolle des neuen Leit-Werts, der an die Stelle von Lebensstandard treten soll, m\u00fcsste m\u00f6glichst viele Vorz\u00fcge des bisher aufgetreten Kandidatenfelds in sich vereinigen. Ja, am besten w\u00e4re es wohl, gleich das Team als Ganzes zum neuen Leit-Wert zu k\u00fcren. Da das nicht geht, m\u00fcsste der neue Leit-Wert m\u00f6glichst viel von den \u00fcbrigen Kandidatinnen in sich aufnehmen und integrieren. Womit sich jetzt alle Hoffnungen auf die zuletzt auftretende Kandidatin richten. Wird sie die ersehnte Wunderstute sein? Gleich werden wir es sehen&#8230;<\/p>\n<p> <!--nextpage--> <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/denkbar7-net.jpg\" alt=\"denkbar7-net\" width=\"364\" height=\"273\" \/><\/p>\n<p><strong>Gew\u00e4hlt ist: Lebensqualit\u00e4t!<\/strong><\/p>\n<p>Am Schluss des Kandidatinnenfeldes f\u00fcr die Rolle des neuen Leit-Werts tritt die Favoritin auf: <em>Lebensqualit\u00e4t. <\/em>Und sie verweist gleich auf einen entscheidenden Vorteil: Sie sei tats\u00e4chlich in der Lage, alle sonst noch konkurrierenden Werte zu integrieren. Denn, so argumentiert sie, Lebensqualit\u00e4t sei als Gesamtwert die Summe ganz unterschiedlicher Lebensqualit\u00e4ten, und Lebensqualit\u00e4t best\u00fcnde aus verschiedenen Lebensqualit\u00e4ts-Sph\u00e4ren. Zu denen eben auch die bereits aufgetretenen Kandidaten geh\u00f6rten.<\/p>\n<p>Damit entspr\u00e4che sie voll und ganz der Anforderung, als Leit-Wert universal zu sein. Des Lebens ganze vieldimensionale F\u00fclle einzuschlie\u00dfen. Und zwar in dem Sinne, dass sie f\u00fcr alle Menschen relevante Fragen stelle, nicht dass sie allgemein verbindliche Antworten gebe.<\/p>\n<p>Gleichzeitig sei sie einfach, als Begriff und Idee von jedermann und jederfrau sofort zu verstehen. Einfach im Sinne der Komplexit\u00e4tsreduktion durch Bildung einer neuen Ordnung auf h\u00f6herer Ebene. Dabei das ganze komplexe Gewusel der einzelnen Werte unter ihr \u00fcberdachend, vereinigend und integrierend wie der Pilzhut. Sie, die Lebensqualit\u00e4t, entspr\u00e4che also ganz der Anforderung, als Leit-Wert vieldimensionale Einfachheit zu\u00a0 verk\u00f6rpern.<\/p>\n<p>Die zentrale Schw\u00e4che des bisherigen Leit-Werts Lebensstandard, n\u00e4mlich ma\u00dflose Anspr\u00fcche zu produzieren, fehle ihr ganz, denn Qualit\u00e4t h\u00e4tte, anders als Quantit\u00e4t, kein nach oben offenes Ende, vielmehr kenne Qualit\u00e4t sehr wohl den geforderten Punkt des Ankommens. Bei der Jagd nach immer mehr Geld sei ewiges Unbefriedigtsein unausweichlich, wohingegen das Streben nach besserer Lebensqualit\u00e4t sich sehr wohl mit einem hohen Grad an Zufriedenheit vereinen lasse.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich sei sie optimal in der Lage, wie gefordert den bisherigen Gegner Lebensstandard nicht auszuschlie\u00dfen, sondern ebenfalls zu integrieren. Schlie\u00dflich geh\u00f6re ein gewisser Lebensstandard durchaus zur Lebensqualit\u00e4t, und es g\u00e4lte \u201enur\u201c, die Balance zwischen dieser Lebensqualit\u00e4ts-Sph\u00e4re und den \u00fcbrigen zu finden.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich, so f\u00fcgte sie noch an, kl\u00e4ngen Formeln wie \u201eVon Geld zu Geist\u201c oder \u201eVom Geld zum Gl\u00fcck\u201c als Beschreibung des anstehenden Werte-Wandels besonders h\u00fcbsch und knackig. Aber \u201eVom Lebensstandard zur Lebensqualit\u00e4t\u201c sei doch auch nicht schlecht, und beschriebe vor allem programmatisch klar, wohin die Reise gehen sollte. Eben von \u00e4u\u00dferen zu inneren Werten. Von Quantit\u00e4t zu Qualit\u00e4t. Von mehr zu besser.