{"id":126,"date":"2008-01-22T12:44:28","date_gmt":"2008-01-22T12:44:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=126"},"modified":"2008-01-22T12:44:28","modified_gmt":"2008-01-22T12:44:28","slug":"lq-auf-dem-biancograt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/?p=126","title":{"rendered":"LQ auf dem Biancograt"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Allgemein\/bianco1.jpg\" alt=\"bianco1\" width=\"365\" height=\"406\" \/><\/p>\n<p> <span class=\"Titel3rot\">Auch auf schmalem Grat l\u00e4sst sich Lebensqualit\u00e4t finden&#8230;<\/span> <\/p>\n<p class=\"Stil28\"><em>Ein uralter Text (erschienen im SPHINX-Magazin, August 1986)&nbsp;zeigt, dass Lebensqualit\u00e4t manchmal an den unm\u00f6glichsten Orten zum Thema wird. <\/em><\/p>\n<p class=\"klein\">Von Andreas Giger<\/p>\n<p class=\"Stil10\"><em>Eine Grat-Wanderung ist sprichw\u00f6rtlich der Weg des Kriegers, die beschwerlich-gef\u00e4hrliche Reise auf einem Weg, der keinen Fehltritt erlaubt. Sie ist konzentriertestes sich Beschr\u00e4nken auf einen schmalen Pfad zwischen unergr\u00fcndlicher Weite des Himmels und abgrundtiefen Schluchten. Im Innern bewegen sich Schamanen auf diesem Pfad, im \u00c4ussern der Bergsteiger, doch wie wir wissen, reflektiert das \u00c4ussere das Innere und umgekehrt &#8230;<\/em><\/p>\n<p class=\"Stil10\">Nat\u00fcrlich bin ich nur einmal auf dem Bianco-Grat unterwegs gewesen, vor langer, langer Zeit. Seitdem haben sich die Erinnerungen daran mit Assoziati nen, Bildern, Empfindungen und Gedanken zu einem neuen Geflecht von Wirklichkeit verwoben, das mit Worten in eine feste Form fliesst, die es nie hatte und nie haben wird. So bin ich nicht auf den Bianco-Grat gestiegen, und so werde ich nie auf den Bianco-Grat steigen, und trotzdem war ich da.<\/p>\n<p class=\"Stil10\"><strong>Anziehung<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil10\">\u00abMeine Traumtour w\u00e4re nat\u00fcrlich der Bianco-Grat\u00bb, h\u00f6re ich mich zu meiner eigenen \u00dcberraschung sagen, als ich mit dem Bergf\u00fchrerb\u00fcro in Pontresina tel foniere. Und schon ist ein F\u00fchrer f\u00fcr die Traumtour gebucht.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Ein kollektiver Traum ist der Bianco -Grat in Bergsteigerkreisen schon lange, und er hatte seine Wirkung auf mich nicht verfehlt. Zum ganz pers\u00f6nlichen Traum aber wurde er drei Jahre zuvor, als ich fr\u00fch am Morgen auf dem Gipfel des Nachbarberges stand und auf den Grat hin\u00fcberschaute. Eine scharf gezogene Linie trennte die im hellen Sonnenlicht liegende Wand von der nachtschwarzen anderen, und diese Linie selbst war perfekt geschwungen, liess etwas durchschimmern von der \u00fcberirdischen Sch\u00f6nheit anderer Welten.<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage1 Stil39\">Der Bianco-Grat wurde f\u00fcr mich zum Grat schlechthin. Und Grate sind es, die mir in den Bergen neue Dimensionen vermitteln. W\u00e4nde sind einfach aufgestellte Ebenen &#8211; ein Grat aber ist ein schmaler Pfad mitten im Himmel, ein Platz zum Gehen, zum Leben, mitten in einer&nbsp;Region des immer pr\u00e4senten Todes. Links und rechts lockt und droht die Schwerkraft, findet ihren Wiederhall in einem Schwindel in mir, der mehr verk\u00f6rpert als die Angst vor dem freien Fall, doch vor mir liegt der einzig m\u00f6gliche Platz, nur Zentimeter breit, f\u00fcr meinen n\u00e4chsten Schritt, und dieser Platz ruft mich, bis ich vorw\u00e4rts gehe, Schritt f\u00fcr Schritt.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Ich hatte diese Anziehung immer in mir gesp\u00fcrt, mal schw\u00e4cher, mal st\u00e4rker. Und jetzt sollte sich diese Beziehung erf\u00fcllen.