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Von Thailand und anderen Abenteuern

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Vision

 

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Dass es eine Akzentverschiebung von den materiellen zu den immateriellen Werten gab und gibt, zeigten diese Befragungen immer wieder. Gerade die Krise ab 2008 förderte diese Entwicklung noch, gab es doch eine zunehmende Zahl von Menschen, die sich ernsthaft fragten, ob es nicht doch eine Alternative zum Tanz um das goldene Kalb, zur einseitigen Fixierung auf materielle Werte, gäbe. Doch worin bestand diese Alternative? Wie sollte man diesen Schlüsseltrend des Werte-Wandels nennen? „Von Geld zu Geist“ etwa? Klang vielleicht doch etwas zu esoterisch…

Doch was könnten diese alternativen neuen Werte sein? In seiner Verzweiflung verbohrte sich Giger immer tiefer in das Thema, und fragte mal nicht weniger als 175 einzelne Werte ab. Was natürlich eher zur Verwirrung als zur Klärung beitrug. Gab es nicht so etwas wie ein verbindendes Dach über den vielen Einzelwerten, einen die meisten dieser Werte integrierenden Leit-Wert?

Es war 2009, als Giger endlich klar wurde, dass er diesen Leit-Wert nicht mehr suchen musste, weil er ihn längst gefunden hatte: Lebensqualität. Seit Jahren stand dieser Begriff in der in seinen Befragungen ermittelten „Hitparade der heissen Werte“ ganz oben, und schon 2004 hatte er im Zukunftsinstitut von Horx eine Studie über „Lebensqualitäts-Märkte“ publiziert. Doch erst jetzt  fand er die griffige Formel für den Schlüsseltrend des Werte-Wandels: vom Lebensstandard zur Lebensqualität.

Aus dieser Erkenntnis wurde zunächst, wie so oft bei ihm, ein Buch (Moses 2.0 – wie wir gemeinsam den Wandel vom Lebensstandard zur Lebensqualität schaffen), und dann die Internetplattform www.spirit.ch, deren erklärtes Ziel es ist, Lebensqualitäts-Wissen zu schaffen und zu verbreiten.

Wissenslücken

Wenn Lebensqualität für immer mehr Menschen zum Leit-Wert würde, wofür Gigers bisherigen Forschungen eindeutig sprachen, dann müsste auch der Bedarf nach Wissen rund um Lebensqualität steigen, nach Antworten auf Fragen wie: Was bedeutet Lebensqualität? Was gehört dazu, was ist dafür wichtig? Was behindert und was fördert sie? Doch genau solches Wissen gab es kaum. Die geringe Menge an damaligem Wissen über Lebensqualität stand in merkwürdigem Kontrast zur wachsenden Bedeutung des Themas.

Wen aber sollte man um solche Antworten bitten? Andreas Giger sah keinen Grund, von bewährten Pfaden abzukehren: Am besten fragt man die, die sich für das Thema interessieren und willens und fähig sind, an einer Online-Befragung mitzuwirken. Das ergibt zwar keine repräsentativen Ergebnisse im streng klassischen Sinn, doch dafür erhält man qualifizierte Meinungen, die deutlich machen, was in jenem Teil der Gesellschaft abgeht, der die Diskussion um den Werte-Wandel prägt. Oder, um einen weiteren Grundsatz von spirit.ch zu zitieren: Laien-Experten sind die besten.

So können denn alle, die wollen, an den auf spirit.ch angebotenen Online-Befragungen rund um das Thema Lebensqualität teilnehmen. Gleichsam als Einstieg wird die Beteiligung am „Lebensqualitäts-Basis-Fragenspiel“ verlangt. Dieses, eine knapp viertelstündige Befragung, ist seit der Gründung unverändert geblieben. Im Zentrum steht das so genannte Lebensqualitäts-Profil.

Sphären-Musik

Im Gegensatz zum eindimensionalen Wert Geld ist der neue Leit-Wert Lebensqualität bunt und vielschichtig: Lebensqualität hat viele Facetten. Um eine gewisse Ordnung in diese Vielfalt zu bringen, entwickelte Giger auf Grund seiner bisherigen Forschungsresultate und unter Einsatz einer gehörigen Portion der Ressource „gesunder Menschenverstand“ ein Modell mit sechzehn Lebensqualitäts-Sphären. (All diese Sphären lassen sich weiter differenzieren, doch das würde hier zu weit führen…)

Gefragt wird zunächst ganz einfach danach, wie wichtig jede Sphäre für die eigene generelle Lebensqualität sei. Die Antworten lassen sich in einer Netzstruktur als Lebensqualitäts-Profil abbilden. Natürlich habe ich die Fragen auch beantwortet. Das allein hat schon einen bemerkenswerten Zuwachs an Selbsterkenntnis erbracht. Und dann habe ich einem uralten menschlichen Bedürfnis nachgegeben: mich mit dem Rest der Welt zu vergleichen. Was mir zu einer Erkenntnis verholfen hat, die nicht neu ist, aber immer wieder bedenkenswert: Jeder Mensch ist zugleich anders und gleich wie die anderen.