<\/p>\n<p>Die Beratungen der Jury waren ebenso kurz wie die Selbstpr\u00e4sentation der Kandidatin. Dann stand die Entscheidung fest. Gew\u00e4hlt f\u00fcr die Rolle des neuen Leit-Werts ist \u2013 dreimal d\u00fcrfen Sie raten&#8230;<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/ss-logo-net.jpg\" alt=\"ss-logo-net\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p><em>Wie plausibel empfinde ich pers\u00f6nlich die Wahl von Lebensqualit\u00e4t zum neuen Leit-Wert?<\/em><\/p>\n<p> <em>  <\/p>\n<hr \/>\n<p> <\/em> <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p> <!--nextpage--> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/denkbar8-net.jpg\" alt=\"denkbar8-net\" width=\"364\" height=\"273\" \/> <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Laudatio auf den Leit-Wert Lebensqualit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Nach der K\u00fcr von Lebensqualit\u00e4t zur neuen \u201eMiss Werte\u201c erklingt folgende Laudatio auf die Siegerin:<\/p>\n<p>\u00bbGerade die aktuelle Finanzkrise macht deutlich, dass es drau\u00dfen im Lande viele Menschen gibt, die l\u00e4ngst entdeckt haben, dass es im Leben nicht um Lebensstandard geht, sondern um <em>Lebensqualit\u00e4t<\/em>. Um eine individuell definierte Lebensqualit\u00e4t, wohlverstanden, doch gibt es viele Facetten von Lebensqualit\u00e4t, die universal sind. Gerade der Facettenreichtum und die Vielschichtigkeit von Lebensqualit\u00e4t, gepaart mit der von allen sofort und leicht zu begreifenden Einfachheit der Idee, machen Lebensqualit\u00e4t zur idealen Siegerin bei der Wahl eines neuen Leit-Werts, der zur attraktiven und \u00fcberzeugenden Alternative zum eindimensionalen Streben nach Lebensstandard werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Wie so oft liegt ein wesentlicher Teil des Erfolgsgeheimnisses eines Begriffs wie Lebensqualit\u00e4t in der Bedeutung des Worts selbst. Zun\u00e4chst geht es n\u00e4mlich um unser Leben in seiner ganzen bunten Vielfalt und F\u00fclle. Also um Arbeit und Freizeit. Um Selbstverwirklichung und menschliche Beziehungen. Um Gesundheit und Zufriedenheit. Um Reifung und Sinn. Um Lebens-Orte und Lebens-Rhythmen. Um Respekt und Nachhaltigkeit. Das ist das pure Gegenteil einer eindimensionalen materialistischen Ausrichtung\u00a0<\/p>\n<p>Zum zweiten geht es bei Lebensqualit\u00e4t, wie der Name deutlich sagt, um Qualit\u00e4t, nicht um Quantit\u00e4t. Also um besser statt mehr. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Die quantitative Messgr\u00f6\u00dfe Geld ist nach oben offen. Es gibt keinen Endpunkt, es ist immer noch mehr Geld vorstellbar, als wir gerade haben. Das f\u00fchrt zur Ma\u00dflosigkeit, zum Suchtcharakter einer einseitig materialistischen Orientierung \u2013 die Dosis muss st\u00e4ndig gesteigert werden. Was unweigerlich zur Krise f\u00fchrt, finanziell, \u00f6kologisch, psychologisch.<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu kennt Qualit\u00e4t sehr wohl einen S\u00e4ttigungspunkt, einen Punkt des Ankommens. Je n\u00e4her wir diesem Punkt von perfekter Qualit\u00e4t kommen, desto geringer werden die Fortschritte, und ganz ankommen werden wir dort nie, doch je n\u00e4her wir ihm kommen, desto schw\u00e4cher wird der Drang nach immer mehr. Was eine sehr zukunfts-taugliche Perspektive bildet.<\/p>\n<p>Ganz dem un\u00fcbersehbaren Trend zur individuellen Lebensgestaltung entspricht die Abkehr von der Idee des Lebens-<em>Standards<\/em>, die ja die Vorstellung beinhaltet, es gebe einen allgemein g\u00fcltigen Ma\u00dfstab f\u00fcr ein gegl\u00fccktes Leben, n\u00e4mlich die H\u00f6he des Bankkontos. F\u00fcr Lebensqualit\u00e4t gibt es keinen solchen Standard, was Lebensqualit\u00e4t ist, kann jede und jeder nur f\u00fcr sich selbst bestimmen. Und folglich kann man Lebensqualit\u00e4t auch nicht messen, jedenfalls nicht mit einem allgemein g\u00fcltigen Ma\u00dfstab wie beim Lebensstandard.