{"id":119,"date":"2010-01-22T10:22:54","date_gmt":"2010-01-22T10:22:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spirit.ch\/wordpress\/?p=119"},"modified":"2010-01-22T10:22:54","modified_gmt":"2010-01-22T10:22:54","slug":"jenseits-der-blendeffekte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/?p=119","title":{"rendered":"Jenseits der Blendeffekte"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/diverse\/alpha110709.jpg\" alt=\"alpha110709\" width=\"254\" height=\"175\" \/><\/p>\n<p> <span class=\"Titel3rot\">Vom Tanz um das goldene Kalb &#8211; und von Alternativen&#8230;<\/span> <\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Am 11. Juli 2009 erschien in <a href=\"http:\/\/www.alpha.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ALPHA &#8211; Der Kadermarkt der Schweiz<\/a> (Beilage von Tages-Anzeiger und Sonntags-Zeitung) dieser Artikel von Andreas Giger:<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\"><strong>Der Tanz um das goldene Kalb<\/strong><\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\"><strong>Jenseits der Blendeffekte<\/strong><\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\"><em>Blind tanzten sie um die geschmiedete Gottheit. Ohne Orientierung oder Sinn hielten sie den vermeintlichen Schl\u00fcssel zur Gl\u00fcckseeligkeit empor. Das Kalb hat ausgedient; die Chance f\u00fcr neue Leitwerte ist da.<\/em><\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">von Dr. Andreas Giger\u00a0(*)<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Der Tanz um das goldene Kalb ist eine Kalberei.\u00a0Das fand vor Tausenden von Jahren schon Moses, der grosse Prophet, der sein Volk Israel aus dem \u00e4gyptischen Exil durch die W\u00fcste zur\u00fcck ins gelobte Land f\u00fchren wollte. Dabei gab es Probleme, und so zog Moses auf den Berg Sinai, um dort Zwiesprache mit seinem g\u00f6ttlichen Boss zu halten. Das zog sich hin, das Volk begann zu murren und verlangte nach einer wirksameren Gottheit. Moses zweiter Mann liess daraufhin ales Geschmeide einziehen und daraus ein goldenes Kalb giessen, um das herum das Volk alsbald gl\u00fcckselig tanzte.\u00a0Was wiederum Moses gar nicht passte, als er endlich doch vom Berg herunter kam. Ein goldenes Kalb sei eine denkbar ungeeignete Gottheit, z\u00fcrnte er, schon aus rein praktischen Gr\u00fcnden, denn sein Transport auf unsicherer Reise durch die W\u00fcste b\u00e4nde unn\u00f6tige Ressourcen und locke zudem unweigerlich r\u00e4uberische\u00a0Kr\u00e4fte an. Mal abgesehen davon, dass das Volk gerade in so unsicheren Zeiten auch geistige Nahrung in Form von Orientierung, Identit\u00e4t und Sinn brauche, und das k\u00f6nne eine rein materielle Gottheit nun mal nicht bieten. Diese Argumentation von Moses wirkte f\u00fcr einen Teil seines Volkes schlagend, den Rest, der sich nicht vom Tanz um das goldene Kalb abbringen lassen wollte, liess er erschlagen. Womit das Thema ein f\u00fcr allemal h\u00e4tte erledigt sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\"><strong>Neue goldene K\u00e4lber<\/strong><\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Es gibt wohl kaum ein sch\u00f6neres Bild f\u00fcr das, was letztlich eben doch als tiefste Ursache hinter der Finanzkrise steckt, als den Tanz um das goldene Kalb. Das ahnt die Volksseele und stellt jetzt jene an den Pranger, die ihm am sichtbarsten gefr\u00f6nt haben, indem sie Geld und dessen ungebremste Vermehrung zum Selbstzweck, ja zum einzigen Zweck des Daseins verg\u00f6ttlichten. Das sind die Schuldigen, ruft die ertappte Volksseele, und einem Teil von ihr w\u00e4re die Sache mit dem Erschlagen ganz recht, w\u00fcrde das doch wirksam vom Blick ins eigene Innere ablenken.