{"id":154,"date":"2010-02-14T18:01:32","date_gmt":"2010-02-14T18:01:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=154"},"modified":"2020-12-17T14:04:54","modified_gmt":"2020-12-17T14:04:54","slug":"definition-begriff-qnachhaltigkeitq","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/?p=154","title":{"rendered":"Definition Begriff &#8222;Nachhaltigkeit&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"Titel3rot\">Verwendete Definition des Begriffes &#8222;Nachhaltigkeit&#8220;<\/p>\n<p class=\"normal\"><em>Die Begriffe werden  erl\u00e4utert, um den LeserInnen das  Verst\u00e4ndnis der\u00a0in dieser Arbeit  verwendeten Begriffe n\u00e4her zu bringen.<\/em><\/p>\n<p class=\"Stil34\">Der Begriff &#8222;Nachhaltigkeit&#8220;, wurde <a href=\"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=153\">in dieser Untersuchung<\/a> wie folgt definiert:<\/p>\n<p class=\"Stil33\"><strong><em>Definition<\/em><\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil10\">Eine der oft  verwendeten \u00a0klassischen Definitionen von  Nachhaltigkeit entstammt dem Brundtland-Bericht <a id=\"_ftnref1\" name=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\"><tt>1<\/tt><\/a>. Dabei sei nachhaltige Entwicklung eine \u201e&#8230;Entwicklung, die die Bed\u00fcrfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass k\u00fcnftige Generationen ihre eigenen Bed\u00fcrfnisse nicht befriedigen k\u00f6nnen\u201d (Hauff 1987, 46).<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Dabei beschreibt Nachhaltigkeit ein Ziel, einen zu erreichenden Zustand, der durch den Prozess der nachhaltigen Entwicklung angestrebt wird. Abgesehen von dieser einheitlich verwendeten Definition gibt es unz\u00e4hlige weitere Definitionen, so dass Otwin Renn konstatiert: \u201eJenseits sehr allgemein gehaltener Formulierungen wie der des Brundtland Reports besteht keine Einigkeit dar\u00fcber, was unter Nachhaltigkeit zu verstehen ist.\u201c (vgl. Renn 2007, 27). Trotzdem werden hier noch weitere Definitionen betrachtet, um einen anschlussf\u00e4higen Begriff f\u00fcr die Arbeit zu gewinnen.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Stefan Schaltegger et al. definieren Nachhaltigkeit als Zustand \u201e&#8230;der menschlichen Wohlfahrt, in dem keine Ausbeutung stattfindet und die Natur dauerhaft genutzt und nicht irreversibel gesch\u00e4digt wird. Den kommenden Generationen soll demnach ein intaktes \u00f6kologisches, soziales und \u00f6konomisches Gef\u00fcge hinterlassen werden, in dem die Bewahrung der nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen, die gesellschaftliche Solidarit\u00e4t und die wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit gleichberechtigt Ber\u00fccksichtigung finden.\u201c (BMU\/BDI 2002, V).<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Bundeskanzlerin Angela Merkel beschreibt das Leitprinzip der Nachhaltigkeit im Fortschrittsbericht 2008 zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie wie folgt: \u201eDer Gedanke der Nachhaltigkeit verbindet wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit mit \u00f6kologischer Verantwortung und sozialer Gerechtigkeit. Diese drei Ziele bedingen einander. Denn auf Dauer ist kein Wirtschaftswachstum vorstellbar, das auf Raubbau an der Natur oder auf sozialen Ungerechtigkeiten beruht. Diese Erkenntnis ist Ausdruck unserer Verantwortung nicht nur f\u00fcr jetzige, sondern auch f\u00fcr k\u00fcnftige Generationen.&#8220; (vgl. Bundesregierung 2008, 11).<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Dennis Meadows, der Anfang der 70er Jahre beim Bericht \u201eDie Grenzen des Wachstums\u201c des Club of Rome mitgewirkt hat, sieht den Begriff \u201enachhaltige Entwicklung\u201c 30 Jahre sp\u00e4ter dramatischer: \u201eEs ist zu sp\u00e4t f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung. Nun m\u00fcssen wir f\u00fcr eine das \u00dcberleben sichernde Entwicklung k\u00e4mpfen\u201c (Meadows 2000, 125).