<\/p>\n<p>Diese Individualit\u00e4t in der Definition von Lebensqualit\u00e4t ist eine der entscheidenden St\u00e4rken dieser Idee. Jeder Mensch kann sich so n\u00e4mlich fragen, wie es denn mit seiner Lebensqualit\u00e4t bestellt sei, gemessen an den eigenen pers\u00f6nlichen Idealvorstellungen davon. \u201eGemessen\u201c wird so keine absolute H\u00f6he von Lebensqualit\u00e4t, vielmehr der Grad an Zufriedenheit mit der eigenen Lebensqualit\u00e4t. Das kann, nur nebenbei vermerkt, durchaus in Form einer Zahl erfolgen. Und erm\u00f6glicht damit die attraktive M\u00f6glichkeit, Vergleiche zwischen unterschiedlichen Zufriedenheiten mit der eigenen Lebensqualit\u00e4t anzustellen.<\/p>\n<p>Vergleiche zum Beispiel zwischen fr\u00fcher und heute: Wenn die Zufriedenheit mit meiner Lebensqualit\u00e4t heute h\u00f6her liegt als fr\u00fcher, habe ich bei meiner Lebensgestaltung ganz offensichtlich etwas richtig gemacht. Das ist keine Utopie. Es gibt ernsthafte Indizien daf\u00fcr, dass sich die Lebensqualit\u00e4t buchst\u00e4blich bis ins hohe Alter verbessern l\u00e4sst. Lebensqualit\u00e4t ist nicht maximierbar, aber optimierbar, und das ist doch ein h\u00fcbscher Ansporn daf\u00fcr, in unseren F\u00e4higkeiten zu Lebensgestaltung und Lebenskunst immer noch besser zu werden&#8230;<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/ss-logo-net.jpg\" alt=\"ss-logo-net\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p><em>Wie hat sich meine eigene Lebensqualit\u00e4t in den letzten Jahren und Jahrzehnten entwickelt?<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em>Welche Hoffnungen und Bef\u00fcrchtungen hege ich zu meiner zuk\u00fcnftigen Lebensqualit\u00e4t?<\/em><\/p>\n<p> <em>  <\/p>\n<hr \/>\n<p> <\/em> <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Wenn wir schon bei Lebenskunst sind: Die sollten wir nicht als Ausdruck von hohem Ausnahmetalent betrachten, sondern vielmehr als Kunsthandwerk, f\u00fcr das es nur ein bisschen Talent, aber viel \u00dcbung\u00a0 braucht. Die tr\u00f6stliche Schlussfolgerung daraus: Lebensqualit\u00e4t ist auch lernbar.<\/p>\n<p>Dabei kann es sich nicht um einen starren Lehrplan mit Anspruch auf ewige G\u00fcltigkeit handeln. Denn unsere Vorstellungen davon, was unsere Lebensqualit\u00e4t ausmacht, wandeln sich im Laufe unseres Lebens. Und das ist gut so: Der Leit-Wert Lebensqualit\u00e4t ist flexibel.<\/p>\n<p>Und noch etwas, was gut zum allgemeinen Trend einer Lebensgestaltung in individueller Freiheit und Eigenverantwortung passt: Wir sind unserer eigenen Lebensqualit\u00e4t Schmied. Wenigstens mehrheitlich. Die H\u00f6he unseres Lebensqualit\u00e4ts-Kontos h\u00e4ngt nicht nur, aber doch zu wesentlichen Teilen von unserer eigenen Lebensgestaltung ab. Wir haben es also selbst in der Hand, wie weit der Leit-Wert Lebensqualit\u00e4t in unserem Leben realisiert wird. Und auch das ist eine gute Nachricht.<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/ss-logo-net.jpg\" alt=\"ss-logo-net\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p><em>Welchen Anteil an der Verantwortung f\u00fcr meine Lebensqualit\u00e4t trage ich selbst?