<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Denn nat\u00fcrlich haben die angeschuldigten Banker Recht, wenn sie darauf verweisen, zum Spiel mit der Gier geh\u00f6rten immer zwei, und der andere Teil seien die Kunden, also Sie und ich. Und es geh\u00f6rten dazu auch falsche Anreizsysteme,\u00a0Dummerweise h\u00e4tten diese Anreizsysteme, auch Boni genannt, gewirkt, so sehr, dass darob so n\u00fctzliche Elemente unseres Geistes wie Vorsicht oder gesunder Menschenverstand, von Intelligenz ganz zu schweigen, schlicht zum Verstummen gebracht worden seien.\u00a0Was nat\u00fcrlich genau so auch f\u00fcr die Anleger galt.\u00a0Gier killt Verstand. Das sei nun mal so, so sei der Mensch nun mal konstruiert, h\u00f6ren wir schon wieder allenthalben. Und der scheidende Vorsteher des Instituts f\u00fcr Wirtschaftsethik an der Hochschule St. Gallen zieht eine resignierte Bilanz seiner Begegnungen mit Wirtschaftsf\u00fchrern: Die w\u00fcrden sich nicht mehr \u00e4ndern.<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\"><strong>Fragen, die bewegen<\/strong><\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Es gibt zum Gl\u00fcck auch eine Gegenposition. Der wortgewaltige Philosoph Peter Sloterdijk trifft mit seinem Buchtitel \u00abDu musst dein Leben \u00e4ndern\u00bb gegenw\u00e4rtig offensichtlich einen Nerv der Zeit. Zum zweiten Moses wird er deswegen nicht, denn anders als damals verf\u00fcgt heute niemand mehr \u00fcber die von g\u00f6ttlicher Macht unterst\u00fctzte Autorit\u00e4t, die n\u00f6tig w\u00e4re, um dem Volk zu befehlen, vom Tanz um das goldene Kalb abzulassen. Damit bleibt auch dieser ebenso n\u00f6tige wie schwierige fundamentale Wandel unserer Werte an uns einzelnen Individuen h\u00e4ngen. Das ist keine schlechte Nachricht &#8211; im Gegenteil. Eigene Werte zu finden und zu leben, ist besser, als unhinterfragt aufgest\u00fclpten Werten zu folgen. Und die Freiheit der Werte-Wahl ist ungleich bedeutsamer als die Freiheit bei der Wahl zwischen Zahnpasten. Jeder Werte-Wandel beginnt mit pers\u00f6nlicher Bewusstwerdung Einzelner. Das klingt schwieriger als es ist, denn es geht um ganz einfache Fragen: Was ist mir wichtig im Leben? Was ist mir wie viel wert? Was gibt mir Orientierung, Identit\u00e4t und Sinn?<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Einfache Fragen f\u00fchren bekanntlich keineswegs automatisch zu einfachen Antworten, und so k\u00f6nnte uns die Frage nach unseren Werten eine ganze Zeit besch\u00e4ftigen. Der Aufwand lohnt. sich. Zumal ein erster Erkenntnisschritt bald einmal getan sein d\u00fcrfte: Der Tanz um das goldene Kalb ist tats\u00e4chlich eine Kalberei. Die einseitige Orientierung an materiellen Werten f\u00fchrt direkt in die Sucht: Man braucht immer mehr vom selben Stoff und wird dadurch nicht gl\u00fccklicher, sondern versinkt immer tiefer im Beschaffungsstress.<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\"><strong>Die vereinte Kraft &#8211; Moses 2.0<\/strong><\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Ein neuer Leit-Wert muss her. Und der kann f\u00fcr mich und eine wachsende Zahl von Menschen nur Lebensqualit\u00e4t heissen. Die Richtung des kommenden Werte-Wandelsheisst also: Von materiellen zu immateriellen Werten. Von Quantit\u00e4t zu Qualit\u00e4t. Von \u00abmehr\u00bb zu \u00abbesser\u00bb. Vom Lebensstandard zur Lebensqualit\u00e4t. Lebensqualit\u00e4t hat viele Facetten und l\u00e4sst sich nur individuell definieren. Es gibt keine eigene Lebensqualit\u00e4t ohne die Lebensqualit\u00e4t der anderen. Lebensqualit\u00e4t ist nur nachhaltig denkbar. Herauszufinden, was