<\/p>\n<p class=\"Stil10\"><strong>Kopf-Hindernisse<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil10\">Da habe ich mich also f\u00fcr die Bianco- Tour entschieden, immerhin eine anspruchsvolle, schwierige Bergtour &#8211; obwohl ich vor zwei Jahren das letzte Mal Steigeisen an den F\u00fcssen hatte, obwohl ich mit einer Tour in diesem Schwierigkeitsgrad keine Erfahrungen habe und mit einer etwas leichteren auch nur wenig, obwohl ich kein Konditionstraining gemacht habe. Ich finde mich irgendwie tollk\u00fchn, habe Bedenken, ob ich es schaffe, auch Angst vor dem Unbekannten.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Vorstellungen, Erwartungen \u00fcber die Tour, \u00fcber mich und meine M\u00f6glichkeiten schieben sich wie ein trennender Vor hang zwischen mich und den Bianco -Grat, stimmen mich unruhig und \u00e4ngstlich. Die Kontrolle der Ausr\u00fcstung hilft auch nicht viel. Sie ist notwendig, aber ich weiss, dass der Schl\u00fcssel nicht auf dieser Ebene liegt.<\/p>\n<p class=\"Stil10\"><strong>On the road<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil10\">Der dichte Nebel aus Bildern, Vorstel lungen, \u00c4ngsten und Erwartungen schwindet im Moment, in dem ich mich in&#8217;s Auto setze und losfahre, \u00fcber den Pass in&#8217;s Engadin. Mit dem Wagen zu einer Einheit verbunden, brause ich durch T\u00e4ler und \u00fcber Berge, ohne Gedanken an das, was war, und ohne Ge danken an das, was kommt &#8211; einfach mittendrin fliessend im Strom des G schehens.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">In Pontresina parke ich meinen treuen Wagen, steige in die Bergstiefel, stapfe in Turnhosen und T-Shirt los. Den Gedanken an die Pferdekutsche f\u00fcr das erste St\u00fcck verwerfe ich wieder, will lieber sehen, wie ich mich beim Gehen f\u00fchle. Ich kenne die Strecke, habe Vergleichs massst\u00e4be. Und nat\u00fcrlich auch keine, denn jetzt ist jetzt, auch wenn Schatten der Erinnerung auftauchen an das letzte Mal, wo alles ganz anders war. Die Schatten sind leicht, sie kommen und entschwinden wie die Spazierg\u00e4nger, die zu dieser sp\u00e4ten Nachmittagsstunde alle in der Gegenrichtung heimw\u00e4rts unterwegs sind und mich manchmal erstaunt angucken.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Dann bin ich allein unterwegs, nur der Sturm heult. Keine Bange mehr, ich geh\u00f6re in diese grandiose Landschaft, bin Teil von ihr, unterwegs in ihren R\u00e4umen, gekommen als ein Fremder und doch gleich heimisch. Meine Schritte, mein Atem, die kurze Rast &#8211; alles fliesst organisch, und auch das Keuchen und die M\u00fche auf den letzten Metern zur H\u00fctte sind weniger gross als auch schon, geh\u00f6ren einfach dazu.<\/p>\n<p class=\"Stil10\"><strong>Atem-Sch\u00f6pfen<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil10\">Der H\u00fctten-Anstieg hat mein Vertrauen in mich gefestigt. Ich treffe den Bergf\u00fchrer, auch da ist ein guter Kontakt da, auch da entsteht Vertrauen. Das H\u00fctten -Biotop ist mir so fremd und bizarr wie immer. Der Nachbar im Matratzen -Lager schnarcht f\u00fcrchterlich, ist auch durch heftige P\u00fcffe nicht davon abzubringen. Und doch habe ich keine Panik, dass ich zu wenig Schlaf bekommen k\u00f6nnte &#8211; ich schlafe, was ich brauche.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Sogar das Aufstehen morgens um drei ist weniger m\u00fchsam als sonst. Anziehen, Fr\u00fchst\u00fccken, Packen &#8211; tr\u00e4ges Fliessen ohne starre Hindernisse. Eine halbe Stunde nach dem Wecken verschluckt die Dunkelheit unsere ersten Schritte, b leuchtet der d\u00fcnne Strahl der Taschenlampe jeweils gerade den n\u00e4chsten Schritt.