<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em>Wo sto\u00dfe ich dabei an meine Grenzen? <\/em><\/p>\n<p> <em>  <\/p>\n<hr \/>\n<p> <\/em> <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Bei all diesen guten Eigenschaften unseres neuen Leit-Werts erstaunt es nicht, dass dieser tats\u00e4chlich sehr attraktiv wirkt. Jedenfalls bei jener \u201eBewusstseins-Elite\u201c, die sich bewusst mit ihren Werten auseinandersetzt. Einer f\u00fcr diese Bewusstseins-Elite repr\u00e4sentativen Stichprobe wurden vor einiger Zeit vier Szenarios dazu vorgelegt, verbunden mit der Bitte, sie auf einer Skala von 1 (\u201ew\u00e4re voll daneben\u201c) bis 10 (w\u00e4re paradiesisch\u201c) einzustufen. Diese Szenarios lauteten wie folgt (in Klammern durchschnittliche Einstufung auf der W\u00fcnschbarkeits-Skala):<\/p>\n<p>\u00d8\u00a0\u00a0\u00a0 Lebensqualit\u00e4t wird immer mehr zum Leit-Wert meiner eigenen Lebensgestaltung (8.1)<\/p>\n<p>\u00d8\u00a0\u00a0\u00a0 Lebensqualit\u00e4t wird f\u00fcr immer mehr Menschen zum obersten Leit-Wert (7.5)<\/p>\n<p>\u00d8\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eM\u00f6glichst hohe Lebensqualit\u00e4t f\u00fcr m\u00f6glichst viele\u201c wird zur allgemein akzeptierten Richtschnur f\u00fcr gesellschaftspolitisches Handeln (7.5)<\/p>\n<p>\u00d8\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eWie f\u00f6rdere ich die Lebensqualit\u00e4t meiner Kunden?\u201c wird zur Leitfrage aller Anbieter von Produkten und Dienstleistungen (7.4)<\/p>\n<p>In diesen Zahlen steckt ein weiterer Vorteil von Lebensqualit\u00e4t: Sie eignet sich nicht nur als Leit-Wert auf der pers\u00f6nlichen Ebene, sondern taugt ebenso als Leit-Wert f\u00fcr Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Lebensqualit\u00e4t ist somit kein egozentrischer Leit-Wert, vielmehr ist offenbar die eigene Lebensqualit\u00e4t nicht denkbar ohne jene der anderen. Was den Leit-Wert Lebensqualit\u00e4t im h\u00f6chsten Grade gesellschaftstauglich macht.<\/p>\n<p>So weit eine erste W\u00fcrdigung aus ganzheitlicher Sicht. Sie werden unseren neuen Leit-Wert Lebensqualit\u00e4t in n\u00e4chster Zeit n\u00e4her kennen lernen und dabei ihren Facettenreichtum entdecken. Freuen Sie sich also auf die folgende Entdeckungsreise ins Reich der Lebensqualit\u00e4ts-Sph\u00e4ren&#8230;\u00a0<\/p>\n<p>A<span class=\"klein\">us: Andreas Giger: Moses 2.0. Wie wir gemeinsam den Wandel vom Lebensstandard zur Lebensqualit\u00e4t schaffen. 2009<\/span><\/p>\n<table style=\"background-color: #ffffcc;\" border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span class=\"wichtig\">Sie k\u00f6nnen diesen ganzen Text auch als\u00a0<\/span><a class=\"wichtig\" title=\"PDF-Datei\" href=\"Downloads\/LQ-generell-Teil1.pdf\">PDF-Datei<\/a><span class=\"wichtig\"> herunter laden und ausdrucken (ca. 30 Seiten).<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>\u00a0<\/p>\n<table style=\"background-color: #ffffcc;\" border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"wichtig\"><strong>Hier geht es zu\u00a0<\/strong><a href=\"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=224\"><strong>Teil 2<\/strong><\/a><strong>!<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/demo\/generell-titel-net-kl.jpg\" alt=\"generell-titel-net-kl\" width=\"175\" height=\"132\" \/><\/p>\n<p>LQ generell: &#8222;W\u00f6rtlich&#8220; und &#8222;Denk-Bar&#8220;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-223","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/223","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=223"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/223\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":661,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/223\/revisions\/661"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=223"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=223"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=223"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}