unser pers\u00f6nliches Lebensqualit\u00e4ts-Konto (und das unserer Mitmenschen) belastet, und was es \u00e4ufnet, ist\u00a0ein ebenso sinnvolles wie wirksames Leitsystem f\u00fcr unsere Lebensgestaltung. Pers\u00f6nliche Bewusstwerdung ist nat\u00fcrlich nur der erste Schritt auf dem Weg zu einer Alternative zum Tanz um das goldene Kalb. Vernetzung und Austausch dar\u00fcber, was Lebensqualit\u00e4t\u00a0bedeutet und wie sie gef\u00f6rdert werden kann, bilden die zweite Phase. Werte-Wandel kann nur von unten kommen, getragen von miteinander vielf\u00e4ltig verbundenen individuellen Pers\u00f6nlichkeiten. Der neue Moses kann nur ein Moses 2.0 sein.<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\"><strong>Neue M\u00e4rkte f\u00fcr Lebensqualit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">Diese gemeinschaftliche Wissensbank \u00fcber pers\u00f6nliche und gesellschaftliche Lebensqualit\u00e4t, zu der jede und jeder beitragen und von ihr lernen kann, wird nicht ohne Ausstrahlung\u00a0bleiben. Man stelle sich etwa eine Marktwirtschaft vor, in der mehr und mehr Kunden nicht mehr f\u00fcr Prestige oder andere Illusionen bezahlen wollen, sondern \u00abnur\u00bbnoch f\u00fcr einen echten Beitrag zu ihrer Lebensqualit\u00e4t. Oder man stelle sich Arbeitsm\u00e4rkte vor, in denen gerade die Besten jenes Unternehmen ausw\u00e4hlen, das f\u00fcr den gr\u00f6ssten Zuwachs auf dem Lebensqualit\u00e4ts-Konto sorgt. Lebensqualit\u00e4tsbasierte Anreizsysteme haben Zukunft. Es gibt ein Leben jenseits des goldenen Kalbs. Und es sieht vielversprechend aus.     ..<\/p>\n<p class=\"Formatvorlage\">(*)\u00a0<em>Andreas Giger arbeitet u<\/em><em>. <\/em><em>a<\/em><em>. <\/em><em>als Zukunfts<\/em><em>&#8211;<\/em><em>Philosoph, Werte-Forscher und Autor. Das neuste Buch: \u00abMoses 2.0 <\/em><em> <\/em><em>Wie wir gemeinsam den Wandel vom Lebensstandard zur Le<\/em><em>bensqualit\u00e4t schaffen\u00bb (<\/em><em><a href=\"http:\/\/www.gigerheimat.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www<\/a><\/em><em><a href=\"http:\/\/www.gigerheimat.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">.<\/a><\/em><em><a href=\"http:\/\/www.gigerheimat.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gigerheimat.ch<\/a><\/em><em>).<\/em><\/p>\n<p> <em>  <\/p>\n<hr \/>\n<p> <\/em> <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p class=\"Stil33\">Mail-Reaktionen auf den Beitrag:<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"Stil10\">\u00bbIhr Text hat mich ber\u00fchrt, sehr sch\u00f6n geschrieben, danke!\u00ab<\/p>\n<p class=\"Stil10\">\u00bb&#8230;sehr interessant.\u00ab<\/p>\n<p class=\"Stil10\">\u00bbDieser Beitrag hat mir sehr gut gefallen und ich hoffe auch viele Leute erreicht.\u00ab<\/p>\n<p class=\"Stil10\">\u00bbherzlichen Gl\u00fcckwunsch zu Ihrem gelungenen Artikel im Alpha. Toll!\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n<hr \/>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/diverse\/alpha110709-kl.jpg\" alt=\"alpha110709-kl\" width=\"190\" height=\"131\" \/><\/p>\n<p>Vom Tanz um das goldene Kalb &#8211; und von Alternativen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-119","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/119","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=119"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/119\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=119"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=119"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.spirit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=119"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}