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Die elende Einsamkeit vor dem Auf bruch, die Zweifel an meiner Leistung f\u00e4higkeit, die Unbequemlichkeiten der H\u00fctte &#8211; und nie wie sonst die bohrende Frage nach dem Sinn, kein Gedanke an Umkehr. Ich bin auf einem Weg, der mich gew\u00e4hlt hat. Es geht los.<\/p>\n<p class=\"Stil10\"><strong>Ein-Gang<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil10\">Die ersten Schritte bei einer solchen Tour sind normalerweise ein Horror -Trip: Einem z\u00e4hfl\u00fcssigen Gehirn wollen kalte Muskeln nicht richtig gehorchen, die Sicht ist tr\u00fcgerisch, der Gleichgewichtssinn schl\u00e4ft noch, und so entsteht ein schleppender, stolpernder Gang.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Diesmal nichts von alledem. Die F\u00fcsse finden ihren Weg alleine, der K\u00f6rper ist von Anfang an angenehm warm, der Rhythmus fliessend. Aufw\u00e4rts im Dunkeln, durch Ger\u00f6ll, \u00fcber B\u00e4che, Schne felder, h\u00f6her, ruhig fliessende Energie.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Ein klarer Tag graut und findet uns auf dem Gletscher beim Anseilen. Beste Verh\u00e4ltnisse &#8211; wenn nur dieser kalte, starke Sturm nicht w\u00e4re. Meine Gedanken sind oben auf dem schmalen, dem Sturm voll ausgesetzten Grat. Trotzdem, wir gehen weiter, \u00abmal sehen, wie es da oben ist\u00bb.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Ein steiles, hartes Eisfeld. Der ungewohnte Gang auf den vorderen Zacken der Steigeisen macht \u00e4ngstlich, die Schwerkraft dringt voll ins Bewusstsein. Die Eisschraube von Forti, meinem Bergf\u00fchrer, hat eine ungeheuer beruhigende Wirkung &#8230; Ich gehe aufw\u00e4rts, gewinne Vertrauen. Es gibt keinen anderen Ort und keine andere Zeit als diesen Steilhang aus Eis, in dem ich h\u00e4nge, bis es Zeit ist f\u00fcr die Rast an einem ruhigen, sicheren Ort in einem hellen, st\u00fcrmischen Morgen.<\/p>\n<p class=\"Stil10\"><strong>Krabbel-Fliege<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil10\">Seit vier Jahren habe ich praktisch keine Kletter-\u00dcbung, und schon gar nicht mit Steigeisen an den Schuhen. Ein Wunder ist es also nicht, wenn ich wie eine Krabbel-Fliege hochkomme, nicht so fliessend und elegant, wie ich mir meine Bewegung selber w\u00fcnschen w\u00fcrde. Aber es geht von Fels zu Fels, immer dem Seil vor mir nach, manchmal sch\u00f6n ordentlich gesichert, manchmal sind wir beide gleichzeitig in Bewegung. Der Fels ist saukalt, l\u00e4sst die Finger klamm werden. Der n\u00e4chste Schritt, der n\u00e4chste Griff erfordern totale Pr\u00e4senz &#8211; f\u00fcr Schwindel angesichts der Abgr\u00fcnde ringsum bleibt kein Raum.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Nach diesen Kletterfelsen nochmals eine Rast, vor dem Sturm durch den Fels gesch\u00fctzt. Draussen auf dem beginnenden Grat wird es keine sch\u00fctzenden Felsen mehr geben.<\/p>\n<p class=\"Stil10\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Allgemein\/bianco2.jpg\" alt=\"bianco2\" width=\"365\" height=\"514\" \/><\/p>\n<p class=\"Stil10\"><strong>Leerer Raum<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil10\">Wir sind die einzige Seilschaft auf dem Grat heute, und werden es auch bleiben. Andere hatten es vorgezogen, bei diesem Sturm umzukehren&#8230;<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Es war ein einsamer Platz zum Rasten. Doch jetzt treten wir mitten hinein in den leeren Raum.