<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Siegmar Otto (2008, 49) weist \u00fcberrascht darauf hin, dass bei den meisten Diskursbeitr\u00e4gen, die sich mit der Bedeutung und Interpretation nachhaltiger Entwicklung befassen, der Bedeutungsbegriff, der den Arbeiten zugrunde liegt, nicht vertieft gekl\u00e4rt oder explizit dargelegt werde, was speziell im Bereich der Nachhaltigkeitskommunikation problematisch und kritisch sei. In diesem interdisziplin\u00e4ren Feld gebe es viele Akteure, die sich nur mit Teilaspekten besch\u00e4ftigen und daher den Begriff gar nicht erst genauer definieren, sondern sich nur allgemein auf die Brundtland-Definition berufen.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Erstaunlicherweise gelangt er aber 11 Seiten sp\u00e4ter zum Schluss, dass es aus systemtheoretischer Sichtweise wenig Sinn mache, einer Definition hinterher zu jagen oder sich auf einen Bedeutungsinhalt fest zu legen, da je offener die Kommunikation dar\u00fcber gef\u00fchrt werde, \u00a0\u201e&#8230; desto besser kann das Konzept nachhaltige Entwicklung von verschiedenen Systemen aufgenommen werden.\u201c (Otto 2008, 60).<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Er gibt noch einen Hinweis auf einen wesentlichen Vorteil: Das Besondere am Konzept der nachhaltigen Entwicklung liege darin, dass es versuche, m\u00f6glichst alle funktionalen Systeme der Gesellschaft einzubeziehen und damit Reaktanzen einzelner Gesellschaftsbereiche (wie beispielweise bei der Umweltbewegung) vermeide (vgl. Otto 2008, 91).<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Im Duden wird der  Begriff Nachhaltigkeit \u00fcbrigens wie folgt definiert: \u201esich f\u00fcr l\u00e4nger stark  auswirkend; <em>\u00d6kologie <\/em>nur in dem  Masse, wie es die Natur vertr\u00e4gt; <em> Jargon <\/em>nur so gro\u00df, viel, dass zuk\u00fcnftige  Entwicklungen nicht gef\u00e4hrdet sind\u201c (vgl. Duden 2006, 714).<\/p>\n<p class=\"Stil10\"><em><strong>Kurzer \u00dcberblick \u00fcber die Geschichte<\/strong><\/em><\/p>\n<p class=\"Stil10\">Um die Bedeutung des Begriffs zu verstehen ist auch ein kurzer Blick auf die Geschichte sinnvoll. Im Allgemeinen wird auf die erstmalige Verwendung des Begriffs in der Forstwirtschaft im 18. Jahrhundert hingewiesen. Seine Bedeutung war, dass nur soviel Holz geerntet werden darf, wie in dem jeweiligen Anbaugebiet nachw\u00e4chst (Peters 1984. 261).<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Eine wichtige Publikation, die die Dringlichkeit einer nachhaltigen Entwicklung aufzeigte, war der Bericht \u201eDie Grenzen des Wachstums\u201c, der im Auftrag des Club of Rome erstellt wurde und vor allem auf die Endlichkeit der nat\u00fcrlichen Ressourcen hinwies (vgl. Meadows et al 1972).<\/p>\n<p class=\"Stil10\">N\u00e4chster wichtiger Meilenstein war 1986 die Ver\u00f6ffentlichung des Abschlussberichtes \u201eOur Common Future\u201c der oben erw\u00e4hnten Brundtland-Kommission, durch den der Begriff \u201eSustainable Development\u201c einen wesentlich h\u00f6heren Bekanntheitsgrad erfuhr.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Als einer der wichtigsten Katalysatoren von Nachhaltigkeit kann die Agenda 21 betrachtet werden, die als Kerndokument der UN Konferenz zu Umwelt und Entwicklung von 1992 in Rio eine radikale Ver\u00e4nderung fordert: \u201eAngesichts der Notwendigkeit, auf eine effizientere und ausgewogenere Weltwirtschaft hinzuwirken, und unter Ber\u00fccksichtigung der Tatsache, dass die gegenseitige Abh\u00e4ngigkeit der Mitglieder der internationalen Staatengemeinschaft immer weiter zunimmt und dass einer nachhaltigen Entwicklung auf der politischen Agenda der Staatengemeinschaft Vorrang einzur\u00e4umen ist, verpflichtet diese Partnerschaft alle Staaten zur Teilnahme an einem kontinuierlichen und konstruktiven Dialog.\u201c (Agenda 21, Kapitel 2.1).<\/p>\n<p class=\"Stil10\">2001 wurde durch die deutsche Bundesregierung der Rat f\u00fcr nachhaltige Entwicklung ins Leben gerufen. Aber erst im Jahr 2002, \u201e&#8230;10 Jahre nach der \u00dcbernahme einer entsprechenden Verpflichtung in Rio de Janeiro, hat die Bundesregierung eine eigene nationale Nachhaltigkeitsstrategie verabschiedet.