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Reife Schweiz – Umfrage

5. Politische Stimmungslage der Reifen Generationen

Um herauszufinden, wie die Generationen über fünfzig denken, haben wir einige politische Stimmungsfragen gestellt. Die Detailanalysen haben ergeben, dass sich diese Generationen fast überall weitgehend einig sind, das heisst, es gibt nur schwache Abweichungen zwischen den statistischen und politischen Untergruppen. Dargestellt werden deshalb nur die Gesamtergebnisse. Auf die Ausnahmen wird im Kommentar verwiesen.

5.1. Herausforderungen durch die demographische Entwicklung

Schon in zwanzig Jahren wird es in der Schweiz als Folge der demographischen Entwicklung mehr über 65-jährige Menschen geben als unter 20-jährige. Das wird unser Land vor grosse Herausforderungen stellen. Hier sind einige davon angeführt. Welche davon halten Sie für die wichtigsten? (Mehrfachnennungen möglich)

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Die Generationen über fünfzig sehen als die wichtigsten Herausforderungen des demographischen Wandels die Sicherung der Altersvorsorge und des erhöhten Pflegebedarfs. Doch auch die „weicheren“ Themen Bildung, Generationenaustausch und Sinnstiftung für das Alter werden von beachtlichen Minderheiten zu den grossen Herausforderungen gezählt.

Die letzten drei Themen werden von Frauen deutlich häufiger genannt als von Männern. Und die Anpassung des Bildungssystems an lebenslanges Lernen ist eher eine Angelegenheit des rot-grünen als des bürgerlichen Lagers.

5.2. Bereicherung oder Last? Selbst- und Fremdbild

Ist die Generation der älteren und alten Menschen für die Gesellschaft eine Bereicherung oder eine Last? Wie sehen das die reiferen Generationen selbst? Und wie, glaubt diese Generation, sieht das die Politik? Hierfür wurden zwei Fragen gestellt:

Selbstbild: Man kann die Generation der älteren und alten Menschen als Bereicherung für die Gesellschaft als Ganzes betrachten (z.B. wegen ihres Erfahrungswissens) – oder als Last (z.B. wegen der höheren Krankheitskosten). Wie sehen Sie das? Bitte wählen Sie die am ehesten auf Sie zutreffende Antwort.

Fremdbild: Und was glauben Sie: Wie sieht die Schweizer Politik diese Frage? Welche Position käme wohl heraus, wenn man den Durchschnitt aller Politikerinnen und Politiker ermitteln würde? Bitte wählen Sie die Antwort, die am ehesten Ihrer gefühlsmässigen Schätzung entspricht.

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In ihrem Selbstbild empfindet sich die Generation 50plus zur Hälfte als Bereicherung für die Gesellschaft, zur anderen Hälfte als Mischung aus Bereicherung und Last.

Ganz anders ist die Einschätzung des Fremdbilds der Politik: Hier machen die Antworten Richtung „Last“ mehr als die Hälfte aus. Dass die Politik die älteren und alten Menschen mehrheitlich als Bereicherung empfindet, glaubt nur eine kleine Minderheit der betroffenen Generation.

Selbst- und Fremdbild klaffen also enorm auseinander: Von der Politik erhält 50plus das Signal, eine Last zu sein. Selbst empfindet man sich jedoch als Bereicherung. Hier ist auf Seiten der Politik ein grosser Bewusstseinswandel angesagt…

5.3. Zunehmende Generationen-Konflikte?

Immer wieder geistert in den Medien das Gespenst wachsender Konflikte zwischen den Generationen herum. Wie sehen das die reiferen Menschen selbst? Dazu wurde diese Frage gestellt:

Es gibt ja Stimmen, die in der Politik einen zunehmenden Konflikt zwischen den Generationen vorhersagen. Zu welcher Position in dieser Frage neigen Sie persönlich?

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Nur jede(r) Fünfte teilt die Befürchtung zunehmender Generationen-Konflikte, jede(r) Vierte sieht keine Veränderungen voraus. Genau die Hälfte und damit die grosse Mehrheit erwartet im Gegenteil abnehmende Spannungen zwischen den Generationen und setzt dabei auf die Einsicht und Vernunft aller Altersgruppen.

In Sachen Generationen-Konflikt kommt somit von Seiten der reiferen Generationen eine klare Entwarnung: Ist nicht in Sicht!

 

5.4. Generationenverträglichkeit

Die terzStiftung, eine der beiden Trägerinnen dieser Studie, formuliert das Prinzip der Generationenverträglichkeit so:

»Generationenverträglichkeit bedeutet Solidarität unter den Generationen, gegenseitiges soziales Engagement und vermehrte Eigenverantwortung.«

Wir wollten wissen, ob die Befragungs-Teilnehmenden dieser Beschreibung zustimmen können:

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Die Antwort lautet eindeutig Ja.