Nur für den Fall, dass Sie das nicht glauben – und nicht etwa, um Ihre Neugier auf mein Lebensqualitäts-Profil zu befriedigen – sehen Sie hier den echten Profilvergleich zwischen meinen Werten und den aktuellen Durchschnittswerten:

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Ich vermute mal, diese Profile seien deswegen zu einem weiteren wirksamen Markenzeichen von spirit.ch geworden, weil sie eine doppelte und sehr zeitgemässe Botschaft enthalten: Lebensqualität ist mehr als ein simples Schlagwort. Und zugleich muss man sich nicht durch Batterien von Philosophie-Lehrbüchern durchackern, um einen Einstieg in die faszinierende vielfältige Welt von Lebensqualität zu finden.

Und natürlich vergleichen sich alle gern mit anderen. Zu Beginn musste man solche Profilvergleiche als Einzelperson übrigens noch von Hand vornehmen, während man sie heute direkt ausdrucken kann, was schon manches Gespräch im kleineren oder grösseren Kreis befruchtet haben soll. Und das alles zum Nulltarif.

Geteiltes Wissen ist doppeltes Wissen

Denn spirit.ch ist zunächst das, was die Eidgenossen einen „service public“ nennen, einen „öffentlichen Dienst“, der folglich der Öffentlichkeit offen steht. Oder jedenfalls jenem Teil davon, der sich dafür interessiert. Je leichter das auf spirit.ch vorhandene Lebensqualitäts-Wissen allen, die es etwas angehen könnte, zugänglich ist, desto stärker verbreitet es sich. Und das ist ganz im Sinne der Erfinder.

Schon das im Namen der Plattform verankerte Motto Für Nachhaltige LebensQualität macht deutlich, dass es den Gründern von spirit.ch um mehr geht als um kühles und unbeteiligtes Beobachten des Werte-Wandels vom Lebensstandard zur Lebensqualität. Sie wollen mit ihrer Plattform diesen Wandel vielmehr aktiv unterstützen, indem sie auf die Werte Nachhaltigkeit und Lebensqualität setzen.

Zur Wortkombination Nachhaltige LebensQualität hatte übrigens eine zeitliche Koinzidenz geführt: Just, als sich Andreas Giger endgültig auf den Leit-Wert Lebensqualität fokussierte, machte sich Christian Engweiler an die Masterarbeit für seinen MBA in Nachhaltigkeits-Management, wofür er strategische Konsumenten befragen wollte. Und bei einer ihrer vielen Diskussionen über Gott und die Welt entdeckten sie dann, dass sich die beiden Stränge sehr gut zusammenfügen lassen. Nicht nur, weil Lebensqualität eigentlich überhaupt nur nachhaltig (im Sinne von langfristiger Orientierung) denkbar ist. Sondern auch, wie eine gemeinsame Vorstudie zu Engweilers Projekt ergab, weil der Einsatz für eine bessere und nachhaltigere Welt für viele Menschen zu einer abgerundeten Vorstellung von Lebensqualität gehört. Womit übrigens auch endgültig widerlegt war, es sei egoistisch, sich um seine eigene Lebensqualität zu kümmern: Es gibt keine eigene Lebensqualität ohne die der anderen.

Am Einsatz für Nachhaltige Lebensqualität hielten die beiden auch fest, nachdem ein erster Test der neuen Wortkombination nicht besonders gut ausgefallen war, sie erhielt nur eine Note knapp über „mittelmässig“. Ob man dieses Beharrungsvermögen als Prinzipientreue oder als Sturheit bezeichnen will, ist Geschmackssache. Tatsache dagegen ist, dass diese Bewertung heute bedeutend besser ausfällt.

Ihren Sinn, so war Engweiler und Giger von Anfang an klar, erfüllt eine Plattform Für Nachhaltige LebensQualität nur, wenn das darauf versammelte Wissen allen, die sich dafür interessieren könnten, zugänglich ist, und zwar, wie dies im Internet nun mal üblich geworden ist, kostenlos. Wobei dieses Wissen ja ohnehin auf den Antworten der Nutzer basiert, die ihre persönliche Sicht mit anderen teilen und dadurch mehr über sich und über die anderen erfahren. Und jede Stimme, die sich an diesem virtuellen Dialog beteiligt, macht das so gewonnene Wissen über den Leit-Wert Lebensqualität wertvoller.

Dabei setzt spirit.ch keineswegs auf Masse. Um einen ersten Eindruck von der Meinungsverteilung zu erhalten, genügen schon fünfzig Befragungsteilnehmer, denn auch viele weitere Antworten verändern diese Grössenordnungen nicht mehr wesentlich – eine Behauptung, die spirit.ch offenbar glaubwürdig belegen kann. Dennoch legte man Wert auf organisches Wachstum der Teilnehmerzahlen, weil grössere Befragtengruppen mehr Differenzierung bei der Analyse der Antworten ermöglichten. Was interessante und wertvolle Perspektiven eröffnete.

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