\u201c (Lange 2008, 16).<\/p>\n<p class=\"Stil10\"><strong><em>Dimensionen und Strategien<\/em><\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil10\">In der Folge werden hier nun noch einige weitere zentrale Aspekte des Begriffs Nachhaltigkeit dargestellt. Meist wird Nachhaltigkeit mit den 3 Dimensionen Soziales, \u00d6kologie und \u00d6konomie beschrieben. Die unten stehende Abbildung 1 zeigt, was diese drei Dimensionen beinhalten. Zus\u00e4tzlich zu diesen werden in einigen Definitionen die kulturelle sowie die institutionelle Dimension erw\u00e4hnt (vgl. Renn 2007, 27).<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Bei der Definition wird oft auch von \u201estarker\u201c und \u201eschwacher\u201c Nachhaltigkeit gesprochen. Schwache Nachhaltigkeit geht dabei von einer Substituierbarkeit der verschiedenen Kapitalien aus. Das bedeutet, dass beispielweise eine nat\u00fcrliche Landschaft \u00fcberbaut werden darf, wenn an anderer Stelle eine Ersatzfl\u00e4che, wie z.B. eine Parkanlage gleicher Gr\u00f6\u00dfe bereit gestellt wird (vgl. Ott &#038; D\u00f6ring 2004, 97ff). Dies w\u00e4re f\u00fcr Verfechter der starken Nachhaltigkeit undenkbar, menschlich produziertes Kapital und nat\u00fcrliches Kapital sind f\u00fcr sie nur sehr begrenzt austauschbar.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Felder\/lq_und_konsum\/nachhaltigkeit.jpg\" alt=\"nachhaltigkeit\" width=\"600\" height=\"503\" \/> <br \/><span class=\"klein\"><br \/>Abbildung 1 : Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit  (Quelle: Mann 2009, 111)<\/span><\/p>\n<p class=\"Stil10\">Bei den Strategien zur Realisierung von Nachhaltigkeit werden drei Typen unterschieden. Die Effizienz-Strategie soll durch das Erreichen des gleichen Nutzens bei geringerem Energie- und Materialverbrauch Ressourcen einsparen und dient als Treiber technologischer Innovationen. Die Konsistenzstrategie, auch Kreislaufwirtschaft genannt, hat zum Ziel, dass alle Abfallstoffe wieder als Grundlage neuer Produkte dienen und so ein m\u00f6glichst verlustarmer Stoffwechselkreislauf erm\u00f6glicht wird. Die Suffizienzstrategie setzt daf\u00fcr beim Konsum an und m\u00f6chte bewirken, dass die Gesellschaft insgesamt weniger konsumiert und die umwelt- und ressourcenbelastenden Handlungen beschr\u00e4nkt (vgl. Belz &#038; Billharz 2007, 33ff).<\/p>\n<p class=\"Stil34\">Der Begriff \u201eNachhaltigkeit\u201c wird in dieser Arbeit kurz zusammengefasst verwendet als ein Konzept, das in den Dimensionen \u00f6kologisch, sozial und \u00f6konomisch eine inter- und intragenerationelle Gerechtigkeit anstrebt.<\/p>\n<div>\n<div id=\"ftn1\" class=\"Stil10\"><em><span class=\"klein\"><br \/><a id=\"_ftn1\" name=\"_ftn1\" href=\"wissen\/konsum\/nachhaltigkeit.html#_ftnref1\"> <\/a> 1 Der  Brundtland-Bericht wurde von der 1983 eingesetzten Brundtland-Kommission (UN  World Commission           on Environment and Development) ausgearbeitet<\/span><\/em><\/div>\n<\/p><\/div>\n<p class=\"Stil10\">.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verwendete Definition des Begriffes &#8222;Nachhaltigkeit&#8220; Die Begriffe werden erl\u00e4utert, um den LeserInnen das Verst\u00e4ndnis der\u00a0in dieser Arbeit verwendeten Begriffe n\u00e4her<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-154","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/154","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=154"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/154\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":629,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/154\/revisions\/629"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=154"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=154"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=154"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}