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Es ist ohnehin wenig Platz. Gerade hier am Anfang des Grates, nicht viel mehr als zwei Fuss breit. Doch jetzt will uns etwas auch noch diesen schmalen, einzigen Ort im leeren Raum streitig machen. W\u00fctend f\u00e4llt ein b\u00f6iger, unber chenbarer Sturm mit unheimlicher St\u00e4rke von der Seite her den tastenden K\u00f6r per an, zwingt ihn zu einem Schritt nach links, um das Gleichgewicht zu halten&nbsp; doch da ist nichts, nur leerer Raum. Tief geb\u00fcckt, fast auf allen Vieren, k\u00e4mpfe ich mich vorw\u00e4rts, aufw\u00e4rts.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Bald kann ich etwas aufrechter gehen. Stufe um Stufe geht es aufw\u00e4rts, manchmal ist es wieder unheimlich steil, dann wieder sanfter ansteigend. Der Grat wird jetzt auch manchmal breiter. Der Sturm ist geblieben, aber er wird mehr und mehr zum einfach anwesenden Inhalt dieses leeren Raums wie der Schnee, der Fels, die Berge ringsum, der blaue Himmel und die Sonne &#8211; wie wir, unser Seil und unsere Bewegungen. Immer wieder rammen wir den Pickel in den Schnee, um ein bisschen Halt zu finden, viele, viele Schritte lang. Mitten drin, in einem Steilaufschwung, gibt es nichts anderes, doch jedes mal folgt auch ein Moment der Ruhe, der Entspannung.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Als es endlich nicht mehr weiter aufw\u00e4rts geht, weiss ich, dass das nicht das Ende meines Wegs ist. Ich werde weiter steigen, immer weiter auf dieser Schneebr\u00fccke aus gleissendem Licht, mitten hinein in die unendliche Bl\u00e4ue dieses leeren Himmels.<\/p>\n<p class=\"Stil10\"><strong>Gipfel ist nur ein Wort<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil10\">Das Ende des Grats ist noch nicht der Gipfel. Es sind nur wenige Meter Luftlinie hin\u00fcber zum eigentlichen Gipfel des Piz Bernina, doch die Querung erfolgt in der Vertikalen, erst hinab zu einer Scharte, dann wieder hinauf, alles durch eine Mondlandschaft aus Felstr\u00fcmmern. Doch es wird kein elegantes Mondh\u00fcpfen. Meine Glieder und vor allem meine Finger sind klamm vor K\u00e4lte, kaum in der Lage, einen Sicherungsknoten im Seil zu l\u00f6sen. So steigt ein steif gefrorener Zom bie langsam und steif hinauf zum Gipfel. Droben bei der Rast kein Stolz, es geschafft zu haben, auf dem h\u00f6chsten Berg in der ganzen Gegend zu sitzen, auf \u00fcber viertausend Meter H\u00f6he. Nicht ich habe es geschafft, es ging und stieg und kletterte durch mich hindurch. Unbekannte Energiestr\u00f6me, sonst schlummernd, haben mich hoch getragen. Ich bin m\u00fcde, aber nicht ersch\u00f6pft, nur erleichtert, dass es nicht weiter hinauf geht.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Und der Gipfel ist nicht der Endpunkt, nur der Scheitelpunkt einer Welle, die weiter wogt und weiter.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Der Abstieg geht nochmals \u00fcber einen schmalen Grat, \u00fcber den es noch immer in starken Sch\u00fcben weht. Ich bin um jeden Meter froh, den es abw\u00e4rts geht, froh weiter unten um die Seile von italienischen Alpini, die hier oben Landesver teidigung proben. Endlich kommt ein steiles Schneefeld, vertrautes Gel\u00e4nde, in dem die Schritte zu Spr\u00fcngen einer Seele werden, die sich verloren und wieder gefunden hat.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Die H\u00fctte hier oben in dieser gottverlassenen Ein\u00f6de wird zur Zivilisation schlechthin. Und die Gesetze des Geldes reichen bis hier oben, wo die B\u00fcchse Cola zehn Franken kostet. &#8211; Pause, Entspannung, &#8211; ein Ruhepunkt auf einem unendlich langen Weg.