5.5. Meinungen zum Rentenalter

Natürlich ist die Frage nach dem „richtigen“ Rentenalter ein Dauerbrenner in den politischen Diskussionen rund um das Alter. Deshalb haben auch wir danach gefragt:

Ein wichtiges politisches Thema ist ja das Rentenalter. Zu welcher der vier folgenden Positionen neigen Sie am ehesten?

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Eine einhellige Meinung zu dieser Frage gibt es auch bei den Generationen 50plus nicht. Immerhin befürwortet die eindeutig grösste Gruppe die Idee des flexiblen Rentenalters.

Die Gruppe derjenigen, welche die Erhöhung des Mindestrentenalters auf 67 für unumgänglich halten, bildet noch eine kleine Minderheit. Überdurchschnittlich viele Anhänger findet diese Meinung bei den Männern und im bürgerlichen Lager.

5.6. Altersdiskriminierung

Braucht es zum Schutz vor Altersdiskriminierung ein eigenes Gesetz? Auch danach haben wir gefragt:

Der Staat darf in der Schweiz schon jetzt niemanden wegen seines Alters benachteiligen. Dieses Diskriminierungsverbot gilt jedoch nicht für den Umgang von Privatpersonen miteinander, also etwa zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Manche fordern jetzt ein Bundesgesetz, das Altersdiskriminierung umfassend verbietet. Was meinen Sie dazu?

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Die Meinungen sind genau geteilt, es besteht also in dieser Frage noch beträchtlicher Diskussionsbedarf.

Wohl wegen ihrer höheren Sensibilität für Diskriminierung sind Frauen hier übrigens anderer Ansicht als Männer: Sie plädieren mit 54% zu 33% für ein eigenes Gesetz (Rest „Sonstige Nennungen“), bei den Männern beträgt das Verhältnis 40% zu 49%.

Auch der politische Standort beeinflusst die Meinungen zur Frage, ob es neues Gesetz brauche:

Ja      Nein

– BDP                              47%    47%
– CVP                              28%    60%
– FDP                              33%    57%
– GP                               47%    29%
– GLP                              47%    36%
– SP                                55%    38%
– SVP                              35%    53%


5.7. Bessere Politik durch Alte?

Was würde sich in der Politik ändern, wenn die Alten die Mehrheit hätten? Diese – zugegebenermassen fiktive – Frage haben wir so formuliert:

Einfach mal angenommen, die älteren Menschen könnten ihre Anliegen, Interessen und Werte dank ihrer Mehrheit tatsächlich durchsetzen: Wie würde sich dadurch die Politik verändern? Würde sie…

Angeführt werden hier nur die eindeutigen Ja-Antworten:

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In dieser ersten Grafik sind die neun meist genannten (von fünfzehn) Punkten aufgeführt: In diesen Punkten würde sich eine „ältere“ Politik nach der Meinung der Generation 50plus deutlich verändern.

Die vielleicht wichtigste Veränderung ergäbe sich durch ein reduziertes Tempo mit weniger Stress, weil die Politik besonnener, gelassener und ruhiger würde. Da all das Attribute des Alters sind, erstaunt diese Einschätzung weniger.

Schon eher erstaunt, dass die befragten älteren Menschen der Ansicht sind, mehr Einfluss der Alten würde bestimmten Werten stärker zum Durchbruch verhelfen: Reifer, menschlicher, nachhaltiger, weitsichtiger und sozialer würde die Politik dadurch werden.

Gleichsam die Quintessenz daraus bildet die Aussage, die Politik würde durch verstärkten Einfluss der Alten sogar weiser werden. Zwar glaubt das nur eine Minderheit, doch eine von beträchtlicher Grösse…

Interessant sind aber auch die Punkte, in denen sich die Politik nicht oder kaum verändern würde:

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Mehr Einfluss der Älteren auf die Politik würde – jedenfalls in der Einschätzung dieser Älteren selbst – entgegen anders lautenden Befürchtungen keineswegs bedeuten, dass diese rückwärtsgewandter, abgeschotteter, innovationsfeindlicher oder egoistischer würde. Die negativen Auswirkungen würden sich in sehr engen Grenzen halten.

Klüger und zukunftstauglicher würde die Politik durch mehr Einfluss der Älteren allerdings auch nicht. Doch immerhin reifer, menschlicher und nachhaltiger. Ganz offenbar vermissen gerade die reiferen Jahrgänge diese Werte in der Politik besonders.

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