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Von Thailand und anderen Abenteuern

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Zunehmende Veredelung

Wie die Wissensökonomie dank Verschränkung von Gemeinsinn und Geschäftssinn funktionieren kann, führen zwei Überzeugungstäter aus dem schweizerischen Appenzellerland vor, die Wissen rund um Lebensqualität erzeugen und verbreiten. Und dabei ihre eigene Lebensqualität optimieren.

Text und Bilder: Xenia Futura

So ist mir die Ideallandschaft einer Spielzeugeneisenbahn im Kopf geblieben: Wallende Hügel, abwechselnd vom helleren Wiesengrün und vom dunkleren Waldesgrün gefärbt. Dahinter am Horizont schroff aufragende Bergkämme. Und dazwischen hübsche kleine Dörfer und Einzelgehöfte. Das Bimmeln von Kuhglocken dominiert die Geräuschkulisse. Ansonsten herrscht friedliche Ruhe.

Für ein gestresstes Grossstadtkind wie mich ist diese Umgebung gleichbedeutend mit hoher Lebensqualität – vorübergehend. Auf Dauer wäre mir hier, im kleinen Achthundertseelendorf Wald, auf über tausend Meter Meereshöhe, denn doch zu wenig los. Doch bei meinem Besuch bei den Gründern und Betreibern der Plattform spirit.ch: Für Nachhaltige LebensQualität, Dr. Andreas Giger und Christian Engweiler, kann ich für einen Moment verstehen, warum sich die beiden hier niedergelassen haben.

»Dass der gleiche Lebensort für verschiedene Menschen unterschiedliche Lebensqualität bedeutet, ist ein schönes Beispiel dafür, wie individuell die Vorstellungen von Lebensqualität sein können«, meint Andreas Giger dazu lächelnd. »Stadtmäuse haben nun mal auf dem Land eine tiefe Lebensqualität, und Landmäuse in der Stadt. Zum Glück können wir heute auch unseren Lebensort ganz nach unserem Lebensqualitäts-Gusto wählen.«

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Giger und Engweiler haben diese Wahl bewusst getroffen, nachdem sie verschiedene Lebensorte ausprobiert hatten. Seit Jahren leben sie nun, ob Zufall oder nicht, getrennt nur durch einen zehnminütigen Fussmarsch mitten im Grünen. Und dort arbeiten sie auch. Büros ausserhalb ihre s Lebensbereichs halten sie für überflüssigen Ballast. Und die Beschränkung auf das wirklich Notwendige für eine ökonomische Tugend.

Solche Grundsätze passen in diese raue Landschaft, deren Bewohnern nie mehr Ressourcen zur Verfügung standen als unbedingt nötig. Woraus sich eine über Jahrhunderte erprobte und bewährte Form von nachhaltiger Landwirtschaft entwickelte. Das Motto Für Nachhaltige LebensQualität wirkt deshalb an diesem Ort authentisch und echt. Und ebenso das Prinzip von spirit.ch, mit beschränkten Mittel einen optimalen Ertrag zu produzieren. Nur dass dieser Ertrag hier nicht aus Käse besteht, sondern aus Lebensqualitäts-Wissen.

Schlüsseltrend des Werte-Wandels

Lebensqualität braucht Selbstreflexion. So lautet eine der Kernbotschaften von spirit.ch. Und dafür gibt es, wie Giger, der Spiritus Rector des Projekts, glaubhaft versichert, in diesen Appenzeller Hügeln weitab jeglicher städtischer Reizüberflutung reichlich Gelegenheit. Die er nutzte, um allmählich zu entdecken, was ihn eigentlich antrieb, wenn es offenkundig weder Geld noch Macht noch Erfolg im klassischen Sinne war, was der rote Faden seiner Lebensgestaltung sein könnte, sein eigentlicher Leit-Wert: die Optimierung der eigenen Lebensqualität.

Bei dieser Entdeckung halfen Giger, der nach der Devise lebt »trau keinem Gedanken, den du nicht im Gehen verfasst hast! «, lange schöpferische Spaziergänge in seiner Umgebung, aber auch der wirklich als phantastisch zu bezeichnende Ausblick von seiner Dichter- und Denkerklause. Ein 270-Grad-Panorama verschafft das, was er selbst als bestes Produktionsmittel für Lebensqualitäts-Wissen bezeichnet: Weit- und Überblick.

Die starke lokale Verwurzelung im ländlich-sittlichen Raum, die mir nach meinem Besuch als Markenzeichen glaubwürdiger und authentischer erscheint denn je, hätte allein natürlich nicht ausgereicht, um spirit.ch zu einer starken Marke für Lebensqualitäts-Wissen zu machen, ebenso wenig wie das Ergebnis der Giger’schen Selbstreflexion über seine eigene Lebensqualität. Denn da galt es erst die Frage zu beantworten, ob es überhaupt einen Bedarf nach Lebensqualitäts-Wissen gab.

Da half nun das Vorleben von Andras Giger, der sich als Privatgelehrter (ohne Erbschaft) seit Jahren intensiv mit dem Thema Werte-Wandel befasst hatte. Nicht einfach durch die Zweitverwertung von schon publiziertem Material, sondern durch regelmässige Befragungen einer Gruppe, die er die „Bewusstseins-Elite“ getauft hatte. Angefangen hatten diese Befragungen schon im letzten Jahrhundert, damals noch mit gedruckten und per Post versandten Fragebogen, doch seit Jahren muss Giger für keinen Befragungsschritt mehr sein Büro verlassen, weil dank Breitbandverbindungen, die bis dahin reichen, alles online stattfinden kann. Was seine Lebensqualität ungemein fördere.

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