<\/p>\n<p class=\"Stil10\"><strong>Der Weg geht weiter<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil10\">Noch hat die Welt uns nicht wieder. Ein langer Weg liegt noch vor uns. Durch Eisw\u00fcsten, unter riesigen T\u00fcrmen aus Eis vorbei, welche nicht sehr stabil wirken. Lange geht es nochmals aufw\u00e4rts. Von hinten kommt jetzt der eisige Wind, der uns Schneek\u00f6rner wie Schrotgeschosse in den Nacken schiesst. Schleppend gehe ich jetzt, auch wenn keine Angst da ist, es nicht zu schaffen. Schnelle Gehphasen, fr\u00fcher oft so wichtig, als Beweis daf\u00fcr, dass ich meinen K\u00f6rper, der mich im Stich gelassen hatte, wieder \u00abbeherrsche\u00bb, l\u00f6sen sich als blosse Gedanken konstruktionen auf, in dieser W\u00fcste hoch \u00fcber der Welt.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Das Gef\u00fchl, endlich abw\u00e4rts gehen zu k\u00f6nnen, ist auf \u00fcberw\u00e4ltigende Weise erleichternd. Auch das letzte Abklettern \u00fcber die Felsen des Abstiegsgrates wird zur reinen Erholung. Nur ein gr\u00e4ssliches Bild eines abgest\u00fcrzten Bergsteigers, genau auf diesem Grat, l\u00e4sst sich nicht ganz beiseite schieben. Als auch dieser letzte gef\u00e4hrliche Ort passiert ist, werden meine Spr\u00fcnge die Schneehalden hinab zu den Freudenspr\u00fcngen eines eben Geborenen. Der Gletscher, den wir noch queren m\u00fcssen, quirlt und gluckst und wallt an diesem heissen Sommernach mittag im selben Rhythmus wie die Energiestr\u00f6me in mir.<\/p>\n<p class=\"Stil10\"><strong>Die Welt tanzt<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil10\">H\u00fcttenrast. Geplauder mit einem Bergf\u00fchrer, den ich mal im Wallis getroffen hatte (die bei den einzigen gr\u00f6sseren Touren in zwei Jahren &#8211; und beide male Denselben getroffen!), dann folgt die letzte Stunde Abstieg zum Tal.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Die Alpenrosen bl\u00fchen, die Luft ist wattig-warm, die B\u00e4che rauschen, das Holz riecht sonnenwarm, nichts ist anders als sonst, doch alles wirkt viel tiefer. Ich gehe in einer vertrauten neuen Welt, weil ich die alte f\u00fcr ein paar Stunden verlassen habe. Der Weg dort weit oben im eisigen, leeren Raum kommt mir jetzt unwirklich vor, und doch ist er der unabdingbare Hintergrund f\u00fcr diese intensive, dichte, tanzende Welt um mich herum.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Die Heimfahrt wird nochmals zum Trip. Ich pfeife und singe, die Muskeln wohlig entspannt nach langer, harter Arbeit, der Geist frischer als zuvor.<\/p>\n<p class=\"Stil10\">Meine Seele tanzt mit der Welt.<\/p>\n<p class=\"klein\">(Fotos ausnahmsweise nicht vom Autor, sie stammen von einem bekannten Bergphotographen aus Pontersina, bereits aus den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts!)<\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/LQ-Allgemein\/biancograt.jpg\" alt=\"biancograt\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p>Auch auf schmalem Grat l\u00e4sst sich Lebensqualit\u00e4t finden&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-126","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/126","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=126"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/126\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=126"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=126"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=126"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}